Mittelstand und Digitalisierung

Corona beschleunigt die Entwicklung

Autor Deka Private Banking
zuletzt aktualisiert am 14. Juli 2020
Lesezeit 4 Minuten

Nicht alles in der Pandemie ist negativ, wie zum Beispiel die Beschleunigung der Digitalisierung. Denn der Mittelstand droht im internationalen Vergleich den digitalen Anschluss zu verlieren. Mehrere unabhängige Studien verdeutlichen dies.

  • Sie ein mittelständisches Unternehmen führen
  • Sie sich über den Stand der Digitalisierung in deutschen Unternehmen informieren möchten
  • Sie sich mit den Chancen der Digitalisierung beschäftigen

Digitalisiert aus dem Homeoffice zurück

In Deutschland stehen in der Coronakrise die Zeichen ganz klar weiter auf Lockerungen – trotz hoher Infektionszahlen im Umfeld großer Fleischfabriken und regionaler ‚Hotspots‘. Nicht nur die Schulen und Kitas, Gaststätten, Sportvereine und viele Freizeitangebote haben in den vergangenen Wochen wieder geöffnet. Auch viele Arbeitnehmer sind mittlerweile aus dem Homeoffice ins Büro zurückgekehrt. Mitgebracht haben sie zahlreiche – oft erste – Erfahrungen mit digitalen Arbeitsmethoden.

Insgesamt hat COVID-19 im Hinblick auf die Digitalisierung als Beschleuniger gewirkt, denn die Arbeit musste trotz Kontaktverbot weitergehen. Online-Konferenzen, Kollaborationssoftware oder cloud-basierte Management-Tools wurden von vielen Unternehmen als Lösung entdeckt. Die Hoffnung ist: Die Entdeckung mündet in eine Innovation von Dauer.

Nachholbedarf bei deutschen Unternehmen

Die Entwicklung hin zu mehr Digitalisierung ist in Deutschland dringend nötig, denn im internationalen Vergleich glänzt insbesondere der deutsche Mittelstand beim Digitalisierungsgrad nicht. Laut Rangliste zur Wettbewerbsfähigkeit des Weltwirtschaftsforums rutschte Deutschland von Platz 3 auf Platz 7 ab. Einen wesentlichen Grund dafür sieht die Untersuchung in der unzureichenden Digitalisierung. Schaut man hier genauer hin, ist zu sehen: In der Kategorie Informations- und Kommunikationstechnologie nimmt Deutschland gerade einmal Platz 36 ein. Das ist noch hinter Rumänien (Platz 32) und Malaysia Platz 33).

Dieser Status Quo wird auch bestätigt von dem viel beachteten Ranking der leistungsfähigsten Digitalökonomien der Welt, erstellt von der schweizerischen Hochschule IMD. Von insgesamt 63 Nationen landet Deutschland hier mit Rang 17 nur im Mittelfeld. Die Plätze 3 bis 6 nehmen Schweden, Dänemark, die Schweiz und die Niederlande ein. Auf Platz 1 liegen die USA.

Zeichen der Zeit erkannt

Immerhin lassen deutsche Unternehmen den Willen erkennen, künftig mehr Geld in die Digitalisierung zu investieren. 2018 gaben mittelständische Firmen vergleichsweise zurückhaltende 19 Milliarden Euro für Digitalisierungsprojekte aus. So wurden demgegenüber zum Beispiel in Gebäude und Maschinen 220 Milliarden Euro investiert. Das soll sich laut infodas-Studie im Zuge der Corona-Pandemie nun ändern.

So gaben 85 Prozent der befragten Unternehmen an, ihr Budget für Informationstechnologien steigern zu wollen. Immerhin will jedes dritte Unternehmen die notwendigen Mittel dafür wohl so schnell wie möglich bereitstellen.

