Nachfrage-Einbruch und hohe Lagerbestände belasten Ölpreis

Autor Deka Private Banking
zuletzt aktualisiert am 19. Mai 2020
Lesezeit 3 Minuten

Fakten

  • Die Ölpreise sind weiter auf einem extrem niedrigen Niveau. Zeitweise kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent unter 30 US-Dollar. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte WTI betrug sogar nur knapp 25 US-Dollar.
  • Einer wegen der Corona-Pandemie wegbrechenden Nachfrage steht ein viel zu hohes Angebot gegenüber.
  • Die Bedeutung der sogenannten Break-Even-Produktionspreise wächst. Diese errechnen sich aus den aktuellen Produktionskosten zuzüglich der Kosten für genehmigte weitere Förderprojekte.

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Zur Interpretation der Pfeile: "Dieses Kapitalmarktthema hat eine dämpfende bzw. neutrale bzw. stimulierende Auswirkung auf die betreffende Kapitalmarktgröße." Da sich am Markt viele Einflüsse überlagern, kann die tatsächliche Kapitalmarktentwicklung trotz korrekter Prognosen für dieses Thema in eine andere Richtung gehen als von den Pfeilen auf den ersten Blick suggeriert wird.

Kommentar: Am globalen Ölmarkt seht einer wegen der Corona-Pandemie wegbrechenden Nachfrage ein viel zu hohes Angebot gegenüber. Denn die beschlossenen Fördermengenkürzungen von OPEC+ reichen nicht aus, um den Nachfrageausfall aufzufangen. Der niedrigere Ölpreis kommt Rohölkonsumenten wie Deutschland ceteris paribus konjunkturell zu Gute kommt. Stark verschuldete US-Fracking-Unternehmen leiden unter den niedrigen Ölpreisen, deren Ausfallrisiken steigen. Andere Marktsegmente werden hiervon wenig betroffen.

Analyse

Auch Kürzung der Ölfördermenge reicht für eine deutliche Preiserholung nicht aus
Die Folgen der Corona-Krise machen sich am Rohölmarkt immer drastischer bemerkbar - vor allem beim US-Rohöl. Der Preis für einen Kontrakt, der eine physische Öllieferung im Mai vorsah, notierte im April erstmals seit Aufnahme des Future-Handels im Jahr 1983 im negativen Bereich. Mittlerweile haben sich die Preise zwar wieder erholt, von einem Preis je Fass bei über 70 US-Dollar, wie es Anfang des Jahres noch der Fall war, ist der Rohstoff aber weit entfernt. Derzeit haben sich die Ölpreise zumindest auf einem niedrigen Niveau stabilisiert.

Die grundlegende Lage am Erdölmarkt ist gekennzeichnet durch ein viel zu hohes Angebot bei stark fallender Nachfrage. Die Corona-Pandemie sorgt für einen globalen Konjunktureinbruch, was eine rückläufige Öl-, Benzin- und Dieselnachfrage zur Folge hat.

Im April hatten sich die OPEC-Länder mit Russland zusammen nach einem monatelangen Preiskampf doch noch auf eine Ölfördermengenkürzung um knapp 10 Mio. Barrels pro Tag geeinigt. Allerdings dürfte die weltweite Nachfrage kurzfristig um fast das Dreifache eingebrochen sein und voraussichtlich im gesamten Jahr 2020 das erste Mal seit 2009 wieder sinken.

Selbst in Kombination mit dem einsetzenden Rückgang der US-Ölförderung – dem sogenannten Fracking – dürfte dies allenfalls ausreichen, um den Preisverfall zu stoppen, aber nicht, um das Überangebot an Rohöl kurzfristig abzubauen. Die aktuell enorm hohen Lagerbestände werden bis in das Jahr 2021 hinein Ölpreisanstiege auf Vorkrisenniveaus verhindern.

In solch einem Umfeld bestimmen sogenannte Break-Even-Produktionspreise maßgeblich das Ölpreisniveau. Diese errechnen sich aus den aktuellen Produktionskosten zuzüglich der Kosten für genehmigte weitere Förderprojekte. Die Break-Even-Preise bewegen sich wohl zwischen 15 US-Dollar (Naher Osten) und mehr als 40 US-Dollar (Ölsande und Fracking).

Problematisch ist allerdings, dass die meisten Ölförderländer deutlich höhere Ölpreise brauchen, um ihre Staatshaushalte ausgeglichen zu halten. So benötigt Russland etwa 50 US-Dollar, Ecuador und die afrikanischen Förderstaaten sogar über 100 US-Dollar.

Einschätzung

Nach heutigem Stand dürfte der Ölpreis in den nächsten Wochen und Monaten keine großen Sprünge nach oben machen. Das Erholungspotenzial ist als gering anzusehen, und moderate Ölpreisanstiege sind erst in der zweiten Jahreshälfte 2020 zu erwarten. Erst dann dürfte die Ölnachfrage wieder anziehen, übervolle Öllager werden jedoch bis ins Jahr 2021 hinein eine Verteuerung von Öl auf die Niveaus von vor der Corona-Krise verhindern. Immerhin rechnen wir damit, dass sich im späteren Jahresverlauf Angebot und Nachfrage am weltweiten Ölmarkt wieder annähern werden.

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