Im Zinstief erfolgreich sein

Den Stiftungszweck auch im Niedrigzinsumfeld erfüllen

Autor Deka Private Banking
zuletzt aktualisiert am 19. September 2019
Lesezeit 4 Minuten

Stiftungen brauchen eine Rendite von mindestens drei Prozent, um den Stiftungszweck zu erfüllen. Wenn Staatsanleihen als Anlage dafür nicht mehr ausreichen, wird es Zeit, Ihren Vermögensplan zu ändern. Wir sagen Ihnen, welche Möglichkeiten das Stiftungsrecht zulässt.

Interessant für Sie, wenn ...

  • Sie Sorge für das Vermögen einer gemeinnützigen Stiftung tragen
  • Sie an der Konzeption einer sinnvollen Anlagerichtlinie interessiert sind
  • Sie die Spielräume des Stiftungsrechts nutzen möchten

Im Zinstief erfolgreich sein

Viele gemeinnützige Stiftungen sind selbstständig und damit rechtsfähig. Laut Kapitalerhaltungspflicht darf  das Vermögen dieser Stiftungen nicht angetastet werden, der Stiftungszweck wird ausschließlich aus den Erträgen bestritten.  Dazu wurde das Geld in der Vergangenheit oft konservativ in Staatsanleihen angelegt, mit denen sich vor zehn Jahren noch eine Rendite von vier Prozent erzielen ließ. Mittlerweile liegt der Ertrag aber nur noch bei 0,5 Prozent.

Um den Stiftungszweck dauerhaft zu erfüllen, brauchen Stiftungen eine Rendite von mindesten drei Prozent. Das liegt vor allem an der Inflation: Viele Zentralbanken, darunter auch die europäische, streben aus ökonomischen Gründen eine Inflationsrate von etwa zwei Prozent an. Wer nicht will, dass sein Stiftungsvermögen schrumpft, muss also mindestens diese zwei Prozent ausgleichen. Echte Gewinne, mit denen sich der Stiftungszweck erfüllen lässt, sind somit erst mit einer jährlichen Rendite von etwa 3 Prozent möglich.  Für die meisten, oft kleineren Stiftungen ist das zurzeit aber unmöglich. Wenn sie ihr Geld konservativ anlegen, kommen sie bestenfalls auf zwei Prozent – und auch nur dann, wenn sie bereits zusätzlich zu den Anleihen auf Aktien setzen. Konkret bedeutet das: Selbst bei einem Vermögen in Höhe von einer Million Euro bleiben pro Jahr gerade einmal 20.000 Euro zur Zweckerfüllung übrig – Inflation nicht eingerechnet.

Stellt sich die Frage: Was tun? Wir zeigen Ihnen, welche Möglichkeiten Ihnen als Stifter laut Stiftungsrecht überhaupt offenstehen und wie Sie diese nutzen können – direkt bei der Gründung, aber auch bei einer nachträglichen Anpassung.

Viel Spielraum beim Stiftungsrecht

Laut Stiftungsrecht sind gemeinnützige Stiftungen verpflichtet, ihr Vermögen sowohl sicher und wirtschaftlich als auch ertragbringend zu verwalten. Sie müssen also dafür sorgen, dass das Stiftungsvermögen erhalten bleibt und gleichzeitig genug Erträge abfallen, um den Stiftungszweck zu erfüllen. Hinsichtlich der konkreten Umsetzung bleibt das Gesetz allerdings vage.

Die Stiftungsorgane, vorrangig der Vorstand, haben deshalb einen weiten Ermessungsspielraum: Solange sie unvertretbare Risiken vermeiden und trotzdem daran arbeiten, eine möglichst hohe Rendite zu erzielen, sind sie gemäß Stiftungsrecht auf der sicheren Seite. Wichtig ist nur, dass der Vorstand zum Wohle der Stiftung handelt, sich umfassend über Finanzprodukte informiert und deren Chancen und Risiken sorgfältig gegeneinander abwägt. Auch die Pflicht einer mündelsicheren Vermögensanlage, mit der sich Wertverluste praktisch ausschließen lassen, geht nicht aus dem Gesetz hervor, obwohl sie in vielen Satzungen steht. Unzulässig sind lediglich Spekulationen, bei denen das Risiko zu hoch oder gar nicht mehr kalkulierbar ist.  

Für die Praxis bedeutet das: Um das Stiftungsvermögen gemäß Gesetz zu verwalten, sollten die zuständigen Stiftungsorgane auf ein breit aufgestelltes Portfolio setzen, um einen möglichst hohen Ertrag zu erzielen.

Aktien gelten übrigens als konservative Anlageform. Sie sind über einen langen Anlagezeitraum und mit der nötigen breiten Streuung geeignet, den Ertrag zu steigern, ohne den Vermögensbestand zu gefährden. Übertragen auf das Stiftungsgesetz sind deshalb sogar Anlagemodelle erlaubt, die zum Großteil auf Aktien setzen.

Anlagerichtlinie als Absicherung

Bereits bei der Gründung sollten Sie als Stifter darauf achten, dass in der Satzung – speziell beim Punkt Anlagestrategie – ein möglichst großer Handlungsspielraum für den Erhalt und die Vermehrung Ihres Stiftungsvermögens festgeschrieben wird. Dabei sollten Sie sich nicht auf die Mustersatzungen der Stiftungsaufsicht verlassen, da ein zeitlich unbegrenzter Erhalt des Stiftungsvermögens damit nicht immer sichergestellt werden kann. Die Satzung später anzupassen, lässt die Stiftungsaufsicht aber nur in den seltensten Fällen zu.

