Ihr digitaler Nachlass

Behalten Sie Ihre Handlungsfähigkeit im digitalen Nachlass durch individuelle Regelungen

Autor Thomas Grimm, Deka Private Banking
zuletzt aktualisiert am 31. März 2020
Lesezeit 4 Minuten

Das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT definiert den digitalen Nachlass nüchtern als „Gesamtheit des digitalen Vermögens“. Dazu gehören alle Rechte und Pflichten sowie Rechtsverhältnisse im Zusammenhang mit IT-Systemen und die damit verbundenen elektronischen Daten. Was auf den ersten Blick rein technisch und nach wenig persönlicher Relevanz klingen mag, entpuppt sich bei näherer Betrachtung schnell als Thema, dass uns bereits heute alle betreffen dürfte.

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  • Sie Online-Dienstleistungen nutzen
  • Sie digitale Vermögenswerte besitzen
  • Sie prüfen, welche Regelungen zur Vermögensnachfolge für Sie sinnvoll sind

Die Implikationen aus der Digitalisierung

Wer kennt sie nicht? Erzählungen im Freundes- oder Bekanntenkreis von unvermuteten Bargeld-Funden unter einer Matratze bei Großeltern, Schmuck einer Tante in einer Metalldose im Rosenbeet oder Goldbarren in einem bisher geheim gehaltenen Bankschließfach eines entfernteren Verwandten.

Dies mögen exotisch klingende Beispiele von schwer oder unauffindbarem Vermögen aus einer analogen Welt sein. Sie stehen aber stellvertretend für die Herausforderungen durch eine zunehmende Digitalisierung in allen Lebensbereichen bei der Regelung des eigenen Nachlasses.

In einer analogen Welt lassen sich Vermögen oder Geschäftsbeziehungen z.B. mit Hilfe von Verträgen, Schriftverkehr, Registereinträgen etc. vergleichsweise leicht nachvollziehen. Das Kennen und Auffinden von Vermögen, das Nachvollziehen vertraglicher Rechte sowie Pflichten und die Wahrung von Ansprüchen oder das Abwehren von Forderungen in einer digitalen Welt gestaltet sich ohne eine entsprechende Regelung des digitalen Nachlasses jedoch ungleich schwieriger.

Was ist der digitale Nachlass?

Zum digitalen Nachlass gehören neben Eigentumsrechten an Hardware wie Computern, Smartphones und Tablets auch die Nutzungsrechte an Softwareprodukten, die Rechte an Webseiten, Domains oder Blogs, sämtliche gespeicherten Daten auf lokalen Datenträgern, im Internet und in Cloud-basierten Diensten, alle Nutzerkonten und Zugangsdaten.

Ein eigener Online-Handel gehört ebenso dazu wie ein YouTube-Account mit möglichen Werbeeinnahmen, virtuelle Geldbörsen (Wallets) mit Guthaben auf elektronischen Plattformen (z.B. Bitcoins, Guthaben bei PayPal etc.), bei elektronischen Buchungen erworbene Bonuspunkte und Rabatte (z.B. Flugmeilen) oder auch mit Spielkonten verbundene Werte, wie z.B. virtuelles Geld.

Auch elektronisch verfasste und im Internet gespeicherte Texte (z.B. E-Mails, Beiträge in sozialen Netzwerken und Blogs), Fotos, Videos und Audio-Aufnahmen gehören zum digitalen Nachlass. Gleiches gilt für personenbezogene Profildaten und die Spuren (Metadaten, Logdaten), die Sie auf Plattformen und bei Online-Diensten hinterlassen.

Nicht zu vergessen sind auch online geschlossene Verträge, wie z.B. mit Versandhändlern, Reiseanbietern oder Auktionsplattformen und Zugriffsrechte auf ausschließlich online verwahrte Dokumente, wie z.B. Kontoauszüge, Rechnungen oder Krankenakten. Die Rechte und Pflichten daran gehen grundsätzlich auf die Erben über, und die wenigsten Verträge enden mit dem Tod.

Grundlage für Regelungen zum digitalen Nachlass

Auch heute noch basiert die Vermögensnachfolge auf Regelungen zum Erbrecht im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB), das in seinen Grundzügen inzwischen über 100 Jahre alt ist. Nach den erbrechtlichen Vorschriften des BGB ist auch der digitale Nachlass grundsätzlich vererblich. Die gesetzlichen Vorschriften des BGB regeln neben der Rechtsnachfolge auch die Verteilung des Nachlasses, wobei eine Auseinandersetzung nach Erbquoten vom Gesetz vorgesehen ist.

Eine einzige Ausnahme von der Verteilung nach Quoten gilt für „Schriftstücke, die sich auf die persönlichen Verhältnisse des Erblassers, auf dessen Familie oder auf dessen ganzen Nachlass beziehen“. Diese bleiben gemeinschaftliches Eigentum (§ 2047 Abs. 2 BGB).

Persönliche Schriftstücke haben in der Regel einen ideellen Wert, aber keinen Vermögenswert. Welche Intention steckt also hinter dieser Regelung? Es kann schichtweg vorkommen, dass einzelne Erben auf die Einsichtnahme und Nutzung des Schriftverkehrs angewiesen sind. So zum Beispiel, um bestimmte Rechte nachweisen oder auch Krankheitsverläufe bei vererblichen Erkrankungen nachvollziehen zu können. Durch das gemeinschaftliche Eigentum und die gemeinsame Entscheidung über die Verwahrung persönlicher Schriftstücke soll genau dies sichergestellt werden.

