Kryptowährungen einschätzen

Blockchain-Technologie mit vielen Anwendungsmöglichkeiten

Autor DekaBank
zuletzt aktualisiert am 19. September 2019
Lesezeit 3 Minuten

Im November 2008 veröffentlichte der bis heute anonyme Satoshi Nakamoto im Zuge der weltweiten Finanzkrise das „Bitcoin Whitepaper“ und legte mit der Blockchain-Technologie den Grundstein für mittlerweile mehrere Tausend sogenannte Kryptowährungen. Mehr und mehr sind diese inzwischen auch auf das Radar der Anleger gewandert, hatte sich diese neue Art der Geldanlage in ihrem Marktwert zwischenzeitlich doch rekordverdächtig entwickelt.

Interessant für Sie, wenn …

  • Sie mehr über Chancen und Risiken von Kryptowährungen wissen möchten
  • Sie mehr den Bitcoin im Verhältnis zu Währungen erfahren möchten
  • Sie sich über die Perspektiven der Blockchain-Technologie informieren möchten

Kryptowährungen einschätzen

Gestartet von einem Wechselkurs von wenigen US-Cent ist ein Bitcoin heute mehrere Tausend Dollar wert. Unter heftigsten Preisschwankungen ist der Kurs zum Teil rasant gestiegen, hat jedoch seit Anfang 2018 einen Großteil seines zwischenzeitlichen Wertes wieder eingebüßt. Um das Ergebnis gleich hier vorwegzunehmen: Aus unserer Sicht sind Kryptowährungen derzeit keine seriöse Anlagealternative für die Vermögen der privaten Haushalte in Deutschland. Folgende Anfangsüberlegung liegt dem zugrunde: Es gibt zwei Perspektiven, unter denen man ein Engagement in Bitcoins & Co. betrachten bzw. rechtfertigen kann: als Währung und als (hochspekulatives) Investment. Bei beiden sehen wir erhebliche Probleme.

Bitcoin & Co. als Währung

Kryptowährungen erfüllen heute kaum die Funktionen, die eine Währung erfüllen sollte: Allem voran ist eine Währung ein „allgemein akzeptiertes“ Zahlungsmittel. Von mehreren Milliarden Zahlungstransaktionen, die in der Weltwirtschaft täglich stattfinden, laufen derzeit nur ca. 200. 000 über Bitcoins. Damit ist Bitcoin weit davon entfernt, ein ausreichend „akzeptiertes“ Zahlungsmittel zu sein. Was nützt ein Vermögen in Bitcoin, wenn man seine Rechnungen und insbesondere seine Steuern in Euro oder US-Dollar zu bezahlen hat und der Wechselkurs zu diesen Währungen sich in einer Woche um 20 Prozent ändern kann oder gar der Rücktausch nicht funktioniert? Auch die beiden weiteren Anforderungen an eine Währung sind bei Bitcoin nicht erfüllt: Es ist weder ein stabiles Mittel der Wertaufbewahrung noch eine stabile Recheneinheit. Beide Funktionen sind wegen der enormen Wertschwankungen nicht erfüllt, die Bitcoin gegenüber Währungen wie dem Euro oder dem US-Dollar erfährt, die als allgemeine Zahlungsmittel gelten. Würde Bitcoin sich den Funktionen einer Währung zukünftig annähern – insbesondere der weiten Verbreitung zu Zahlungsverkehrszwecken – würde es letztlich mit den Währungsverfassungen aller Währungen rund um die Welt kollidieren.

Währung als Staatsmonopol

Denn Währungen sind staatliche Monopolgüter, und private Währungen sind verboten. Sollte Bitcoin also irgendwann einmal Währungsfunktionen im Zahlungsverkehr ausfüllen, würde diese Währung durch die nationalen Notenbanken vermutlich eingedämmt und am Ende verboten werden. Erste Verbote zur Verwendung von Kryptowährungen sind bereits ausgesprochen worden. So hat etwa China die Verwendung sogenannter Initial Coin Offerings, dem Einsammeln von Finanzmitteln gegen mehr oder weniger klar definierte Nutzungsrechte von IT- oder anderen Ressourcen, verboten. Eine dauerhafte Nachfrage nach Kryptowährungen dürfte dennoch bestehen bleiben, allein wegen der Möglichkeit, Finanztransaktionen anonym abzuwickeln.

