Betriebsvermögen mehren

Optimierung der Unternehmensbilanz im Niedrigzinsumfeld

Autor Torsten Leidig, DekaBank
zuletzt aktualisiert am 19. September 2019
Lesezeit 3 Minuten

Unternehmer, die ihr Betriebsvermögen vermehren wollen, stehen durch die anhaltend niedrigen Zinsen vor neuen Herausforderungen. Wie Sie mit Ihren liquiden Mitteln trotzdem das Beste für Ihren Betrieb herausholen können, erfahren Sie hier.

Interessant für Sie, wenn ...

  • Sie mehr aus Ihrem Betriebsvermögen machen möchten 
  • Sie Verwahrentgelt für Liquiditätsanlagen vermeiden möchten
  • Sie Liquidität risikooptimiert vorhalten wollen

Betriebsvermögen mehren

Null Prozent. So hoch – oder besser gesagt niedrig – ist der Leitzins der Europäischen Zentralbank EZB. Und das bereits seit März 2016. Ideale Voraussetzungen, wenn in Ihrem Betrieb Investitionen anstehen und Sie einen Kredit aufnehmen wollen. Wer jedoch aus seinen liquiden Mitteln eine Rendite ziehen will, geht leer aus. Schlimmer noch: Zahlreiche Kreditinstitute verlangen mittlerweile Geld von ihren Kunden, um deren Geld zu verwahren – genauso wie die EZB ein Verwahrentgelt von den Kreditinstituten verlangt, wenn diese dort Geld parken.

Konkret bedeutet das: Für Ihre Einlagen auf Ihrem Kontokorrent- oder Tagesgeldkonto fallen negative Zinsen an, derzeit bis zu minus 0,50 Prozent pro Jahr. Da darf sich glücklich schätzen, wer noch eine Nullverzinsung erhält.

Machen Sie mehr aus Ihrem Betriebsvermögen

Trotz der anhaltenden Niedrigzinsphase gibt es Möglichkeiten, Ihr Betriebsvermögen für Sie arbeiten zu lassen. Mit Betriebsvermögen sind in diesem Zusammenhang alle aktiven Vermögensgegenstände Ihres Unternehmens abzüglich möglicher Schulden gemeint – kurz: Ihr Eigenkapital.

In der Vergangenheit bekam ein Unternehmer für sein Eigenkapital, das er auf seinem Kontokorrent- oder Tagesgeldkonto angelegt hatte, völlig risikolos einen ansehnlichen Zinsertrag. Über die Geldanlage konnte er jederzeit verfügen und eine Rückzahlung zu hundert Prozent des Nominalbetrages war vollkommen normal. Vor diesem Hintergrund galt jede Bank und jede Sparkasse in Deutschland als sichere Bank.

Nach einem Jahrzehnt Niedrigzinspolitik können Unternehmer von solchen Bedingungen nur träumen. Und müssen sich die Frage stellen, ob es die sichere Bank überhaupt noch gibt. Rein betriebswirtschaftlich betrachtet müssten derzeit alle Kreditinstitute für größere Kontokorrent- und Tagesgeldguthaben ein Verwahrentgelt – also negative Zinsen – verlangen. In der Realität gibt es aber noch Kreditinstitute, die Unternehmern eine schwarze Null als Zinssatz bieten oder sogar einen positiven Habenzins zahlen.

Positive Zinsen mit negativen Folgen?

Wenn ein Kreditinstitut Ihrem Betrieb derzeit null Prozent Zinsen oder mehr anbietet, sollten Sie ruhig hinterfragen, wie die Bank das möglich macht. Die Gründe können vielfältig sein:

Unkritisch ist in der Regel der Fall "Guter Kunde": Die gesamte Geschäftsbeziehung zu einem Unternehmen ist in diesem Fall für das Kreditinstitut so wertvoll, dass es ihm einen positiven Habenzinssatz auf Tagesgeldeinlagen gewährt und die dafür anfallenden Kosten aus anderen Geschäften quersubventioniert.

Aufpassen sollten Sie als Neukunde: Einige Kreditinstitute setzten einen positiven Habenzinssatz gezielt zur Neukundengewinnung ein. Diese Konditionen werden aber oft nach einer gewissen Zeit dem allgemeinen Marktniveau angepasst – sprich: Aus positiven Zinsen werden auch hier null oder sogar negative Zinsen.

Vorsicht ist in jedem Fall geboten bei Kreditinstituten, deren Bonität sich im Wettbewerbsvergleich mittlerweile deutlich verschlechtert hat. Sie locken oft mit Konditionen, die über dem allgemeinen Marktniveau liegen, weil sie sich mit dem eingebrachten Geld ihrer Kunden sprichwörtlich über Wasser halten müssen. Ob hier überhaupt noch von einer sicheren Bank gesprochen werden kann, ist zumindest fraglich. Fakt ist: Geht eine solche Bank bankrott, verliert Ihr Unternehmen unter Umständen viel Geld: Durch die staatliche Einlagensicherung sind gerade einmal 100.000 Euro pro Kreditinstitut geschützt – das gilt für natürliche Personen genauso wie für juristische, also auch für alle Gesellschaftsformen eines Unternehmens. Viele Banken bieten darüber hinaus zwar eine freiwillige Sicherung von Einlagen. Allerdings besteht hier – anders als bei der staatlichen Einlagensicherung – kein Rechtsanspruch auf Entschädigung.

Selbst wenn man nicht vom schlimmsten Fall ausgeht: Auch ein marktkonformer Nullzinssatz oder negative Zinsen erfüllen nicht die ursprünglichen Kriterien einer sicheren Bank. Ihr Geld wird in jedem Fall vermindert statt vermehrt – und sei es nur durch die Inflation. Deshalb lohnt es sich, über Alternativen nachzudenken.

