Ökonomie beeinflussen

Nachhaltigkeitskriterien und ihre wirtschaftlichen Auswirkungen

zuletzt aktualisiert am 16. September 2019
Lesezeit 3 Minuten

Die Bewertung von multinationalen Konzernen oder großen Finanzinstituten nach Nachhaltigkeitskriterien erinnert manchmal an ein riesiges Puzzle mit 10.000 Teilen. Viele verschiedene Facetten versuchen wir, zu einem Ganzen zusammenzusetzen.

Interessant für Sie, wenn ...

  • Sie wissen möchten, wie Nachhaltigkeitsanalysten zu ihren Einschätzungen gelangen
  • Sie die Arten von Nachhaltigkeitsfonds kennen lernen möchten
  • Sie die ökonomische Wirkung von Nachhaltigkeitsfonds verstehen möchten

Ökonomie beeinflussen

Ziel unseres umfassenden und an qualitativen und quantitativen Indikatoren ausgerichteten Bewertungsprozesses ist es, möglichst genaue Antworten auf folgende Fragen zu erhalten: Wie verantwortlich geht das Unternehmen mit den natürlichen Ressourcen, mit seinen Mitarbeitern, Anwohnern, Lieferanten um? Inwieweit hat das Unternehmen soziale, ökologische und ethische Prinzipien in seine Geschäftspraktiken und auch in sein Geschäftsmodell integriert? Die Kür besteht dann darin zu bewerten, ob das Unternehmen Antworten, wenn nicht gar Lösungen in Form von Dienstleistungen und Produkten für unsere globalen Herausforderungen wie Klimawandel, Armut, Wasserknappheit, Energiehunger, Artensterben, soziale Ungleichheit etc. entwickelt hat.

Analyse aus vielen Quellen

Um diese Fragen zu beantworten, nutzen wir als Nachhaltigkeitsanalysten eine Reihe unterschiedlicher Quellen. Das sind zum einen die Informationen, die direkt vom Unternehmen kommen, also Informationen von der Website des Unternehmens sowie Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichte. Diese sollten am besten von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer geprüft worden sein. Daraus ziehen wir den (manchmal vielleicht etwas zu optimistischen) Schluss, dass die dokumentierten Zahlen und Abläufe auch wirklich so in den Unternehmen vorherrschen und nicht nur für uns Analysten aufbereitet wurden.

Unternehmenseigene Informationen reichen aber alleine nicht aus, um das Puzzle zu einem gesamten Bild werden zu lassen. Dazu benötigen wir ebenso unabhängige, zum Teil sehr unternehmenskritische Quellen. Informationen finden sich in Medienberichten, Daten staatlicher Stellen oder Studien von Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Letztere untersuchen beispielsweise die Produktionsbedingungen von Textilunternehmen vor Ort (z.B. das Südwind-Institut) oder haben sich auf die Bankenrecherche spezialisiert, wie z. B. banktrack  oder urgewald. NGOs versorgen uns unter anderem mit Daten zu kritischen Investitionen oder Projektfinanzierungen, z. B. bei Umsiedlungen, sowie Staudammprojekten oder Hintergründen zu Beteiligungen an Rüstungsunternehmen.

Schwierigkeiten bei der Datenbeschaffung und Beurteilung der Daten

Die Aufgabe unserer breit ausgebildeten Nachhaltigkeitsanalysten ist es dann, zwischen Greenwashing-Tendenzen  der Unternehmen auf der einen Seite und lauten, zum Teil schrillen NGO-Kampagnen auf der anderen Seite die Balance zu halten und belastbare, nachvollziehbare Fakten zu finden. Manchmal ist das ein unglaublich schweres Unterfangen! Darüber hinaus werden eine Menge fachspezifischer Datenbanken ausgewertet, z. B. über die Anwendung von Tierversuchen im Pharmabereich oder über die genauen Produkte im Rüstungsbereich. Hier geht es darum zu erfahren, über welche Beteiligungen ein Unternehmen verfügt und welche Bereiche eventuell in der Produktion oder Finanzierung von Landminen oder Streubomben tätig sind.

