Den Absprung schaffen

Gesichtspunkte einer erfolgreichen Unternehmensübergabe

Autor Deka Private Banking
zuletzt aktualisiert am 19. September 2019
Lesezeit 4 Minuten

Irgendwann muss auch mal Schluss sein. Doch gerade Unternehmern fällt es schwer, ihr Lebenswerk loszulassen und in andere Hände zu übergeben. Wie es gelingen kann, erfahren Sie hier.

Interessant für Sie, wenn …

  • Sie sich Gedanken zur Übergabe Ihres Unternehmens machen
  • Sie wissen wollen, warum rechtzeitige Planung dabei so wichtig ist
  • Sie keinen geeigneten Nachfolger haben

Den Absprung schaffen

Unternehmensnachfolgen scheitern oft aus einem einfachen Grund: Der Senior-Chef kann emotional nicht loslassen. Jedem dritten Unternehmer fällt es schwer, sich von seinem Lebenswerk zu trennen und jemand anderem die Geschäfte zu überlassen. Die Folge: Viele Unternehmer kümmern sich viel zu spät um einen Nachfolger, reden ihm dann auch noch ständig rein und schwächen so seine Autorität. Im schlimmsten Fall lassen sie sogar die Nachfolge platzen. Dadurch bedrohen sie den Fortbestand ihres Unternehmens, dessen Zukunft sie sichern wollen. Ein Teufelskreis.

Ausstieg und Nachfolge rechtzeitig planen

42 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU), bei denen bis Ende 2019 eine Übergabe ansteht, sind bislang kaum oder gar nicht darauf vorbereitet. Das erzeugt einen enormen – und völlig unnötigen – Zeitdruck. Der erste Schritt ist deshalb so simpel wie wichtig: Starten Sie rechtzeitig!

Für den gesamten Übergabeprozess sollten Sie mindestens fünf Jahre einplanen. Zeit, in der Sie ein Nachfolgekonzept erstellen, einen Nachfolger einarbeiten und mit ihm zusammen die Übergabe bestmöglich vorbereiten. Holen Sie sich dazu rechtzeitig externe Unterstützung, zum Beispiel von der Industrie- und Handelskammer (IHK). Es ist Ihre erste und wahrscheinlich einzige Unternehmensübergabe – da kann Unterstützung von außen nicht schaden.

Den passenden Nachfolger auswählen

Als zweiten Schritt sollten Sie überlegen, wer als Nachfolger in Frage kommt. Mehr als die Hälfte aller Unternehmer wünscht sich ein Familienmitglied, für immerhin 42 Prozent kommt auch ein externer Nachfolger in Frage. Die Wahl hängt vom Einzelfall ab. Wenn Sie eine familieninterne Lösung anstreben, gilt es allerdings, einige Fallstricke zu beachten – und auf jeden Fall einen objektiven Berater hinzuzuziehen.

Zunächst sollten Sie die familieninterne Nachfolgeregelung, die Ihnen vorschwebt, mit Ihrer Familie besprechen. Das klingt selbstverständlich, ist in der Praxis aber leider nicht immer der Fall. Stattdessen lässt der Senior-Chef seine Familie zu lange im Unklaren darüber, welches seiner Kinder er sich als Nachfolger wünscht und wie die anderen Kinder eingebunden oder entschädigt werden sollen.

Je länger Sie Ihre Pläne für sich behalten, umso größer wird die Gefahr, Ihre Familie ganz oder teilweise vor den Kopf zu stoßen. Sie sollten das Gespräch aber noch aus einem anderen Grund frühzeitig suchen: um sicherzugehen, dass der präferierte Nachfolger Ihr Unternehmen überhaupt übernehmen möchte.

Immer häufiger kommt es vor, dass die Kinder eigene berufliche Pläne haben. Oder sie treten die Nachfolge nur deshalb an, weil sie von Ihnen – bewusst oder unbewusst – in diese Rolle gedrängt werden. Und natürlich kann es auch vorkommen, dass dem Nachwuchs einfach das „Unternehmer-Gen“ fehlt und es sinnvoller wäre, einen externen Nachfolger zu suchen.

All diese Punkte werden früher oder später zu Problemen führen, wenn Sie sie nicht rechtzeitig klären. Es sollte Ihnen bewusst sein, dass eine Familiennachfolge die schwierigste aller Nachfolgeformen ist: Bei einer emotionalen Verbundenheit zum Unternehmen fallen rationale Entscheidungen oft schwer. Aus diesem Grund sollten Sie einen Außenstehenden hinzuziehen, zum Beispiel einen Unternehmensberater. Oder einen Steuerberater oder Anwalt, der schon lange für die Familie arbeitet, die Familienmitglieder kennt und Sie objektiv beraten kann.

