Interne Nachfolge regeln

Den Generationenwechsel erfolgreich planen und umsetzen

Autor Deka Private Banking
zuletzt aktualisiert am 14. Januar 2021
Lesezeit 4 Minuten

Wer mit Erfolg ein Unternehmen aufgebaut und dieses über Jahre oder oft sogar Jahrzehnte geführt hat, dem liegt viel daran, dass der Betrieb auch nach seinem Ausscheiden in den verdienten Ruhestand weiterhin erfolgreich am Markt besteht. Häufig wird bei der Regelung der Unternehmensnachfolge auf die eigene Familie zurückgegriffen. Auch hier ist es wichtig, sich frühzeitig und im Detail darüber Gedanken zu machen und Gestaltungsalternativen zu analysieren.

Interessant für Sie, wenn...

  • Sie sich als Unternehmer zur Ruhe setzen möchten
  • Sie Ihre Unternehmens- und Vermögensübergabe regeln möchten
  • die Nachfolge innerhalb der Familie erfolgen soll

Die jüngere Generation übernimmt

Bei etwa der Hälfte aller Familienunternehmen in Deutschland wird die Nachfolge intern – also innerhalb der Familie – geregelt. Das oberste Ziel ist es, die Unternehmenskontinuität sicherzustellen: Der Betrieb soll auch in Zukunft als wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen eigenständig im Wettbewerb mit anderen Firmen am Markt bestehen können. Ein weiteres Ziel von Unternehmerfamilien im Rahmen einer Nachfolgeregelung ist es, für das künftige wirtschaftliche Auskommen des ausscheidenden Firmeninhabers zu sorgen.

Häufig zieht sich der Senior-Chef nur aus der operativen Leitung zurück und behält zunächst noch seine Firmenanteile. Dabei möchte er jedoch die wohlverdienten Früchte seines langjährigen Unternehmertums in Form einer monatlichen Pensionszahlung ernten. Doch an dieser Stelle treten oft schon die ersten Fallstricke auf. Denn an die bisherigen Firmenlenker eingeräumte Pensionszusagen sind in vielen Fällen nicht gedeckt. Gleiches gilt für Zusagen an ausscheidende Mitarbeiter im Rahmen von Betriebsrenten. Wenn sie nicht über Jahre zurückgelegt wurden, muss das Unternehmen diese Beträge letztlich aus dem laufenden Betrieb erwirtschaften.

Die Ausfinanzierung von Pensionsverpflichtungen kann also mit Blick auf die Abgabe an die nächste Generation ein durchaus wunder Punkt sein. Auch bei der Ermittlung des eigentlichen Unternehmenswertes. Während in einigen Unternehmerfamilien nur ein Nachkomme vorhanden ist, der bzw. die den Betrieb übernehmen kann, sind es in anderen Familien gleich mehrere Angehörige, die die Firma weiterführen können bzw. sollen. Dann geht es darum, wieviel der Nachfolger an möglicherweise vorhandene Geschwister auszuzahlen hat. Nicht selten kommt es dazu, dass Unternehmen am Ende unter Wert verkauft werden müssen oder sogar eine Insolvenz nicht zu vermeiden ist.

Überhaupt wird dem Thema Verteilungsgerechtigkeit oft eine besonders hohe Bedeutung beigemessen, um Streit innerhalb der Familie zu vermeiden. Zu recht, denn das Firmenvermögen hat vielfach einen Anteil von 80 bis 90 Prozent am Gesamtvermögen des Senior-Chefs. Wie also ‚gerecht‘ verteilen, wenn ein so großer Teil des Gesamtvermögens Firmenvermögen ist und mehrere Nachkommen an der Vermögensnachfolge beteiligt werden wollen? Diese wichtige Frage sollte sicherlich frühzeitig geklärt werden. Was aber häufig auf der Strecke bleibt und nicht früh genug angepackt wird, sind eben die existenziellen Fragestellungen, wie zum Beispiel die Ausfinanzierung von Pensionszusagen.