Zu der Vielzahl von privaten Kryptowährungen gesellen sich inzwischen auch erste staatliche Emissionen von Kryptowährungen. Beim neu eingeführten venezolanischen „Petro“ ist allerdings umstritten, ob dieser überhaupt zu Recht als Kryptowährung bezeichnet werden kann. Außerdem ist hier unklar, welche Rechte mit welchen Durchsetzungsmöglichkeiten die Inhaber von Petros haben. Derartige Innovationen im „offiziellen“ Zahlungssystem könnten langfristig die wichtigsten Änderungen sein, die sich aus den Kryptowährungen ergeben. Ob solch eine technische Neuerung auch in Deutschland dereinst einen offiziellen Status erlangen kann, steht zu bezweifeln. Immerhin findet die Blockchain-Technologie aber im Koalitionsvertrag für die neue Große Koalition Erwähnung: Es soll eine Blockchain-Strategie entwickelt werden und ein angemessener Rechtsrahmen für deren Handel entwickelt werden.

Bitcoin & Co. als Investment

Kryptowährungen werden jedoch vermutlich trotz des Mangels an echter Währungsfunktion eine feste Fangemeinde behalten. Vielfach werden dem elektronischen Finanzmedium als „Krisen-Wertaufbewahrungsmittel außerhalb des etablierten Finanzsystems“ Ähnlichkeiten mit Gold bescheinigt. Inwieweit Bitcoin & Co. hier bereits Vertrauen aufgebaut haben – nach knapp zehn Jahren Bestehen, gegenüber der über 5.000 jährigen Geschichte des Goldes als Währung – mag jeder Geldverwendender selbst beurteilen. Hinzu kommt, dass zwar die Verschlüsselungsmethoden, die den Kern der Technologie ausmachen, als sicher gelten, aber die Software „drum herum“ für die Aufbewahrung und die Verwaltung von Kryptowährungen im Allgemeinen nicht sicher ist. Eine ganze Reihe von Bitcoin-Börsen sind beispielsweise schon gehackt worden, und dies erhöht das mit einem direkten Bitcoin-Investment verbundene Risiko zusätzlich.

Zum Teil kann man diese Risiken umgehen, indem man im etablierten Finanzsystem neu entstandene Finanzprodukte rund um Bitcoin nutzt: zuletzt Futures-Kontrakte an den US-amerikanischen Börsen. Die Schwankungen der Nachfrage nach solchen Produkten (das Angebot ist durch die Konstruktion der Bitcoins begrenzt) dürften jedoch erheblich sein. Die Wertentwicklung von Bitcoin & Co. ist generell nicht absehbar. So kann es angesichts des enormen Bekanntheitsgrades und einer daraus folgenden weltweiten Nachfrage aufgrund der bisherigen Wertentwicklung sowie der Aussicht auf Knappheit durchaus zu weiteren deutlichen Kurssteigerungen kommen. Ebenso ist ein plötzlicher, dauerhafter Kurseinbruch möglich, etwa wenn Notenbanken und Aufsichtsbehörden ihren bisherigen Warnungen vor den Kryptowährungen auch Verbote folgen lassen. Die DekaBank macht für Bitcoins keine Prognosen, denn die Erfahrungswerte mit Bitcoins sind für seriöse Aussagen einfach zu gering. Es handelt sich um hochspekulative Investments, für die außer mehr oder weniger großer Anlegereuphorie kein wirklicher Wertmaßstab existiert.

Perspektiven für die Blockchain-Technologie

Die Stellung und der Gebrauch von Bitcoins & Co. in der Zukunft bleiben sehr unsicher. Für die den meisten Kryptowährungen zugrunde liegende Blockchain-Technologie dagegen wird es aber durchaus Anwendungsmöglichkeiten in vielen Bereichen geben, beispielsweise bei der Dokumentation und Archivierung von Eigentumsrechten an Aktien, Grundstücken oder Fotos. Die Technologie ermöglicht den Austausch von Daten, Rechten, Finanzmitteln und ähnlichem, ohne dass es einer zentralen, vertrauenswürdigen Institution bedarf. Überall dort, wo es keine solchen Institutionen gibt oder das Vertrauen in sie schwindet, werden Systeme attraktiver, die auf dieser Technologie fußen. Dem stehen als Nachteile die Komplexität, die Transaktionsgeschwindigkeiten und der Energieverbrauch entgegen.

Fazit

Eine Nutzung von Bitcoin insbesondere zur Geldanlage ist zum aktuellen Zeitpunkt als hochspekulativ einzuordnen. Die weitere Entwicklung der Bedeutung von Bitcoin und anderen Kryptowährungen hängt u.a. davon ab, inwieweit staatliche Institutionen deren uneingeschränkten Einsatz tolerieren. Dagegen ist für die Blockchain-Technologie, wegen ihrer Sicherheit und ihrer Dezentralität für die Zukunft ein breites Anwendungsspektrum zu erwarten.