Kommt es jedoch zu Streitigkeiten, die sich z.B. auch an Erinnerungsstücken oder persönlichen Empfindlichkeiten entfachen können, müsste ein einzelner Erbe die Einsichtnahme und Nutzung im Zweifel gerichtlich erzwingen.   

In einer analogen Welt erlangt diese Regelung nur selten praktische Bedeutung. Durch eine zunehmende Digitalisierung in allen Lebensbereichen wird sich dies künftig ändern, da auch E-Mails, Social-Media-Accounts, Gesundheitsakten etc. unter diese Regelung fallen können.

Der Teufel sitzt auch hier im Detail

Bei Dateien und Daten muss insbesondere unterschieden werden zwischen solchen, die persönlichkeitsbezogen (ideelle Werte) oder nachlassbezogen (Digitaler Nachlass) sind.

Als wäre diese Trennung nicht schon schwierig und zeitraubend genug, kann es bei einzelnen Nachlassgegenständen vorkommen, dass die Allgemeinen Geschäfts- oder Nutzungsbedingungen, z.B. von Online-Diensten, oder auch Urheberrechte die erbrechtlichen Regelungen überlagern. So kann es z.B. sein, dass Erben nicht auf ein Nutzkonto im „Gedenkzustand“ zugreifen können oder an einem E-Book nur ein einfaches, nicht übertragbares Nutzungsrecht besteht, während Bücher einer Bibliothek vererblich sind. 

Im Einzelfall kann eine präzise Abgrenzung also große Herausforderungen mit sich bringen und erhebliches Konfliktpotential in sich bergen. Dies alles spricht dafür, bereits frühzeitig Regelungen für den eigenen digitalen Nachlass zu treffen, die auch den Umgang mit Schriftstücken und Familien-Erinnerungen im weitesten Sinne beinhalten.

Dies sollte eine einfache Lösung zur Vermeidung von Streitigkeiten sein und dabei helfen, dass die Handlungsfähigkeit im digitalen Nachlass erhalten bleibt.

Vorkehrungen und Maßnahmen zur Regelung des digitalen Nachlasses

Die Herausforderung anzunehmen und sich schon zu Lebzeiten um Regelungen für den eigenen digitalen Nachlass zu kümmern, sind der wichtigste Schritt. Nutzen Sie anschließend Möglichkeiten, um durch rechtliche Vorkehrungen und technische Maßnahmen die Handlungsfähigkeit in Ihrem digitalen Nachlass sicherzustellen. Sofern Sie einen unternehmerischen Hintergrund haben, sollten Sie zwischen Regelungen für den privaten und den unternehmerischen Nachlass trennen.

Rechtliche Vorkehrungen

  • Regelungen können z.B. direkt in einem Testament hinterlegt oder auch im Rahmen einer Vorsorgevollmacht formuliert werden.
  • Für testamentarische Regelungen zum digitalen Nachlass gilt, dass nur ein handschriftliches und unterschriebenes Testament rechtswirksam ist! Daneben sind natürlich auch notarielle Testamente möglich. Testamentarisch könnten Sie z.B. auch eine Person Ihres Vertrauens zu Ihrem digitalen Nachlassverwalter bestellen. In einer Vollmacht für diese Person sollten Sie zusätzlich festlegen, dass sich diese Person um Ihren digitalen Nachlasse kümmern soll.
  • Eine Vorsorgevollmacht muss mit einem Datum versehen und unterschrieben sein. Unabdingbar ist außerdem, dass sie „über den Tod hinaus“ gilt. Die Vollmacht sollten Sie an Ihre Vertrauensperson übergeben und Ihre Angehörigen darüber informieren, dass Sie Ihren digitalen Nachlass auf diese Weise geregelt haben.
  • In den Vollmachten sollten konkrete Angaben dazu gemacht werden, welche Daten gelöscht, welche Verträge gekündigt und wie mit Profilen in sozialen Netzwerken umgegangen werden soll.
  • Bestimmen Sie ebenfalls, was mit Endgeräten (Computern, Smartphones, Tablets) und den dort gespeicherten Daten geschehen soll.
  • Zu Lebzeiten genießen Sie den Schutz Ihrer persönlichen Daten. Durch entsprechende Regelungen ist auch postmortaler Datenschutz möglich.

Technische Maßnahmen

  • Daten, die nicht in den digitalen Nachlass fallen sollen, löschen sie am besten von Zeit zu Zeit.
  • Nutzungsvereinbarungen oder Verträge mit Online-Diensten, die nicht mehr genutzt werden, sollten gekündigt werden.
  • Fertigen Sie eine Übersicht aller Accounts zu Online-Diensten etc. mit Benutzernamen und Kennworten an.
  • Speichern Sie die Übersicht z.B. auf einem verschlüsselten oder mit einem Kennwort geschützten USB-Stick, den Sie an einem sicheren Ort deponieren, beispielsweise in einem Tresor oder einem Bankschließfach.
  • Teilen Sie dem Bevollmächtigten bzw. Ihrer Vertrauensperson mit, wo Sie die Zugangsdaten zu Ihren Accounts findet, wo Sie z.B. den USB-Stick deponiert haben.
  • Denken Sie daran, die Auflistung Ihrer Accounts immer aktuell zu halten.

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