Übergabe frühzeitig und mit Sorgfalt planen

Natürlich gehört in eine frühzeitige Planung die Analyse der aktuellen unternehmerischen Situation, die detaillierte Konzipierung der Übergabe und am Ende schließlich die konsequente Umsetzung. Familien, die vor der Frage der internen Unternehmensübergabe stehen, sollten stets gründlich vorgehen sowie sämtliche Optionen und Szenarien im Detail durchspielen. Dann kann es gelingen, die Bedürfnisse, Erwartungen und Wünsche der einzelnen Familienangehörigen mit in die Lösung einzubeziehen. Erfolgskritisch ist auch, dass sich der ausscheidende Firmenchef mit der Vorstellung anfreundet, dass sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin eben gerade nicht alles „beim Alten“ belässt, sondern einige Dinge in Zukunft durchaus auf andere Weise angeht. Außerdem ist es für jeden Unternehmer - auch für junge Gründer - ratsam, einen Notfallplan für die ungeplante Unternehmensnachfolge vorbereitet zu haben. In diesem sollten Regelungen zu finden sein, wie im Fall eines plötzlichen, nicht vorhersehbaren Ereignisses das Unternehmen fortgeführt werden kann und soll.

Eine erfolgreiche Unternehmens- und Vermögensübergabe innerhalb der eigenen Familie bedarf stets einer frühzeitigen Vorbereitung. Frühzeitig bedeutet hierbei, mindestens 10 Jahre vor der geplanten Übergabe einen geeigneten Plan in der Tasche zu haben, damit bei bestimmten Punkten noch genügend Zeit bleibt, um bei Bedarf gegenzusteuern. So lässt sich mancher Stolperstein aus dem Weg räumen. Ein kritisches Thema kann in diesem Zusammenhang auch der Liquiditätsabfluss durch Erbschafts- oder Schenkungssteuer sein. So manchem Unternehmen, das wirtschaftlich gut dasteht und deshalb intensiv investiert,  fehlen dennoch die nötigen Liquiditätspuffer, um die anfallende Steuer im Erbschafts- oder Schenkungsfall tatsächlich zu stemmen.

Unentgeltliche Unternehmensnachfolge

Dieser Aspekt kommt immer dann zum Tragen, wenn familiengeführte Unternehmen im Rahmen einer Schenkung oder Erbschaft übergeben werden. Zu berücksichtigen sind bei unentgeltlichen Übertragungen neben aktuellen steuerlichen Regelungen vor allem Freibeträge und Steuersätze. Unter bestimmten Voraussetzungen wird betriebliches Vermögen von der Erbschaft- und Schenkungsteuer verschont. Der Wille des Gesetzgebers ist dabei, die wirtschaftliche Existenz von Unternehmen beim Betriebsübergang nicht durch anfallende Erbschaft- und Schenkungsteuer zu gefährden. Demnach sieht das Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz verschiedene Vergünstigungen vor, die sogenannten Verschonungsregelungen.

Dank dieser Verschonungsregelungen können auch größere Familienunternehmen Nachfolgeregelungen frei von Erbschaftsteuer durchführen. Allerdings gibt es dabei einiges zu beachten: So können Unternehmer nur dann vollumfänglich profitieren, wenn der Erwerb des begünstigten Vermögens von ein und derselben Person innerhalb von zehn Jahren die Summe von 26 Mio. Euro insgesamt nicht überschreitet.

Von der Begünstigung ausgeschlossen sind sogenannte junge Finanzmittel; als „jung“ gelten dabei diejenigen Gelder, die dem Unternehmen zum Zeitpunkt der Unternehmensübergabe weniger als zwei Jahre zugehörig sind. Ein weiteres relevantes Thema ist das ‚schädliche Verwaltungsvermögen‘: Dazu zählen etwa vermietete Grundstücke, Anteile an Kapitalgesellschaften bei einer Beteiligung von bis zu 25 Prozent, Wertpapiere sowie Freizeit- und Luxusgegenstände, wie etwa Münzen, Oldtimer und Yachten, aber auch operativ benötigte Barmittelbestände, Bankguthaben und Forderungen. Diese Finanzmittel müssen allerdings nur dann als schädliches Verwaltungsvermögen besteuert werden, wenn sie die vorhandenen Schulden sowie 15 Prozent des Unternehmenswertes übersteigen.

