Nachhaltigkeit – jetzt erst recht

Warum ESG-Investments noch attraktiver geworden sind

Autor Deka Private Banking
zuletzt aktualisiert am 9. September 2020
Lesezeit 4 Minuten

Die Nachfrage nach nachhaltigen Investments ist ungebrochen. Gerade institutionelle Investoren haben ein großes Interesse – aus guten Gründen, auch finanziell. Aber auch für Privatkunden werden die nachhaltigen Anlagemöglichkeiten immer attraktiver. Die wichtigsten Gründe und Entwicklungen.

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Nachfrage auch in der Krise ungebrochen

Während die Corona-Pandemie die Wertpapiermärkte weltweit durchschüttelte, blieb die Nachfrage nach nachhaltigen Investitionsmöglichkeiten bemerkenswert stabil. Im Gegenteil: Im 2. Quartal 2020 – als weltweit zahlreiche Corona-Maßnahmen umgesetzt worden sind – stiegen die Investitionen in nachhaltige Anlagen sogar deutlich. Obwohl es bislang vor allem europäische Investoren sind, die sich für die ökologisch, sozial und Governance-orientierten („ESG“) Unternehmen, Staaten und Projekte interessieren, wächst die Nachfrage auch in anderen Teilen der Welt.

Die Implikationen nachhaltiger Geldanlage

Dahinter stecken nicht nur „moralische Motive“ wie der Wunsch nach einer ressourcenschonenderen Produktion oder fairen Arbeitsbedingungen. Es sprechen auch finanzielle Gründe dafür, auf nachhaltige Anlagen zu setzen. Zahlreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Anlagen den Vergleich mit traditionellen Anlagen nicht zu scheuen brauchen. Im Gegenteil. Denn obwohl eine Einengung der Anlagemöglichkeiten eigentlich das Risiko von Anlagen steigern müsste – wie es beispielsweise bei einer Einengung auf nur eine Anlageklasse, Branche oder Region meist der Fall ist – zeigen nachhaltige Investments geringere Risiken. Das hat vor allem drei Gründe:

  • Geringere unternehmerische Risiken wie Reputationsverlust, verschärfte Regulierung oder Haftung für arbeitsrechtliche und andere Verstöße
  • Größere Transparenz zum Beispiel bei der Incentivierung des Managements oder der Zulieferer erlaubt früheres Gegensteuern, z.B. bei Lieferantenschwierigkeiten
  • Bessere Kundenbindung – Unternehmen, die den Nachhaltigkeitsansprüchen ihrer Kunden (und anderer Stakeholder wie Mitarbeiter) genügen, haben eine bessere Kundenbindung als nicht-nachhaltige Unternehmen. Das gilt nicht zuletzt auch für Investoren: So genannte Green Bonds, nachhaltige Anleihen, sind trotz Corona-Krise unvermindert nachgefragt von Investoren – entsprechend einfacher ist die Finanzierung.

In der Corona-Krise haben sich darüber hinaus noch andere Gesichtspunkte gezeigt. So haben viele ESG-konforme Aktienfonds eine stärkere Gewichtung von Technologie- und Gesundheitsunternehmen, während energieintensive Industrien wie Fluglinien oder die Erzeuger traditioneller Energiearten untergewichtet sind. Die Maßnahmen gegen die Ausbreitung haben nicht nur die Nachfrage nach technologischen und gesundheitlichen Lösungen anschwellen lassen, sondern durch Produktionsausfälle die Nachfrage nach Energie und energieintensiven Industrien gemindert. Auch zeigten sich die Vorteile besserer Arbeitsbedingungen, bei denen eine Gesundheitsversorgung oder eine Arbeit „auf Abstand“ gegeben war. Auch die Kursentwicklung von Rentenpapieren zeigt die Vorzüge von Good Governance. In der Corona-Krise entwickeln sich die Anleihen populistisch regierter Staaten relativ gesehen auffallend schlechter als die der restlichen Welt. Ein greifbares Beispiel für die Auswirkungen von Good und Bad Governance.

Angebot entwickelt sich weiter

Nachhaltige Anlagen sind offensichtlich keine Modeerscheinung. Immer mehr institutionelle Investoren legen in ihren Anlagerichtlinien sogar fest, dass ESG-konforme Investments nicht nur eine Beimischung zum Portfolio sein sollen – sondern dass das gesamte Portfolio ESG-Anforderungen genügen muss. Diese Maßgabe hat bislang allerdings eine Diversifizierung nach Anlageklassen erschwert. Doch mittlerweile ist das Angebot nachhaltiger Investitionsmöglichkeiten rasant gewachsen. Nicht nur die Zahl der Aktienfonds ist gestiegen, auch ESG-konforme Anleihen und Immobilien sind heute im Angebot. Sogar alternative Investments wie Hedgefonds stellen sich auf die veränderte Nachfrage ein. Nachhaltige Geldanlage quer über alle Anlageklassen wird immer einfacher, ohne sich durch mangelhafte Streuung neue Risiken ins Portfolio zu holen.

