In der Krise bestehen

Warum es für Unternehmer und Freiberufler jetzt wichtig ist, sich für bessere Zeiten aufzustellen

Autor Deka Private Banking
zuletzt aktualisiert am 8. April 2020
Lesezeit 4 Minuten

Die Corona-Pandemie trifft die Wirtschaft hart. Auch in Deutschland beschert die Ausbreitung des Virus den Unternehmen Produktionsausfälle, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit. Auch wenn es derzeit schwerfallen mag: Wer sich jetzt richtig auf die Krise einstellt, ist auch für die Zeit danach besser gerüstet.

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Große Herausforderungen

Eins steht jetzt schon so gut wie fest: Industrie, Handel, Hersteller und Dienstleister müssen sich auf eine Rezession einstellen. Davon betroffen sind natürlich auch viele kleinere und mittlere Unternehmer sowie Freiberufler. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag warnt sogar vor einer „Pleitewelle unvorstellbaren Ausmaßes“.

Die Herausforderungen für die Unternehmen sind vielfältig. An erster Stelle steht die gesunkene Nachfrage, gefolgt von der Stornierung von Aufträgen und dem Stillstand der geschäftlichen Tätigkeit, da Unternehmen auf behördliche Anordnung geschlossen wurden. Die Folgen sind in der Regel Liquiditätsengpässe.

Um die Folgen der Pandemie für Wirtschaft und Beschäftigte abzufedern, hat die Bundesregierung ein milliardenschweres Hilfspaket auf den Weg gebracht. Damit sollen unter anderem Hilfen für Kleinstbetriebe geleistet werden. Hinzu kommen Garantien und Liquiditätshilfen sowie Gelder für mögliche Staatsbeteiligungen in der Krise:

Soforthilfe für notleidende Unternehmer

Die Politik hat mittlerweile ein milliardenschweres Hilfspaket für Unternehmen und freie Berufe geschnürt. Darin enthalten sind unter anderem enthalten:  Ausweitung des Kurzarbeitergeldes, wenn zehn Prozent der Beschäftigten vom Ausfall betroffen sind; erleichterte Steuerstundungen und angepasste Vorauszahlungen, Verzicht auf Vollstreckungen und Säumniszuschläge (bis Ende des Jahres); Programme für Liquiditätshilfen mit KfW-Mitteln oder aus Landeshilfen der einzelnen Bundesländer. Auch regionale Kreditinstitute bieten vereinzelt vorübergehende Aussetzung von Tilgungsleistungen und Kreditprogramme des kurzfristigen Liquiditätsbedarfs an.

Wichtige Fragen und Antworten zu den Anträgen auf Corona-Hilfe finden Sie hier

Blick für die Zukunft auch in der Krise nicht verlieren

Ungeachtet der umfangreichen Soforthilfe herrscht weiter Ungewissheit, wie lange diese Ausnahmesituation mit scharfen Einschränkungen des wirtschaftlichen und öffentlichen Lebens andauern wird. Doch die gute Nachricht lautet: Bis die Wirtschaft wieder anspringt und es zu einer neuen Wachstumsphase kommt, ist nur eine Frage der Zeit. Diese Zeit aber sollten Unternehmer nutzen. Einerseits um dann entsprechend vorbereitet zu sein, andererseits aber vor allem auch, um sich für künftige derartige Ereignisse neu auszurichten bzw. aufzustellen.

Natürlich sind in einer existenziellen Krise zunächst Akut-Maßnahmen überlebenswichtig. Die Gefahr besteht jedoch, dass die Unternehmenslenker zu reinen Krisenmanagern werden und dabei den Blick für die Zukunft verlieren. Doch genau dieser Blick ist nötig, da sich in einer Krise stets auch der Markt zum Teil neu strukturiert, etwa indem sich die Bedürfnisse der Kunden oder gesellschaftliche Rahmenbedingungen ändern. Oder weil Konkurrenten vom Markt verschwinden oder einen Strategiewechsel vornehmen. Deshalb ist es notwendig, dass Unternehmer immer auch die Zeit nach der Krise soweit möglich gedanklich berücksichtigen.

Arbeitsabläufe und -Strukturen kritisch hinterfragen

Unternehmer und Selbständige sollten den jetzigen Stillstand auch als Chance begreifen, etwa um Unternehmensstrukturen und -abläufe zu überdenken, Innovationen zu initiieren und umzusetzen und nicht zuletzt um neue Strategien für die Zukunft zu entwickeln.

Wie das gehen kann, zeigten in den vergangenen Wochen schon einige prominente Beispiele. So haben Unternehmen kurzfristig ihre Produktion umgestellt und mit neuen Produkten auf die aktuelle Krise reagiert. Der Luxuskonzern LVMH stellte etwa aufgrund der Corona-Krise seine Fabriken in Frankreich für die Produktion von Desinfektionsmitteln zur Verfügung. Zwei weitere Beispiele sind die Bekleidungshersteller Trigema und Eterna – sie fertigen Schutzmasken an – auch wenn sie zugegebenermaßen nicht die hohen Standards für zertifizierte Medizinprodukte erfüllen. Oder das badische Kunststofftechnik-Unternehmen Schäfer, das den mobilen Spuckschutz „erfand“, also im Grunde nichts anderes als eine Plexiglas-Scheibe, die Menschen voreinander schützt, ob an der Kasse, im Büro oder am Empfang.

