Klimarisiken

Die Risiken für wenig umweltbewusste Unternehmen steigen

Autor Deka Private Banking
zuletzt aktualisiert am 23. Oktober 2020
Lesezeit 5 Minuten

Die Klimabilanz von Unternehmen steht im Fokus öffentlicher Diskussion. Damit steigen die Reputationsrisiken, aber auch die Haftungsgefahren. Profi-Anleger drängen darum darauf, dass sich Unternehmen klimaneutraler verhalten. Das ist nicht nur für die Umwelt gut – daran partizipieren die Anleger auch finanziell.

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  • Sie sich für die Auswirkungen des Klimawandels auf Ihre Vermögensanlage interessieren
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Klimawandel-Sensibilität hat Folgen für Unternehmen

Nachhaltigkeitskriterien wie CO2-Neutralität gewinnen schon seit einigen Jahren an Bedeutung. Aber die Verschärfung der Klimakrise und die damit verbundene öffentliche Sensibilität haben noch einmal den Druck auf Unternehmen erhöht, nicht nur rein finanzielle Maßstäbe an ihr Verhalten zu anzulegen. Dass dabei nicht nur direkte Verursacher wie Mineralölkonzerne Gegenstand breiter öffentlicher Kritik werden können, sondern auch mittelbare Zulieferer, mussten auch deutsche DAX30-Konzerne schon erleben. Dabei zeigt sich, dass die Kosten aus Reputationsverlust und möglichen Rechtskosten deutlich höher sein können als die Gewinne aus dem kritisierten Verhalten. Aktuelle Beispiele zeigen, dass sich Unternehmen mit ihrem „Fehlverhalten“ leicht in ein Dilemma geraten: Ansehensverlust oder Vertragsbruch mit entsprechenden Rechtsfolgen. In jedem Fall drohen hohe Folgekosten.

Es liegt offenbar nicht (nur) am wachsenden persönlichen Umweltbewusstsein von Anlegern, warum sie bei ihren Investments mehr Wert auf Nachhaltigkeitskriterien wie ESG-Scores (Environment, Social, Governance; dt. Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung) legen. Das gilt sowohl für Anleihe- als auch für Aktieninvestments. Umfragen zufolge legen mittlerweile vier von fünf institutionellen Anlegern Wert auf Nachhaltigkeit.

Risiko durch eingeschränkte Auswahl?

Doch wie wirkt sich klimabewusstes Verhalten auf die finanzielle Performance von Anlegern aus? Es liegt auf der Hand, dass nachhaltige Unternehmen bestimmten Risiken wie Reputationsverlust oder Bußgeldzahlung deutlich weniger ausgesetzt sind. Allerdings könnte sich der Anleger durch die eingeschränkte Auswahl der zur Auswahl stehenden Wertpapiere ein anderes Risiko ins Portfolio nehmen: eine unzureichende Streuung bei Regionen, Branchen oder Geschäftsmodellen. Dies hieße, Umweltrisiken gegen andere strukturelle Risiken einzutauschen. Außerdem könnte die Beachtung von ESG-Zielen Unternehmen dazu verleiten, finanzielle Kriterien zu vernachlässigen – beispielsweise durch ökologische Investitionen, die sich aber „nicht rechnen”.

Der Befund einschlägiger Untersuchungen, die sich vor allem auf Aktieninvestments fokussieren, ist zu diesen Fragestellungen aber recht eindeutig: Die risikoadjustierte Performance von „nachhaltigen” Anlagen ist nicht strukturell schlechter als die entsprechender Vergleichsindizes. In zahlreichen Fällen liegt sie sogar darüber. Dies gilt natürlich nicht zu jeder Zeit und für jede Anlage, doch gibt es offenbar keine grundsätzliche Schlechterstellung durch das Nachhaltigkeitskriterium.

