Klimarisiken

Die Risiken für wenig umweltbewusste Unternehmen steigen

Autor Deka Private Banking
zuletzt aktualisiert am 24. Februar 2020
Lesezeit 4 Minuten

Die Klimabilanz von Unternehmen steht im Fokus öffentlicher Diskussion. Damit steigen die Reputationsrisiken, aber auch die Haftungsgefahren. Profi-Anleger drängen darum darauf, dass sich Unternehmen klimaneutraler verhalten. Das ist nicht nur für die Umwelt gut – daran partizipieren die Anleger auch finanziell.

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Klimawandel-Sensibilität hat Folgen für Unternehmen

Nachhaltigkeitskriterien wie CO2-Neutralität gewinnen schon seit einigen Jahren an Bedeutung. Aber die Verschärfung der Klimakrise und die damit verbundene öffentliche Sensibilität haben noch einmal den Druck auf Unternehmen erhöht, nicht nur rein finanzielle Maßstäbe an ihr Verhalten zu anzulegen. Dass dabei nicht nur direkte Verursacher wie Mineralölkonzerne Gegenstand breiter öffentlicher Kritik werden können, sondern auch mittelbare Zulieferer, musste aktuell Siemens erleben. Der Reputationsverlust für den Münchner Konzern, der einzig die Signaltechnik für den Kohletransport per Zug zuliefert, ist nach Einschätzung vieler Beobachter deutlich größer als der Gewinn aus dem Auftrag für die australische Riesen-Kohlemine.

Das Beispiel Siemens zeigt, welche Folgen die ungenügende Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten haben kann. Siemens geriet durch den öffentlichen Protest unter Handlungsdruck und musste sich zwischen zwei Übeln entscheiden: Ansehensverlust oder Vertragsbruch mit wahrscheinlich hohen Folgekosten.

Es liegt offenbar nicht (nur) am wachsenden persönlichen Umweltbewusstsein von Anlegern, warum sie bei ihren Investments mehr Wert auf Nachhaltigkeitskriterien wie ESG-Scores (Environment, Social, Governance; dt. Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung) legen. Das gilt sowohl für Anleihe- als auch für Aktieninvestments. Umfragen zufolge legen mittlerweile vier von fünf institutionellen Anlegern Wert auf Nachhaltigkeit.

Risiko durch eingeschränkte Auswahl?

Doch wie wirkt sich klimabewusstes Verhalten auf die finanzielle Performance von Anlegern aus? Es liegt auf der Hand, dass nachhaltige Unternehmen bestimmten Risiken wie Reputationsverlust oder Bußgeldzahlung deutlich weniger ausgesetzt sind. Allerdings könnte sich der Anleger durch die eingeschränkte Auswahl der zur Auswahl stehenden Wertpapiere ein anderes Risiko ins Portfolio nehmen: eine unzureichende Streuung bei Regionen, Branchen oder Geschäftsmodellen. Dies hieße, Umweltrisiken gegen andere strukturelle Risiken einzutauschen. Außerdem könnte die Beachtung von ESG-Zielen Unternehmen dazu verleiten, finanzielle Kriterien zu vernachlässigen – beispielsweise durch ökologische Investitionen, die sich aber „nicht rechnen”.

Der Befund einschlägiger Untersuchungen, die sich vor allem auf Aktieninvestments fokussieren, ist zu diesen Fragestellungen aber recht eindeutig: Die risikoadjustierte Performance von „nachhaltigen” Anlagen ist nicht strukturell schlechter als die entsprechender Vergleichsindizes. In zahlreichen Fällen liegt sie sogar darüber. Dies gilt natürlich nicht zu jeder Zeit und für jede Anlage, doch gibt es offenbar keine grundsätzliche Schlechterstellung durch das Nachhaltigkeitskriterium.

