Impact Investing für Stiftungen

Wie Stiftungen mit Impact Investing eine „doppelte Rendite“ erzielen können

Autor Deka Private Banking
zuletzt aktualisiert am 23. Dezember 2020
Lesezeit 4 Minuten

Kapital ist ein starker Treiber. Dieses Bewusstsein, mit seinem Geld auch tatsächlich etwas bewirken zu können, ist hierzulande zwar noch nicht sonderlich ausgeprägt. Doch das ändert sich gerade. Immer mehr Investoren erkennen, dass sie mit ihrem Geld einen „Impact“, also eine positive Wirkung erzielen können – ohne dabei auf eine Rendite verzichten zu müssen. Und Stiftungen gehören zu den Vorreitern dieses sogenannten Impact Investing.

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Den guten Zweck auch bei der Kapitalanlage beachten

Nicht ohne Grund: Stiftungen sind gemeinnützige Organisationen mit einem in der Satzung festgelegten Stiftungszweck. Und wenn eine Stiftung mit einer Vermögensanlage eben diesen Zweck unterstützt, handelt es sich um eine Geldanlage, die satzungszweckkonform ist – ein sogenanntes Mission Related Investing.

„Bei Stiftungen als gemeinnützige Organisation gibt es etwa seit Mitte der 2000er Jahre das Mission Related Investing, also ein zweckbestimmtes Investieren“, erläutert Volker Weber, Vorsitzender des Vorstands des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG). „Viele Stiftungen haben ja einen hehren Zweck, den sie verfolgen, aber ihre Kapitalanlage haben sie nicht dementsprechend abgebildet. Und dieses Mission Related Investing besagt ja, dass Stiftungen darauf achten sollen, so zu investieren, wie der Stiftungszweck das auch hergibt. Von daher ist Impact Investing gerade für Stiftungen eine wichtige Investmentstrategie“, erläutert Weber.

Stiftungsvermögen neu ausrichten

Das bedeutet: Impact Investing bietet die Chance, die Anlage des Stiftungsvermögens zugunsten einer zusätzlichen gesellschaftlichen Rendite neu auszurichten. So schreibt auch der Bundesverband Deutscher Stiftungen auf seiner Homepage, dass Stiftungen mit ihrem Vermögen ein starkes Instrument haben, wenn sie es mit dem Ergebnis einer positiven gesellschaftlichen Wirkung investieren. Und weiter: „Impact Investing steckt in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern noch in den Kinderschuhen. Gerade Stiftungen können hier als Vorreiter wichtige Impulse setzen.“

Das erkennen offenbar immer mehr Stiftungen. Hier setzt sich zusehends die Überzeugung durch, dass Vermögensanlage und Satzungszweck nicht völlig getrennt voneinander betrachtet werden können. Immer mehr Stiftungen verfolgen inzwischen eine nachhaltige Anlagestrategie, sei es mit Hilfe von Ausschlüssen, dem Best-in-Class-Ansatz oder einer grundsätzlichen ESG-Analyse.

Sie legen bei der Verwaltung ihrer Kapitalanlage also nicht nur Wert auf Vermögenserhalt beziehungsweise die Erzielung bestimmter Erträge, um ihre Ziele zu erfüllen, sondern sie fordern immer mehr auch einen inhaltlichen Bezug bei der Anlagestrategie.

Neuer Begriff, altes Konzept

Ohnehin mag es sich vielleicht um einen neuen Begriff handeln, das Konzept aber ist es nicht. Vor allem traditionsreiche Stiftungen in Deutschland haben bereits seit Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten ihr Vermögen im Sinne des Stiftungszwecks angelegt. Man denke nur an die Fuggerei in Augsburg oder an die vielen großen Anstaltsträgerstiftungen.

Und das Kapital ist ein scharfes Schwert, um die Gesamtwirkung einer Stiftung zu erhöhen. Laut Schätzungen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen verfügen deutsche Stiftungen über ca. 100 Milliarden Euro an Stiftungskapital. Aber nur einen Bruchteil davon geben sie für satzungsmäßige Zwecke aus. Das Potenzial ist also groß.