Dies mag zum einen daran liegen, dass die Auswahl an nachhaltigen Geldanlagemöglichkeiten inzwischen sehr stark gewachsen ist. Eine vernünftige Risikostreuung innerhalb nachhaltiger Werte ist daher mittlerweile in den meisten Bereichen möglich. Je stärker Nachhaltigkeit auf der (wirtschafts-)politischen Agenda nach vorne rückt, desto größer dürfte die Auswahl noch werden. Außerdem nehmen ESG-orientierte Aktienfonds o.ä. auch Werte auf, die klassische Fonds eventuell ausgeklammert hatten; vor allem kleinere, bislang weniger stark kapitalisierte Werte geraten in den Fokus.

Geringere systematische Risiken

Eine weitere Erklärung für die gute Performance dürften geringere systematische Risiken sein. Der Klimawandel zum Beispiel ist eng mit der Energieerzeugung verbunden. Um den Klimawandel abzubremsen, wird in absehbarer Zeit Energieverbrauch verteuert werden - Stichwort CO2-Steuer. Davon sind Erzeuger konventioneller Energie voraussichtlich am stärksten betroffen. Doch ein Anstieg der Energiepreise oder Einschränkungen im Energieverbrauch wird alle Unternehmen betreffen, die Energie verbrauchen. Dies gilt nicht nur für produzierende Unternehmen, sondern zum Beispiel auch für die Betreiber von IT-Infrastruktur und mittelbar sogar letztlich IT-basierte Dienstleistungsunternehmen. Unternehmen, die heute schon ressourcenschonend produzieren und erneuerbare Energien nutzen, sind daher im Vorteil. Sichtbar wird das systematische Risiko bereits heute an der feststellbar schlechteren Performance von Unternehmen, die ESG-Kriterien merklich vernachlässigen.

Bisherige Untersuchungen haben gezeigt, dass der ESG-Aspekt „Ecology“ – also umweltfreundliches Verhalten – der stärkste Werttreiber war. Aber auch Governance-Kriterien sind ein wichtiger Werthebel.. Die Verknüpfung von Umwelt- und Governance-Kriterien wie eine Vergütungssteuerung auch nach Umweltkriterien dürfte daher zunehmen.

Selbstverstärkender Trend

Vieles spricht dafür, dass vor allem die aktuelle Diskussion um den Klimawandel auch die Nachfrage von Anlegerseite nach nachhaltigen Investitionen steigen lässt – und umgekehrt zu einem Kapitalabfluss aus Industrien wie Kohle, Gas und Öl führt. Umfragen zufolge soll in den kommenden zehn Jahren bis zu 1 Billion Dollar aus diesen fossilen Energieträgern abgezogen werden. Sinkende Aktienkurse der betroffenen Unternehmen sind wahrscheinlich. ESG-konforme Unternehmen hingegen können von Kapitalzuflüssen profitieren: Sie werden viel eher die finanziellen Spielräume für weitere Investitionen in künftige Erfolge haben. Diese Entwicklung zeigt sich auch bei der Zunahme beispielsweise von „Green Bonds“, also Anleihen, mit deren Emissionserlösen umweltfreundliche Vorhaben finanziert werden.

Infobox: Impact Investing als Anleger nutzen

Mehr als ESG

„Impact Investing“ geht über die bisherigen ESG-Ansätze hinaus, denn es verlangt den messbaren Nachweis positiver gesellschaftlicher und/oder ökologischer Wirkung. Die Bundesinitiative Impact Investing schreibt: „Positive soziale und/oder ökologische Wirkungen sollen möglichst direkt, intendiert und nachweisbar sein.“ Natürlich werden aber auch Rendite- und Risikoaspekte nicht ausgeblendet – Impact Investing sollte nicht mit wohltätigen Spenden verwechselt werden. Das Thema gewinnt an Dynamik. Immer mehr „Green Bonds“ beispielsweise zeigen, dass auch die Unternehmen Impact Investing für sich als Chance gesehen haben. Bislang ist das Angebot an Investmentfonds, die sich in Deutschland auf Impact Investing spezialisieren, allerdings noch relativ überschaubar. Der Deka-Nachhaltigkeit Impact Renten und der Deka-Nachhaltigkeit Impact Aktien sind jedoch schon zwei Fonds, die den Impact-Investing-Ansatz konsequent umsetzen.

Mehr zu den Impact-Investing-Fonds erfahren Sie bei Ihrem Berater der Sparkasse.