Fakt ist aber auch, dass die Unternehmen selbst eine wichtige Informationsquelle für die Nachhaltigkeitsratings sind. Schließlich weiß oftmals das Unternehmen selbst am besten über alle Programme, Ziele und Vorhaben Bescheid. Glaubwürdig wird ein Unternehmen bzw. ein Nachhaltigkeitsbericht für uns dann, wenn er neben allem Erreichten und Positiven auch klar die noch vorhandenen Defizite beschreibt und auch transparent macht, welche Gründe es für Zielverfehlungen gab. Wir wollen keine grün eingefärbte Unternehmenswelt. Wir wollen ehrliche Berichterstattung und die Wahrheit herausfinden. Und die ist bekanntlich vielfältig.

Direkter Kontakt zum Unternehmen

Neben der Auswertung von unternehmenseigenen Informationen sprechen wir auch direkt mit Unternehmensvertretern, z. B. aus dem Nachhaltigkeitsmanagement, dem Vorstandsstab und oftmals auch mit Vertretern von Investor Relations. Dies hat neben der Nutzung der primären Datenquelle für uns noch einen weiteren Effekt: Nachhaltigkeitsratings fungieren als Intermediäre zwischen den Investoren auf dem Finanzmarkt und den Unternehmen. Nachhaltigkeitsratings sind dadurch ein Treiber für die nachhaltige Ausrichtung in den Konzernen. Wir bündeln die Ansprüche nachhaltig ausgerichteter Investoren und konfrontieren Unternehmen mit Fragen und Erwartungen, die dann im besten Fall Verbesserungsprozesse in den Konzernen in Gang setzen. Gepaart mit dem Engagement institutioneller Investoren, etwa einem Dialog mit dem Vorstand hinter verschlossenen Türen über die Defizite in der Nachhaltigkeitsperformance, setzt dies oftmals positive Veränderungen in Gang.

Arten von Nachhaltigkeitsfonds

Nutzer der Nachhaltigkeitsratings  sind sowohl institutionelle Investoren als auch Banken und Fondsgesellschaften, die auf der Basis dieser Ratings nachhaltige Fonds auflegen, so z. B. die Deka mit verschiedenen Fonds in unterschiedlichen Assetklassen. Bei den Fonds im deutschsprachigen Raum haben sich drei Formen durchgesetzt:

  1. Klassische Best-in-Class-Fonds, die keine Branche per se ausschließen und immer nur in die aus Nachhaltigkeitsgesichtspunkten besten einer Branche investieren. Dieser Ansatz hat vor allem bei den Großunternehmen, die beispielsweise im DAX gelistet sind, einen regelrechten Wettbewerb ausgelöst, jeweils zu den Besten ihrer Branche zu gehören.
  2. Ethische Fonds: die älteste Form der ethisch-ökologischen Fonds, die primär über Ausschlusskriterien agieren und aus ethischen Gründen bestimmte Branchen aus ihren Investments ausschließen, wie z. B. Tabak oder Rüstungskonzerne, aber auch Unternehmen, die die Menschenrechte systematisch verletzen.
  3. Mischformen, also Fonds, die zwar auch Ausschlusskriterien haben, aber danach vor allem über Positivkriterien und damit über formulierte Mindeststandards in Sachen Umwelt-, Risiko-, Stakeholder-Management operieren.Mischformen, also Fonds, die zwar auch Ausschlusskriterien haben, aber danach vor allem über Positivkriterien und damit über formulierte Mindeststandards in Sachen Umwelt-, Risiko-, Stakeholder-Management operieren.

Ökonomische Wirkung von Nachhaltigkeitsfonds

Ging es in den Anfangsjahren des ethischen oder nachhaltigen Investments vor allem darum, in bestimmten „unethischen“ Branchen nicht investiert zu sein, so kommt in den letzten zwei Jahren verstärkt die Debatte um die Wirkung nachhaltiger Investments auf, der sich auch die klassischen Nachhaltigkeitsfonds auf Dauer nicht verschließen können. Nachhaltiges Investment verfolgt neben Renditezielen und Risikominimierung eine klare Absicht: die Lenkungswirkung des Geldes hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise. Und damit müssen zum einen die bewerteten Unternehmen mehr denn je belegen, welchen Beitrag sie zur Lösung der Menschheitsprobleme leisten, zum anderen aber auch die Banken und Fondsgesellschaften darlegen, was ihre Investments bewirken.

