International agieren

Internationalisierung anpacken und Förderprogramme nutzen

Autor Deka Private Banking
zuletzt aktualisiert am 19. September 2019
Lesezeit 3 Minuten

Eine internationale Ausrichtung Ihres mittelständischen Unternehmens bietet jede Menge Chancen, birgt aber auch Risiken. Wir sagen Ihnen, worauf Sie bei Ihren Internationalisierungsaktivitäten achten sollten, um im Ausland erfolgreich zu sein.

Interessant für Sie, wenn …

  • Sie sich über die Chancen und Risiken der Internationalisierung Ihres Unternehmens informieren möchten
  • Sie Ideen für Ihre Internationalisierungsstrategie suchen
  • Sie Tipps über Fördermöglichkeiten erhalten möchten

International agieren

Das wirtschaftliche Potenzial der Internationalisierung ist enorm: Seit dem Jahr 2000 stieg der Exportumsatz von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Deutschland um fast 40 Prozent auf mehr als 200 Milliarden Euro. Doch längst nicht alle KMU in Deutschland haben ihr Geschäft bereits international ausgerichtet. Im Gegenteil: Je nach Berechnung und Schätzung liegt die Quote der exportierenden KMU gerade einmal bei etwa 11 bis 18 Prozent. Ihnen fehlt es häufig an einer Internationalisierungsstrategie.

Gründlich abwägen: Chancen und Risiken der Internationalisierung

Gründe für eine internationale Ausrichtung eines KMU gibt es viele: Die meisten Unternehmen möchten neue Absatzmärkte erschließen. Sie erhoffen sich durch die Internationalisierung mehr Absatz, Umsatz und letztendlich mehr Gewinn. Auch die Nähe zum Kunden spielt eine wichtige Rolle: Der direkte Draht zur Zielgruppe ermöglicht es, Produkte oder Dienstleistungen passgenau auf die Bedürfnisse der Kunden vor Ort abzustimmen. Viele KMU wünschen sich außerdem eine spürbare Kostenentlastung durch bessere Kapazitätsauslastungen und günstigere Produktionsbedingungen.

Auf der anderen Seite birgt die Internationalisierung eine Reihe von Risiken: Die schwierige Suche nach Geschäftspartnern, zu wenig freie Kapazitäten im Management, zu hohe Gesamtkosten, nicht ausreichende Finanzierungsmittel und zu viel Aufwand zählen bei den Unternehmen zu den Hauptgründen gegen Auslandsaktivitäten. Ein weiterer Punkt, der aktuell an Bedeutung gewinnt, sind geopolitische Risiken, sei es durch Handelskriege, Sanktionen, Nationalismus und abgeschottete Märkte. Eine Internationalisierungsstrategie ist also unerlässlich. Mehr zu diesem Thema erfahren Sie hier.

Schritt für Schritt zur Erfolg versprechenden Strategie

Wenn Sie Chancen und Risiken gründlich abgewogen haben und die Internationalisierung aktiv angehen möchten, brauchen Sie eine Erfolg versprechende Strategie für Ihr Unternehmen. Diese Schritte sollten Sie berücksichtigen:

Schritt 1: Ziele klar formulieren

Als erstes sollten Sie sich über die genauen Ziele klarwerden, die Sie sich von einer Internationalisierung versprechen: einen größeren Marktanteil? Neue Zielgruppen? Oder doch Mehr Umsatz? Die Ziele sollten Sie in jedem Fall so klar wie möglich formulieren. Und sie sollten überprüfbar sein: Setzen Sie genaue Kennzahlen fest, anhand derer Sie später Ihren Erfolg kontrollieren können – zum Beispiel zur Höhe des Umsatzes, zur Anzahl neu gewonnener Kunden oder zum angestrebten Marktanteil.

Schritt 2: Zielmärkte sorgfältig auswählen und analysieren

Im zweiten Schritt sollten Sie das Land festlegen, in dem Sie Ihre Auslandaktivitäten starten wollen. Dabei gilt: Weniger ist mehr. Statt möglichst schnell auf möglichst viele Märkte zu drängen, sollten Sie lieber Schritt für Schritt vorgehen. Jedes Land hat seine Besonderheiten, die Sie beachten müssen – vor allem die rechtlichen Rahmenbedingungen unterscheiden sich teilweise signifikant. Das betrifft Gesetze und Vorschriften, Richtlinien und Regularien, Kennzeichnungspflichten und vieles mehr. Innerhalb der Europäischen Union (EU) müssen Sie zum Beispiel die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung beachten, die 2018 endgültig in Kraft getreten ist. Außerdem sollten Sie auch die Wettbewerber, die vor Ort bereits aktiv sind, genau analysieren.

Schritt 3: Form der Internationalisierung wählen

Steht das Land fest, müssen Sie sich für eine Form der Internationalisierung entscheiden. Der erste Schritt ist der Export, bei dem Sie keinerlei Investitionen in unbekannten Ländern tätigen müssen. Ihre Kapitalleistung erfolgt zu hundert Prozent hier in Deutschland.