Dies mag zum einen daran liegen, dass die Auswahl an nachhaltigen Geldanlagemöglichkeiten inzwischen sehr stark gewachsen ist. Eine vernünftige Risikostreuung innerhalb nachhaltiger Werte ist daher mittlerweile in den meisten Bereichen möglich. Je stärker Nachhaltigkeit auf der (wirtschafts-)politischen Agenda nach vorne rückt, desto größer dürfte die Auswahl noch werden. Außerdem nehmen ESG-orientierte Aktienfonds o.ä. auch Werte auf, die klassische Fonds eventuell ausgeklammert hatten; vor allem kleinere, bislang weniger stark kapitalisierte Werte geraten in den Fokus.

Geringere systematische Risiken

Eine weitere Erklärung für die gute Performance dürften geringere systematische Risiken sein. Der Klimawandel zum Beispiel ist eng mit der Energieerzeugung verbunden. Um den Klimawandel abzubremsen, wird in absehbarer Zeit Energieverbrauch verteuert werden - Stichwort CO2-Steuer. Davon sind Erzeuger konventioneller Energie voraussichtlich am stärksten betroffen. Doch ein Anstieg der Energiepreise oder Einschränkungen im Energieverbrauch wird alle Unternehmen betreffen, die Energie verbrauchen. Dies gilt nicht nur für produzierende Unternehmen, sondern zum Beispiel auch für die Betreiber von IT-Infrastruktur und mittelbar sogar letztlich IT-basierte Dienstleistungsunternehmen. Unternehmen, die heute schon ressourcenschonend produzieren und erneuerbare Energien nutzen, sind daher im Vorteil. Sichtbar wird das systematische Risiko bereits heute an der feststellbar schlechteren Performance von Unternehmen, die ESG-Kriterien merklich vernachlässigen.

Bisherige Untersuchungen haben gezeigt, dass der ESG-Aspekt „Governance“ – gute Unternehmensführung – der stärkste Werttreiber war. Es ist allerdings anzunehmen, dass Umweltkriterien künftig eine mindestens ebenso große Auswirkung auf die Performance haben wird. Die Verknüpfung von Umwelt- und Governance-Kriterien wie eine Vergütungssteuerung auch nach Umweltkriterien dürfte daher zunehmen.
 

Selbstverstärkender Trend

Vieles spricht dafür, dass vor allem die aktuelle Diskussion um den Klimawandel auch die Nachfrage von Anlegerseite nach nachhaltigen Investitionen steigen lässt – und umgekehrt zu einem Kapitalabfluss aus Industrien wie Kohle, Gas und Öl führt. Umfragen zufolge soll in den kommenden zehn Jahren bis zu 1 Billion Dollar aus diesen fossilen Energieträgern abgezogen werden. Sinkende Aktienkurse der betroffenen Unternehmen sind wahrscheinlich. ESG-konforme Unternehmen hingegen können von Kapitalzuflüssen profitieren: Sie werden viel eher die finanziellen Spielräume für weitere Investitionen in künftige Erfolge haben. Diese Entwicklung zeigt sich auch bei der Zunahme beispielsweise von „Green Bonds“, also Anleihen, mit deren Emissionserlösen umweltfreundliche Vorhaben finanziert werden.

Investoren fordern Nachhaltigkeit stärker ein

Es zeigt sich aber auch, dass Investoren nicht allein auf einen Verkauf von ESG-negativen Werten setzen. Zunehmend wird von Seiten der Anleger Druck auf diese Unternehmen ausgeübt, ESG-konformer und beispielsweise klimaneutraler zu werden. Damit wollen sie die Risiken für ihre bisherigen Investitionen senken, ohne zum Beispiel auf tendenziell kleinere Werte ausweichen zu müssen. Der Staatsfonds Temasek aus Singapur etwa hat sich vorgenommen, dass das Portfolio die CO2-Werte bis 2030 um 50 Prozent senkt. Dafür sind kritische Gespräche mit dem Management, die über die Analyse von Geschäftszahlen hinausgehen, erforderlich. Institutionelle Investoren, die die Bedeutung von ESG-Kriterien erkannt haben und solche Konflikte nicht scheuen, verbessern ihre Chancen auf eine bessere Performance im Marktvergleich.