Das ist bei kleinen, singulären Themen noch relativ einfach: Der CO2-Fußabdruck  eines Produktes lässt sich mittlerweile relativ einfach berechnen, auch wenn dies leider noch viel zu wenig Unternehmen tun und daraus Schlüsse für ihre Beschaffung und Produktion ableiten. Aber der noch einfach zu berechnende CO2-Fußabdruck ist nur eine Kennzahl bei den nachhaltigkeitsrelevanten Themen. Offen bleibt, wie der Flächenverbrauch, die Chemikalienintensität, der generelle Ressourcenverbrauch oder auch die Wirkung des Unternehmens auf die lokale Infrastruktur, eine Verbesserung der Bildungschancen oder eine gerechtere Wirtschaftsstruktur gemessen werden kann.

Hier steht die Debatte noch ganz am Anfang, aber sie wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren an Fahrt aufnehmen und die Welt der Nachhaltigkeitsratings verändern.

Neue Erkenntnisse bezüglich nachhaltiger Aspekte können evtl. erst nachträglich berücksichtigt werden.

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Rechtliche Hinweise
Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Deka Investmentfonds sind die jeweiligen Wesentlichen Anlegerinformationen, die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jeweiligen Berichte, die Sie in deutscher Sprache bei Ihrer Sparkasse oder der DekaBank Deutsche Girozentrale, 60625 Frankfurt und unter www.deka.de erhalten. Diese Information kann ein Beratungsgespräch nicht ersetzen.
Aussagen gemäß aktueller Rechtslage, Stand: Juni 2020. 
Die steuerliche Behandlung der Erträge hängt von den persönlichen Verhältnissen des jeweiligen Kunden ab und kann künftig auch rückwirkenden Änderungen (z.B. durch Gesetzesänderung oder geänderte Auslegung durch die Finanzverwaltung) unterworfen sein.

Privatanleger-Umfrage zu Corporate Governance: Klarer Auftrag an Fondsgesellschaften

Fondsgesellschaften verwalten das Geld von Millionen Anlegern und bündeln damit Aktionärsstimmrechte. Sie können diese auf Hauptversammlungen ausüben, um Einfluss auf die Unternehmenszukunft auch jenseits von klassischen Erfolgsfaktoren zu nehmen. Dieses aktive Engagement von Fondsgesellschaften spielt auch bei Privatanlegern eine immer größere Rolle wie eine repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag der Deka ergab.

„Die Deka Investment hat auf der Hauptversammlungssaison 2019 wieder sehr aktiv die Stimmrechte ihrer Anleger vertreten. Die Umfrageergebnisse bestätigen uns darin, wie wichtig dieses Engagement für die Anleger in Deutschland ist“, sagt Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei Deka Investment.

Die Anleger haben klare Vorstellungen für welche Themen ihre Fondsgesellschaft zuvorderst eintreten sollte. Mit einer deutlichen Mehrheit von

  • 58%
    steht an erster Stelle das Hinwirken auf eine verantwortungsvolle Unternehmensführung,
  • 42%
    gefolgt von sozialen
  • 40%
    und ökologischen Kriterien.
  • 31%
    Klassische Erfolgsfaktoren wie Bilanz und Finanzkennzahlen stehen für die Befragten deutlich weniger im Fokus.
  • 27%
    Auch die Angemessenheit von Vorstandsgehältern spielt eine im Vergleich untergeordnete Rolle.

Über die Umfrage:
Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 1.169 Wertpapierbesitzer zwischen dem 11.06.2019 und 14.06.2019 teilnahmen. Insgesamt wurden 4.061 Personen repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren befragt.
 

5 Mythen zur nachhaltigen Geldanlage

Nachhaltigkeitsfonds sind im Kommen. Allerdings haben sie auch reichlich Nachholbedarf. Aber warum schrecken eigentlich noch viele vor einer Geldanlage zurück, von der Anleger, Umwelt und Gesellschaft gleichermaßen partizipieren können? Hier die gängigsten Irrtümer und Legenden.

