Die Verbrauchsstiftung

Die Stiftungsalternative in Niedrigzinszeiten?

Autor Deka Private Banking
zuletzt aktualisiert am 23. März 2020
Lesezeit 4 Minuten

Verbrauchsstiftungen sind eine interessante Alternative zur herkömmlichen Stiftung. Sie wurden vom Gesetzgeber erst vor einigen Jahren offiziell zugelassen und anerkannt. Bei ihnen kann das Stiftungsvermögen selbst für die Erfüllung des Stiftungszwecks aufgebraucht werden. Dadurch eröffnen sich gerade in Niedrigzinsphasen neue Möglichkeiten. Der Preis dafür ist die Endlichkeit der Stiftung. Wofür Verbrauchsstiftungen geeignet sind und was es zu beachten gilt.

Interessant für Sie, wenn...

  • Sie auch mit einem kleineren Vermögen eine gemeinnützige Stiftung errichten möchten
  • Sie Ihren Stiftungszweck auch in Niedrigzinszeiten umsetzen möchten
  • Sie generell am Thema Stiftungen interessiert sind

Was ist eine Verbrauchsstiftung?

Bei einer herkömmlichen Stiftung kann das Stiftungsvermögen, genauer: der Vermögensgrundstock, nicht direkt für den Stiftungszweck eingesetzt werden. Allein die Erträge aus der Anlage des Stiftungsvermögens können ausgegeben werden. So wird eine möglichst lange Dauer der Stiftung erreicht. Ganz anders ist dies bei der seit einigen Jahren vom Gesetzgeber offiziell anerkannten Verbrauchsstiftung möglich. Bei der Verbrauchsstiftung wird der Vermögensgrundstock bewusst selbst eingesetzt. Dabei kann eine Verbrauchsstiftung zeitlich befristet werden, wobei der Zeitraum mindestens zehn Jahre betragen sollte. Oder es wird eine zweckgebundene Verbrauchsstiftung eingerichtet, die mit dem Ende des Zwecks eingestellt wird – beispielsweise, wenn der Zweck die Bekämpfung einer bestimmten Epidemie ist. Mischformen zwischen einer dauerhaften und einer Verbrauchsstiftung sind bei entsprechender Ausgestaltung der Satzung dabei durchaus möglich, ebenso wie die Umwandlung der Dauer- zur Verbrauchsstiftung und umgekehrt.

Gründe für eine Verbrauchsstiftung

Die Verbrauchsstiftung bietet sich gerade bei einem geringeren Stiftungsvermögen an. Denn in den nun schon lange anhaltenden Niedrigzinszeiten fällt es dauerhaften Stiftungen schwer, ausreichend Kapitalertrag zu erwirtschaften, mit dem dann der Stiftungszweck erfüllt werden kann. Da typische Stiftungen den Erhalt des Vermögensgrundstocks gewährleisten müssen, können sie in der Praxis auch nicht in riskantere und damit vielleicht renditeträchtigere Anlageklassen investieren. Die Stiftung ist damit in ihren Handlungsmöglichkeiten stark eingeschränkt, der Stiftungszweck ist schwer umzusetzen. Bei einer Verbrauchsstiftung hingegen gilt der Grundsatz des Vermögenserhalts nicht, womit deutlich mehr finanzieller Spielraum zur Verfügung steht. So kann die Stiftung in kürzerer Zeit größere Ziele erreichen. Durch die große zeitliche Nähe zwischen Stiftungseinrichtung und -laufzeit ist in der Regel bei einer Verbrauchsstiftung der Einfluss des Stifters größer. Vielleicht kann er die Realisierung des Stiftungszwecks selbst miterleben. Diese Aspekte sind gerade für solche Stifter interessant, die ihre Stiftung „unternehmerisch“ begreifen und aktiv steuern wollen. Manche dauerhafte Stiftung hat hingegen das Problem, dass der Stiftungszweck, der bei der Einrichtung vor Jahrzehnten definiert worden war, mittlerweile überflüssig geworden ist. Allerdings bedeutet die begrenzte „Lebenszeit“ der Verbrauchsstiftung, dass sich der Stifter damit selten „ein Denkmal“ setzen kann, das ihn lange überdauert.

Voraussetzungen für die Anerkennung einer Verbrauchsstiftung

Offiziell werden Verbrauchsstiftungsmodelle erst seit dem 21. März 2013 rechtlich anerkannt, auch wenn es sie in der Praxis bereits deutlich länger gibt.

Auch die rechtlich selbständige Verbrauchsstiftung unterliegt der Stiftungsaufsicht durch die Stiftungsbehörde. Bei der dauerhaften Stiftung wird das Hauptaugenmerk auf die Gründung gelegt, nämlich ob der Stiftung ausreichende Mittel zur Verfügung stehen, um die festgelegten Stiftungszwecke langfristig verfolgen zu können.  Bei der Verbrauchsstiftung prüft die Stiftungsaufsicht, ob die satzungsgemäß bestimmte zeitliche Perspektive der Stiftung realistisch ist.