Sie können sich aber auch – direkt oder später – für eine andere Form entscheiden: Bei der Lizenzvergabe können Sie Ihre Produkte im Ausland verkaufen lassen, ohne selbst einen Vertrieb aufbauen zu müssen.

Mit einer Auslandsniederlassung zeigen Sie im Zielland mit geringen juristischen und steuerrechtlichen Auflagen Präsenz. Ein Produktionsbetrieb im Ausland bietet Ihnen die Möglichkeit, Transportkosten, Zölle und Steuern zu sparen – und oft zu niedrigeren Kosten zu produzieren. Und mit einer Tochtergesellschaft gründen Sie eine eigenständige juristische Person, mit der Sie flexibler und selbstständiger im Zielland agieren können als mit jeder anderen Internationalisierungsform.

Bei Direktinvestitionen sollten Sie sich aber über den größeren Aufwand und die höheren Risiken im Klaren sein. Im Vergleich zum Export stellen zum Beispiel die langfristige Kapitalbindung und der höhere Kapitaleinsatz finanzielle Risiken da. Meistens entscheiden sich Unternehmen erst dann für Direktinvestitionen, wenn sie bereits langjährige Erfahrungen im Export gesammelt haben

Mehr zu den verschiedenen Internationalisierungsformen erfahren Sie hier.

Schritt 4: schnellen und kostengünstigen Zahlungsverkehr sicherstellen

Das Gros aller exportierenden KMU in Deutschland macht seine Auslandsgeschäfte vorwiegend oder ausschließlich in Europa – und dort wiederum zum größten Teil innerhalb der EU. Finanztechnisch kein Problem.

Komplizierter wird es, wenn die Auslandsaktivitäten in Übersee stattfinden. 15 Prozent der mittelständischen Exporteure sind beispielsweise in den USA aktiv, gefolgt von Asien und Russland. Dabei stellt sich stets die Frage, in welcher Währung die Geschäfte abgewickelt werden. In einigen Ländern ist die heimische Währung nicht ohne Weiteres in eine andere Währung konvertierbar, der Zugang zu internationalen Kapitalmärkten ist eingeschränkt oder es herrscht Devisenknappheit. Sie können also nicht überall mit Zahlungen in US-Dollar oder Euro rechnen – und müssen überlegen, wie Sie mit den ausländischen Devisen umgehen: Halten Sie die Devisen bei einer Bank im Ausland, auf einem Fremdwährungskonto im Inland, tauschen Sie sie in Euro um oder investieren Sie sie direkt im Exportland?

Auch das Risiko durch Wechselkursschwankungen ist nicht zu unterschätzen. Nur ein Beispiel: Wenn Sie ein Geschäft in einer Fremdwährung abschließen, der Rechnungsbetrag aber erst zu einem späteren Zeitpunkt fällig wird und die Währung bis dahin unerwartet an Wert verliert, kann das auch für Sie einen erheblichen Verlust bedeuten. Hier empfiehlt sich in jedem Fall ein passendes Währungsrisikomanagement.

Für Lösungen rund um den internationalen Zahlungsverkehr, den Umgang mit Fremdwährungen, das Dokumentengeschäft, die Absicherung von Risiken und zum Thema Bankgarantien wenden Sie sich gern direkt an Ihren Private-Banking-Berater in Ihrer Sparkasse. Er kann Ihnen bei Ihrer Internationalisierungsstrategie helfen.

Gut zu wissen: staatliche Unterstützung nutzen

Nicht nur die Sparkasse steht an Ihrer Seite – auch der Staat bietet passgenaue Fördermaßnahmen, um Ihnen den Weg in Auslandsmärkte zu erleichtern: Dazu zählen das branchenübergreifende KMU-Markterschließungsprogramm und Exportinitiativen in den Bereichen Umwelttechnologie, Gesundheitswirtschaft und Zivile Sicherheit. Außerdem die branchenspezifische Exportinitiative Energie.

Alle Fördermaßnahmen bieten Beratungen und Infos zu Auslandsmärkten, Kontakte zu internationalen Geschäftspartnern sowie Veranstaltungen, bei denen Sie einem ausgewählten Fachpublikum Ihre Produkte oder Dienstleistungen vorstellen können.

Darüber hinaus stehen weitere Angebote rund um das Thema Internationalisierungsstrategie zur Verfügung, zum Beispiel die Beratung der Auslandshandelskammern und die Exportkreditgarantien.

Mehr zu den staatlichen Fördermaßnahmen finden Sie hier.

Zu allen finanziellen Fragen rund um Ihre Auslandsaktivitäten und die Internationalisierungsstrategie Ihres Unternehmens vereinbaren Sie gerne einen Termin mit Ihrem Private Banking-Berater in Ihrer Sparkasse.

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