Kommunale Vermögen

Effizientes Vermögensmanagement in Kommunen nutzen

Autor Thomas Grimm, Deka Private Banking
zuletzt aktualisiert am 25. November 2020
Lesezeit 5 Minuten

Das Finanzvermögen deutscher Kommunen und Kommunalverbände lag Ende 2018 bei etwa 218 Milliarden Euro. Bei der Anlage und Bewirtschaftung dieser Vermögen bewegen sie sich in einem besonderen Spannungsfeld.

Interessant für Sie, wenn...

  • Sie Kämmerer einer deutschen Kommune sind
  • Sie Verantwortung über kommunale Sondervermögen (Eigenbetriebe, Deponierücklagen etc.) haben 
  • Sie generationenübergreifend denken und handeln wollen

Finanzvermögen kommunaler Haushalte

Die finanzielle Situation in den Kommunen und Kommunalverbänden ist zwar unterschiedlich, in Summe verfügten sie im Jahr 2018 aber über Finanzvermögen in Höhe von rund 218 Mrd. Euro. Im Vergleich zum Jahr 2017 stieg das absolute Finanzvermögen um 5,4% beziehungsweise 11,2 Milliarden Euro. Das Finanzvermögen der Länder erhöhte sich im gleichen Zeitraum sogar um 7,3 % beziehungsweise 16,9 Milliarden Euro auf 247,5 Milliarden Euro.

Bei der Anlage und Bewirtschaftung dieser Vermögen befindet sich die öffentliche Hand in einem besonderen Spannungsfeld, und sieht sich mit mehreren, ineinander greifenden Herausforderungen konfrontiert.

Anlagegrundsätze

Eine übergeordnete Verpflichtung zum sorgfältigen Umgang mit den ihr anvertrauten (Steuer-) Geldern führt dazu, dass kommunale Haushalte grundsätzlich in risikoarme Anlageformen investieren müssen.

Die Grundsätze „Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit“, „Sicherheit und angemessener Ertrag“ sowie „Liquiditätsplanung“ bilden den rechtlichen Rahmen der erlaubten Betätigung von Kommunen am Kapitalmarkt.

Aufgrund ihres unspezifischen Charakters existieren in allen Bundesländern weitere Vorgaben, die durch Verwaltungsvorschriften und Runderlasse getroffen wurden, und der Konkretisierungen und Interpretationen dieser Grundsätze dienen sollen.

Kapitalmarktumfeld

Am Kapitalmarkt kam es im Verlauf der letzten Jahre zu einem dramatischen absinken der Zinsen. Profitiert haben kommunale Haushalte von Entlastungen (z.B. in Form sinkender Zinsbelastung aus Krediten) auf der Ausgabenseite. Spiegelbildliche Belastungen zeigen sich aber auf der Anlageseite, da sich die Attraktivität von risikoarmen Anlageformen sukzessive verschlechtert hat.

In diesem Umfeld ist bereits heute der reale Erhalt öffentlicher Finanzvermögen teilweise gefährdet. Bleibt der Zins, und so deutet es sich derzeit an, für viele Jahre auf diesem Niveau zementiert, stellt sich für alle kommunalen Haushalte die Frage nach Wegen für realen, mindestens aber nominellen Erhalt der Vermögen.

Generationengerechtigkeit

In öffentlichen Haushalten soll das, was die jetzige Generation benötigt, auch von dieser erwirtschaftet werden. Um dieses Ziel erreichen zu können, haben viele Kommunen ihre Buchführung in den letzten Jahren von der Kameralistik auf die Doppik umgestellt. Anders als in der Kameralistik wird in der doppischen Buchführung jeder Einnahme auch eine Ausgabe gegenübergestellt. Hierzu zwei Beispiele:

  1. Errichtet eine Kommune ein Schulgebäude, wirkt sich der Immobilienwert auf der Habenseite aus. Gleichzeitig müssen, um für folgende Generationen ein neues Schulgebäude errichten zu können, jährliche Abschreibungen auf der Negativseite verbucht werden.

  2. Versorgungsverpflichtungen stellen in kommunalen Haushalten eine Verbindlichkeit dar. Auch wenn die Verpflichtung erst in Zukunft zu erfüllen ist, muss die Finanzierung bereits heute über entsprechende Vermögenswerte erfolgen.

Die Beispiele verdeutlichen, worin für viele Kommunen die Herausforderung liegt: Sie müssen heute mehr erwirtschaften, als in der Vergangenheit.

Einerseits schränkt dies den Handlungsspielraum vieler Kommunen ein, bewirkt andererseits aber eben auch, dass keine sprichwörtlich ungedeckten Schecks für künftige Generationen ausgestellt werden können.

