Gold auf Rekordkurs

Autor Deka Private Banking
zuletzt aktualisiert am 20. August 2020
Lesezeit 3 Minuten

Fakten

  • Der Goldpreis ist zuletzt über die historische Marke von 2.000 Dollar je Feinunze geklettert, womit sich das Edelmetall seit Jahresanfang um ca. 36 Prozent verteuert hat.
  • Treiber dieser Entwicklung sind vorwiegend die Geldpolitik der Notenbanken, die steigenden Staatsverschuldungen sowie die Wahrnehmung unter Anlegern, dass es sich bei Gold um ein weitgehend krisensicheres Investment handelt.
  • Anleger können über börsengehandelte Indexfonds, Zertifikate, Investmentfonds oder Goldminenaktien am weiteren Anstieg des Goldpreises partizipieren.
  • Durch den bereits starken Anstieg des Goldpreises besteht jedoch die Gefahr eines Rückschlags.

Interessant für Sie, wenn...

  • Sie Ihr Portfolio breit diversifizieren möchten
  • Sie in Edelmetalle / Rohstoffe investieren wollen
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Auswirkungen

Goldpreis
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Aktien OECD

Zur Interpretation der Pfeile: "Dieses Kapitalmarktthema hat eine dämpfende bzw. neutrale bzw. stimulierende Auswirkung auf die betreffende Kapitalmarktgröße." Da sich am Markt viele Einflüsse überlagern, kann die tatsächliche Kapitalmarktentwicklung trotz korrekter Prognosen für dieses Thema in eine andere Richtung gehen als von den Pfeilen auf den ersten Blick suggeriert wird.

Kommentar: In einem Umfeld, in dem der Goldpreis spürbar steigt, gewinnen auch andere "sichere Häfen": US-Staatsanleihen und deutsche Staatsanleihen (d.h. die Renditen sinken) oder Schweizer Franken. Da der Goldpreisanstieg aber auch von der sehr expansiven Geld- und Fiskalpolitik getrieben wird, die auch risikoreiche Anlageklassen wie Aktien stützen, können in einem solchen Umfeld auch Aktien profitieren. Ein Anstieg des Goldpreises geht (aus Gründen der Kaufkraft) oft mit einem schwächeren US-Dollar einher.

Analyse

Was treibt derzeit den Goldpreis?

Als Folge der aktuellen Viruskrise setzen Regierungen und Zentralbanken alles daran, die Finanz- und Wirtschaftssysteme zu stützen. Extrem niedrige Zinsen sind dabei ein wichtiges Instrument. Die Aussichten auf langanhaltend niedrige Zinsen haben schon seit längerem den Goldpreis nach oben getrieben. Mit der Corona-Pandemie, die insbesondere auch in den USA die Wirtschaftsentwicklung lähmt, hat sich diese Entwicklung nochmals verstärkt. Die Erwartungen, dass es noch längere Zeit niedrigere Zinsen geben wird, sind ein guter Nährboden für weiter steigende Goldnotierungen. Allerdings sollten Anleger nach dem jüngsten Höhenflug, der den Goldpreis in der Spitze bereits auf über 2.000 Dollar je Feinunze getrieben hat, kurzfristige Schwankungen einkalkulieren: Viel von der Erwartung langfristig niedriger Zinsen ist schon in den Notierungen enthalten. Dies bedeutet freilich nicht das Ende der glänzenden Zeiten für Gold: negative Realzinsen, beispiellos expansive Geld- und Fiskalpolitik rund um den Globus, Liquiditätsflut und eine stark steigende Staatsverschuldung weltweit lassen Anleger weiterhin reale Werte wie Gold suchen.

Angetrieben wird der Goldpreis darüber hinaus von den Ängsten der Anleger. Neben der Frage, wie es im Zuge der Coronakrise an den Kapitalmärkten weitergeht, sind es auch die weltweit stark steigenden Staatsschulden, die für Unsicherheit sorgen. Viele Anleger befürchten, dass daraus – wie es in der Vergangenheit oft der Fall war – eine Inflationswelle entsteht, die die Geldvermögen entwertet. Bei Gold hofft man, dass es mit Kursgewinnen die Inflationsverluste ausgleicht. Zugleich nährt die steigende Staatsverschuldung die Sorge, dass es zu internationalen Währungsturbulenzen, und in der Europäischen Währungsunion womöglich sogar zu einem Auseinanderbrechen des Euros kommt. Auch für diesen Fall wird Gold vielfach als eine sichere Bank angesehen.

Wie sicher ist Gold wirklich?

