Die neue Seidenstraße

Die Chancen der One Belt, One Route Initiative nutzen

Autor Deka Private Banking
zuletzt aktualisiert am 18. November 2019
Lesezeit 4 Minuten

Mit der One Belt, One Road Initiative rückt die Welt näher zusammen: Zahlreiche Infrastrukturprojekte beleben alte Handelswege zwischen Europa nach Ostasien auf dem Land und zur See wieder. Deutsche Unternehmen können dadurch schneller Waren aus Asien beziehen und neue Märkte erreichen. Ein Blick auf neue Chancen.

Interessant für Sie, wenn...

  • Sie mit Ihrem Unternehmen international tätig sind
  • Sie nach neuen Wachstumschancen für Ihre Produkte in Osteuropa und Asien suchen
  • Sie Ihre Zulieferkette optimieren und internationalisieren möchten

Was ist die One Belt, One Road Initiative – die neue Seidenstraße?

1,1 Billionen US-Dollar. Diese Summe, schätzen Experten, wird insgesamt in den Ausbau eines Infrastrukturnetzes investiert, das mehr als 60 Länder umfasst. Initiator der One Belt, One Road-Pläne ist die Volksrepublik China. Dabei soll vor allem der Landweg (One Belt) und der Seeweg (One Road) ähnlich der alten Seidenstraße von China bis nach Westeuropa ausgebaut werden. Insgesamt soll es sechs Landkorridore geben, die nicht nur Westeuropa bis nach London, sondern auch West- Nord- und Südasien besser erschließen. Die Maritime Seidenstraße bindet zudem noch Australien und Ostafrika sowie Südostasien enger an China. Die Infrastrukturmaßnahmen umfassen unter anderem den Ausbau von Tiefhäfen, die Anbindung von Häfen ans Hinterland oder auch die Errichtung zahlreicher Knotenpunkte. Dabei wird vor allem der Ausbau der Seerouten Priorität haben, da auf dem Seeweg deutlich mehr und attraktivere Märkte wie Indien angebunden werden können als bei der Überlandfahrt durch das relativ gering besiedelte Zentralasien. Außerdem sind die Transportkosten für die Container auf Schiffen günstiger als auf dem Land. Allerdings ist die Transitzeit auf dem Seeweg etwa doppelt so lang wie mit dem interkontinentalen Zug. 

Neben der Infrastruktur wird aber auch an Handelsabkommen gearbeitet, die den grenzüberschreitenden Verkehr erleichtern sollen. Der Abbau von Zollbarrieren ist dabei ein wichtiges Vorhaben, das mehr ist als die Errichtung von Stationen zur schnelleren Zollabwicklung. 

Profitiert nur China von One Belt, One Road Initiative?

In Deutschland wird vor allem Duisburg mit seinem Binnenschifffahrtshafen als ein Routen-Endpunkt von der One Belt, One Road Initiative profitieren. Auch Hamburg verspricht sich einen Ausbau der Kapazitäten durch die Anbindung. Zahlreiche südeuropäische Häfen, zum Beispiel in Italien, Griechenland oder Portugal werden derzeit ausgebaut. China investiert allein in den Hafen von Piräus rund 350 Millionen Euro. One Belt, One Road wird rund 60 Prozent der Weltbevölkerung und 35 bis 40 Prozent der Weltwirtschaftskraft betreffen. Größter Profiteur dürfte am Ende Initiator China sein, dessen Anbindung an den Welthandel verbessert wird. Der Vorteil für China wird dabei nicht allein im Warenaustausch liegen. Wohl ebenso wichtig wird die Chance sein, chinesische Kontakte, Standards und Technologie entlang der Handelsrouten zu etablieren. So gibt es Bestrebungen, chinesische Forschungsprojekte mit den wissenschaftlichen Einrichtungen in anderen Staaten stärker zu vernetzen, beispielsweise mit der World Academy of Science im italienischen Triest. Nicht zuletzt dürfte auch die globale Bedeutung der chinesischen Währung Renminbi, die bereits jetzt zu den fünf wichtigsten Währungen weltweit gehört, zunehmen. 