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LIBRA – Gefahr einer digitalen Parallelwelt

Prof. Dr. Michaela Hönig, Expertin für Kryptowährungen und Blockchain, zum Thema Libra-Coin:

Facebook hat am 18. Juni 2019 ein 15-seitiges Whitepaper für sein Kryptowährungs und Blockchain-Finanzinfrastrukturprojekt veröffentlicht. Politiker, Notenbanker, und Aufseher diskutieren seitdem Ihre Bedenken zu Libra. Bis zur nächsten IWF-Tagung im Oktober sollen erste Regulierungsvorschläge der G7-Arbeitsgruppe unter Beteiligung der EZB vorliegen. Die Mission von Facebook ist, eine einfache, globale Währung und eine finanzielle Infrastruktur bereitzustellen. Der US-Konzern verspricht den mehr als zwei Milliarden Nutzern seiner Plattformen, das Einkaufen und Geldüberweisen im Internet werde dadurch so simpel und intuitiv wie das Versenden einer SMS oder eines Fotos. Die Schlagwörter sind: Sofort, jederzeit und kostengünstig.

  • Viele Fragen zu Libra sind aktuell noch offen. Das bezieht sich auf die Aspekte: Anleger- und Datenschutz, Verhinderung von Datenbetrug, Aufsichtsrecht, Regulierung und die Verhinderung von organisierte Kriminalität auf der Plattform.
  • Insbesondere stellt sich die Frage, wie der Wert des angedachten Stable Coins Libra garantiert werden kann. Sollte Libra große Verwendung finden, könnte sie die Einlagenbildung und das Geschäftsmodell der traditionellen Banken untergraben. Das wiederum könnte deren Zahlungsverkehrsgeschäft und Prozesse an den Finanzmärkten stören.
  • Die Plattform muss Konzepte entwickeln um nicht zu einem neuen Marktplatz für Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung zu werden. Bei den oben aufgeführten Risiko-Aspekten wird schnell klar, das Facebook hier nur Lösungen finden kann - gemeinsam mit Notenbanken und den Aufsichtsbehörden. Das ist aus meiner Sicht der einzige, zukunftsfähige Weg für Facebook.
  • Die zentrale Frage ist dabei, wie die staatliche Kontrollfähigkeit in der digitalen Welt gewährleistend sein soll. Aus meiner Sicht geht dies nur in einer globalen Regulierung und weit über die Beteiligung von G7 oder G20 hinaus.

Was unterscheidet Libra von der Kryptowährung Bitcoin?

  • Zum einen soll Libra an einen Korb von etablierten Währungen wie US-Dollar, Euro und Yen gekoppelt und durch kurzfristige Staatsanleihen abgesichert sein. Diese seien dazu bestimmt, Libra einen intrinsischen Wert zu geben und Volatilitätsschwankungen zu mildern. Diese Vermögenswerte bestehen aus einem Korb von Bankeinlagen und kurzfristigen Staatspapieren, die in der Libra Reserve für jeden ausgegebenen Libra gehalten werden. Dadurch sollen massive Kursschwankungen wie bei Bitcoin vermieden werden.
  • Die neue Kryptowährung wird von einem gemeinnützigen, Schweizer Konsortium namens "Libra Association" geleitet. Die Gründungsmitglieder des Konsortiums sind Mastercard, PayPal, Visa, Stripe, eBay, Coinbase, Andreessen Horowitz und Uber. Facebook plant, den Verband bis zum Start von Libra im ersten Halbjahr 2020 auf rund 100 Mitglieder zu vergrößern.
  • Der US-Konzern arbeitet mit einer neuen Programmiersprache „Move“ für die Implementierung individueller Transaktionslogik und so genannter Smart Contracts („intelligente“ Verträge) in der Libra Blockchain. Die Libra Blockchain verwendet den BFT-Ansatz mit dem Konsensprotokoll Libra BFT. BFT-Konsensprotokolle sind so angelegt, dass sie korrekt funktionieren, selbst wenn einige Validator-Nodes (bis hin zu einem Drittel des Netzwerks) kompromittiert sind oder nicht funktionieren. Diese Klasse der Konsensprotokolle ermöglicht außerdem einen hohen Transaktionsdurchsatz, geringe Latenz und einen energieeffizienteren Konsens-Ansatz als der Proof-of-Work-Mechanismus, der in den herkömmlichen Blockchains verwendet wird und immens viel Energie benötigt.

Zitat

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Wir benötigen eine globale Regulierung und Vorgaben zu virtuellen Währungen.

Dr. Michaela Hönig

Expertin für Kryptowährungen und Blockchain der DekaBank sowie Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Finanzwirtschaft und Asset Management an der Frankfurt University of Applied Sciences

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Experten empfehlen eine umfassende Regulierung

Ende Oktober musste sich Facebook-CEO Mark Zuckerberg den Fragen von Abgeordneten im US-Kongress zu seiner Libra-Initiative stellen. Nachdem sich zuvor bereits eine Reihe namhafter Unterstützer aus der Libra Association verabschiedet hatten, gab sich Zuckerberg Mühe, Bedenken zu zerstreuen. 
Facebook-Geld "Libra"