Dezember-Sitzung der EZB: Weitere Maßnahmen erwartet

Autor Deka Private Banking
zuletzt aktualisiert am 19. November 2020
Lesezeit 3 Minuten

Fakten

  • Rasant steigende Corona-Neuinfektionen belasten den wirtschaftlichen Ausblick. Alles deutet darauf hin, dass sich bisherige makroökonomische Prognosen für das 4. Quartal 2020 nicht halten lassen.
  • Aufgrund der zu erwartenden Nachfrageausfälle von privater und unternehmerischer Seite gilt die fortgesetzte umfangreiche geldpolitische Unterstützung der EZB als ausgemachte Sache.
  • Auf der EZB-Ratssitzung am 10. Dezember könnten neben der Ausweitung des Anleihekaufprogramms PEPP auch weitere Instrumente in den Blickpunkt rücken, wie längerfristige Refinanzierungsgeschäfte für Kreditinstitute, um günstige Kreditbedingungen für Unternehmen zu unterstützen.

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Auswirkungen

Aktien D
Aktien Euro
Zinsen Europa (K)
Spread Europa (P)
EUR-USD
Zinsen High Yield

Zur Interpretation der Pfeile: "Dieses Kapitalmarktthema hat eine dämpfende bzw. neutrale bzw. stimulierende Auswirkung auf die betreffende Kapitalmarktgröße." Da sich am Markt viele Einflüsse überlagern, kann die tatsächliche Kapitalmarktentwicklung trotz korrekter Prognosen für dieses Thema in eine andere Richtung gehen als von den Pfeilen auf den ersten Blick suggeriert wird.

Kommentar: Die EZB-Maßnahmen stützen die EWU-Wirtschaft und damit die Aktienkurse. Die Maßnahmen wirken insbesondere für die schwächeren EWU-Länder positiv, deshalb dürften bei den Kernländern die Anleihekurse  tendenziell etwas fallen ("Sicherheit wird relativ unattraktiver"), d.h. die Renditen steigen. Dagegen sollten die Spreads der Peripherieländer sich einengen. Die besseren Aussichten für die Stabilität Eurolands sollten den Euro stärken. Schließlich sollten die Kurse von Hochzinsanleihen von den Maßnahmen profitieren und steigen, d.h. die Renditen dürften fallen.

Analyse

Im Kampf gegen die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie steht die Europäische Zentralbank bereit, bestehende Instrumente anzupassen und das ganze Spektrum ihrer geldpolitischen Möglichkeiten auszunutzen.

Die Tatsache, dass die wirtschaftliche Erholung im Nachgang der tiefen, durch die Corona-Pandemie bedingten Rezession derzeit deutlich an Kraft verliert, macht eine weitere Lockerung der Geldpolitik durch die EZB sehr wahrscheinlich. Details hierzu wird die Zentralbank auf ihrer Ratssitzung am 10. Dezember 2020 bekanntgeben. Bereits auf seiner letzten Sitzung Ende Oktober hatte der EZB-Rat das klare Signal gesendet, beim letzten Zusammenkommen im laufenden Jahr neue Maßnahmen gegen die durch die Pandemie ausgelösten wirtschaftlichen Verwerfungen zu beschließen. Dazu gehöre auch, das bisherige Spektrum an geldpolitischen Instrumenten gegebenenfalls neu auf die aktuelle Situation auszurichten. Die Entschlossenheit des EZB-Rats beruht auf der Wahrnehmung, dass die in den letzten Wochen wieder rasant gestiegenen Corona-Neuinfektionen den wirtschaftlichen Ausblick belasten.

Angesichts der zu erwartenden Nachfrageausfälle von Seiten der privaten Haushalte und Unter-nehmen hält EZB-Präsidentin Christine Lagarde eine weitere Unterstützung für notwendig. Insbesondere sei eine zügige Implementierung des EU-Wiederaufbaufonds essenziell. Auf Basis aktualisierter wirtschaftlicher Informationen werde die EZB nicht nur neue makroökonomische Projektionen, sondern eine ganze Reihe ökonomischer Szenarien entwickeln. Diese dienten dazu, verschiedene Vorschläge für die Neujustierung der Geldpolitik miteinander zu vergleichen. Erst im letzten Schritt werde der Zentralbankrat am 10. Dezember das aussichtsreichste Bündel an Maßnahmen auswählen.

Alle Instrumente kommen in Frage

Die DekaBank geht davon aus, dass eine Aufstockung und Verlängerung des Anleihekaufprogramms PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) im Paket enthalten sein wird. Auch wenn der derzeitige Rahmen von 1.350 Mrd. Euro erst zu weniger als der Hälfte ausgeschöpft ist, rechnen die Experten mit einer Erhöhung um mindestens 500 Mrd. Euro. Damit wäre die EZB auch in der Lage, ihre Anleihekäufe mit dem aktuellen Tempo bis in das Jahr 2022 fortzusetzen. Angesichts der sich abzeichnenden Rückschläge für die wirtschaftliche Erholung erscheint dies angemessen.

Christine Lagardes eindringlicher Appell, wirklich alle Instrumente in Erwägung zu ziehen, rückt auch eine erneute Senkung des Einlagensatzes für Kreditinstitute bei der EZB in den Bereich des Möglichen. Zuletzt hatten einige Ratsmitglieder betont, dass die sogenannte ‚Reversal Rate‘ noch nicht erreicht sei, also noch Spielraum für weitere Senkungen bestehe. Allerdings warnt die Bundesbank in ihrem jüngsten Monatsbericht, dass die in den vergangenen Jahren stimulierende Wirkung des negativen Einlagensatzes auf die Kreditvergabe in einem Corona-bedingt schwachen wirtschaftlichen Umfeld nicht fortgeschrieben werden sollte.

Anstelle einer Senkung des Einlagensatzes bieten sich Nachbesserungen bei den sogenannten Langfrist-Tendern TLTRO-III (Targeted Longer-term Refinancing Operations) an. Bei ihnen handelt es sich um gezielte längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte für Banken, um den dauerhaften Zugang zu Krediten von Firmen und Haushalten im Angesicht der gegenwärtigen wirtschaftlichen Verwerfungen und erhöhter Unsicherheit weiterhin zu unterstützen. Insbesondere könnte die EZB den Zeitraum verlängern, in dem Banken mit ausreichender Kreditvergabe einen außerordentlich niedrigen Zins von -1,0 % „zahlen“. Dies hätte ähnliche Wirkungen auf die Kreditzinsen, aber vermutlich weniger schädliche Begleiterscheinungen als eine Senkung des Einlagensatzes.

Einschätzung

Die Sitzung des EZB-Rates am 10. Dezember deutet auf den Beschluss eines umfassenden Maßnahmenpakets hin, in das potenziell alle geldpolitischen Instrumente einbezogen werden könnten. Die Auswahl im Einzelnen hängt von der konkreten Entwicklung bis zur Sitzung ab, insbesondere im Hinblick auf die Corona-Pandemie und die Unterstützung durch die Fiskalpolitik. Mit einer Aufstockung des Wertpapierkaufprogramms PEPP um mindestens 500 Mrd. Euro und einer Verlängerung möglicherweise über das Jahresende 2021 hinaus ist zu rechnen. Daneben erscheinen langfristige Refinanzierungsgeschäfte der Banken (TLTROs) am besten geeignet, um für ein weiterhin günstiges finanzielles Umfeld zu sorgen.

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