Entgeltliche Unternehmensnachfolge

Eine weitere Möglichkeit, Firmen innerhalb der Familie zu übertragen, ist die Vereinbarung einer Kaufpreiszahlung, die in den meisten Fällen sofort fällig ist. Was wiederum für familiäre Nachfolger bedeutet, dass sie die Bewertungsfrage zu klären haben, was also ein angemessener Kaufpreis ist, auch unter Berücksichtigung finanzieller zukünftiger Bürden, wie zum Beispiel die Finanzierung der bereits geschilderten Pensionsverpflichtungen.

Unterm Strich gibt es eine Vielzahl von Gestaltungsalternativen im Rahmen familiärer Nachfolgeregelungen – mit höchst unterschiedlichen wirtschaftlichen und steuerlichen Auswirkungen. Unternehmerfamilien sind gut beraten, wenn sie sich dieser wichtigen unternehmerischen Herausforderung frühzeitig stellen und die Übergabe mit höchster Sorgfalt angehen, um die Kontinuität und den bisherigen Erfolg des eigens geschaffenen Unternehmens in Zukunft fortzuschreiben – und zwar auch weiterhin im Kreis der eigenen Familie.

Die Sparkasse unterstützt Sie bei allen Fragen rund um das Thema interne Unternehmensnachfolge. Vereinbaren Sie einfach einen Termin mit Ihrer Private Banking-Beraterin oder Ihrem Private Banking-Berater.

Aussagen gemäß aktueller Rechtslage, Stand: 12/2020. Die steuerliche Behandlung hängt von den persönlichen Verhältnissen des jeweiligen Kunden ab und kann künftig auch rückwirkenden Änderungen (z.B. durch Gesetzesänderung oder geänderte Auslegung der Finanzverwaltung) unterworfen sein.

Zu den Fragen der steuerlichen Situation in dem konkreten Fall sollte ein Steuerberater oder eine steuerfachkundige Person hinzugezogen werden.

Round Table

„Eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge braucht Zeit“

Experten von KPMG sowie der Sparkassen-Finanzgruppe diskutieren, worauf es bei der familieninternen Übergabe eines Unternehmens zu achten gilt – aus steuerlicher, unternehmerischer und familiärer Hinsicht.

Dr. Ladislava Klein (Partner Tax, Head of Corporate Tax Service bei KPMG Deutschland), Dr. Zacharias-Alexis Schneider (Partner Law & Director Tax bei KPMG Deutschland), Alexander Blum (Direktor, Leiter Private Banking bei der Kreissparkasse Göppingen), Jens Strähle (Berater Wealth Management Unternehmenskunden bei der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen) sowie Torsten Leidig (Leiter PB/FK Finanzmanagement bei Deka Private Banking) im Experten-Gespräch

Deka Private Banking: Immer wieder sitzen zwei Generationen zusammen, um zu überlegen, wie das eigene Unternehmen am besten auf den Sohn oder die Tochter oder beide übertragen werden kann. Was können ‚wunde Punkte‘ in diesem Prozess sein?