Impact Investing für Aktien- und Anleihe-Investments:

Dabei investiert der Impact Renten gerne in grüne Anleihen wie Klimaschutzanleihen („CAB“) der Europäischen Investitionsbank (EIB), deren Erlöse in Projekte, die die Energieeffizienz und Erneuerbaren Energien fördern. Dank CAB konnte die EIB 2019 515t CO2-Equivalent an Treibhausgas-Emissionen pro 1 Mio. EUR Projektkosten vermeiden. Aber auch Green Bonds von Versorgern, die sich für die Wende von konventionellen zu erneuerbaren Energiequellen verschrieben haben, sind für den Deka-Nachhaltigkeit Impact Renten interessant. Der Deka-Nachhaltigkeit Impact Aktien wiederum investiert zum Beispiel in Unternehmen, die technische Lösungen zur Reduktion von Treibhausgas entwickeln und anbieten. Dabei wird auch das Geschäftsmodell der Unternehmen untersucht. Da die fünf größten Verursacher von Treibhausgasen Energieerzeugung, Industrie, Verkehr, Gebäudewirtschaft und Landwirtschaft sind, adressiert der Impact Aktien alle fünf Bereiche: So reichen die Investments von Offshore- und Solarpark-Betreibern über Anbieter von Wasserstoff-betriebenen Gabelstaplern (mit entsprechenden Tankstellen) bis hin zu neuen Auto- und LKW-Katalysatoren und Produzenten im Bereich Elektromobilität. Aber auch Spezialisten im Bereich Gebäudeisolation – sowohl große Industrieprojekte als auch Privathäuser – und beispielsweise ein Chemieunternehmen, das den Methanausstoß von Kühen um 40-60% zu reduzieren hilft, sind Teil des Deka-Nachhaltig Impact Aktien-Portfolios.

Investoren fordern Nachhaltigkeit stärker ein

Es zeigt sich aber auch, dass Investoren nicht allein auf einen Verkauf von ESG-negativen Werten setzen. Zunehmend wird von Seiten der Anleger Druck auf diese Unternehmen ausgeübt, ESG-konformer und beispielsweise klimaneutraler zu werden. Damit wollen sie die Risiken für ihre bisherigen Investitionen senken, ohne zum Beispiel auf tendenziell kleinere Werte ausweichen zu müssen. Der Staatsfonds Temasek aus Singapur etwa hat sich vorgenommen, dass das Portfolio die CO2-Werte bis 2030 um 50 Prozent senkt. Dafür sind kritische Gespräche mit dem Management, die über die Analyse von Geschäftszahlen hinausgehen, erforderlich. Institutionelle Investoren, die die Bedeutung von ESG-Kriterien erkannt haben und solche Konflikte nicht scheuen, verbessern ihre Chancen auf eine bessere Performance im Marktvergleich.

Die Deka engagiert sich schon seit langem für eine nachhaltigere Unternehmensführung bei den Unternehmen, in die sie investiert ist. Dabei fordert die Deka einen konstruktiven Dialog über gewisse Klimaaspekte ein – vor allem bei den Unternehmen, die einen großen Einfluss auf den CO2-Verbrauch haben. Dabei wird zuerst die Einführung von „nicht-finanziellen Leistungsindikatoren“ gefordert – zum Beispiel Umwelt-KPIs wie der eigene CO2-Fußabdruck des Unternehmens. Über diese KPIs soll nicht nur öffentlich berichtet werden, sondern sie sollen auch Maßstab für Investitionsentscheidungen, Management-Vergütung und Vertragsmanagement sein. Damit Skandale, wie sie immer wieder öffentlich werden, möglichst ausgeschlossen werden.

Sie möchten mehr wissen über die Möglichkeiten und Chancen von Vermögensanlage in klimaneutralere Unternehmen? Sprechen Sie mit Ihrem Private Banking-Berater der Sparkasse und erfahren Sie, welche Angebote Ihnen Deka Private Banking machen kann, die Chancen nachhaltiger Geldanlage zu nutzen.

Neue Erkenntnisse bezüglich nachhaltiger Aspekte können evtl. erst nachträglich berücksichtigt werden.