Klar ist: Es gibt keine pauschale Lösung, denn jedes Unternehmen ist individuell und hat seine eigenen Herausforderungen zu meistern. Was für das eine Unternehmen funktioniert, muss für die andere Firma nicht zwangsläufig die richtige Lösung sein. Entscheidend ist jedoch, die strukturellen Veränderungen zu erkennen, die eine Krise mit sich bringen wird.

Lieferketten: Qualität vor Kostengesichtspunkten

In der aktuellen Corona-Krise betrifft ein wichtiger Aspekt die globalen Lieferketten. Hier werden zum Teil enorme Abhängigkeiten sichtbar, deren Tragweite bislang oftmals verborgen war. Viele Unternehmen haben möglicherweise ihre Lieferketten in der Vergangenheit eher unter dem Gesichtspunkt der Kosten gestaltet und weniger auf die Versorgungssicherheit geachtet. Das rächt sich jetzt. In Zukunft sollte es vor allem darum gehen, diese Lieferkette zu sichern und mit Zulieferern in engerem Kontakt zu bleiben.

Gleichzeitig zeigt die aktuelle Situation auch schonungslos die Schwächen von Unternehmen auf, die den digitalen Wandel verschlafen haben. Und das gilt nicht nur für das schnelle und sichere Umschalten auf Home-Office und die dazu gehörigen Abläufe.

Auch neue Marktzugänge sowie innovative Formen der Produktion und des Vertriebs der Produkte und Dienstleistungen gilt es zu überdenken und womöglich weiter zu entwickeln. Unternehmungen, die solche Veränderungen nicht vollziehen, werden langfristig aus ihren Märkten gedrängt.

E-Commerce und der Online-Verkauf dürften weiter an Bedeutung gewinnen. Das bedeutet: Wer es als Unternehmer bislang nicht getan hat, sollte sich jetzt mit dem Thema befassen und die notwendigen Strukturen schaffen. Die wegen Corona zurückgehende Auftragslage könnte vielen Unternehmer auch Zeit verschaffen, sich um eine klare Ordnung und Katalogisierung ihrer IT und der IT-Services zu kümmern.

Gemeinsam stark: Mehr Netzwerken und Kooperationen wagen

Ein weiterer Trend, der sich immer stärker abzeichnet und anhalten dürfte: Um die Krise und die Folgen zu bewältigen, kommt es mehr denn je auf Zusammenarbeit und die Gemeinschaft an. Netzwerken heißt das Schlüsselwort. Das können Unternehmer und Selbstständige jetzt angehen und mit Partnern mögliche interessante Opportunitäten ausloten. Aus einem stärkeren kooperativen Miteinander können auch bessere Netzwerke unter Selbstständigen und Unternehmen erwachsen.

Bislang bezieht sich der Netzwerkgedanke zumeist auf ein unmittelbares Empfehlungsgeschäft, um kurzfristig neue Aufträge zu gewinnen. Doch zur langfristigen Stärkung unterschiedlicher Geschäftsfelder erscheint es viel sinnvoller, auch über den Tellerrand hinauszuschauen und verlässliche Partnerschaften zu bilden.

Das alles zeigt: Trotz aller Schwierigkeiten und Probleme bietet die momentane Situation auch genau die Chance, das eigene Unternehmen für die Zukunft zu positionieren, alte Zöpfe abzuschneiden und schneller als die Konkurrenz durchzustarten, vorausgesetzt, die wirtschaftliche Lage lässt es wieder zu.

Dass das funktionieren kann, hat die Boston Consulting Group (BCG) in einer Langfriststudie mit dem Titel Comeback Kids 2019: Durchstarten nach der Finanzkrise gezeigt. Die Studie ging der Frage nach, welche Unternehmen die Finanzkrise 2008 erfolgreich überwinden konnten. Demnach zeigt sich, dass diese sogenannten „Comeback Kids“ sich von anderen Unternehmen durch eine schnelle Mittelfreisetzung in der Krise in Kombination mit einer langfristigen Wachstumsstrategie unterscheiden.

„Comeback Kids“ als gutes Beispiel für Krisenbewältigung

Die Berater haben die Krisenbewältigung in vier Phasen unterschieden: Turbulenzen meistern, Stabilisieren, Durchstarten sowie Auf Kurs halten. Es gebe zwar kein Patentrezept zur Wertgenerierung in der Krise. Aber eine konsequente und auf die jeweilige Konjunkturphase ausgerichtete Strategie zeichne die erfolgreichen Unternehmen aus, so die Studienautoren. „Unternehmen, die eine Krise als Chance nutzen, handeln schnell und verfolgen eine klare Vision im Hinblick auf die mittel- und langfristigen Wachstumsziele.“

Die Comeback Kids haben in der Krise konsequente Liquiditätssicherung betrieben, aber zugleich nach vorn geschaut, die Beziehungen zu den wichtigsten Lieferanten und Kunden gestärkt und „alte Zöpfe“ in ihrer Strategie und der eigenen Organisation entfernt. Dadurch haben sie ihren Handlungsspielraum erweitert und sind robuster geworden. Diese Unternehmen gingen somit aus diesen turbulenten Zeiten doppelt gestärkt hervor. Sie haben es verstanden, auf Veränderungen in ihrem Umfeld rechtzeitig zu reagieren und krisenhafte Entwicklungen als Chance zu nutzen, um sich neu aufzustellen. Für eine langfristige Wertschaffung sind dies entscheidende Faktoren.