Deshalb sollten Sie sich rechtzeitig beraten lassen, wie sich das Vermögen nachhaltig erhalten lässt, welche Rolle Umschichtungen und Rücklagen spielen sollen, ob Zustiftungen angenommen werden dürfen und Fundraising möglich ist. Außerdem gilt es zu klären, welche Stiftungsorgane, also zum Beispiel Vorstand oder Beirat, welche Aufgaben und Kompetenzen beim Finanzmanagement besitzen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die so genannte Anlagerichtlinie, die den Rahmen für die Verwaltung des Stiftungsvermögens vorgibt. Sie sollte in der Satzung so angelegt werden, dass sie alle relevanten Befugnisse und Informationen rund um die Vermögensanlage beinhaltet und bei Bedarf flexibel angepasst werden kann. Die Richtlinie definiert sowohl zulässige Anlageformen als auch Grenzen und dient somit dem Stiftungsvorstand als Absicherung für sein Handeln. Gerade bei den Grenzen zeigt sich aber in der Praxis, dass diese oft zu eng gesetzt werden.

Der Grund liegt in dem Wunsch nach größtmöglicher Sicherheit, zum Beispiel durch einen möglichst niedrigen Aktienanteil und dafür einen höheren Anteil an Anleihen. Wenn sich jedoch auf diese Weise der Stiftungszweck nicht mehr erfüllen lässt, kann dies dem Vorstand als pflichtwidriges Verhalten ausgelegt werden.

Zu enge Grenzen müssen deshalb umgehend aufgelöst werden, indem die Anlagerichtlinie überarbeitet wird. Besonders empfehlenswert ist es, von Anfang an eine Öffnungsklausel in der Richtlinie zu installieren, um Anlageformen, die sich erst später als sinnvoll erweisen, in das Portfolio der Vermögensanlage aufnehmen zu können.

Die Anlagerichtlinie muss vom Vorstand genau überwacht werden. Wenn die Stiftung gegen die Richtlinie verstößt, erhöht der Vorstand sein Haftungsrisiko. Solange er jedoch im Rahmen der Anlagerichtlinie zum Wohle der Stiftung handelt und sich - ausreichend informiert - für bestimmte Anlagen entscheidet, ist sein Handeln laut Gesetz grundsätzlich pflichtgemäß.

Neue Wege gehen

Stellt sich die Frage: Welche konkreten Möglichkeiten gibt es, um den Stiftungszweck in Zeiten niedriger Zinsen zu erfüllen?

Die Antwort lautet: in Sachvermögen investieren. Immobilien sind nach wie vor eine attraktive Anlage. Vor allem größere Stiftungen sind oft Eigentümer von Häusern oder Bürogebäuden. Immobilienfonds können je nach Typ sowohl für große als auch für kleinere Stiftungen interessant sein. Auch Aktien zählen zu Sachwerten, weil man sich damit an einem Unternehmen beteiligt und der Wert der Aktien nicht fix ist.

Immer mehr Stiftungen gehen auch neue Wege: Sie nutzen die Vermögensanlage, um passend zu ihrem Stiftungszweck etwas Positives zu bewirken und gleichzeitig eine auskömmliche Rendite zu erzielen.

Eine Umweltstiftung kann zum Beispiel in erneuerbare Energien investieren und auf ihrem Grund und Boden Windkrafträder aufstellen lassen. Eine Sozialstiftung wiederum kann in soziale Wohnungsbauprojekte investieren oder Immobilien für Mehrgenerationenprojekte erwerben. Die Deutsche Rockmusik Stiftung in Hannover kauft ungewöhnliche Gebäude wie zum Beispiel eine ehemalige Friedhofstoilette und vermietet sie als Proberäume für Musiker.

Auch der Erwerb von so genannten Nachhaltigkeitsfonds ist möglich. Diese Fonds berücksichtigen neben den ökonomischen Kriterien auch soziale und ökologische Aspekte – zum Beispiel, ob sich ein Unternehmen für Umwelt und Soziales einsetzt (Stichwort „Environment Social Governance“ ESG) und den „CO2- Fußabdruck“ seiner Produkte oder Dienstleistungen klein hält.  Die Deka bietet eine Reihe von Nachhaltigkeitsfonds an, sprechen Sie bei Interesse einfach Ihren Private-Banking-Berater in Ihrer Sparkasse an.

Welche Spielräume Sie für Ihre Stiftung nutzen können, hängt von Rechtsform, Satzung und der jeweiligen Stiftungsaufsicht ab. Laut Stiftungsrecht spricht zumindest nichts dagegen, neue Wege zu gehen, da das gesamte Vermögen einer Stiftung im Endeffekt allein der Zweckerfüllung dient. Zum Schutz der Verantwortlichen in den Stiftungsorganen sollten die Möglichkeiten der Vermögensanlage, für die Sie sich entscheiden, allerdings ausdrücklich in der Satzung oder zumindest in der Anlagerichtlinie erwähnt sein.

An guter Beratung führt kein Weg vorbei

Klar ist: Die eine richtige Lösung für alle Stiftungen gibt es nicht. Insgesamt wächst aber der Gestaltungsspielraum, um den Stiftungszweck trotz niedriger Zinsen zu erfüllen. Sprechen Sie am besten mit Ihrem Private Banking-Berater der Sparkasse. Er wird Ihnen helfen, die entsprechenden  Anlagemöglichkeiten zu finden, die bei vertretbarem Risiko eine ausreichende Rendite für Ihre Stiftung sicherstellen.

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