Rechtliche Hinweise
Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Deka Investmentfonds sind die jeweiligen Wesentlichen Anlegerinformationen, die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jeweiligen Berichte, die Sie in deutscher Sprache bei Ihrer Sparkasse oder der DekaBank Deutsche Girozentrale, 60625 Frankfurt und unter www.deka.de erhalten. Diese Information kann ein Beratungsgespräch nicht ersetzen.
Aussagen gemäß aktueller Rechtslage, Stand: Oktober 2020. 
Die steuerliche Behandlung der Erträge hängt von den persönlichen Verhältnissen des jeweiligen Kunden ab und kann künftig auch rückwirkenden Änderungen (z.B. durch Gesetzesänderung oder geänderte Auslegung durch die Finanzverwaltung) unterworfen sein.

Experten-Interview

"Noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten"

Winfried Mathes von der Deka Investment GmbH über kritische Auftritte auf Hauptversammlungen, die Folgen von EU-Vorgaben und die steigende Nachfrage nach ESG-konformen Aktienwerten.

Deka Private Banking: Herr Mathes, bei der TUI-Hauptversammlung haben Sie gegen die Vorstandsvergütung gestimmt. Warum?

Winfried Mathes: Wir wissen aus zahlreichen Studien, dass Unternehmen, die Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen, sich besser entwickeln als ihre Konkurrenten. Darum erwarten wir von den Unternehmen, in die wir investieren, dass sie solche Kriterien auch in den Vergütungssystemen berücksichtigen. Andere Unternehmen tun dies bereits – TUI noch nicht.

Deka Private Banking: Merken Sie schon jetzt ein Umdenken in den Unternehmen und bei den Investoren?

Winfried Mathes: Ja. Wir sehen, dass sich die Aktienkurse nachhaltig wirtschaftender Unternehmen seit einiger Zeit deutlich besser entwickeln – offenbar ist die Nachfrage gestiegen. Und viele Unternehmen kommen zu uns im Vorfeld von Hauptversammlungen oder anderen wichtigen Entscheidungen nicht mehr nur mit ihrem Aufsichtsrat und Vorstand, sondern auch mit ihrem ESG-Experten. Da können wir gleich tiefer in die Diskussion einsteigen.

Deka Private Banking: Dennoch haben Sie sich bei TUI nicht durchsetzen können.

Winfried Mathes: Diesmal noch nicht. Obwohl es klar im Sinne der anderen Aktionäre gewesen wäre. Aber längst nicht jeder ist da schon sensibilisiert und sieht, welche Entwicklungen da auf uns zukommen in Europa. Da ist noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

Deka Private Banking: Was kommt denn auf die Unternehmen zu?

Winfried Mathes: Die EU wird künftig mit einer einheitlichen Klassifizierung Klarheit schaffen, welche Wirtschaftstätigkeiten als ökologisch nachhaltig angesehen werden. Bislang ist da die genaue Abgrenzung und Vergleichbarkeit noch recht schwierig – aber mit dieser “Taxonomie” wird sich das schlagartig ändern. Unternehmen, die nicht nachhaltig handeln, werden höhere Kosten und größere Risiken haben. Die Finanzbranche wird entsprechend dieser Kriterien auswählen, bei wem es sich zu investieren lohnt. Ein “mir egal” wird nicht mehr funktionieren. Das Thema wird auf der Agenda bleiben. Besser die Unternehmen stellen sich darauf ein. Wir bei der Deka tun dies längst, denn das schulden wir nicht nur der Umwelt, sondern auch unseren Investoren.

Zitat

An Nachhaltigkeitsthemen kommt kein Unternehmen mehr vorbei.

Winfried Mathes

Corporate Governance, Deka Investment GmbH

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Warum ESG-Investments noch attraktiver geworden sind

Die Nachfrage nach nachhaltigen Investments ist ungebrochen. Gerade institutionelle Investoren haben ein großes Interesse – aus guten Gründen, auch finanziell. Aber auch für Privatkunden werden die nachhaltigen Anlagemöglichkeiten immer attraktiver. Die wichtigsten Gründe und Entwicklungen.
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