1. Rendite und gutes Gewissen gehen einfach nicht zusammen.

Stimmt nicht! Wer in Unternehmen investiert, die nachhaltig wirtschaften, kann von Erfolgen profitieren. Der Deka-Nachhaltigkeit Aktien investiert in rund 200 Firmen – eines davon ist derzeit Vestas. Das Unternehmen baut Windkraftanlagen und bringt somit erneuerbare Energien nach vorne. Dabei ist es sehr erfolgreich: Mittlerweile ist es einer der größten Windkraftanbieter der Welt.

2. Nachhaltigkeitsfonds entwickeln sich schlechter als andere Fonds.

Auch das ist ein Mythos. Zahlreiche Studien, unter anderem von der Harvard Business School und der London School of Business, aber auch der Berliner Steinbeis-Hochschule haben gezeigt, dass Nachhaltigkeitsfonds grundsätzlich nicht weniger Rendite erwirtschaften als traditionelle Fonds.

3. Nachhaltigkeitsfonds sind riskanter als andere Fonds.

Nein, Nachhaltigkeit ist kein Risikofaktor. Und auch bei Nachhaltigkeitsfonds ist es Pflicht, im Fondsporträt die Risikogruppe anzugeben. Hier kann man nachschauen, wie „riskant“ ein bestimmter Fonds ist. Der Deka-Nachhaltigkeit Renten und der Deka-Nachhaltigkeit Balance  weisen in der Regel eher niedrigere Wertschwankungen auf, der Deka-Nachhaltigkeit Aktien im Vergleich eher höhere. Wie bei anderen Fonds gilt grundsätzlich: Wer ein geringes Risiko eingeht, erhält typischerweise eine geringere Rendite. Wer risikofreudiger ist, kann in der Regel eine höhere Rendite erzielen - aber auch mehr verlieren.

4. In Nachhaltigkeitsfonds sind bei der Auswahl der Aktien ökonomische Kriterien am Ende doch wichtiger als ökologische. 

Jeder Fondsanbieter entscheidet selbst, welche Kriterien bei der Auswahl von Wertpapieren eine Rolle spielen. Bei Deka-Nachhaltigkeitsfonds wie Deka-Nachhaltigkeit Renten oder Deka-Nachhaltigkeit Aktien durchlaufen Unternehmen eine mehrstufige Prüfung. Dafür suchen die Fondsmanager unter den nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen diejenigen aus, die auch ökonomisch zu den besten ihrer Klasse gehören. Erst kommt also der Nachhaltigkeitsfilter, dann der ökonomische Filter.

5. Nachhaltige Geldanlagen sind nur ein Trick, mit dem Banken „grüner“ erscheinen wollen. 

Ob ein Anbieter nur nach außen „grün“ erscheinen will oder es mit der Nachhaltigkeit wirklich ernst meint, lässt sich überprüfen. Im Nachhaltigkeitsbericht wird ausgewiesen, ob sich das Unternehmen auch selbst strenge Auflagen setzt. So gilt bei der DekaBank neben vielen anderen Maßnahmen auch für die Anlage eigener Gelder ein Filter mit Kriterien wie Umwelt, Rüstung, Menschenrechte oder Korruption.

Ein wichtiger Hinweis: Wie alle Wertpapieranlagen unterliegen auch Nachhaltigkeitsfonds Wertschwankungen, die sich negativ auf den Wert der Anlage auswirken können.

Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Deka Investmentfonds sind die jeweiligen wesentlichen Anlegerinformationen, die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jeweiligen Berichte, die Sie in deutscher Sprache bei Ihrer Sparkasse oder Landesbank oder von der DekaBank Deutsche Girozentrale, 60625 Frankfurt und unter www.deka.de erhalten.

Zitat

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Wir sind davon überzeugt, dass eine gute Unternehmensführung und nachhaltiges Wirtschaften der Schlüssel für den langfristigen Erfolg eines Unternehmens ist. Die Aktionäre werden bei ihrer Anlage neben der Rendite auch darauf immer mehr achten.

Ingo Speich

Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance, Deka Investment

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Green und Social Bonds - interessante Anlagemöglichkeiten

Der Markt für nachhaltige Anleihen wächst rasant. Immer mehr Investoren setzen auf die nachhaltigen Papiere, gleichzeitig steigt die Zahl der Anbieter von Green Bonds. Die DekaBank unterstützt Anleger bei der Auswahl und potenzielle Emittenten beim Emissionsprozess und bei der Platzierung.
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