Wer soll das bezahlen? Sorge um hohe Verschuldung wächst

Autor Deka Private Banking
zuletzt aktualisiert am 29. Juli 2020
Lesezeit 2 Minuten

Fakten

  • Die milliardenschweren Hilfspakete und Stabilisierungsprogramme der Regierungen im Zuge der Corona-Krise lassen die Staatsverschuldung weltweit weiter steigen.
  • Sowohl im Euroraum als auch in den USA dürfte die Staatsschuldenquote in diesem Jahr bei über 100 Prozent in Relation zum nominalen Bruttoinlandsprodukt liegen.
  • Für die Finanzpolitik bedeuten die Corona-bedingten Belastungen eine Einschränkung ihres Bewegungsspielraums in den kommenden Jahren.
  • Um die Schulden zurückzuführen und das Potenzialwachstum der Volkswirtschaften zu erhöhen, sind eine besonnene Haushaltspolitik sowie wachstumsstärkende Reformen wichtige Voraussetzungen.

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Auswirkungen

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Zur Interpretation der Pfeile: "Dieses Kapitalmarktthema hat eine dämpfende bzw. neutrale bzw. stimulierende Auswirkung auf die betreffende Kapitalmarktgröße." Da sich am Markt viele Einflüsse überlagern, kann die tatsächliche Kapitalmarktentwicklung trotz korrekter Prognosen für dieses Thema in eine andere Richtung gehen als von den Pfeilen auf den ersten Blick suggeriert wird.

Kommentar: Wenn Staatsschulden steigen, gehen tendenziell die Renditen nach oben. Die Angst vor steigender Staatsverschuldung treibt die Anleger in Gold. Zudem belastet eine hohe Staatsverschuldung das Wirtschaftswachstum, was sich dämpfend auf den Aktienmarkt auswirkt.

Analyse

Wegen der Corona-Krise schnüren Staaten weltweit gigantische Hilfs- und Konjunkturpakete auf Pump. Allein in Deutschland haben sich Bund und Ländern mit mehr als 300 Milliarden Euro verschuldet, um die Folgen der Corona-Krise abzufedern. Und die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union hatten sich bei ihrem Gipfel im Juni auf ein Corona-Krisenprogramm im Umfang von 750 Milliarden Euro geeinigt.

Das hat Folgen: Als unmittelbare Konsequenz steigt die Verschuldung. Es ist davon auszugehen, dass die Staatsschuldenquote in diesem Jahr sowohl im Euroraum als auch in den USA bei über 100 Prozent in Relation zum nominalen Bruttoinlandsprodukt liegen wird. Wenn im kommenden Jahr die Schuldenquoten wieder leicht sinken, dann nur wegen des Nenners, also einer gestiegenen Wirtschaftsaktivität, nicht wegen Schuldentilgungen.

Beide Effekte – die Zunahme der Nettoneuverschuldung und die jahresdurchschnittliche Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr, gefolgt von einem kräftigen Plus beim Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2021 – führen 2020 zu einem Anstieg der Schuldenquoten in substanzieller Größenordnung, und das in kurzer Zeit. Im Jahr 2022 ist mit einer Schuldenquote im Euroraum von 98 Prozent zu rechnen. Die USA dürfte eine Quote von 136 Prozent ausweisen, Japan von 252 und China von knapp 70 Prozent. Innerhalb der Europäischen Währungsunion geraten vor allem diejenigen Länder unter Druck, deren Schuldenstände und Haushaltsdefizite bereits vor der Corona-Krise hoch waren. Neben Griechenland sind Italien, Portugal und Frankreich am schlimmsten betroffen.

So notwendig die Hilfspakete auch waren bzw. sind: Klar ist, dass die Fiskalpolitik dadurch in den kommenden Jahren anders als noch vor der Corona-Krise gedacht, keine oder nur geringe zusätzlichen Impulse für Konjunktur und Wachstum liefern kann. Vielmehr müssen Notenbanken und Regierungen ihr Pulver zu einem großen Teil zur Stabilisierung des Status quo einsetzen.

Steuererhöhungen statt der immensen Schuldenaufnahme sind keine echte Alternative. Denn sie würden den Zweck der Maßnahmen, nämlich die Stabilisierung der Nachfrage sowie des Zukunftsvertrauens, konterkarieren. Bei Vermögensabgaben würden die gegenläufigen Effekte zwar nicht unmittelbar so heftig ausfallen, wohl aber langfristige Erwartungen verschlechtern.

Was viele in der aktuellen Diskussion übersehen: Es ist ein Irrglaube, dass ein Staat seine Schulden komplett zurückzahlen muss. Denn er ist wie auch ein Unternehmen auf Dauer angelegt. Wie bei einem Betrieb kann es auch beim Staat sinnvoll sein, mit „Fremdkapital“ zu arbeiten: Ein Teil seiner ökonomischen Aktivität, etwa die Bereitstellung von Infrastruktur- oder Bildungsleistungen, wirkt wie eine langfristige Investition, die auch späteren Generationen zugutekommt. Dieser Anteil der Staatsausgaben kann durchaus kreditfinanziert werden. Daraus folgt: Die nächsten Generationen werden ihre Vorgänger nicht nur nach den hinterlassenen Schulden beurteilen, sondern auch danach, welchen Stand Infrastruktur, Bildungsniveau oder Forschung und Entwicklung erreicht haben.

Einschätzung

Wir gehen davon aus, dass es in den kommenden Jahren eine heftige Diskussion um das richtige Ausmaß von Verschuldung geben wird. In Europa dürfte sich das konventionelle Schuldenverständnis zumindest so weit durchsetzen, dass etwa bei Staatsschulden eine Rückführung von Schuldenstandquoten weiterhin angestrebt wird. Damit dies gelingt, sollte es möglichst nicht zu neuen Krisen kommen, und das Wirtschaftswachstum sollte wieder anziehen.

Technisch und ökonomisch ist es durchaus machbar, die jetzt erhöhten Schuldenquoten wieder zurückzuführen, und dies sogar ohne die „große Keule“ von Vermögensabgaben und Währungsreformen. Der Schlüssel für eine erfolgreiche Konsolidierung sind eine besonnene Haushaltspolitik und Reformen, die das Potenzialwachstum der Volkswirtschaften erhöhen.

Für die Finanzpolitik bedeuten die Corona-bedingten Belastungen jedoch eine Einschränkung ihres Bewegungsspielraums in den kommenden Jahren. Auch für die Geldpolitik ergeben sich Konsequenzen. Die Notenbanken werden in den kommenden Jahren die neue Rolle als Garant für stabile Staats- und Unternehmensanleihemärkte weiter ausfüllen müssen.

Das Zinsniveau bleibt indes eingefroren. Gründe sind die weiterhin (zu) niedrige Inflation und ein zu schwaches Wachstum. Erst wenn sich in einigen Jahren die Inflation zurückmelden sollte, werden die Finanzmärkte von neuem erschüttert werden. Es wäre sehr wichtig, dass bis dahin das Kartenhaus der Verschuldung so weit wie möglich abgetragen wäre.

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