Externe Nachfolge regeln

Kein Nachfolger in der Familie? So sichern Sie Ihr Lebenswerk

Autor Deka Private Banking
zuletzt aktualisiert am 10. Februar 2020
Lesezeit 4 Minuten

Wer ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut hat, möchte sicherstellen, dass es genauso erfolgreich weitergeführt wird – auch wenn beim Generationenwechsel nicht auf die eigene Familie zurückgegriffen werden kann. Dabei ist es wichtig, sich frühzeitig um die Nachfolgeplanung und den Führungswechsel zu kümmern. Ob externe Nachfolge oder Unternehmensverkauf: Wir zeigen Ihnen, was zu beachten ist.

Interessant für Sie, wenn...

  • Sie die Zukunft Ihres Unternehmens sichern möchten
  • Sie die Nachfolge extern regeln wollen oder müssen
  • Sie prüfen möchten, ob ein externer Nachfolger oder ein Unternehmensverkauf in Frage kommt

Nachfolger verzweifelt gesucht

Viele Senior-Chefs halten vergeblich Ausschau nach einem Nachfolger. Und die Lage spitzt sich zu, denn immer mehr Unternehmer, die sich zur Ruhe setzen möchten, haben Schwierigkeiten, einen Nachfolger zu finden, so der „DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2019“. Demnach suchten 2018 insgesamt 6.911 Alt-Inhaber den Rat ihrer IHK, ein Zuwachs von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und: 48 Prozent hatten zum Zeitpunkt der Beratung noch keinen Nachfolger in Aussicht. Insbesondere im Osten Deutschlands fällt die Suche schwer: Mit 54 Prozent sind dort sogar mehr als die Hälfte der Senior-Chefs beim Erstbesuch der IHK noch ohne Nachfolger. Erschwerend kommt hinzu, dass es immer häufiger vorkommt, dass sich in der eigenen Familie des Unternehmers kein geeigneter Nachfolger findet. Schließlich ist es nicht selbstverständlich, dass es Kinder oder andere Familienangehörige gibt, die die Nachfolge in der Firma antreten können oder wollen. Soll das Unternehmen dennoch im Familienbesitz bleiben, gilt es, einen passenden Geschäftsführer zu finden, ihn entsprechend einzuarbeiten und zu integrieren. Auch dies sollte sorgfältig und rechtzeitig geplant sein; wichtig ist dabei unter anderem ein aussagekräftiges Anforderungsprofil an einen Fremdgeschäftsführer. 

Vielfalt an Nachfolgemodellen

Kommt eine familieninterne Lösung nicht in Frage, kann das Nachfolgemodell ein familienexternes sein oder eine Mischform. Zu den externen Modellen zählt der Verkauf, ein Management-Buy-out (MBO) oder ein Management-Buy-in (MBI). Dabei werden Führung und Kapital an Dritte übergeben, Familie und Unternehmen sind anschließend getrennt. Bei einem Management-Buy-out (MBO) wird in den meisten Fällen an das bestehende Management veräußert. Der Vorteil: Das Management ist mit dem Unternehmen vertraut, was auch die Verkaufsverhandlungen erleichtern kann. Häufig kommt es allerdings zu Problemen bei der Finanzierung des Kaufpreises, weil der potenzielle Käufer oft einen hohen Fremdfinanzierungsbedarf hat. Erwerber können jedoch nicht nur das bestehende Management sein, sondern beispielsweise auch ein Gesellschafter oder eine Führungskraft aus der zweiten Führungsebene. Der Vorteil dabei ist, dass diese Person das Unternehmen bereits kennt und so gute Aussichten auf Kontinuität mitbringt. Auch hier sollten Senior-Chefs sorgfältig planen und frühzeitig agieren, schließlich nimmt die Regelung einer externen Nachfolge mehrere Jahre in Anspruch.

Bei einem Management-Buy-in kauft sich ein externes Management in das Unternehmen ein. Es erwirbt, häufig unterstützt durch Banken oder Eigenkapitalinvestoren, die Mehrheit oder sogar bis zu 100 Prozent der Gesellschaftsanteile. In der Regel sichert sich der Käufer gleichzeitig auch die Geschäftsleitung. Auch beim Management-Buy-in gilt, dass seitens des Erwerbers meist wesentlich mehr Geld zur Verfügung gestellt werden muss als bei einer Neugründung. Dabei stehen auch Nachfolgern viele öffentliche Kredite und Zuschüsse zu, wie zum Beispiel von der Förderbank KfW, – eine Tatsache, die vielen allerdings nicht so bekannt ist.