Torsten Leidig: Dreh- und Angelpunkt ist sicherlich die Frage der Unternehmensbewertung, also was das zu übergebende Unternehmen überhaupt wert ist. In diesem Zusammenhang spielt neben der „Verteilungsgerechtigkeit“ unter den Nachfolgern auch das Thema Steuern eine zentrale Rolle. Abhängig vom Wert des Unternehmens beziehungsweise der zu übertragenden Gesellschaftsanteile und einer Reihe weiterer Determinanten kann entsprechend Schenkungs- oder Erbschaftsteuer entstehen. Dies kann sehr bedeutend für die Liquiditätslage in einem Unternehmen sein und die Unternehmensfortführung gefährden.
Alexander Blum: Mindestens von ebenso bedeutender Relevanz ist aber auch das Thema Familienfrieden, wenn sich manche Familienmitglieder im Zuge der Unternehmens- bzw. Vermögensübergabe ungerecht behandelt fühlen. Eine wichtige Frage, die es zu lösen gilt, lautet: Wie kann das Familienkonstrukt insgesamt stabilisiert werden? Die gestalterischen Möglichkeiten sind vielfältig, um die verschiedensten Interessen zu vereinen – auch durch die kompetente Interaktion zwischen Kunde, Bank, Rechtsberater und vor allem Steuerberater.

Deka Private Banking: Á propos Steuern: Inwiefern kommt das Thema Unternehmensbewertung aus Sicht der steuerrechtlichen Praxis zum Tragen?

Dr. Zacharias-Alexis Schneider: Die Unternehmensbewertung steht vor allem deshalb auch im Rahmen einer Unternehmensnachfolge immer mehr im Fokus, weil der Gesetzgeber seit 2016 die Verschonungs- bzw. Begünstigungsfähigkeit und das sogenannte nicht begünstigte Verwaltungsvermögen stärker an den Wert des Unternehmens gekoppelt hat. Erst nach eingehender Prüfung der steuerlichen KPI`s wie zum Beispiel Unternehmenswert oder Verwaltungsvermögensquoten, zeigt sich, ob und inwieweit ein Unternehmen tatsächlich steuerfrei übertragen werden kann. Dann liegen die Karten auf dem Tisch, und es kann beurteilt werden, was zu tun ist, um das Unternehmen derart zu strukturieren, dass eine vollständige oder zumindest weitgehende steuerliche Verschonung erreichbar ist. Diese Betrachtung ist auch notwendig, um die Liquidität im Unternehmen zu schonen, die ansonsten durch Steuerzahlungen abfließen würde.
Dr. Ladislava Klein: Gerade im Hinblick auf die steuerliche Gestaltung kommt dem Thema Simulation eine hohe Bedeutung zu. Im Vorfeld einer Unternehmensübergabe lassen sich verschiedene Bewertungsrechnungen anhand unterschiedlicher Szenarien durchspielen. Dadurch lassen sich alternative Gestaltungsmöglichkeiten leichter identifizieren und gegeneinander abwägen. Im Idealfall sollten solche Simulationen vorgelagert möglichst frühzeitig erfolgen. So kann eine Übertragung im steuerlichen Sinne rechtzeitig in die richtige Richtung gelenkt werden. Aber selbst wenn Entscheidungen schon getroffen wurden, können Simulationen dabei unterstützen den steuerlichen Handlungsbedarf zu ermitteln.

Deka Private Banking: Früh genug mit den Planungen anfangen, lautet also die Devise…?

Dr. Zacharias-Alexis Schneider: In der Tat. Wenn Familien in puncto Analyse und Gestaltung so zeitnah wie möglich auf ihre Bank und ihren Steuerberater zugehen, können finanzielle Belastungen in der Regel deutlich minimiert werden. Eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge benötigt ausreichend Planung und somit Zeit. Dies bezieht sich nicht allein auf die Planungsrechnungen, sondern auch die teilweisen restriktiven gesetzlichen Vorgaben, beispielsweise in Bezug auf die Ermittlung von steuerschädlichem ‚jungen Verwaltungsvermögen‘. Stellt ein Unternehmer seinem Unternehmen beispielsweise Eigenkapital zur Verfügung gilt dieses für einen Zeitraum von zwei Jahren als ‚junges Verwaltungsvermögen‘ und wäre daher – gegebenenfalls sogar, wenn dieses zwischenzeitlich verbraucht wurde – im Rahmen der Nachfolge zu versteuern. Dies kann auch für vorangegangene Umstrukturierungen gelten.

