Digital verbunden

Von Telemedizin bis Online-Handel – diese Technologien werden auch nach der Corona-Krise weiterwachsen

Autor Deka Private Banking
zuletzt aktualisiert am 15. April 2020
Lesezeit 4 Minuten

Das Coronavirus zwingt uns zur physischen Distanz, Grenzen werden geschlossen. Doch Menschen brauchen den sozialen Austausch weiterhin. Schon heute, aber auch in Zukunft, profitieren Unternehmen, die uns auf digitalem Wege verbinden. Bei Telemedizin, eLearning, Videokonferenzen und Handel. Worauf Sie als Anleger achten sollten.

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Die späte Entdeckung des Home Office

„Es geht ja doch“, denken sich derzeit viele Vorgesetzte, die sich bislang gegen Heimarbeit der Kollegen gewehrt haben. Zu wenig Leistungskontrolle, schwierig zu motivieren, viel Ablenkung – und gerade der informelle Austausch innerhalb von Teams entfällt weitgehend. Doch in der Coronavirus-Pandemie ist Home Office für viele Unternehmen und ihre Mitarbeiter die einzige Möglichkeit, trotzdem weiterarbeiten zu können. Und nach den initialen Einrichtungs- und Umstellungsproblemen läuft die teamübergreifende Zusammenarbeit trotz physischer Distanz erstaunlich gut. Teammeetings werden per Videokonferenz abgehalten; der schnelle Austausch erfolgt in unzähligen Telefonaten; Präsentationen, Coachings oder auch Kundenkonferenzen werden als Webinar oder Webkonferenz aufgesetzt. Direkte Profiteure davon sind die Anbieter solcher Lösungen wie der Video-Konferenz-Anbieter Zoom, Webinar-Plattformen wie GoToMeeting/-Webinar, Cisco Webex und andere. Durch die Dezentralisierung der Kommunikations- und IT-Infrastruktur erleben auch Cloud-Anbieter eine steigende Nachfrage. Das gilt ebenso für Sicherheits-IT-Spezialisten, deren Produkte und Lösungen Zugriffsrechte managen und Angriffe auf Heim-Computernetze abwehren sollen. Denn mit der Arbeit im Home Office multiplizieren sich die möglichen Einfallstore für Angreifer des Unternehmensnetzwerks.

Noch ist unklar, in welchem Maß diese Entwicklung nach einer Rücknahme der Corona-Pandemie-Vorgaben zurückgehen wird. Nicht zurücknehmen lässt sich allerdings die Erfahrung mit diesen neuen Mitteln der digitalen Konnektivität in einer Breite, wie es sie in Deutschland bisher nicht gab. Sicherlich werden persönliche Begegnungen weiterhin einen hohen Stellenwert haben. Doch es ist wahrscheinlich, dass Videokonferenzen, Webinare und Home Office als zeitsparende, flexible Alternative zu aufwendigen Treffen vor Ort populärer sein werden als bislang. Langfristig kann dies sogar Auswirkungen auf die Anziehungskraft von Großstädten haben: Home Office, abseits der teuren Immobilienstandorte und ohne zeitaufwendiges Pendeln, wird zu einer attraktiven Option für Arbeitgeber. Unabhängig davon, wie ausgeprägt diese Entwicklung mittel- und langfristig sein wird – die Anbieter digitaler Lösungen für Office-Kommunikation werden dauerhaft von der aktuellen Situation profitieren.

Bildung und Medizin digital

Geschlossene Schulen, Hausaufgaben daheim – in Deutschland zeigt sich, wie fern Unterricht von digitalen Lösungen in vielen Fällen ist. Die Situation an den Universitäten und bei vielen Weiterbildungsinstitutionen ist nicht viel besser. E-Learning, der Austausch zwischen Lehrpersonal und Lernenden über digitale Verbindungen, steckt bislang in den Kinderschuhen. Dabei gibt es längst Angebote wie von Koolearn in China, die mit ihren Online-Schulungen und Tutorials sehr erfolgreich sind. Und GSX Education bietet in China sehr erfolgreich digitalen Nachhilfeunterricht „vom Kindergarten bis zur 12. Klasse“ („K-12“) an.