Einige Experten relativieren aber die Sorge, dass der Einfluss Chinas – vor allem durch die finanzielle Unterstützung armer Länder beim Infrastrukturausbau – zu groß werden könnte. Wissenschaftler haben festgestellt, dass der Westen in vergleichbarer Höhe in den Infrastrukturausbau der Länder entlang der neuen Handelsrouten von One Belt, One Road investiert. Der Einfluss des Westens auf China – mit den damit verbundenen technologischen und wirtschaftlichen Vorteilen – sei darum sogar in einigen Bereichen größer als andersherum. Sicher ist zumindest, dass durch One Belt, One Road Europa und Asien insgesamt wirtschaftlich zusammenwachsen. Daraus ergeben sich für deutsche Unternehmen große Chancen. 
 

Wie deutsche Unternehmen von One Belt, One Road profitieren können

Ein Großteil der Infrastrukturarbeiten im Rahmen von One Belt, One Road wird von chinesischen Unternehmen umgesetzt werden. Doch gerade Spezialisten, die beispielsweise besondere Infrastrukturtechnologie produzieren, können für die weltweiten Ausbauprojekte interessant sein. Hinzu kommt, dass neben der direkten Verkehrsinfrastruktur wie Schiene oder Straße auch Versorgungsstrukturen wie Kraftwerke oder IT-Infrastruktur und öffentliche Einrichtungen errichtet werden. Ergänzt werden die direkten Infrastrukturmaßnahmen oft durch touristische Infrastruktur. So werden neben den 350 Millionen Euro Direktinvestitionen in den Hafen Piräus auch rund 200 Millionen Euro in angegliederte Projekte wie Luxushotels investiert. Auch hier könnten deutsche Zulieferer mit ihrer bekannten „Made in Germany“-Qualität zum Zuge kommen. Außerdem wird auch in Deutschland in den Ausbau von One Belt One Road-Infrastruktur investiert. In und um Duisburg, aber auch an vielen anderen deutschen Verkehrsknotenpunkten werden bereits neue Logistikzentren errichtet oder sind in Planung.  

Vor allem die indirekten Vorteile für exportstarke deutsche Unternehmen liegen auf der Hand. Denn neben kürzeren Lieferzeiten zwischen Europa und China und den damit verbundenen Erleichterungen in der Lieferkette sind vor allem die neu an One Belt, One Road angeschlossenen Märkte künftig viel einfacher zu erreichen. Länder der „zweiten Reihe“ wie Pakistan, Kasachstan oder Indonesien bieten Wachstumschancen, die bisher nur schwierig zu nutzen waren. Sogar europäische Länder wie die Ukraine und Weißrussland werden für deutsche Unternehmen zugänglicher. Dabei profitieren die Unternehmen einerseits vom besseren Zugang zu Rohstoffen, andererseits erschließen sie sich beispielsweise für die deutschen Vorzeigebranchen wie Maschinenbau, Kraftfahrzeugbau und Pharma neue Absatzmärkte im Süden und Osten. 

Die Standortvorteile dank One Belt, One Road

Ein weiterer indirekter Vorteil für deutsche Unternehmen: Wenn die Lieferzeiten sinken, wird die Notwendigkeit von Produktionskapazitäten vor Ort in einigen Bereichen geringer. Um chinesische Kunden kurzfristig beliefern zu können, reicht dann künftig vielleicht eine Schnellzugverbindung zwischen den Kontinenten aus. Zwar werden die Lieferkosten dann steigen – im Vergleich zu den Einsparungen an Investitionskosten einer Produktion in Asien wäre diese Steigerung wohl vernachlässigbar. Zugegeben – dies ist noch Zukunftsmusik. In Duisburg zeigt sich durch die Anbindung an One Belt, One Road eher, dass chinesische Unternehmen sich direkt vor Ort ansiedeln. Und vielfach werden der geplante Bürokratieabbau und die bessere Infrastruktur innerhalb der One Belt, One Road-Regionen erst einmal dazu führen, dass sich deutsche Unternehmen leichter vor Ort ansiedeln können. Bislang sind die Hürden, Standorte in Asien zu errichten, gerade für Mittelständler noch zu hoch. Die Diversifizierung von Standorten deutscher Unternehmen dürfte zumindest in den kommenden Jahren also eher zunehmen. 

Erfüllt die One Belt, One Road Initiative die Erwartung, dass am Ende alle angebundenen Märkte von den Infrastrukturinvestitionen profitieren, so wirkt sich das positiv auf das Wirtschaftswachstum aus. In der Folge könnte das verfügbare Einkommen steigen und die Konsumnachfrage steigen. Dann profitieren nicht nur Automobilhersteller, sondern auch Konsumgüterhersteller vom neuen Wohlstand. 

