Menschenrechte

Warum soziale Verantwortung Unternehmensprozesse verbessert

Autor Deka Private Banking
zuletzt aktualisiert am 28. September 2020
Lesezeit 4 Minuten

Unternehmen, die auf die Einhaltung von Menschen- und Arbeitsrechten achten, schützen sich nicht nur vor Reputationsrisiken, sondern verbessern auch ihre Prozesse. Das macht sie auch für Investoren interessanter – wie in der Corona-Zeit besonders deutlich wurde.

Interessant für Sie, wenn...

  • Sie sich nachhaltige Geldanlage interessieren
  • Sie mehr wissen wollen über die Vorteile sozialer Standards für Unternehmen
  • Sie erfahren möchten, worauf Sie bei Unternehmen und ihren Lieferketten achten sollten

ESG-Kriterien – warum das „S“ so wichtig ist

Die Corona-Pandemie hat die öffentliche Aufmerksamkeit auf weltweite Arbeitsbedingungen gelenkt. Während davor vor allem ökologische Aspekte – Stichwort Klimawandel – das Thema Nachhaltigkeit prägte, so zeigte sich jetzt deutlich, welche Bedeutung soziale Aspekte auch in finanzieller Hinsicht haben. Zerrissene Lieferketten, öffentliche Skandale in ausgewählten Branchen: Wie unter dem Brennglas hat die Corona-Krise Missstände in Unternehmen offengelegt. Schlechte Arbeitsbedingungen wie ungenügender Abstand der Mitarbeiter untereinander oder mangelhafte Gesundheitsversorgung können schnell zu Ausfällen und einem schlechten Image bei Konsumenten führen.

Auch wenn natürlich Umwelt- und Klimaschutz von Unternehmen auch aus Investorensicht wichtige Aspekte sind, so sollten soziale Aspekte auch nach der Corona-Krise nicht vernachlässigt werden. Denn die Beachtung von Menschenrechten, Arbeitnehmerrechten und ihrer Sicherheit, sowie faire Bezahlung sind für Unternehmen und ihre Stakeholder wichtige Kriterien.

Insbesondere die globalen Lieferketten lohnen eine nähere Betrachtung Während Unternehmen in Deutschland und anderen Industriestaaten durch strenge Vorgaben und deren engmaschige Kontrolle selbst keine Menschen- oder Arbeitsrechtsverstöße begehen, kann die Situation bei Zulieferern in anderen Staaten ganz anders aussehen. Zwar handeln Zulieferer in aller Regel wirtschaftlich eigenständig, dennoch trägt der Endabnehmer zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung eine Mitverantwortung. So werden auch europäische oder US-amerikanische Unternehmen für Vergehen innerhalb ihrer Zulieferkette in (mindestens symbolische) Haftung genommen. Auch Rechtsklagen von Menschenrechtsinitiativen sind nicht selten.

Neben dem Reputationsrisiko stellen aber Verstöße gegen Arbeits- und Sozialstandards auch ein größeres Risiko für Unterbrechungen in der Lieferkette dar: Arbeitsunfälle, hohe Fluktuation und Arbeitsniederlegungen sind in solchen Unternehmen deutlich wahrscheinlicher und für Investoren ein Indikator, dass Zulieferer ihrer sozialen Verantwortung nicht nachkommen.

Menschenrechte, Arbeitsrechte, faire Bezahlung – welche Maßstäbe gelten?

Auch wenn Menschenrechte universell gültig sein sollten, ist dies in vielen Ländern nicht gesichert. Dadurch sind aber nicht automatisch alle Zulieferer aus solchen Staaten inakzeptabel für Unternehmen, die Wert auf soziale Verantwortung legen. Entscheidend ist bei der Nachhaltigkeitsbewertung des Unternehmens, ob im eigenen Unternehmen und bei den Zulieferern diese Standards gesichert sind. Das ist angesichts kultureller Unterschiede – beispielsweise die Beschäftigung von Frauen oder Heterosexuellen – und nationaler Rechtsstandards nicht immer einfach. So kann die Einhaltung regionaler Mindestlöhne insbesondere in Ländern mit hoher Inflationsrate schnell zu Gehältern unterhalb des Überlebensnotwendigen führen. Ein verlässlicherer Standard ist daher ein Mindestgehalt, mit dem ein Vollzeitangestellter sich und seine Familie ernähren kann. Ebenso so sollten Unternehmen auf globale Vorgaben wie beispielsweise von der International Labor Organisation ILO oder der UN achten. Internationale Konzerne tauschen sich zudem über Menschenrechte in Zusammenschlüssen wie der GBI aus, die sich den UN Guiding Principles on Business and Human Rights verpflichtet.

Menschenrechte und die Lieferkette

Ende 2016 hat zudem die Bundesregierung den Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte (NAP) verabschiedet. Dieser stellt Unternehmen eine Vielzahl von Handlungsempfehlungen und Leitfäden zur Verfügung. Im Mittelpunkt stehen die Umsetzung der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht und Beschwerdemechanismen, um Wiedergutmachung leisten und Missstände abstellen zu können.