Betroffenheit

Die absolute Höhe der Finanzvermögen im öffentlichen Bereich darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es große Unterschiede in den kommunalen Haushalten vor Ort gibt.

Auf der einen Seite gibt es Kommunen mit dauerhaft ausgeglichenen Haushalten bzw. Überschüssen, die schon viele Jahre auf der „Anlageseite“ aktiv sind. Hier besteht ein dauerhaftes Interesse an der Bildung von liquiden Vermögenswerten.

Auf der anderen Seite gibt es Kommunen mit temporär oder dauerhaft nicht ausgeglichenen Haushalten bzw. Unterdeckungen. Dennoch besteht aber auch bei diesen Kommunen sehr häufig parallel zu Schulden trotzdem auch Vermögen (z.B. öffentliche Gebäude).

Mit Einführung der doppischen Buchführung werden kommunale Haushalte nicht mehr nur anhand ihrer Zahlungsströme, sondern anhand des ergebnisorientierten Ressourcenverbrauchs bewertet. Dadurch kann sich periodisch oder dauerhaft eine Situation einstellen, in der liquide Überschüsse erwirtschaftet werden. Dies ist sogar unabhängig davon, ob ein Haushalt ausgeglichen ist oder nicht.

Diese liquiden Überschüsse machen ein Management des kommunalen Vermögens jenseits der täglichen Liquidität erforderlich. Ein Verzicht auf ein aktives kommunales Vermögensmanagement erscheint, trotz aller Herausforderungen, die schlechteste aller denkbaren Handlungsoptionen.

Handlungsoptionen

Voraussetzung für erfolgreiches kommunales Vermögensmanagement ist die Herstellung von fristen- und volumenbezogenen Kongruenzen. Hierüber können zukünftige Tilgungsanforderungen erfüllt und gleichzeitig gebildete Rückstellungen zum Zeitpunkt ihrer zahlungswirksamen Auflösung mit entsprechender Liquidität hinterlegt werden.

Über die fristenbezogene Kongruenz kommend, sollte im Rahmen des kommunalen Vermögensmanagements nach drei zeitlichen Horizonten unterteilt und entsprechende Anlagen gewählt werden:

  • Kurzfristig: Hierüber wird die laufende Zahlungsfähigkeit sichergestellt. Bei der Anlage sollte auf die Möglichkeit einer täglichen, risikofreien Verfügbarkeit geachtet werden und Renditeaspekte in den Hintergrund treten.

  • Mittelfristig: In ausgeglichenen Haushalten, aber auch kommend über „Nebenprodukte“ der doppischen Buchführung, bilden Rücklagen die Basis für Liquidität, die erst in einigen Jahren benötigt wird. Neben einer planbaren Anlagedauer sollte der Fokus auch auf planbaren Erträgen liegen. Eine Möglichkeit zur stetigen Sammlung freier, mittelfristig ebenfalls nicht benötigter Liquidität und die Option zur vorzeitigen Auflösung der Anlage wären weitere Aspekte bei der Auswahl einer entsprechenden Anlage.  
  • Langfristig: Im Zusammenhang mit der Ausfinanzierung von Versorgungsverpflichtungen oder der Anlage von Rekultivierungsrücklagen, um nur zwei Beispiele zu nennen, stehen nicht selten Anlagezeiträume von z.T. mehreren Jahrzehnten zur Verfügung. Um über solche Zeiträume angemessene Erträge erzielen zu können, kann kommunales Vermögensmanagement diese Zeiträume aktiv für Anlagen am Kapitalmarkt nutzen. Geprüft werden sollte eine Mischung aus verzinslichen Anlagen, Anlagen in Aktien und Immobilien. Um in den Anlageklassen von breiter Streuung und aktivem Management profitieren zu können, gepaart mit der Möglichkeit zur Ansammlung und vorzeitiger Auflösung, sollten insbesondere Anlagen in Investmentfonds geprüft werden.

Flankierende Maßnahmen

Für mehr Entscheidungssicherheit und Transparenz sollten kommunale Haushalte häufiger von der Möglichkeit Gebrauch machen, eine Anlagerichtlinie beschließen zu können.

In Anlagerichtlinien kann die Verantwortung für die Einrichtung und Betreuung von kommunalen Vermögensanlagen genau festgelegt und aufgeteilt werden. Hierüber kann Entscheidungssicherheit geschaffen, und ein wertvoller Beitrag für mehr Transparenz innerhalb der kommunalen Gremien geleistet werden.