Deka Private Banking: Können Sie ein Beispiel aus der Praxis schildern?

Dr. Zacharias-Alexis Schneider: Nehmen wir den Fall, dass ein Unternehmensinhaber seinen Betrieb ursprünglich als Einzelunternehmen aufgesetzt hat und mit der Zeit einige weitere Tochtergesellschaften gegründet hat. Im Rahmen der Unternehmensnachfolge soll das Unternehmen nunmehr auf zwei oder mehr Kinder übertragen werden. Diese können das Unternehmen aufgrund der Personenmehrheit zwar nicht als Einzelunternehmen, wohl aber als OHG mit ebenfalls unbeschränkter Haftung fortführen. Wenn die Nachkommen allerdings möglichst haftungsfrei bleiben möchten, besteht häufig das Bedürfnis, das Unternehmen vorher in eine GmbH einzubringen. Im Prozess der Unternehmensnachfolge kann hier jedoch die Krux liegen: Die Finanzverwaltung qualifiziert jegliche Finanzmittel – auch die üblichen Forderungen aus Lieferung und Leistung – zunächst als ‚junge Finanzmittel‘. Gerade wenn ein Unternehmen kurzfristig übergeben werden soll, und das kann gerade in der aktuellen Phase aus gesundheitlichen Gründen angezeigt sein, kann es mit Blick auf die Zwei-Jahres-Regelung durchaus problematisch werden.

Deka Private Banking: Es gibt bei einer Unternehmensübergabe innerhalb der Familie also zahlreiche Fallstricke zu beachten. Der externe Unterstützungsbedarf kann demnach hoch sein. Wo können sich denn Synergien ergeben in der Zusammenarbeit zum Beispiel zwischen Bank und Steuerberater?

Dr. Ladislava Klein: Synergien ergeben sich in der kompletten Wertschöpfungskette des Übergabeprozesses. Von der Bewertung über Gestaltungsüberlegungen bis hin zu der vertraglichen Umsetzung und dem Compliance-Management im Nachgang. Bei Letzterem geht es überwiegend um die Prüfung von Fristen, also darum zu verhindern, dass entsprechende Sperrfristen ausgelöst werden. Ohnehin sprechen wir von einem langen 9-Jahres-Beobachtungszeitraum für betroffene Unternehmen: zwei Jahre vor und sieben Jahre nach der Übergabe. Und bei grenzüberschreitenden Nachfolgetransaktionen können noch weitere Fristen, zum Beispiel aufgrund der Vorgaben des Außensteuergesetzes, hinzukommen.

Torsten Leidig: Die Faktoren, die nachträgliche Steuerzahlungen auslösen können, sind mitunter sehr vielfältig. Mit Blick auf das Thema ‚junges Verwaltungsvermögen‘ kann zum Beispiel auch die Konstruktion eines Anlagevehikels entscheidend sein. Nehmen wir an, ein Industrieunternehmen wird von einer Vermögensverwaltungs-GmbH gehalten und für diese führt eine Bank eine Vermögensverwaltung auf Einzeltitelbasis durch, dann würde bei jeder Transkation innerhalb des Mandats neues ‚junges Verwaltungsvermögen‘ geschaffen. Durch die Ummantelung mit einer Fondshülle bleibt es zwar Verwaltungsvermögen, aber nach zwei Jahren kein ‚junges‘ mehr.

Deka Private Banking: Eine weitere Option im Rahmen einer familiären Unternehmensübergabe ist die Übertragung des Vermögens oder Teile davon in eine Stiftung. Was gilt es zu berücksichtigen?