Speziell in angelsächsischen Ländern investieren Stiftungen heute bereits Milliardensummen in Impact Investments. So hat sich beispielsweise die Ford Foundation jüngst dazu verpflichtet, in den kommenden zehn Jahren eine Milliarde Dollar ihres Stiftungsvermögens satzungszweckbezogen in Impact Investments anzulegen.

Messbarer Nachweis ist wichtig

Anders als klassische Nachhaltigkeitsstrategien geht es bei dem Ansatz jedoch nicht mehr nur darum, das Schädliche auszuschließen, sondern das Positive, das Wirkung zeitigt, zu fördern. Anhand der definierten Ziele werden die sozialen Erfolge regelmäßig gemessen.

Somit geht der Impact-Investing-Ansatz über die bisherigen klassischen ESG-Ansätze hinaus, denn es verlangt den messbaren Nachweis positiver gesellschaftlicher und/oder ökologischer Wirkung. „Positive soziale und/oder ökologische Wirkungen sollen möglichst direkt, intendiert und nachweisbar sein“, schreibt denn auch die Bundesinitiative Impact Investing.

Viel mehr als Philanthropie

Wichtig dabei ist zudem, Impact Investing nicht nur von klassischen nachhaltigen Geldanlagen zu unterscheiden, sondern auch von Spenden beziehungsweise Philanthropie, die in erster Linie gesellschaftliche Veränderungen anstoßen will und nicht auf eine finanzielle Rendite ausgerichtet sind. Vielmehr schließt wirkungsvolles Investieren in idealer Weise die Lücke zwischen nachhaltig orientierten Anlageansätzen sowie Spenden.

Zu bedenken ist, dass Stiftungen verpflichtet sind, das Vermögen möglichst ertragreich anzulegen – viele habe das in ihrer Satzung verankert. Doch wenn man diese Zielsetzungen – positive Impulse für die Gesellschaft setzen auf der einen und ertragreich anlegen auf der anderen Seite – miteinander verbinden und quasi eine doppelte Rendite erzielen kann, ist das natürlich der Idealfall.

Bislang ist jedoch das Angebot an geeigneten Anlageinstrumenten noch überschaubar. Mit dem Deka-Nachhaltigkeit Impact Renten und dem Deka-Nachhaltigkeit Impact Aktien hat die Deka aber bereits zwei Fonds, die nicht nur den Impact-Investing-Ansatz konsequent umsetzen, sondern auch als ausschüttende Produkte für Stiftungen geeignet sind.

Die beiden aktiv gemanagten Fonds investieren weltweit in Staaten und Unternehmen, die konkret und messbar Lösungen für gesellschaftliche, soziale oder Umweltprobleme liefern. Als Orientierungsmaßstab für die Investitionen dienen die 17 Ziele der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung auf ökonomischer, sozialer und ökologischer Ebene. Alle 17 sind in konkrete und messbare Zielvorgaben unterteilt.

Stiftungsziele effektiver erreichen

Stiftungen können dank Impact Investing nicht nur mit den Erträgen, sondern auch mit der Kapitalanlage selbst Gutes tun. Gerade im anhaltenden Niedrigzinsumfeld fällt es schließlich zunehmend schwer, soziale Impulse nur mit den erwirtschafteten Ausschüttungen zu erreichen. Mithilfe des wirkungsvollen Investierens können die Verantwortlichen die Ziele der Stiftung verfolgen und gleichzeitig wirtschaftlich handeln. Der Einsatz der Kapitalanlage dient somit zugleich auch der Erreichung der Stiftungsziele.

Auch die Sparkasse unterstützt Sie bei allen Fragen zu wirkungsorientierten Investments. Vereinbaren Sie einfach einen Termin mit Ihrem Private Banking-Berater.

Neue Erkenntnisse bezüglich nachhaltiger Aspekte können evtl. erst nachträglich berücksichtigt werden.

Rechtliche Hinweise
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Aussagen gemäß aktueller Rechtslage, Stand: Dezember 2020. 
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Experten-Interview

„Impact Investing ist für Stiftungen eine ziemlich coole Idee“

Im Gespräch mit Tobias Karow, Gründer und Geschäftsführer von stiftungsmarktplatz.eu

Deka Private Banking: Welche Entwicklung beobachten Sie bei den Stiftungen hierzulande, wenn es um das Thema Impact Investing geht?