Digitalisierung besteht jedoch nicht allein darin, neue Software-Lösungen einzuführen. Auch der sichere Betrieb und Umgang damit gehört dazu. Auch diese Notwendigkeit wird laut infodas-Studie mittlerweile erkannt, denn zum Stichwort „Cybersecurity“ befragt, planen 83 Prozent der Unternehmen hier steigende Investitionen ein. Nicht nur mittelständische Unternehmen haben offenbar erkannt, dass die Absicherung der Digitalisierung mindestens genauso wichtig ist wie die Digitalisierung selbst, um in Zukunft in ihren jeweiligen Geschäftsfeldern erfolgreich sein zu können.

Vor allem in zwei Bereichen sieht die Studie dringenden Handlungsbedarf. So verfügt nur die Hälfte der befragten Unternehmen über ein „Information Security Management System“, mit dem aber erst die gesamte Organisation eines Unternehmens und auch seine Prozesse samt sensiblen Daten abgesichert werden kann. Zum anderen verfügt nur jedes dritte befragte Unternehmen ein hinreichendes sogenanntes „Business-Continuity-Management-Konzept“, zu Deutsch betriebliches Kontinuitätsmanagement. Ein solches Konzept sichert die Handlungsfähigkeit in Krisensituationen, wie zum Beispiel der Corona-Pandemie. Natürlich werden solche betrieblichen Kontinuitätsmanagementsysteme auch digital unterstützt.

Warum ist Digitalisierung so wichtig?

Es gibt mehrere Gründe, warum moderne Informationstechnologie für Unternehmen so wichtig ist. Das Institut der deutschen Wirtschaft erklärt hierzu, dass die Digitalisierung immer mehr Branchen erreiche und die Wirtschaft sich dadurch grundlegend verändere. Als Beispiel wird das Herzstück der deutschen Wirtschaft genannt, die Automobilindustrie. Hier wachse die Nachfrage nach Software-Kenntnissen, und die Konkurrenz komme mittlerweile aus dem Silicon Valley, der IT-Hochburg in den USA.

Eine Studie von McKinsey bestätigt diese Einschätzung. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Arbeitswelt bis 2030 deutlich ändern werde. Mitarbeiter müssten deutlich mehr Fachwissen vorweisen und die Automatisierung von Prozessen werde kontinuierlich steigen. In Deutschland werde das Angebot an Arbeitsplätzen stark sinken, die manuelle und motorische Fertigkeiten verlangen. Stattdessen werde der Einsatz von künstlicher Intelligenz und Automatisierungsprozessen dramatisch steigen. Das verlange völlig neue Kompetenzen. Für die Automobilindustrie hieße das: Es werden nicht mehr vorrangig Mechaniker nachgefragt, sondern in Zukunft wird verstärkt nach IT-Spezialisten gesucht.

Nicht nur in der Autoindustrie, sondern durchgängig in fast sämtlichen Industrie- und Dienstleistungszweigen setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch: Die Welt wird digital. Sie verbessert nicht nur Geschäftsprozesse mithilfe von Informations- und Kommunikationstechniken. Digitalisierung kann bisherige Geschäftsmodelle und ganze Branchen komplett auf den Prüfstand stellen. Es stellt sich also nicht die Frage, ob sich Unternehmen mit der Digitalisierung beschäftigen sollen. Sie müssen die Herausforderungen annehmen, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben und sich in einem globalen Wettbewerb neue Märkte und Kunden zu erschließen. 

Dies untermauern handfeste Zahlen: So stellt der Digitalisierungsindex eindeutig fest: 45 Prozent der befragten Unternehmen konnten nach digitalen Neuerungen Neukunden gewinnen. 50 Prozent der Unternehmen sind der Meinung, ihre Kunden seien zufrieden, und 40 Prozent der Unternehmen verzeichnen steigenden Absatz nach Digitalisierungsoffensiven. Von den befragten Unternehmen haben 52 Prozent durch Digitalisierung ihre Prozesse vereinfacht und 47 Prozent sogar ihre Service- oder Produktqualität verbessert. Die Vorteile der Digitalisierung lassen sich also offenbar konkret in Zahlen messen.

Wie digitalisieren?