Auch im Medizinbereich sind China (und die USA) weiter. In den USA bietet Teladoc die Kommunikation mit dem Arzt über digitale Kanäle an, in China ist Telemedizin bereits in das Gesundheitssystem integriert. Ping An Healthcare and Technology und Alibaba Healthcare sind hier führende Anbieter. Dabei erstellt der Arzt auf Basis von Videobild und Informationen des Patienten eine Ferndiagnose und kann auch ein Rezept ausstellen. Das ist gerade in Quarantäne-Situationen sehr hilfreich, aber natürlich verringert sich auch das typische Ansteckungsrisiko im Wartezimmer des Arztes. Die Diagnose-Möglichkeiten sind begrenzt, dennoch hat die App von Ping An bereits 65 Millionen monatlich aktive Nutzer. Während der Isolation in der Region Wuhan konnten über die E-Health-Lösung von Ping An mehr als 500.000 automatische Kontrollanrufe durchgeführt und Einwohner befragen werden. So seien angeblich rund 1.600 Verdachtsfälle identifiziert worden. Der Kurs von Alibaba Health hat in den vergangenen sechs Monaten seit Oktober und dem Einbruch der Börsen weltweit knapp 120 Prozent gewonnen, Ping An hat um rund 90 Prozent zugelegt.

Online-Handel nach Corona-Krise

Und noch ein Trend, obschon er einige Jahrzehnte alt ist, gewinnt aufgrund der Pandemie-Einschränkungen des stationären Handels dynamisch hinzu: der E-Commerce. Die Lieferung vor die Haustür ist derzeit die einzige Alternative zu geschlossenen Geschäften – die rege nachgefragt wird. E-Commerce ist schon seit Jahren im Aufschwung und nimmt dem stationären Handel Marktanteile ab. Dennoch gab es einen großen Teil Konsumenten und/oder Warenbereiche, der dem Einkauf vor Ort Vorrang gab. Mit der Schließung von Modegeschäften, Unterhaltungs- und Haushaltselektronik etc. verbleibt nur Online-Handel als Vertriebskanal. Besonders schwierig ist es derzeit für kleinere Einzelhändler, die weder die Markenausstrahlung im Internet haben noch das Budget für einen professionellen Webshop und Werbung. Doch auch wenn primär stationäre Händler über professionelle Online-Shops und digitale Bestellmöglichkeiten verfügen, haben sie gegenüber den Digital-Spezialisten wie Amazon in punkto Komfort, Auswahl und Liefergeschwindigkeit häufig das Nachsehen. Die stationären Händler konzentrieren sich vor allem auf das Einkauferlebnis im Geschäft, während sich die reinen Online-Händler ganz auf diesen Absatzweg konzentrieren, ihre Marke online etablieren und ihre Systeme auch auf größere Nachfrage – wie sie es z.B. schon zur Weihnachtszeit gewohnt sind – auslegen.

Etwas anders sieht die Situation noch im Lebensmittelbereich aus. Durch die schnelle Verderblichkeit der Ware werden meist regionale Lieferdienste vom lokalen Einzelhändler genutzt. Allerdings können diese derzeit kaum mit der sprunghaft gestiegenen Nachfrage mithalten.

Im Online-Handel wird es mit der Aufhebung der Corona-bedingten Einschränkungen sicherlich wieder zu einem Rückgang des Online-Handelsvolumens kommen. Doch auch hier gilt: Die Erfahrungen wurden gesammelt, Kunden haben sich bei den einschlägigen Online-Händlern registriert und „die nächste Online-Bestellung“ wird darum einfacher und wahrscheinlicher werden.

Der Sieger bekommt alles?

Es gibt zahlreiche Anbieter digitaler Kommunikations- und Vertriebskanäle – doch es wird nur wenige nachhaltige Gewinner geben. Die Entwicklung im Online-Handel und anderen Online-Segmenten zeigt, dass sich der jeweilige Markt nach einer Anfangsphase rasch auf wenige oder auch nur einen dominanten Anbieter konzentriert. Dabei kann es durchaus regionale Unterschiede geben. Während in Europa vor allem US-amerikanische Anbieter den Markt beherrschen, sind es in China, Afrika, Lateinamerika und Russland häufig ganz andere, regionale Unternehmen. Je reifer die Märkte für Telemedizin, eLearning und auch Webkonferenzen und Videotelefonie werden, desto stärker wird auch hier die Oligopol- oder Monopolbildung zu beobachten sein.

Für Anleger bedeutet dies die Herausforderung, die Unternehmen zu identifizieren, die die besten Chancen haben, zum Gewinner ihrer Konsolidierung zu werden. Keine ganz einfache Aufgabe, die insbesondere Privatanleger Experten wie ausgewählten Fondsmanagern überlassen sollten - vor allem für spannende, aber ferne Märkte wie China und Lateinamerika.

Wollen Sie mehr über Megatrends erfahren – und wie Sie als Anleger daran partizipieren können? Sprechen Sie mit Ihrem Private Banking-Berater der Sparkasse. Er wird Ihnen die für Sie geeigneten Möglichkeiten gerne aufzeigen. Er freut sich auf Ihren Besuch, Ihren Anruf oder Ihre E-Mail.