Fazit

Alle kommunalen Haushalte sind auf ein aktives Vermögensmanagement angewiesen. Die Basis für den langfristigen Erfolg wird mit der Herstellung von fristen- und volumenbezogenen Kongruenzen geschaffen. Die Staffelung über unterschiedliche zeitliche Horizonte kann gut für Anlagen am Kapitalmarkt in unterschiedlichen Anlageklassen genutzt werden. Zinszertifikate einer bonitätsstarken Emittentin und aktiv gemanagte Investmentfonds sollten attraktive Anlageformen sein.

Klar ist: Insgesamt wächst der Druck, Gestaltungsspielräume zu erweitern und effizient zu nutzen, um die finanzielle Handlungsfähigkeit von Kommunen und kommunalen Sondervermögen auch in Zukunft trotz Niedrigzinsen zu erhalten. Sprechen Sie am besten mit Ihrer Private Banking-Beraterin oder Ihrem Private-Banking-Berater der Sparkasse. Er wird Ihnen helfen, die entsprechenden Anlagemöglichkeiten zu finden, die bei vertretbarem Risiko eine ausreichende Rendite erwarten lassen. Diese umfassen auch die Möglichkeit von Individualemissionen.

Berater meinen

Private Banking- und Firmenkundenberater der Sparkassen berichten von ihren Erfahrungen bei der Anlage kommunalen Vermögens

Helmut Terhörst, Direktor Private Banking/Vermögensmanagement, Sparkasse Westmünsterland 25. November 2020

Die gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen

Kommunen, Politiker und die finanzverantwortlichen Mitarbeiter in kommunalen Institutionen sehen sich seit Jahren einer schwierigen Gemengelage hinsichtlich der Anlage von kommunalen Vermögenswerten ausgesetzt. Konkret betrifft dies das oberste Gebot, jederzeit ausreichende Liquidität vorzuhalten, was wiederum zusätzliche Kosten des Geldverkehrs bedeutet. Denn für einen hohen Bestand liquider Mittel werden inzwischen von allen Kreditinstituten angesichts der Politik der Europäischen Zentralbank Verwahrentgelte verlangt. Dies führt im Zusammenhang mit der Änderung der Einlagensicherung, der gesetzlichen Vorgaben bei kommunalen Geldanlagen sowie den hohen zukünftigen Verpflichtungen aus Pensionszahlungen und sonstigen Rückstellungen für hoheitliche Aufgaben wie beispielsweise der nachhaltigen Abfallentsorgung zu großen Herausforderungen bei den Entscheidungsträgern in Kommunen und kommunalnahen Betrieben.
Als Sparkasse sind wir die geborenen Partner der Kommunen und verstehen deren herausfordernde Ausgangssituation. Gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern in der Sparkassenfinanzgruppe wie den Experten der DekaBank können wir zielgerichtet unterstützen und zukunftsfähige Lösungen anbieten.
Dafür braucht es Innovationsbereitschaft bei den Verantwortlichen in den kommunalen Institutionen und der Politik. Hier gilt es, parteienübergreifend an einer gemeinsamen Lösung zu arbeiten. Nur so kann unseres Erachtens den Belastungen für die nachfolgenden Generationen, die aus den genannten langfristigen und permanent steigenden Verpflichtungen resultieren, begegnet werden. Auch das ist gesellschaftliche Verantwortung und nachhaltige Bewirtschaftung der vorhandenen Vermögenswerte.
Thomas Kaufmann, Firmenkunden und Vermögensmanagement, Sparkasse Attendorn Lennestadt Kirchhundem 25. November 2020

Bedarfsgerechte Anlagelösungen sowohl für das Liquiditäts- als auch für das Anlagemanagement

In Zeiten niedriger Kapitalmarktzinsen und insgesamt bestehender Planungsunsicherheit aufgrund der konjunkturellen Entwicklung war ein gesamtheitliches Anlagekonzept gefordert.Dieses überzeugte einerseits durch die geforderte Flexibilität als durch die Einhaltung der rechtlichen Vorgaben des Anlegers. Insbesondere dieser Aspekt wurde im Rahmen der Produktpräsentationals besonders gut berücksichtigt hervorgehoben. Insgesamt konnte durch die Beratung der Kundennutzen hinsichtlich der Anlagelösungen im Vergleich zu den bisher getätigten Anlagen imCash- und Anlagemanagement nennenswert gesteigert werden.