Die One Belt, One Road Initiative bietet beste Voraussetzungen, dem Welthandel neue Impulse zu verleihen – so wie es seinerzeit die Seidenstraße tat. Deutsche Unternehmen mit ihren weltweit geschätzten Produkten werden leichter neue Märkte erreichen können - allerdings gilt dies auch für chinesische Produkte. 

Sprechen Sie mit Ihrem Firmenkundenbetreuer der Sparkasse, wie auch Sie mit Ihrem Unternehmen die Chancen und neuen Möglichkeiten von One Belt, One Road direkt und indirekt realisieren können. 

Experten-Interview

Eine chinesische Initiative
Janis Hübner, Asien-Analyst der DekaBank, im Gespräch über Chancen und Risken der One Belt, One Road Initiative

Deka Private Banking: Herr Hübner, wie verändert One Belt, One Road das Machtgefüge im internationalen Handel?

Janis Hübner: Auch wenn sehr viele Staaten an der „Neuen Seidenstraße“ mitbauen, so wird am Ende vor allem China davon profitieren. Denn das exportstarke Land eröffnet sich durch die Infrastrukturmaßnahmen eine deutlich bessere Anbindung an die attraktiven Märkte in Europa, Süd- und Südostasien und den Mittleren Osten. Durch die neue Infrastruktur beispielsweise in Pakistan wird gerade das Hinterland von China direkter an den Indischen Ozean angeschlossen. Dadurch sind chinesische Waren viel schneller im Westen als über die bisherige Seeroute via Hongkong oder Shanghai.

Deka Private Banking: Inwiefern profitiert aber auch ein Land wie Pakistan von One Belt, One Road?

Janis Hübner: Da würde ich nicht zu viel von erwarten. Natürlich werden auf den neuen Baustellen Arbeitsplätze geschaffen. Aber Pakistan ist kein exportstarkes Land. Vom Infrastrukturausbau bei Häfen und ähnlichem werden schon vor allem chinesische Unternehmen profitieren. Pakistan muss hingegen aufpassen, dass es das geliehene Geld auch zurückzahlen kann, damit keine Abhängigkeit von China entsteht.

Deka Private Banking: Ist das auch Teil der chinesischen Agenda: Die Abhängigkeit anderer Staaten zu erhöhen?

Janis Hübner: Das ist zumindest ein oft erhobener Vorwurf: Dass China durch die finanzielle Abhängigkeit Dritter die eigene Machtposition auf der internationalen Bühne stärkt. One Belt, One Road nützt China sowohl wirtschaftlich als auch politisch.

Deka Private Banking: Das klingt ganz so, als bei One Belt One Road die anderen rund 60 Staaten das Nachsehen haben werden?

Janis Hübner: Nein, auch andere Hersteller, deren Güter international begehrt sind, werden Vorteile haben. Dazu gehören sicherlich auch deutsche Firmen. Diese können die neue Infrastruktur ebenso nutzen und einfacher neue Standorte vor Ort aufbauen. Der Handel wird in beide Richtungen fließen. Und auch die angebundenen Staaten haben Vorteile durch günstigere Importe oder neue Fertigungsstätten.

Deka Private Banking: Wie kann ich als Privatanleger denn von One Belt, One Road profitieren? 

Janis Hübner: Hauptgewinner der Initiative werden Unternehmen sein, die von sinkenden Transportkosten und schnelleren Lieferzeiten innerhalb Asiens und zwischen Asien und Europa profitieren. Viele dieser Unternehmen werden in China zu finden sein, aber auch in anderen exportstarken Ländern wie Südkorea, Vietnam, Malaysia oder Deutschland. Langfristig dürften die Unternehmensgewinne und damit auch die Aktienmärkte dieser Länder durch One Belt, One Road gestützt werden.
 

Ihr nächster Schritt

Wir sind für Sie erreichbar

Sollten Sie Ihren persönlichen Sparkassenberater zum Private Banking noch nicht kennen, hilft Ihnen unser Service-Center gerne weiter.
Erreichbar Mo - Fr von 9 - 18 Uhr 069 7147-1177
Sie möchten zurückgerufen werden?
DEKA-PB EXKLUSIV

Internationalisierung anpacken und Förderprogramme nutzen

Eine internationale Ausrichtung Ihres mittelständischen Unternehmens bietet jede Menge Chancen, birgt aber auch Risiken. Wir sagen Ihnen, worauf Sie bei Ihren Internationalisierungsaktivitäten achten sollten, um im Ausland erfolgreich zu sein.
International agieren

Artikel-Funktionen