Bei den Mischformen unterscheidet man zwischen Fremdmanagement (dabei bleibt das Kapitel in der Familie, die Führung geht an Dritte) und Beteiligung/Börsengang/strategischem Investor (hier bleibt die Führung in der Familie, das Kapital wird an Dritte übergeben).

Eine weitere Handlungsoption ist es, die Unternehmensanteile an eine Stiftung zu übertragen. Bei dieser Lösung behält der Unternehmensinhaber, wenn er möchte, die Führung. Scheidet er aus, ist die Suche nach einem Nachfolger Aufgabe der Stiftung.

Komplexität des Unternehmensverkaufs

Ist die Entscheidung für einen Verkauf gefallen, muss zu Beginn die Verkaufsstrategie festgelegt und das Angebot vorbereitet werden. Zu klären sind hier unter anderem Fragen wie: Wo finde ich mögliche Käufer? Wie organisiere ich eine neutrale und evtl. verdeckte Ansprache? Ein solcher Verkauf ist größtenteils ein vertrauliches Projekt, das behutsam umgesetzt werden muss. So kann eine zu frühe Information an Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten zu einer Verunsicherung führen. Eine zu späte Information dagegen kann das Vertrauen erschüttern. Letztlich sollten Kaufinteressenten sondiert, mit ihnen geschickt verhandelt und ein guter Vertrag abgeschlossen werden.  

Doch wie und wo findet der Senior-Chef einen geeigneten Käufer? Hier gibt es mehrere Möglichkeiten: Er kann mit anderen Unternehmern sprechen, ob Interesse an einer Übernahme besteht. Oder sich an die örtliche Kammer wenden, an Wirtschaftsförderer oder auch an einen entsprechenden Fachverband. Natürlich auch an die Sparkasse. Unternehmensbörsen sind ein weiteres Instrument, Unternehmensverkäufer und -käufer zusammenzubringen. Beispielsweise gibt es nexxt-change: Die von der KfW und dem Bundeswirtschaftsministerium betriebene Unternehmensbörse ist die größte dieser Art in Deutschland. Sie ist die zentrale Unternehmensnachfolgeplattform für IHK, Handwerkskammern, regionale Wirtschaftsförderer und Banken. Zudem gibt es die Deutsche Unternehmerbörse DUB, die von der Verlagsgruppe Handelsblatt betrieben wird, und für Verkäufer und Käufer kostenpflichtig ist. Doch die Mehrheit der Käufer und Verkäufer agiert oftmals „im Verborgenen“, somit ist und bleibt ein großer Teil der Gesuche und Angebote nicht offenkundig. Schließlich wird nur ein Bruchteil aller Firmenverkäufe auf den öffentlichen Unternehmensbörsen wie der nexxt-change oder der DUB sichtbar. Zurückzuführen ist dies in erster Linie auf das hohe Sicherheitsbedürfnis der Inhaber, schließlich ist der Verkauf eines mittelständischen Familienunternehmens fast immer eine äußerst diskrete Angelegenheit. Doch wie und wo werden Unternehmensverkäufe noch organisiert? Häufig über informelle Netzwerke, nichtöffentliche Unternehmensbörsen, andere Plattformen oder auch mit Hilfe von spezialisierten Beratern, die wiederum ihre Netzwerke zur Identifikation von Kaufinteressenten nutzen.

Bilanzpolitik bei geplantem Unternehmensverkauf

Bei der Bilanzpolitik von Familienunternehmen spielt die Erhaltung finanzieller Mittel im Betrieb eine große Rolle. Steht jedoch der Verkauf im Rahmen einer geplanten Unternehmensnachfolge an, sollten andere Ziele im Vordergrund stehen: Es gilt, die Werte des Unternehmens transparent und schlüssig darzustellen. Sämtliche Vermögensgegenstände sollten auf den realistischen Verkehrswert hin überprüft werden. Besonders wichtig bei einem Unternehmensverkauf sind mindestens die letzten drei Geschäftsjahre, weil sie bei der Prüfung durch den Erwerber, der sogenannten Due Diligence, im Fokus stehen. Das bedeutet für den Unternehmer einmal mehr: Kümmere Dich rechtzeitig um das Thema Nachfolge.

Alles in allem ist für jeden einzelnen Inhaber – aber auch für die Familien und alle Mitarbeiter des Unternehmens – die Nachfolgeplanung ein überaus sensibles Thema. Dies ist vollkommen verständlich, wenn man die hohe Komplexität aus Emotionen und wirtschaftlichen Themen bis hin zu rechtlichen und steuerlichen Aspekten bedenkt. Eine gut strukturierte und frühzeitige Planung ist daher ein Kernelement einer erfolgreichen Unternehmensübergabe.