Für sozial faire Lieferketten empfiehlt die Bundesregierung unter anderem einen Verhaltenskodex mit verbindlichen Richtlinien für Lieferanten als festen Vertragsbestandteil aller Einkaufsverträge. Neben den schon genannten ILO-Normen wird auch der SA8000-Standard für Social Accountability als Grundlage empfohlen. Lieferanten sollten außerdem in sozialen Standards geschult werden. Im Anschluss muss die Einhaltung des Kodex von unabhängigen Organisationen auditiert werden.

Unternehmerische Vorteile von hohen Sozialstandards

Die Umsetzung dieser Maßnahmen hat aber nur Aussicht auf Erfolg, wenn es den Unternehmen gelingt, ihre Anforderungen auch auf die Vorlieferanten der eigenen Lieferanten auszudehnen. Auch wenn nur der Lieferant des eigenen Lieferanten betroffen ist, werden Medien und NGOs wahrscheinlich den bekannten Endabnehmer – häufig ein Markenhersteller – im Rahmen der Berichterstattung nennen. Ebenso kann die eigene Lieferkette reißen und schneller Ersatz muss gefunden werden. Mit einer transparenten Lieferkette über den direkten Zulieferer hinaus erhält ein Unternehmen Transparenz und kann frühzeitig eine sozial verträglichere und damit auch weniger riskante Zulieferstruktur aufbauen. Gerade Unternehmen, die von seltenen Rohstoffen abhängen, hilft eine solche Lieferkette Beschaffungsrisiken zu vermindern.

Eine transparente Lieferkette zeigt auch auf, wo bislang Risiken und damit mögliche Prozess-Schwierigkeiten liegen. Diese können dann systematisch angegangen werden durch Austausch von Lieferanten oder internen Verbesserungen, die Ausfälle und Verzögerungen reduzieren.

Und es gibt neben den genannten Reputations- und Rechtsrisiko-Argument noch einen Grund, warum sich die Einhaltung von Sozial- und Arbeitsstandards für Unternehmen lohnt: Mitarbeiter arbeiten lieber bei Unternehmen, die ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden. Das gilt für die Zulieferer in aller Welt, aber auch Unternehmen in Deutschland und anderen demokratischen Industrieländern. Laut einer Studie von Cone Communications aus dem Jahr 2015 würden fast Zweidrittel der sogenannten Millennials sogar eine Gehaltsreduzierung hinnehmen, um für ein verantwortungsvolles und nachhaltiges Unternehmen zu arbeiten.

Welche Unternehmen berücksichtigen Menschenrechte bereits?

Eine Einschätzung ist nicht einfach, da nicht nur das Unternehmen direkt, sondern auch die Lieferkette untersucht werden muss. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Siegeln und Zertifikaten, die Unternehmen die Einhaltung von sozialen oder arbeitsrechtlichen Mindeststandards bescheinigen. Investoren, die an einem über Branchen und Regionen breit gestreuten Portfolio interessiert sind, helfen diese Siegel jedoch relativ wenig. Denn sie sind häufig auf eine Branche – zum Beispiel Textil oder Lebensmittel – beschränkt.

Ansätze wie das „Corporate Human Rights Benchmark“ versuchen, mehrere Branchen abzubilden, aktuell die Agrarindustrie, Textil, Technologie und Rohstoffgewinnung („Extractive“). Alle vier Branchen liegen dabei in einem ähnlichen, noch relativ niedrigen Punktebereich: Der Durchschnitt der Unternehmen erreicht knapp 25 von 100 Punkten. Relativ gut sind sie schon bei der Reaktion auf schwerwiegende Anschuldigungen. Bei der grundsätzlichen Implementierung von Menschenrechten in die eigene Governance z.B. über spezielle Gehaltskomponenten für den Vorstand oder konkrete Hilfsmechanismen für Geschädigte stehen viele Unternehmen noch am Anfang. Bislang liegen vor allem australische und europäische Unternehmen im globalen CHRB-Vergleich von Großunternehmen vorne, während Unternehmen aus Asien, Südafrika und Russland deutlich dahinter liegen. Weltweit führte 2019 das deutsche Unternehmen Adidas das CHBR-Ranking an; noch vor dem britisch-australischen Bergwerkkonzern Rio Tinto und Unilever.

Als Kunde der Deka Vermögensverwaltung Premium können Sie komfortabel wählen, ob Sie Ihr Portfolio nachhaltig gestalten möchten – ohne Kompromisse bei der Diversifizierung und passend zu Ihren persönlichen Zielen und Risikovorstellungen. Nutzen Sie dabei die langjährige Erfahrung unserer Nachhaltigkeits-Spezialisten und die Professionalität unserer Vermögensverwaltung. Sprechen Sie einfach Ihren Sparkassen-Berater vor Ort an.

Neue Erkenntnisse bezüglich nachhaltiger Aspekte können evtl. erst nachträglich berücksichtigt werden.