Zugeständnisse machen

Genauso wichtig wie eine gute Organisation und Kommunikation ist das Loslassen. Falls Ihnen das schwer fällt, können Sie sich Ihre Mitbestimmung vorbehalten. Als Senior sind Sie dann weiter in wichtige Entscheidungen der Geschäftsführung eingebunden.

Doch auch wenn es Ihnen so vorkommt: Sie sind nicht unersetzlich. Akzeptieren Sie, dass Ihr Nachfolger Dinge und Situationen anders einschätzt und umsetzt. Gestatten Sie ihm, Fehler zu machen. Vermeiden Sie, ungefragt im Betrieb aufzutauchen und gute Ratschläge zu geben. Kritisieren Sie vor allem nicht seine Entscheidungen. Dadurch untergraben Sie seine Autorität und schaden dem Unternehmen.

Wenn Sie jedoch aus wichtigen Gründen einen gewissen Einfluss behalten möchten, sei es, weil Sie den Geschäftsverlauf nach der Übergabe noch überwachen wollen oder weil noch nicht alle Kompetenzen vollständig auf Ihren Nachfolger übertragen wurden, empfiehlt sich der Einsatz eines Firmenbeirats mit Ihnen an der Spitze.

In einigen Fällen fällt den Unternehmern das Loslassen so schwer, dass sie den Übergabeprozess abbrechen möchten. Falls es auch Ihnen so geht: Tun Sie es nicht! Den Prozess zu stoppen, führt bei allen Beteiligten – auch und gerade bei den Mitarbeitern in Ihrem Unternehmen – zu Irritationen, Frustrationen und schlimmstenfalls sogar zu unkalkulierbaren wirtschaftlichen Folgen für den Betrieb.

Worst Practice, best Practice

Wie schwer Unternehmensnachfolgen sein können, gerade auch innerhalb der Familie, zeigt das Beispiel Fischer Dübel: Der Senior-Chef hatte die operative Führung im Frühjahr 2011 an seinen Sohn übergeben. Etwa ein Jahr später verließ der Sohn den Betrieb und der Vater übernahm wieder die Geschäftsführung. Grund waren nach eigenen Angaben unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie das Unternehmen ausgerichtet und geführt werden soll. Bis Anfang 2018 konnte Fischer-Senior keinen geeigneten Nachfolger finden – eine Hängepartie von sechs Jahren, die in diesem Fall zum Glück ohne wirtschaftlichen Schaden geblieben ist.

Dass es auch anders geht, zeigt der Fall Farmer’s Snack: Mitte 2016 gab der Gründer des deutschen Trockenfruchtanbieters, Christoph Avenarius, bereits mit 57 Jahren die Führung ab. Freiwillig. Als Grund gab er an, keiner dieser mittelständischen Patriarchen werden zu wollen, die glauben, es ginge nicht ohne sie. Stattdessen stellte er sich selbst in Frage und überließ das Geschäft einem jüngeren Nachfolger und dessen Ideen.

Freizeit sinnvoll gestalten

Damit auch Ihr Rückzug reibungslos gelingt, sollten Sie sich frühzeitig mit der Frage beschäftigen: Was möchte ich mit meiner neu gewonnen Zeit anfangen? Viele Unternehmer können sich ein Leben ohne tägliche Herausforderungen gar nicht vorstellen. Diese Energie kann auch in andere Projekte als das eigene Unternehmen fließen.

Nur ein Beispiel: Sie können einen Teil des Verkaufspreises oder Ihres sonstigen Vermögens nutzen, um eine Stiftung zu gründen – ganz nach Ihren Vorstellungen und für einen guten Zweck, der Ihnen am Herzen liegt. Als Vorstand dieser Stiftung tragen Sie weiterhin Verantwortung und können – zusätzlich zu Ihrem Unternehmen, das erfolgreich an die nächste Generation übergegangen ist – etwas Bleibendes schaffen. Mehr zum Thema Stiftungen erfahren Sie hier.

Für weitere Fragen zur Unternehmensübergabe wenden Sie sich bitte an Ihren Private Banking-Berater in der Sparkasse. Er hilft Ihnen gerne weiter.

Rechtliche Hinweise
Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Deka Investmentfonds sind die jeweiligen Wesentlichen Anlegerinformationen, die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jeweiligen Berichte, die Sie in deutscher Sprache bei Ihrer Sparkasse oder der DekaBank Deutsche Girozentrale, 60625 Frankfurt und unter www.deka.de erhalten. Diese Information kann ein Beratungsgespräch nicht ersetzen.
Aussagen gemäß aktueller Rechtslage, Stand: Juni 2020. 
Die steuerliche Behandlung der Erträge hängt von den persönlichen Verhältnissen des jeweiligen Kunden ab und kann künftig auch rückwirkenden Änderungen (z.B. durch Gesetzesänderung oder geänderte Auslegung durch die Finanzverwaltung) unterworfen sein.

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