Beispielfall aus der Praxis

Heribert Plett, Private Banking Vermögens- und Vorsorgeberater der Kreissparkasse Steinfurt

"Vermeidung von Verwahrentgelt eines kommunalen Anlegers"

Konstellation: Termin im Rathaus. Anwesend waren der städtische Kämmerer, der Vermögens- und Vorsorgeberater für Firmenkunden der Sparkasse sowie ein Co-Berater aus dem Finanzmanagement Institutionen von Deka Private Banking

Zielsetzung: Es sollte eine Möglichkeit geschaffen werden, die einerseits das Verwahrentgelt für die Kommune so weit wie möglich reduziert und ihr andererseits zusätzliche Erträge ermöglicht.

Herangehensweise: Es wurde ein finanzieller „Bodensatz“ ermittelt, auf den die Kommune mit hoher Wahrscheinlichkeit in den nächsten Jahren nicht zugreifen muss. Bestimmungsgröße zur Ermittlung des Bodensatzes waren die kommunale Haushaltsplanung der nächsten Jahre, die Schätzung der zukünftigen Steuereinnahmen sowie der Kontenverlauf des letzten halben Jahres.
 
Zur Verdeutlichung der Fristigkeitsstruktur und zum Aufzeigen von zu Anlagezwecken zur Verfügung stehenden Risikobudgets wurde der komplette Liquiditätsbestand der Kommune konzeptionell in einen Liquiditätstopf und Anlagetöpfe unterschiedlicher Fristigkeiten aufgeteilt.
 
Der Liquiditätstopf stellt die für die finanzielle Handlungsfähigkeit jederzeit zur Verfügung stehenden liquiden Mittel dar. Die Anlagetöpfe umfassen in ihrer Summe den Bodensatz.
 
Voraussetzung für eine kommunale Anlage in Wertpapieren ist die Existenz einer Anlagerichtlinie. Diese existierte in der Ausgangssituation nicht. Die Sparkasse bot der Kommune Hilfestellung bei der Erstellung einer Anlagestrategie an. Als Entwurf diente eine Anlagerichtlinie, die andere Städte bereits erfolgreich umgesetzt haben.
 
Dem Kämmerer wurden für die verschiedenen Anlagetöpfe Anlagemöglichkeiten in Form von Anleihen und Kapitalmarktprodukten unterschiedlicher Fristigkeiten und Anlageklassen aufgezeigt. Zur jederzeitigen Gewährleistung der finanziellen Flexibilität bot die Sparkasse dem Kämmerer einen Kassenkredit zur möglichen Überziehung des Liquiditätstopfs an.

Experten-Interview

"Entwertung des Vermögens vermeiden"

Jan Hoffmann, Kundenbetreuer Institutionelle Kunden und Vermögensmanagement Firmenkunden bei der Sparkasse Dortmund und Michael Fluck, Finanzmanager Institutionen bei Deka Private Banking, im Diskurs über akute Handlungserfordernisse und Schwierigkeiten bei der Vermögensanlage der Kommunen.

Deka Private Banking: Kommunen verfolgten traditionell eine sehr konservative Geldanlagestrategie. Finanzmittel wurden fast ausschließlich in Termin- und Festgeldern angelegt. Diese Bestandsanlagen werden in den nächsten Jahren sukzessive fällig und müssen neu angelegt werden. Die Reform des privaten Einlagensicherungsfonds bedingt strukturelle Veränderungen der Kapitalanlage der Kommunen. Wie sehen die Handlungsmöglichkeiten aus?

Michael Fluck: Oberstes Gebot ist eine jederzeit ausreichende Liquidität. Gemeinden haben bei Geldanlagen auf Sicherheit und einen angemessenen Ertrag zu achten. Hierbei sind unterschiedliche Ausführungen und Auswirkungen der Gemeindeordnungen, Runderlasse und Haushaltsverordnungen hinsichtlich Geldanlagen in allen 16 Bundesländern zu berücksichtigen. Im Sinne der Ertragserzielung steht die Vermeidung dauerhafter Entwertung fällig werdender Finanzmittel aufgrund des niedrigen Zinsniveaus, das unter der Inflationsrate liegt, im Vordergrund. Die fehlenden Zinserträge führen beispielsweise dazu, dass die Erfüllung der Stiftungszwecke von kommunalen Treuhandstiftungen gefährdet sind. Im Falle von Deponiesondervermögen kann es passieren, dass die Mindererträge zukünftig durch den Gebührenhaushalt getragen werden müssen. Daher ist eine Anlagestrategie zu entwickeln, die es ermöglicht, weiterhin angemessene Ertrage zu generieren und eine Entwertung des Vermögens zu vermeiden. Dies kann aufgrund des niedrigen Zinsniveaus nur über alternative Geldanlagen erreicht werden.