Das erweiterte Angebot steht inzwischen großteils auch Privatanlegern zur Verfügung. So bietet zum Beispiel Deka-Vermögensverwaltung Premium die Möglichkeit, einen „Nachhaltigkeitsfilter“ über die gesamte Anlagestrategie zu legen und damit die zu den eigenen Anlagezielen und Risikoeinschränkungen passende Anlagestrategie durch ESG-konforme Produkte abzubilden. So können finanzielle Vorgaben mit Werten verbunden werden, ohne größere Kompromisse auf der ein wie auf der anderen Seite eingehen zu müssen.

Nur die Besten – oder die mit Potenzial?

Doch in welche Unternehmen, Staaten und Projekte sollten nachhaltige Anleger eigentlich investieren? Grundsätzlich lassen sich zwei Ansätze unterscheiden: Der Best in Class-Ansatz und der Impact-Ansatz. Beim Best-in-Class-Ansatz werden alle Unternehmen, Staaten etc. aussortiert, die einem strengen Kriterienkatalog nicht genügen. In einem ersten Schritt werden typischerweise Waffenproduzenten oder Erzeuger konventioneller Energie aussortiert. Anschließend werden die Ansprüche soweit verschärft, dass nur noch die „Besten“ übrigbleiben. Wie groß die Gesamtheit der „Besten“ ist und inwiefern Untergruppen zum Beispiel nach Branchen oder Regionen gebildet werden, hängt von der Strategie des nachhaltigen Fonds oder Investors ab. Das ist leicht eine Gratwanderung, denn einerseits sollen die ESG-Kriterien nicht zu stark verwässert werden, andererseits sollte die verbleibende Auswahl an Investments nicht zu klein (und damit die Streuung zu gering) ausfallen. Die „Best in Class“-Strategie belohnt vor allem solche Emittenten, die in ihren ESG-Bemühungen schon sehr weit sind.

Der „Impact“-Ansatz hingegen setzt auf die Emittenten, die die ESG-Kriterien erst zum einem relativ geringen Anteil erfüllen – aber in absehbarer Zeit deutliche Verbesserungen versprechen. Der große Vorteil, nicht nur aus finanzieller Sicht: Das Potenzial für positive Veränderungen ist häufig größer als bei den „Klassenbesten“ – zumindest lässt sich ein abnehmender Grenznutzen in vielen ökonomischen Zusammenhängen beobachten. Voraussetzung ist dabei allerdings, dass der Änderungswille glaubwürdig ist. Bei Staaten kann dies ein demokratisches Reformprogramm sein, bei Unternehmen ein Projektplan für einer umweltfreundlichere Produktion oder eine entsprechende Incentivierung des Managements.

Schwierige Vergleichbarkeit

Sowohl Best-in-Class- als auch der Impact-Ansatz sehen sich allerdings mit der Schwierigkeit konfrontiert, dass es keine einheitlichen Bewertungsmaßstäbe für die „ESG-Kriterien-Erfüllung“ gibt. Zwar gibt es allgemeine Prinzipien, wie sie zum Beispiel im UN Global Compact definiert worden sind. Doch sind diese Kriterien vielfach Mindeststandards; und Kritiker monieren, dass auch Unternehmen, die eigentlich gegen Prinzipien verstoßen, am Global Compact teilnehmen. So haben sich zahlreiche unterschiedliche Ansätze entwickelt, und eine Vielzahl von Prüfunternehmen vergeben Zertifikate, Siegel und andere Bescheinigungen auf Basis jeweils eigener Kriterien. Eine Vergleichbarkeit ist dadurch schwierig. Angesichts der Breite der ESG-Bereiche – Umwelt, Sozial, Governance – und gleichzeitig ganz unterschiedlichen Branchen und Regionen verwundert es allerdings nicht, dass die Entwicklung eines einheitlichen Vergleichsstandards so schwierig ist. Wer nachhaltig investieren möchte, sollte sich daher Gedanken darüber machen, welche Kriterien und Aspekte Priorität haben und dann die Kriterien nachhaltiger Fonds, Indizes oder Projekte betrachten.

Auch wenn es noch Verbesserungspotenzial gibt bei der Messung, wie gut die Nachhaltigkeitskriterien jeweils wirklich eingehalten werden, werden nachhaltige Anlagen weiter an Bedeutung gewinnen. Dafür sprechen nicht nur die aktuellen Investitionszahlen, sondern auch die Besonderheiten nachhaltiger Anlagen.

Allein verbindliche Grundlage für den Abschluss einer Vermögensverwaltung sind die jeweiligen Sonderbedingungen, die Sie in deutscher Sprache bei Ihrer Sparkasse oder Landesbank, der DekaBank Deutsche Girozentrale Niederlassung Luxemburg oder von der DekaBank Deutsche Girozentrale, 60325 Frankfurt erhalten.

Experten-Interview

„Verbesserungen erreichen“

Das „Impact“-Investing setzt darauf, mit Investitionen nicht nur eine attraktive finanzielle Rendite zu erzielen, sondern auch messbare Verbesserungen im sozialen, ökologischen oder Governance-Bereich zu erzielen. Sarah Lütgert und Anna Aparkina, Managerinnen des Rentenfonds Deka-Nachhaltigkeit Impact Renten, erläutern, worauf sie dabei besonders im Anleihebereich achten.