Nicht nur in wirtschaftlichen und humanitären Krisen, wie wir sie gerade erleben, gilt Gold im Allgemeinen als eine Vermögensanlage, die externe Schocks in Anlegerportfolios abfedern kann. Aber auch das Thema Inflation spielt eine bedeutende Rolle, wenn Anleger verstärkt zum Gold greifen. In US-Dollar gerechnet hat Gold seit Anfang des 20. Jahrhunderts (also in den vergangenen knapp 120 Jahren) pro Jahr im Durchschnitt knapp vier Prozent an Wert gewonnen. Damit dürfte die Inflation in diesem Zeitraum in etwa ausgeglichen worden sein. Ob man allerdings in den aktuellen Zeiten, in denen es praktisch keine nennenswerten Preissteigerungen gibt und alles für anhaltend niedrige Inflationsraten spricht, überhaupt einen Inflationsschutz braucht, ist diskussionswürdig.

Und auch der allgemeine Krisenschutz von Gold muss hinterfragt werden. Denn nicht in allen Krisen ist der Goldpreis gestiegen, wie zum Beispiel in der Anfangszeit der globalen Finanzkrise im Herbst 2008 oder in der Spätphase der europäischen Staatsschuldenkrise. In diesen Zeiten ist der Goldpreis sogar gesunken.

Dennoch gilt Gold gewissermaßen schon immer als eine weltweite „Ersatzwährung“. Dass das Edelmetall von Notenbanken zur Währungsdiversifikation gehalten wird, schafft bei Anlegern ein Vertrauen, das auch durch die durchaus starken Kursschwankungen keinen Schaden erleidet. In den Köpfen der Menschen steckt der Glaube, dass man in Notzeiten für Gold immer noch alles bekommt, was man braucht, aber für Geld nichts mehr erhält.

Wie hoch sollte der Goldanteil sein?

Grundsätzlich ist es immer ratsam, sein Vermögen zur Risikoreduktion auf viele unterschiedliche Anlageformen breit zu streuen. Das gilt insbesondere, wenn eine der gewählten Anlagen nach dem Kaufzeitpunkt an Wert verliert und diese Verluste für lange Zeit nicht mehr aufholt. Dies kann grundsätzlich von anderen Anlagen ausgeglichen werden. Setzt man nur auf eine einzelne Anlage und diese läuft schlecht, dann sitzt man als Anleger auf den Verlusten.

Da der Goldpreis oft einen anderen Verlauf nimmt als die Kurse von Aktien oder Anleihen, kann die Goldinvestition die Gesamtschwankungen eines Portfolios verringern. Sie ist demnach ein geeignetes Element der Diversifikation. Im derzeitigen Umfeld kann grundsätzlich ein Goldanteil von etwa fünf bis zehn ProzentProzent in Anlegerportfolios sinnvoll sein.

Jetzt noch einsteigen?

Aktuell besteht ein hohes Risiko, dass der Goldpreis vorübergehend wieder fällt. Da das Edelmetall weltweit in US-Dollar gehandelt wird, können auch Wechselkursschwankungen zwischen Euro und US-Dollar die Rendite schmälern oder erhöhen. Wenn der Euro, der zuletzt gegenüber dem US-Dollar deutlich an Wert gewonnen hat, wieder schwächer wird, hilft das dem in Euro rechnenden Goldanleger.

Unkalkulierbar wie Märkte kurzfristig einmal sind, können Preise die fundamental gerechtfertigten Niveaus auch für lange Zeit über- oder unterschreiten. Die Wahrscheinlichkeit ist damit gegeben, dass Gold nach dem Höhenflug eine Abwärtskorrektur bevorsteht. Für die durchaus starken Schwankungen des Goldpreises sorgen auch große Finanzanleger, die ihn über Käufe und Verkäufe in physisch hinterlegten Goldfonds (Gold-ETFs) beeinflussen. Als Anleger sollte man also jederzeit mit Verlusten rechnen, die gegebenenfalls für längere Zeit nicht wieder aufgeholt werden.

Welche Wege gibt es, in Gold zu investieren?

Der direkte Weg führt zum Kauf von Münzen oder Goldbarren, eventuell auch von Goldschmuck. Daneben kann man in börsengehandelte Goldfonds investieren, die das angelegte Geld mit echtem Gold physisch hinterlegen. Auch Gold-Zertifikate sind eine Möglichkeit der Anlage. Schließlich kann man als Anleger auch Goldminen-Aktien kaufen, deren Wertentwicklung allerdings auch von anderen Faktoren als vom Goldpreis abhängt, wie der allgemeinen Börsenentwicklung.

Einschätzung

Vor dem Hintergrund des anhaltenden Niedrigzinsniveaus, der steigenden Staatsverschuldung und der krisenbedingten Verunsicherung an den Finanzmärkten bietet sich Gold als Vermögensbaustein an. Dabei gilt es, langfristig investiert zu sein: Mit einem breit diversifizierten Portfolio, in dem sich der Anteil von Gold zwischen fünf und zehn Prozent bewegen sollte, positionieren sich Anleger nicht nur risikomindernd, sondern erhalten sich gleichzeitig die Chance auf Goldpreissteigerungen.

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