Das verdeutlicht: Unternehmen sollten sich für Krisensituationen rüsten, um im Idealfall durchweg handlungsfähig zu bleiben oder Geschäftsprozesse schnell wieder zum Laufen zu bringen. Denn die Corona-Krise wird vorbeigehen und der Wirtschaftsalltag irgendwann zurückkommen. Gerade die kommenden Wochen, vielleicht Monate sollten Selbständige und Unternehmer jetzt für die Zeit nach der Krise nutzen. Zum einen, um ausgebliebenes Geschäft nachzuholen und die finanziellen Auswirkungen von Corona wieder auszugleichen – zum anderen aber auch um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, von einem möglichen Aufschwung zu profitieren, der den jetzigen Stillstand dauerhaft vergessen machen kann.

Unterstützung erhalten Sie auch von Ihrer Sparkasse. Wenden Sie sich bezüglich der KfW-Notfallkredite oder bei Fragen zur Digitalisierung Ihres Unternehmens an Ihre Private Banking-Beraterin oder Ihren Private Banking-Berater.

Experten-Interview

„Das Wichtigste ist: Dranbleiben!“

Dr. Patrick Peters, geschäftsführender Inhaber bei Dr. Patrick Peters - Klare Botschaften, berät Unternehmen in Sachen Strategie und Unternehmenskommunikation. Im Interview gibt er Tipps, wie sich Betriebe und Freiberufler jetzt positionieren sollten.

Deka Private Banking: Herr Peters, die Corona-Krise hat vor allem viele kleinere Unternehmen und Selbstständige mit voller Wucht erwischt. Was hören Sie von Ihren Kunden, was sind die schlimmsten Folgen bzw. Probleme der aktuellen Krise?

Peters: Es gibt zwei große Schwierigkeiten. Zum einen sind das die unsicheren Aussichten, wann es weitergeht und wie heftig die Rezession wirklich wird. Von einem Abschwung gehen mittlerweile alle Unternehmer aus, mit denen ich spreche, aber die Prognosen reichen von "Wird nicht so schlimm" bis "Schlimmste Krise aller Zeiten". Zum anderen – und das ist das wesentlich größere Problem – besteht ganz aktuell eine Liquiditätskrise bei vielen, vor allem kleineren Unternehmen, weil die Umsätze ausbleiben. Das reduziert die Handlungsspielräume und die Stabilität in der Krise.

Deka Private Banking: Was wäre jetzt der größte Fehler, den Unternehmer und Freiberufler tun könnten?

Peters: Den Kopf in den Sand zu stecken und nichts mehr zu tun, wäre der größte Fehler. Es wird eine Zeit nach der Krise geben, auf die sich Unternehmer bereits vorbereiten sollten. Im kommenden Jahr ist schon wieder mit einem deutlichen Aufschwung zu rechnen. Wer sich aber jetzt zurückzieht, Kommunikation und Marketing einstellt und seine Strategien nicht festigt, wird in ein paar Wochen oder wenigen Monaten Schwierigkeiten haben, schnell wieder auf Betriebstemperatur zu kommen. Und warum sollte man einem Rückstand hinterherlaufen, zu dem es gar nicht kommen muss? Es gilt also, bestmöglich mit seinen Aktivitäten weiterzumachen und die Krise zu nutzen, um sich für die Zeit nach der Krise zu positionieren und bei den potenziellen Kunden und Partnern dauerhaft im Gespräch zu bleiben.

Deka Private Banking: Was raten Sie Ihren Kunden? Welche strategischen Schritte sind jetzt zu tun, um die Krise nicht nur zu bestehen, sondern auch möglicherweise gestärkt aus ihr hervorzugehen?

Peters: Das Wichtigste ist: Dranbleiben! Es ist wichtig, dem Markt und den Kunden zu zeigen, dass es weitergeht und dass man an die Zukunft glaubt. Das ist eine wichtige Botschaft, die für Stabilität sorgt und die Beziehungen stärkt. Ebenso sollten Unternehmer genau ihren Wettbewerb beobachten und schauen, welche Lücken sich ergeben können. Denn eines ist klar: Es wird nicht jeder überleben. Und wer sich jetzt strategisch in Position bringt, kann Marktanteile und gegebenenfalls auch passende Mitarbeiter übernehmen. Mit unseren Mandanten läuft daher alles weiter wie gehabt – Kommunikation und strategische Planungen gehören eben in jede Phase!

Zitat

Eine Krise kann ein produktiver Zustand sein. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.

Max Frisch (1911-1991)

Schweizer Schriftsteller

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