Experten-Interview

Deka-Fondsmanager Alexander Eickhoff ist überzeugt, dass Technologieunternehmen, die jetzt von den Einschränkungen durch die Coronavirus-Krise profitieren, auch langfristig attraktiv bleiben. Im Gespräch erklärt er, wer dazu gehören wird – und wer überraschenderweise zumindest kurzfristig nicht.

Deka Private Banking: Herr Eickhoff, sehr viele Unternehmen leiden unter den Regeln zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie. Doch es gibt auch Gewinner. Netflix beispielsweise wird immer genannt. Wer profitiert von der derzeitigen Lage noch?

Alexander Eickhoff: Menschen sind aufgefordert, soziale Distanz zu wahren und sich ins rein Private zurückzuziehen. Nicht mehr zur Arbeitsstätte gehen zu können, kein Restaurant, kaum ein Geschäft, keine Schule besuchen zu können – das hat natürliche enorme Auswirkungen. Denn die Arbeitsteilung ist stark ausdifferenziert, die Lieferketten sind komplex. Und wir tauschen uns gerne mit anderen aus. Technologie, die uns diese Vernetzung trotz gebotener physischer Distanz ermöglicht, ist nun sehr gefragt. Netflix ist das Kino für daheim. Doch Konnektivitätslösungen wie Zoom und andere ermöglichen gemeinsames Arbeiten, Studieren, Lernen. Auch für Gesundheitsthemen gibt es inzwischen Telemedizin-Möglichkeiten, die Arztpraxen entlasten können.

Deka Private Banking: Werden wir nach Lockerung der Coronavirus-Einschränkungen nicht zu unseren etablierten Arbeits- und Lebensweisen zurückkehren?

Alexander Eickhoff: Zu einem großen Teil ja – doch diese Krise wird uns prägen. Viele Unternehmen erfahren, dass Telearbeit nicht nur in Startups funktioniert, sondern auch bei ihnen. Webinare und Videokonferenzen werden häufiger als früher eine Option sein, die Geld und Zeit spart. E-Learning wird selbstverständlicher werden.

Deka Private Banking: Was ist mit den Anbietern digitaler Infrastruktur wie Server-Hosts, Chipherstellern, Datenkabelproduzenten – je digitaler wir arbeiten und lernen, desto mehr Speicherplatz, schnelle Datenverbindungen und Rechnerkapazität werden wir benötigen.

Alexander Eickhoff: Grundsätzlich haben Sie recht. Kurzfristig leiden aber viele dieser Hardware-Hersteller unter Lieferengpässen. Der Run auf Laptops beispielsweise war jetzt riesig, doch die Hersteller kamen da nicht hinterher. Erst war der Chip-Produzent China ausgefallen, jetzt gibt es Schwierigkeiten mit Malaysia als wichtigem IT-Produzenten. Die Lager sind heruntergefahren worden, da ist die Versorgung momentan schwierig. Grundsätzlich werden aber auch diese Unternehmen positive Auswirkungen spüren.

Deka Private Banking: Wie steht es um Online-Händler? Fast alle stationären Geschäfte sind geschlossen, aber der Online-Handel liefert weiter.

Alexander Eickhoff: Amazon, in Südamerika Mercado Libre oder in China Alibaba und JD.com, haben sich schon bislang sehr dynamisch entwickelt. Jetzt bekommen sie durch den “Lock down” noch einmal einen richtigen Nachfrageschub. Wer bislang nicht online gekauft hatte, sammelt derzeit entsprechende Erfahrungen und baut Berührungsängste ab. Auch hier erwarte ich, dass die Kräfteverschiebung auch „nach Corona“ nicht ganz zurückgedreht wird.

Deka Private Banking: Telemedizin, E-Learning, Videokonferenzen, Onlinehändler – das sind ganz unterschiedliche Branchen mit wenigen, ausgesuchten Anbietern. Wie kann ich als Anleger am Erfolg dieser Unternehmen teilhaben, wenn ich nicht einzelne Unternehmensaktien kaufen möchte?

Alexander Eickhoff: Derzeit gibt es keine passiven Produkte, keinen Index, der diese Unternehmen zusammenfasst. Es gibt aktiv gemanagte Fonds, aber auch diese sind nicht rein auf diese Auswahl beschränkt. Mit dem Fonds Deka-MegaTrends sind Sie als Anleger aber in diese Unternehmen investiert und nehmen an der aktuellen Entwicklung teil.

Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Deka Investmentfonds sind die jeweiligen Wesentlichen Anlegerinformationen, die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jeweiligen Berichte, die Sie in deutscher Sprache bei Ihrer Sparkasse oder der DekaBank Deutsche Girozentrale, 60625 Frankfurt und unter www.deka.de, erhalten.

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