Steuerliche Aspekte der Verbrauchsstiftung*

Eine Verbrauchsstiftung kann steuerlich begünstigt sein, wenn sie gemeinnützige Zwecke verfolgt. Dabei gelten die gleichen Anforderungen wie für eine dauerhafte Stiftung.  Dazu ist erforderlich, dass die Tätigkeit der Stiftung auf die selbstlose Förderung der Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet gerichtet ist. Dies kann auf unterschiedlichen Gebieten und unterschiedliche Arten geschehen, beispielsweise als Förderung der Wissenschaft, des Sports oder der Heimatpflege. Statt gemeinnütziger Zwecke können auch mildtätige Stiftungszwecke verfolgt werden: wenn bestimmte Personengruppen selbstlos gefördert oder unterstützt werden, die auf die Hilfe Dritter angewiesen sind. Daneben ist erforderlich, dass die Unterstützten auch bedürftig im Sinne der Abgabenordnung sind (§ 53 Abgabenordnung). Entscheidend ist stets die Selbstlosigkeit – Stiftungen, die vor allem eigenen wirtschaftlichen Interessen des Stifters dienen, sind nicht steuerlich begünstigt.

Das Einkommensteuergesetz sieht für Zuwendungen an den Vermögensstock einer regulären auf Dauer angelegten Stiftung eine besondere Begünstigung durch steuerliche Abzugsfähigkeit beim Spender bis zur Höhe von 1 Mio. Euro (2 Mio. Euro bei Zusammenveranlagung von Ehegatten) vor. Eine Verbrauchsstiftung verfügt jedoch über keinen Vermögensgrundstock. Daher greift diese besondere Begünstigung bei der Verbrauchsstiftung nicht.

Die Verbrauchsstiftung für die Familie

Verbrauchsstiftungen können durchaus auch privaten Zwecken dienen – beispielsweise um die Ausbildung von Kindern oder Enkel zu finanzieren. Dann ist sie jedoch nicht als gemeinnützig steuerbegünstigt.  Dazu wird die „Lebenszeit“ der Stiftung – und damit der Unterstützung der Familienmitglieder – in der Satzung zeitlich begrenzt oder an bestimmte Ergebnisse wie einen Abschluss gekoppelt. Durch das Niedrigzinsniveau ist die Verbrauchsstiftung auch für Familienstiftungen, die eigentlich eine Familie über Generationen unterstützen und das Familienvermögen wahren soll, eine interessante Option geworden. Eine Familien-Verbrauchsstiftung erlaubt den Zugriff auf das Stiftungsvermögen, wenn die Kapitalerträge nicht mehr ausreichen. Wenn die Satzung die entsprechende Flexibilität enthält, kann in anderen Zins-Zeiten dann gegebenenfalls auf den Verbrauch des Grundstocks wieder verzichtet werden.

Außerdem kann es möglicherweise steuerlich attraktiv sein, dass die Familien-Verbrauchsstiftung für weniger als 30 Jahre errichtet wird, um der so genannten Erbersatzsteuer zu entgehen. Die Erbersatzsteuer ist quasi eine Erbschaftsteuer auf Familienstiftungsvermögen, die alle 30 Jahre fällig wird. Darum kann es sich u.U. lohnen, über eine Familien-Verbrauchsstiftung ein Grundstockvermögen an Begünstigte auszukehren, statt die Erbersatzsteuer auf das gesamte Grundstockvermögen zu zahlen.*

Eine Verbrauchsstiftung kann gerade für kleinere Vermögen eine attraktive Gestaltungsalternative zur klassischen Dauer-Stiftung sein, da das Grundstockvermögen in Niedrigzinszeiten wahrscheinlich keine ausreichenden Erträge erwirtschaften wird. Lassen Sie sich vor der Einrichtung einer Verbrauchsstiftung aber unbedingt umfassend steuerlich und rechtlich – nicht zuletzt auch bei der Stiftungssatzung – professionell beraten. Ihr Sparkassen-Berater wiederum unterstützt Sie gerne dabei, die Ihnen aus der Verbrauchsstiftung zugehenden Beträge optimal anzulegen. Sprechen Sie Ihren Berater gerne unverbindlich an.

* Aussagen gemäß aktueller Rechtslage, Stand: November 2019.

Die steuerliche Behandlung hängt von den persönlichen Verhältnissen des jeweiligen Kunden ab und kann künftig auch rückwirkenden Änderungen (z. B. durch Gesetzesänderung oder geänderte Auslegung durch die Finanzverwaltung) unterworfen sein.

Rechtliche Hinweise
Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Deka Investmentfonds sind die jeweiligen Wesentlichen Anlegerinformationen, die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jeweiligen Berichte, die Sie in deutscher Sprache bei Ihrer Sparkasse oder der DekaBank Deutsche Girozentrale, 60625 Frankfurt und unter www.deka.de erhalten. Diese Information kann ein Beratungsgespräch nicht ersetzen.
Aussagen gemäß aktueller Rechtslage, Stand: Juni 2020. 
Die steuerliche Behandlung der Erträge hängt von den persönlichen Verhältnissen des jeweiligen Kunden ab und kann künftig auch rückwirkenden Änderungen (z.B. durch Gesetzesänderung oder geänderte Auslegung durch die Finanzverwaltung) unterworfen sein.

Artikel-Funktionen

Ihr nächster Schritt

Wir sind für Sie erreichbar

Sollten Sie Ihren persönlichen Sparkassenberater zum Private Banking noch nicht kennen, hilft Ihnen unser Service-Center gerne weiter.
Erreichbar Mo - Fr von 9 - 18 Uhr 069 7147-1177
Sie möchten zurückgerufen werden?
DEKA-PB EXKLUSIV

Stiftungsarten und Gestaltungsmöglichkeiten für Ihr Stiftungsziel

Möchten Sie Ihr soziales Engagement über Ihren Tod hinaus fortführen? Das Familienvermögen erhalten? Oder den Fortbestand Ihres Unternehmens sichern? In allen drei Fällen kann eine Stiftung genau das Richtige für Sie sein. Wir sagen Ihnen, warum.
Stiftungen gründen