Jens Strähle: Die Stiftung als zusätzliches Instrument der Unternehmens- oder Vermögensnachfolge erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Insbesondere bei großen Unternehmenswerten hat die Stiftung an Attraktivität gewonnen. Jedoch ist sie keine Pauschallösung. Ein Beispiel: Liegt der Wert des zu übertragenden Unternehmensvermögens über 26 Millionen Euro, gewährt der Gesetzgeber eine eingeschränkte steuerliche Begünstigung. Diese entfällt ab einem Unternehmenswert von über 90 Millionen Euro ganz. Die anteilige Übertragung des Unternehmensvermögens auf eine Stiftung als eigenständiges Rechtssubjekt kann helfen, die Anzahl der Erwerber zu erhöhen. Warum ist das relevant? Die Schwellenwerte gelten pro Erwerber. Das bedeutet: Werden die Unternehmensanteile innerhalb der vorgenannten Schwellenwerte anteilig auf die Stiftung übertragen, können die steuerlichen Privilegierung gesichert werden.

Alexander Blum: Dass Stiftungen bei Unternehmensübergaben immer beliebter werden, liegt auch daran, dass gerade eine andere, bewusstere Generation nachfolgt, der Zweckbestimmung und Nachhaltigkeit besonders wichtig sind. Bei vielen nachrückenden Unternehmensinhabern gehört es heute zum guten Ton zu sagen: ‚Die Gesellschaft hat mir gegeben, jetzt gebe ich an die Gesellschaft zurück‘. Ein weiterer Grund, Unternehmensvermögen in eine gemeinnützige Stiftung zu übertragen, ist zudem etwa das Fehlen von Nachkommen.

Torsten Leidig: Korrekt. Aber selbst, wenn Kinder vorhanden sind, entscheiden sich manche Senior-Chefs anstelle eines Unternehmensverkaufs für diese Übertragungsform, weil sie vielfach nach Jahrzehnten der harten Arbeit ihren Kindern die unternehmerischen Bürden nicht auferlegen möchten, aber dennoch ihr Erreichtes sinnvoll sichern möchten.

Deka Private Banking: Eine ähnliche Lösung kann das Thema Familienstiftung sein…

Jens Strähle: Bei der Übergabe des Vermögens in eine Familienstiftung sollen in der Regel alle Familienmitglieder partizipieren. Steuerliche Motive treten eher in den Hintergrund. Eine Familienstiftung sollte immer dann ins Kalkül gezogen werden, wenn es vorrangig um Stabilisierung und Befriedung der Familie geht. Auch der Unternehmenserhalt kann ein guter Grund für eine Familienstiftung sein.
 

Alexander Blum: Die Lösung kann auch genau in der Mitte liegen, indem ein Teil des unternehmerischen Vermögens in eine gemeinnützige Stiftung eingebracht wird, und der andere Teil in eine Familienstiftung. Eine gemeinnützige Stiftung setzt man am besten schon recht früh auf, in Zeiten, in denen das Unternehmen gut läuft und nachhaltige Überschüsse erzielt. Man beobachtet auch immer häufiger grenzüberschreitende Stiftungsgründungen, da viele Familien immer internationaler werden.

Deka Private Banking: Nun haben wir die Vermögensseite im Unternehmen betrachtet, welche ‚wunden Punkte‘ gibt es mit Blick auf die Verpflichtungen des Unternehmens?

Torsten Leidig: Ein ganz relevanter Punkt sind nicht-ausfinanzierte Versorgungsrückstellungen respektive Pensionsrückstellungen. Auch hierbei spielt der Faktor Zeit eine große Rolle. Es gilt, möglichst früh eine Ausfinanzierung zur Sicherstellung der Zahlungen aus den Versorgungsansprüchen aufzubauen.

Jens Strähle: Wenn dies jedoch kurzfristig erreicht werden muss, ist ein erheblicher Kapitalaufwand erforderlich. Mit Blick auf den Cashflow sind langfristige, regelmäßige Kapitalzahlungen in Anlagemodelle, die auskömmliche Renditen erwirtschaften, schonender. Das wirkt sich mildernd auf die Liquiditätssituation des Unternehmens aus.

Deka Private Banking: Also richtig verstanden, Kapital für die Rückstellungen zurückzulegen ist von Vorteil und je früher, desto besser?