Um die Ecke denken

Klar ist: Sein Geld auf einem Konto zu parken, reicht nicht mehr aus. Das Vermögen zu vermehren ist komplexer geworden – bietet dadurch aber auch die Möglichkeit, sozusagen um die Ecke zu denken und dank ein paar Tipps und Tricks doch ans Ziel zu kommen.

Statt - wie früher - Zinsen zu optimieren, indem ein Betrieb einfach der Bank mit dem besten Zinssatz sein Geld anvertraute, ist die Aufgabe für die Finanzabteilung Ihres Unternehmens heute etwas herausfordernder: Es gilt, die liquiden Mittel risikooptimiert vorzuhalten oder besser noch anzulegen und gleichzeitig Kosten zu vermeiden. Zum Beispiel, indem Sie die Vorteile von Positionen auf der Passivseite Ihrer Unternehmensbilanz auf aktive Posten übertragen.

Dafür müssen Sie zunächst einmal überlegen, ob Ihr Unternehmen tatsächlich die kompletten liquiden Mittel, die auf der Aktivseite in der Kasse vorhanden sind (zum Beispiel Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten), zur freien Verfügung benötigt? Wenn nicht, lässt sich vielleicht die so genannte Fristigkeit der nicht benötigten Mittel verschieben.

Das bedeutet: Sie legen diese Mittel so an, dass sie mittel- oder langfristig gebunden sind, Sie dafür aber in der Regel eine höhere Rendite erhalten, zumindest aber keinen Negativzins zahlen müssen. Als Anhaltspunkt dient der Minimalsaldo in Ihrer Kasse: Wenn er drei Jahre lang nicht unterschritten wurde, lässt sich aus diesem Teil des liquiden Kapitals mittel- bis langfristig angelegtes Betriebsvermögen bilden.

Wie Sie Ihre Unternehmensbilanzen optimieren

Folgendes Beispiel zeigt anschaulich, wie Sie Positionen auf der Aktivseite optimieren können und Gewinn- und Verlust-Effekte optimal nutzen, um Kosten und Steuern zu sparen:    

Ein Betrieb hält bei seinem Kreditinstitut einen größeren Betrag als liquide Mittel vor, sagen wir: fünf Millionen Euro. Dafür fallen negative Zinsen von minus 0,5 Prozent pro Jahr an – das sogenannte Verwahrentgelt. Das bedeutet: 25.000 Euro gehen dem Betrieb Jahr für Jahr verloren.

Bestehen nun auch noch Pensionsrückstellungen zum Beispiel in Höhe von einer Million Euro, ergibt sich ein weiterer negativer Effekt: Die sinkenden Zinserträge bei der betrieblichen Altersvorsorge  führen dazu, dass der Gesetzgeber von den Unternehmen verlangt, entsprechend mehr Rückstellungen zu bilden.

Konkret bedeutet das: Sinkt der Zins für Pensionsrückstellungen wie prognostiziert von derzeit 3,5 auf 2,5 Prozent im Jahr 2020 – also um einen Prozentpunkt –, muss der Betrieb seine Rückstellungen um mindestens 10 Prozent erhöhen. In unserem Beispiel wird das Eigenkapital des Unternehmens dadurch mit 100.000 Euro oder mehr belastet.

Die Lösung, um diese Kosten zu reduzieren, kann wie folgt aussehen: Das Unternehmen legt einen Teil seiner liquiden Mittel – sagen wir zwei Millionen Euro – mittel- bis langfristig an, zum Beispiel in Fonds oder Aktien mit einer Rendite von drei Prozent. Am Ende des Jahres steht also ein Plus von 60.000 Euro. An dieser Stelle soll natürlich nicht verschwiegen werden, dass mit Fonds und Aktien immer auch ein Risiko verbunden ist: Ein scharfer Kurseinbruch beispielsweise kann die erhofften Gewinne schlagartig in schmerzhafte Verluste umkehren. Deshalb sollten Sie sich unbedingt bei der Auswahl von Fonds und Aktien vom Private-Banking-Berater in Ihrer Sparkasse unterstützen lassen.

Gehen wir für dieses Beispiel weiter von einem Plus von 60.000 Euro aus, lassen sich diese Rendite und die zusätzliche Belastung durch die Erhöhung der Rückstellungen nun im Ertragskonto gegeneinander aufrechnen: 100.000 Euro Soll und 60.000 Haben reduzieren das Minus auf 40.000 Euro. Der Schaden für das Eigenkapital des Unternehmens ist dadurch zumindest teilweise kompensiert. Zudem sind auf die zwei Millionen Euro im Wertpapierdepot keine negativen Zinsen angefallen, sodass auch die oben genannten 25.000 Euro Verlust durch das Verwahrentgelt gemindert werden konnten.

Sie sehen: Mit dem richtigen Know-how bei der Gewinnermittlung lassen sich Kosten durch niedrige oder negative Zinsen vermeiden und Unternehmensbilanzen optimieren.

Gute Beratung zum betrieblichen Vermögen wichtiger denn je

Um für Sie die passende Lösung zu finden, lohnt es sich, die finanzielle Gesamtsituation Ihres Betriebs unter die Lupe zu nehmen. Ihr Private Banking-Experte der Sparkasse analysiert gemeinsam mit Ihnen die derzeitige Lage und bietet Ihnen maßgeschneiderte Lösungen, damit Sie Ihr Betriebsvermögen bewahren und im besten Fall sogar vermehren können. Vereinbaren Sie einfach einen Beratungstermin.

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