Die Deka engagiert sich schon seit langem für eine nachhaltigere Unternehmensführung bei den Unternehmen, in die sie investiert ist. Dabei fordert die Deka einen konstruktiven Dialog über gewisse Klimaaspekte ein – vor allem bei den Unternehmen, die einen großen Einfluss auf den CO2-Verbrauch haben. Dabei wird zuerst die Einführung von „nicht-finanziellen Leistungsindikatoren“ gefordert – zum Beispiel Umwelt-KPIs wie der eigene CO2-Fußabdruck des Unternehmens. Über diese KPIs soll nicht nur öffentlich berichtet werden, sondern sie sollen auch Maßstab für Investitionsentscheidungen, Management-Vergütung und Vertragsmanagement sein. Damit ein Fall wie Siemens nicht so schnell wieder passieren kann.

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Experten-Interview

"Noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten"
Winfried Mathes von der Deka Investment GmbH über kritische Auftritte auf Hauptversammlungen, die Folgen von EU-Vorgaben und die steigende Nachfrage nach ESG-konformen Aktienwerten.

Deka Private Banking: Herr Mathes, bei der TUI-Hauptversammlung haben Sie gegen die Vorstandsvergütung gestimmt. Warum?

Winfried Mathes: Wir wissen aus zahlreichen Studien, dass Unternehmen, die Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen, sich besser entwickeln als ihre Konkurrenten. Darum erwarten wir von den Unternehmen, in die wir investieren, dass sie solche Kriterien auch in den Vergütungssystemen berücksichtigen. Andere Unternehmen tun dies bereits – TUI noch nicht.

Deka Private Banking: Merken Sie schon jetzt ein Umdenken in den Unternehmen und bei den Investoren?

Winfried Mathes: Ja. Wir sehen, dass sich die Aktienkurse nachhaltig wirtschaftender Unternehmen seit einiger Zeit deutlich besser entwickeln – offenbar ist die Nachfrage gestiegen. Und viele Unternehmen kommen zu uns im Vorfeld von Hauptversammlungen oder anderen wichtigen Entscheidungen nicht mehr nur mit ihrem Aufsichtsrat und Vorstand, sondern auch mit ihrem ESG-Experten. Da können wir gleich tiefer in die Diskussion einsteigen.

Deka Private Banking: Dennoch haben Sie sich bei TUI nicht durchsetzen können.

Winfried Mathes: Diesmal noch nicht. Obwohl es klar im Sinne der anderen Aktionäre gewesen wäre. Aber längst nicht jeder ist da schon sensibilisiert und sieht, welche Entwicklungen da auf uns zukommen in Europa. Da ist noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

Deka Private Banking: Was kommt denn auf die Unternehmen zu?

Winfried Mathes: Die EU wird künftig mit einer einheitlichen Klassifizierung Klarheit schaffen, welche Wirtschaftstätigkeiten als ökologisch nachhaltig angesehen werden. Bislang ist da die genaue Abgrenzung und Vergleichbarkeit noch recht schwierig – aber mit dieser “Taxonomie” wird sich das schlagartig ändern. Unternehmen, die nicht nachhaltig handeln, werden höhere Kosten und größere Risiken haben. Die Finanzbranche wird entsprechend dieser Kriterien auswählen, bei wem es sich zu investieren lohnt. Ein “mir egal” wird nicht mehr funktionieren. Das Thema wird auf der Agenda bleiben. Besser die Unternehmen stellen sich darauf ein. Wir bei der Deka tun dies längst, denn das schulden wir nicht nur der Umwelt, sondern auch unseren Investoren.

Zitat

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An Nachhaltigkeitsthemen kommt kein Unternehmen mehr vorbei

Winfried Mathes

Corporate Governance, Deka Investment GmbH

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Die Bewertung von multinationalen Konzernen oder großen Finanzinstituten nach Nachhaltigkeitskriterien erinnert manchmal an ein riesiges Puzzle mit 10.000 Teilen. Viele verschiedene Facetten versuchen wir, zu einem Ganzen zusammenzusetzen.
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