Rechtliche Hinweise
Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Deka Investmentfonds sind die jeweiligen Wesentlichen Anlegerinformationen, die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jeweiligen Berichte, die Sie in deutscher Sprache bei Ihrer Sparkasse oder der DekaBank Deutsche Girozentrale, 60625 Frankfurt und unter www.deka.de erhalten. Diese Information kann ein Beratungsgespräch nicht ersetzen.
Aussagen gemäß aktueller Rechtslage, Stand: Juni 2020. 
Die steuerliche Behandlung der Erträge hängt von den persönlichen Verhältnissen des jeweiligen Kunden ab und kann künftig auch rückwirkenden Änderungen (z.B. durch Gesetzesänderung oder geänderte Auslegung durch die Finanzverwaltung) unterworfen sein.

Allein verbindliche Grundlage für den Abschluss einer Vermögensverwaltung sind die jeweiligen Sonderbedingungen, die Sie in deutscher Sprache bei Ihrer Sparkasse oder Landesbank, der DekaBank Deutsche Girozentrale Niederlassung Luxemburg oder von der DekaBank Deutsche Girozentrale, 60325 Frankfurt erhalten.

Experten-Interview

„Die Bedeutung sozialer Aspekte wird vom Kapitalmarkt massiv unterschätzt“

Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei Deka Investment, erklärt im Gespräch, warum Anleger auch auf soziale Verantwortung von Unternehmen achten sollten – und wie man erkennt, dass etwas im Argen liegt.

Deka Private Banking: Herr Speich, warum machen Sie als Investor Ihre Anlageentscheidungen von der Einhaltung sozialer Standards abhängig?

Ingo Speich: Neben einer grundsätzlichen gesellschaftlichen Verantwortung, der wir uns als Deka Investment verpflichtet fühlen, sind es auch handfeste wirtschaftliche Gründe. Wir haben festgestellt, dass Unternehmen mit einer transparenten Lieferkette und etablierten Standards zum Teil deutlich bessere Prozesse haben. Sie liefern zum Beispiel schneller, zuverlässiger und in höherer Qualität. Entsprechend erfolgreich sind sie auch beim Kunden.

Deka Private Banking: Woran liegt das? Nur weil Menschenrechte respektiert werden, liefere ich nicht gleich schneller.

Ingo Speich: Nein. Aber in Unternehmen mit hohen Arbeitsstandards und einer fairen Bezahlung arbeiten Menschen sicherer und motivierter. Das heißt, es gibt dort weniger Unfälle oder rechtliche Schwierigkeiten – also insgesamt weniger Ausfälle. Das macht die Lieferkette stabiler. Durch die Transparenz wird aber auch schneller deutlich, wo es suboptimale Bereiche in vorgelagerten Teilen der Lieferkette gibt. Vielleicht kann ein Zulieferer nicht besser arbeiten, weil der Zulieferer seines Zulieferers massiv gegen Standards verstößt. Das erfährt man als Unternehmen aber erst, wenn man bis ins 3. oder 4. Glied Transparenz schafft. Entsprechend kann man reagieren, und sei es durch den Austausch eines Zulieferers.

Deka Private Banking: Wie prüfen Sie denn, ob ein Unternehmen Sozialstandards einhält?

Ingo Speich: Dafür gibt es ganz unterschiedliche Indikatoren. Schwierigkeiten in der Lieferkette sind einer davon. Dann berücksichtigen wir natürlich auch die Studien von etablierten Research-Agenturen in dem Bereich. Und wir sprechen intensiv mit Unternehmen – auch, um bei Vorwürfen ihre Sicht der Dinge zu hören. Reagiert das Unternehmen bei berechtigten Vorwürfen? Bietet es Schulungen an, führt es Kontrollmechanismen ein, wechselt es den Lieferanten – oder hofft es einfach nur darauf, dass sich der Sturm schon wieder legt? Im persönlichen Gespräch mit einem CEO wird sehr schnell klar, wie ernst er seine soziale Verantwortung nimmt. Die Körpersprache ist da manchmal sehr aussagekräftig.
 

Artikel-Funktionen

Ihr nächster Schritt

Wir sind für Sie erreichbar

Sollten Sie Ihren persönlichen Sparkassenberater zum Private Banking noch nicht kennen, hilft Ihnen unser Service-Center gerne weiter.
Erreichbar Mo - Fr von 9 - 18 Uhr 069 7147-1177
Sie möchten zurückgerufen werden?
DEKA-PB EXKLUSIV

Warum ESG-Investments noch attraktiver geworden sind

Die Nachfrage nach nachhaltigen Investments ist ungebrochen. Gerade institutionelle Investoren haben ein großes Interesse – aus guten Gründen, auch finanziell. Aber auch für Privatkunden werden die nachhaltigen Anlagemöglichkeiten immer attraktiver. Die wichtigsten Gründe und Entwicklungen.
Nachhaltigkeit - jetzt erst recht