Digitalisierung ist ein großes Wort, muss aber nicht immer schwierig sein. Der Einzelhandel und das Gastronomiegewerbe haben in der Pandemie gezeigt, dass vieles mit Einfallsreichtum zu lösen ist. Hier genügten oft schon ein schnell eingerichteter Onlineshop, ein Facebook-Account und ein paar ansprechende Bilder auf Instagram, um mit Kunden in Kontakt zu bleiben und das Geschäft am Laufen zu halten.

Langfristig reicht das natürlich nicht. Aber es gibt viele, oft cloud-basierte Lösungen, die intuitiv anwendbar sind und die Zusammenarbeit deutlich erleichtern. Konferenzsysteme erlauben Videokonferenzen mit vielen Teilnehmenden, Kollaborationssoftware ermöglicht die Zusammenarbeit an gemeinsamen Projekten und Planungs-Tools organisieren sogar ganze Prozesse.

Viele dieser Tools erleichtern die digitale Arbeit enorm und sind dabei noch nicht einmal kompliziert oder teuer. Als Einstieg in den Digitalisierungsprozess lohnt sich der Versuch allemal. Soll es dann eine Nummer größer und sicherer werden, gibt es immer noch externe Anbieter, die sich um eine ganzheitliche Digitalisierungslösung im Betrieb kümmern können. 

Digitalisierung leicht gemacht

Digitalisierung muss keine Mammutaufgabe sein. Oft hilft schon eine Anwendung dabei, die Zusammenarbeit zu vereinfachen oder – im Falle von Corona und der zwangsweisen Verlagerung des Geschäfts ins Homeoffice – überhaupt erst möglich zu machen. Welche Software genau nötig ist und wie weitreichend der Transformationsprozess sein sollte, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Klar ist aber: Der erste Schritt kann klein sein, sollte aber getan werden. Nachfolgend finden Sie eine Zusammenstellung einiger digitaler Tools, die den Arbeitsalltag modernisieren und erleichtern können. Achtung: Nicht alle genannten Lösungen sind konform mit der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO)!

Konferenzsysteme:

Sie erlauben Videokonferenzen zwischen mehreren Teilnehmern. Zusätzlich bieten die meisten Tools noch die Möglichkeit, Bildschirme zu teilen und kleine Umfragen abzuhalten. Eine Aufnahmefunktion gibt es in der Regel auch, sodass Interessierte auf Wunsch auch später noch auf die Konferenz zugreifen können. Anbieter sind zum Beispiel Skype, Zoom oder Jitsi.

Kollaborationssoftware:

Sie ermöglicht die Zusammenarbeit an Projekten. In der Regel sind ein Videokonferenzsystem und eine Chat-Funktion integriert. Darüber hinaus können die Teilnehmer gemeinsam Dokumente erstellen und bearbeiten, Ideen auf Plattformen austauschen und verwalten und sogar ganze Projekte steuern. Anbieter sind zum Beispiel Microsoft (Teams) oder Slack.

Customer-Relationship-Management-Systeme:

Sogenannte CRM-Systeme helfen bei der Verwaltung aller Beziehungen zu bestehenden oder potenziellen Kunden. Das geht weit über die reine Verwaltung von Kontaktdaten hinaus und ermöglicht eine individuelle und bedarfsgerechte Ansprache. Anbieter sind zum Beispiel Zoho oder Monday.com.

Planungs-Tools:

Diese Tools helfen bei der Planung von Projekten ganz unterschiedlicher Komplexität. Aufgaben werden zugewiesen, Kompetenzen erteilt, Deadlines markiert, Ideen gesammelt, vorhandene Inhalte und erledigte Aufgaben hinterlegt und für alle Beteiligten sichtbar gemacht. So sind alle Teilnehmer auf einen Blick auf dem aktuellen Stand der Arbeit, ohne dabei den Zeitrahmen aus den Augen zu verlieren. Anbieter sind zum Beispiel Trello oder Microsoft (Planner).

Die Sparkasse unterstützt Sie in allen Fragen rund um die Digitalisierung Ihres Unternehmens. Vereinbaren Sie einfach einen Termin mit Ihrer Firmenkundenberaterin oder Ihrem Firmenkundenberater.

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