Die Sparkasse unterstützt Sie bei allen Fragen rund ums Thema externe Unternehmensnachfolge. Vereinbaren Sie einfach einen Termin mit Ihrer Private Banking-Beraterin oder Ihrem Private Banking-Berater.

Zu den Fragen der steuerlichen Situation in dem konkreten Fall sollte ein Steuerberater oder eine steuerfachkundige Person hinzugezogen werden.

Die steuerliche Behandlung der Erträge hängt von den persönlichen Verhältnissen des jeweiligen Kunden ab und kann künftig auch rückwirkenden Änderungen (z. B. durch Gesetzesänderung oder geänderte Auslegung durch die Finanzverwaltung) unterworfen sein.

Experten-Interview

Nachfolge-Experte Thomas Dörr erklärt, worauf es bei der Suche nach einer externen Nachfolgelösung ankommt

Thomas Dörr ist Geschäftsführer der K.E.R.N Unternehmensnachfolge GmbH, Frankfurt am Main

Deka Private Banking: Unternehmensinhaber in Deutschland sind im Durchschnitt schon über 50 Jahre alt. Das führt dazu, dass in den nächsten Jahren für über 100.000 Unternehmen eine Nachfolgelösung gefunden werden muss. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Bausteine für eine erfolgreiche Übergabe?

Thomas Dörr: Sicherlich gehört die rechtzeitige und erfolgreiche Planung der eigenen Nachfolge zu den größten Herausforderungen. Die demografische Entwicklung sorgt dafür, dass sich diese Situation weiter zuspitzen wird. Außerdem ist eine Vielzahl von Aspekten zu berücksichtigen, unter anderem personelle und rechtliche. Dazu kommt, dass in vielen Fällen nicht mehr auf die eigene Familie zurückgegriffen werden kann. Also muss eine externe Lösung gesucht werden. Oft ist dann der Verkauf der Gesellschaft eine sinnvolle Option. Dieser Prozess bedarf einer erheblichen Vorlaufzeit. Häufig besteht bei kleineren Firmen eine große Abhängigkeit vom Inhaber. Diese kann man abmildern, indem die Verantwortung und die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt wird, beispielsweise durch die Einführung einer zweiten Führungsebene.

Deka Private Banking: Was erwartet ein externer Nachfolger vom Übergeber?

Thomas Dörr: Gehen wir davon aus, dass der externe Nachfolger das Unternehmen nicht in der Tiefe kennt, benötigt er jede Menge Informationen, und zwar transparente, nachvollziehbare und aussagekräftige. Oft scheitert es schon an diesen Informationen, weil sich der Verkäufer hier nicht ausreichend vorbereitet hat. Ein aktueller Jahresabschluss ist sicher nicht das, was ein Interessent erwartet und was ihm an Angaben ausreicht. Ist sein Kaufinteresse ernst, benötigt er umfangreiche Informationen über das Geschäftsmodell, die Organisation, Kunden, Mitarbeiter und natürlich auch über den finanziellen Hintergrund des Unternehmens. Normalerweise wird dies in einem professionell organisierten Verkaufsprozess in einem Exposé zusammengestellt.

Deka Private Banking: Wie kann ein Berater für Unternehmensnachfolge bei dem Prozess unterstützen?

Thomas Dörr: Für die meisten Unternehmer steht die Klärung, Planung und Organisation der eigenen Nachfolge nur einmal im Leben an. Um dieser Situation gerecht zu werden und grobe Fehler zu vermeiden, ist es empfehlenswert, sich für diesen Prozess eine gezielte Expertise zur Seite zu stellen. Ein Berater kann bei einer geplanten Veräußerung des Unternehmens mögliche Probleme frühzeitig erkennen und angehen. Er kann dabei helfen, einen realistischen Kaufpreis zu ermitteln und durchzusetzen. Dazu erstellt er ein aussagekräftiges Exposé und organisiert den gesamten Verkaufsprozess. Hand in Hand mit einem zusätzlichen steuerlichen und rechtlichen Berater trägt er also maßgeblich dazu bei, dass die Nachfolge zum Erfolg wird.

Zitat

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Die rechtzeitige und erfolgreiche Planung der eigenen Nachfolge ist eine der größten Herausforderungen für inhabergeführte Unternehmen.

Thomas Dörr

K.E.R.N Unternehmensnachfolge GmbH

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