Dr. Zacharias-Alexis Schneider: Korrekt, auch aus steuerlicher Hinsicht kann das von großer Bedeutung sein. Ich komme zurück auf das Thema „Verwaltungsvermögen“. Durch eine Zweckwidmung von betrieblichen Vermögensanlagen für die Erfüllung von Versorgungsansprüchen, kann das Verwaltungsvermögen beeinflusst werden. Dies kann zum Beispiel mittels einer Treuhandlösung erfolgen. Bei einer guten Konstruktion, die die Ansprüche der Versorgungsberechtigten gegen die Insolvenz des Unternehmens schützt, kann gar rechnerisch Verwaltungsvermögen entzogen werden.

Deka Private Banking: Frau Dr. Klein, Sie sehen also realistische Möglichkeiten zur Steuerung?

Dr. Ladislava Klein: Ja, sehr wohl. Wie Dr. Schneider eben erwähnte kann der Finanzmittelbestand eines Unternehmens bspw. durch eine entsprechende Zweckwidmung von betrieblichen Vermögensanlagen zur Erfüllung von Schulden aus Altersversorgungsverpflichtungen reduziert werden. Hier bietet sich eine Treuhandlösung in Form eines CTA, das heißt eines Contractual Trust Arrangement an. Was hier so kompliziert klingt, ist aber eigentlich ganz einfach: Die Vermögensanlage wird auf einen Treuhänder übertragen, der die Mittel dann anlegt. Wie die Mittel angelegt werden, bestimmt hierbei alleine das Unternehmen, also der Treugeber. Für die Vermögensanlage gibt es keine Vorschriften. Der Treuhänder muss aber eine doppelte Treuhand sicherstellen können, die Sicherungstreuhand, also die ordnungsgemäße Verwahrung der Vermögensgegenstände und die Verwaltungstreuhand. Hierbei handelt es sich um die Fähigkeit, in einem etwaigen Insolvenzfall auch die Mittel an die Berechtigten auszahlen zu können und auch die Formalien hinsichtlich des Pensionssicherungsvereins abwickeln zu können.

Jens Strähle: Es ist meines Erachtens nicht erforderlich, dass das Unternehmen eine eigene juristische Einheit für die Verwaltung des Treugutes gründet. Bei sehr großen Unternehmen kommt das vor, für Mittelständler empfiehlt sich eher die Vereinbarung mit einer Gruppentreuhand, zum Beispiel aus dem Verbund der S-Finanzgruppe. Die formalen Anforderungen werden hier ebenfalls voll erfüllt. Die Kosten sind im Vergleich zu einer eigenen juristischen Einheit jedoch deutlich geringer.

Deka Private Banking: Was ist Ihr Fazit?

Alexander Blum: Es gibt für nahezu jede Situation eine passende Antwort. Wichtig ist, dass man sich die Zeit nimmt, die betrieblichen Finanzen und die persönliche Betroffenheit der Gesellschafter im Detail zu analysieren. Daneben ist es sehr wichtig zu erfahren, was die Unternehmerfamilie für langfristige Ziele mit ihrem Vermögen erfolgt. Nach einer guten Analyse gibt es für fast jede Anforderung eine Lösung.

Aussagen gemäß aktueller Rechtslage, Stand: 12/2020. Die steuerliche Behandlung hängt von den persönlichen Verhältnissen des jeweiligen Kunden ab und kann künftig auch rückwirkenden Änderungen (z.B. durch Gesetzesänderung oder geänderte Auslegung der Finanzverwaltung) unterworfen sein.

Zu den Fragen der steuerlichen Situation in dem konkreten Fall sollte ein Steuerberater oder eine steuerfachkundige Person hinzugezogen werden.

Zitat

Es gilt, möglichst früh eine Ausfinanzierung zur Sicherstellung der Zahlungen aus den Versorgungsansprüchen aufzubauen.

Torsten Leidig

Leiter PB/FK Finanzmanagement bei Deka Private Banking

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