Deka Private Banking: In Gesprächen mit den Kollegen unseres Teams Lösungen und Strategien wird immer wieder deutlich, dass bestehende Anlagerichtlinien gar nicht den Freiraum für Anlagestrategien geben, die im aktuellen Umfeld angemessene Erträge ermöglichen.

Jan Hoffmann: Um die Rahmenbedingungen für zeitgemäße Anlagestrategien zu schaffen, erfolgten in Einzelfällen erste Anpassung der individuellen Dienstanweisungen für Geldanlagen, die letztendlich aus den jeweiligen Ausführungen und Vorgaben in den Gemeindeordnungen und Runderlassen der jeweils zuständigen Ministerien resultieren. In der praktischen Anwendung stellte sich jedoch heraus, dass diese erweiterten Geldanlagemöglichkeiten oft noch nicht ausreichten, um den Vermögenserhalt sowie die Erwirtschaftung eines angemessenen Ertrages zu gewährleisten. Es erwies sich beispielsweise als problematisch, einige Anlageklassen kategorisch auszuschließen. Viele zeitgemäße Anlagestrategien enthalten solche bisher ausgeschlossenen, risikoreichere Anlagen als geringfügige Beimischung. Die Hinzunahme weiterer Anlageklassen erhöht einerseits die Renditechancen, andererseits führt sie aber durch die damit einhergehende breitere Diversifikation nicht zwingend zu einer Risikoerhöhung.

Deka Private Banking: Können Sie uns dafür ein Beispiel aus der Praxis geben?

Jan Hoffmann: Viele eigentlich geeignete Anlagestrategien investieren in geringfügigem Maße auch in Anlagen von Emittenten mit nur befriedigender Bonität, zum Beispiel bis BBB-. Nach vielen derzeit gültigen Anlagerichtlinien sind Anlagen mit einem schlechteren Rating als gutes Investmentgrade wie A- jedoch nicht erlaubt. Gleiches gilt für die Beimischung von Aktien, die nach bisherigen Anlagerichtlinien häufig nur bis zu einem Anteil von 30 Prozent vorgesehen waren.

Deka Private Banking: Die beschriebenen Einschränkungen in den bisherigen Richtlinien verhindern oft die Entwicklung einer zeitgemäßen Anlagestrategie. Was können die Kommunen tun?

Michael Fluck: Das Ziel der Kommunen sollte sein, grundsätzlich in der Politik, d.h. den jeweiligen Stadträten, Parteien und deren Fraktionsvorsitzenden die Notwendigkeit von Geldanlagen der längerfristigen Rücklagen zu werben und von deren Notwendigkeit zu überzeugen. Kommunen müssen versuchen, einen Paradigmenwechsel in den Köpfen der politischen Vertreter zu erreichen. Es gilt, für die Pensionsrückstellungen und sonstige Rückstellungen wie z.B. Rekultivierungsverpflichtungen langfristige Rücklagen aufzubauen. Zudem müssen Kommunen mit einer Anpassung der Anlagerichtlinien die Möglichkeit schaffen, in zusätzliche Anlageklassen investieren zu können. Damit könnten die Kommunen zukünftig auch flexibler auf die dynamischen Veränderungen des Marktumfeldes reagieren. Dabei muss natürlich der Sicherheitsaspekt immer im Auge behalten werden. Außerdem sollte das Thema Nachhaltigkeit vor dem Hintergrund seiner Bedeutsamkeit bei einer Anpassung mit aufgenommen werden. Wichtig ist dabei auch, dass die angepassten Anlagerichtlinien nicht nur die eigenen kommunalen Verwaltungsrücklagen, sondern auch die der bestehenden Sondervermögen wie zum Beispiel der Eigenbetriebe, der Deponierücklagen und der kommunalen Stiftungen, umfassen.

Deka Private Banking: Was sollten Kommunen, die zeitgemäße Anlagerichtlinien formuliert haben, hinsichtlich der Anforderungen einer adäquaten Anlagestrategie noch zusätzlich beachten?

Michael Fluck: Diese Kommunen sollten gemeinsam mit ihren Ansprechpartnern in den Kreditinstituten die Anlagerichlinien regelmäßig überprüfen und gegebenenfalls an das jeweilige Marktumfeld anpassen. Damit die Kommunen auch zukünftig der intergenerativen Gerechtigkeit Sorge tragen können.

Zitat

Die fehlenden Zinserträge führen aktuell dazu, dass die Erfüllung der Stiftungszwecke von kommunalen Treuhandstiftungen gefährdet sind.

Michael Fluck

Finanzmanager Institutionen bei Deka Private Banking

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