Deka Private Banking: Frau Lütgert, wann ist eine Anleihe-Emittent für Sie im Bereich Impact-Investing interessant?

Sarah Lütgert: Für uns sind die UN Sustainable Development Goals, kurz SDG, eine gute Orientierung. Hierzu zählen zum Beispiel die Ziele, Hunger abzuschaffen, eine gute Ausbildung zu gewährleisten oder Geschlechter-Gerechtigkeit zu schaffen. Längst nicht jedes Land hat schon diese Ziele erreicht – entscheidend ist, dass die Länder aber willens sind, die Ziele zu erreichen. Das prüfen wir und schauen dann, ob ein Investment für uns infrage kommt.

Deka Private Banking: Woran erkennen Sie denn, wer willens ist – und wer vielleicht nur Sonntagsreden hält?

Anna Aparkina: Wir schauen uns konkrete politische Maßnahmen an, beispielsweise Reformen im Schulsystem oder Verschärfungen von Umweltstandards. Dabei geht es nicht allein um eine Momentaufnahme, sondern wie sich die Dynamik über die vergangenen fünf Jahre entwickelt hat. Wir müssen diese Veränderungen auch messen können. Das kann bedeuten, dass wir Armenien und Georgien unterstützen, aber ein EU-Staat wie Ungarn aufgrund der negativen Dynamik bei Freiheitsrechten bei uns durchs Raster fällt. Wir lehnen auch einige chinesische Green Bonds ab, da oftmals eine Transparenzprüfung nicht möglich gemacht wird.

Deka Private Banking: Das sind die SDG-Kriterien. Wie sehen die finanziellen Kriterien aus – nicht jede Anleihe aus einem SDG-konformen Land landet im Portfolio, oder?

Sarah Lütgert: Nein. Impact Investing muss auch Renditekriterien erfüllen, es ist ja auch keine Spende. Eine aktuelle Anleihe aus Costa Rica haben wir zum Beispiel abgelehnt, die war einfach zu teuer. Es muss sich schon rechnen für die Anleger.

Deka Private Banking: Das klingt jetzt so, als würden Sie vor allem in Staatsanleihen, und da stark in Emerging Markets gehen?

Anna Aparkina: Der Fonds ist offen für Anleihen unterschiedlichster Emittenten – nicht nur Staaten, sondern auch Unternehmen oder supranationale Einrichtungen wie Entwicklungsbanken. Richtig ist, dass wir dabei aber global aufgestellt sind.

Deka Private Banking: Was ist denn aus Anlegersicht eigentlich attraktiver: Ein „Best in Class“-Ansatz, der auf die Emittenten setzt, die bereits ganz vorne bei den SDG- und ESG-Kriterien stehen – oder das Impact-Investing, das signifikante Verbesserungen unterstützen soll?

Sarah Lütgert: Das ist nicht zuletzt eine persönliche Entscheidung, was einem wichtiger ist. Finanziell lässt sich da kein pauschales Urteil fällen, welche Anlageart eine bessere Rendite erzielt oder weniger Risiken birgt. In einem ausgewogenen Portfolio sollten meiner Meinung nach beide Formen vorhanden sein.

Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb sind die jeweiligen Wesentlichen Anlegerinformationen, die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jeweiligen Berichte, die Sie in deutscher Sprache bei Ihrer Sparkasse oder der DekaBank Deutsche Girozentrale, 60625 Frankfurt und unter www.deka.de, erhalten.

Nachhaltigkeit ist deutsch

Hans Carl von Carlowitz (1645 – 1714) war Oberberghauptmann am kursächsischen Oberbergamt in Freiberg. Angesichts einer drohenden Holzverknappung und Ausbeutung der Wälder am Ende des 17. Jahrhunderts formulierte von Carlowitz 1713 in seinem Werk "Sylvicultura oeconomica" erstmals, dass

Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

immer nur so viel Holz geschlagen werden sollte, wie durch planmäßige Aufforstung wieder nachwachsen kann. Damit legte er den Grundstein für die deutsche Forstwirtschaft und das Prinzip des nachhaltigen Umgangs mit Rohstoffen.

Zitat

CARLOWITZ.png

Wird derhalben die größte Kunst/Wissenschaft/Fleiß und Einrichtung hiesiger Lande darinnen beruhen / wie eine sothane Conservation und Anbau des Holtzes anzustellen / daß es eine continuierliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe / weiln es eine unentberliche Sache ist / ohne welche das Land in seinem Esse nicht bleiben mag. (“Sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht”, Seiten 105-106). Bild: Gemeinfreie Übernahme aus Wikipedia. Weitergehende, lizenzrechtliche Informationen siehe Link. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hans_Carl_von_Carlowitz.jpg

Hans Carl von Carlowitz (1645 - 1714)

Deutscher Kameralist sowie Oberberghauptmann des Erzgebirges

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