Tobias Karow: Viele Stiftungen wollen etwas bewirken, aber die Wirksamkeit auch direkt sehen. Das Thema Impact ist deshalb etwas, was Stiftungen sehr interessiert, weil es sie irgendwo auch bei ihrer DNA abholt. Ich beobachte eine grundsätzliche Beschäftigung mit der Frage: Was soll denn eigentlich mit dem Stiftungsvermögen bewirkt werden. Insofern ist in den vergangenen Jahren einiges in Gang gekommen, aber aus meiner Beobachtung heraus noch nicht in effektivem Handeln.

Deka Private Banking: Wie ist es um das Know-how der Stiftungen in Sachen nachhaltige Geldanlage und speziell Impact Investing bestellt?

Tobias Karow: Im Schnitt ist das Wissen um diese Themen nicht so groß. Es fehlt in vielen Stiftungsgremien ein Kriterienkatalog, in dem drinsteht, was mit der Kapitalanlage bewirkt werden soll beziehungsweise was für die jeweilige Stiftung besonders wichtig ist und was mit der Kapitalanlage zum Ausdruck gebracht werden soll. Und idealerweise könnte genau dies gegenüber einer Fondsgesellschaft anhand eines Kriterienkatalogs abgefragt werden. Das ist aber nur bei den wenigsten Stiftungen der Fall, allein aus dem einfachen Grund, weil es die meisten Stiftungsverantwortlichen, die ja häufig ehrenamtlich tätig sind, nicht leisten können. Genau hier braucht es unabhängige Berater oder Ansprechpartner auf Seiten der Fondsgesellschaften, die gute und professionelle Unterstützung leisten. Ganz klar: Beratung tut hier Not.

Deka Private Banking: Aber legen viele Stiftungen nicht ohnehin im Sinne des Mission-Related Investings passend zu ihrem Stiftungszweck an?

Tobias Karow: Es gibt aus meiner Sicht bislang nur wenige Stiftungen, die das Thema Mission-Related Investing konsequent umsetzen, etwa wenn eine Stiftung Boden kauft und soziale Wohnungsimmobilienprojekte baut, um gegen die Bodenspekulation ein Gegengewicht zu setzen und stattdessen den sozialen Wohnungsbau fördert. Das sind aber sehr spezielle Modelle, wo sich die Stiftung ganz konsequent einer Idee verschrieben hat. Ich denke, man muss unterscheiden: Auf der einen Seite Mission-Related-Investing, das für viele eher eine kleine Utopie und nicht umsetzbar ist. Auf der anderen Seite das Impact Investing, bei der die Stiftung auf den Wirkungsaspekt des Investments achtet. Und dies ist für viele Stiftungen noch deutlich greifbarer.

Deka Private Banking: Woran scheitert es dann trotzdem?

Tobias Karow: Häufig an geeigneten Investments. Ich bin mir sicher: Impact Investing ist als Teil der Kapitalanlage einer Stiftung eine ziemlich coole Idee. Aber entscheidend ist, dass das Produkt auch tatsächlich ausschüttend ist, sonst macht es für eine Stiftung keinen Sinn. Es braucht für die Erhaltung ihres Steuerprivilegs einen ordentlichen Ertrag und den gibt es natürlich nur durch einen ausschüttenden Fonds, es braucht aber eben auch die Portfolio-Idee, in die dann Impact Investments eingebettet sind.

Deka Private Banking: Wie ist Ihr Ausblick?

Tobias Karow: Ich glaube, es wird sich in den kommenden Jahren einiges tun. Die Stiftungen werden aber zusehends kritischer werden und von den Produktanbietern detailliertere Informationen und keine Marketingbotschaften einfordern. Und die Stiftungen werden sich die Partner genau aussuchen. Ein Stiftungsvorstand sagte mir vor kurzem: Ich gucke auch darauf, mit welchem Auto der Bankmitarbeiter oder Berater bei mir vorfährt. Das heißt, auch die Gesellschaft selbst muss ein entsprechendes Auftreten haben und die Nachhaltigkeit vorleben und nicht mit dem SUV zum Termin kommen.

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