Offshore

Chancen und Risiken einer Offshore-Geldanlage

Autor Deka Private Banking
zuletzt aktualisiert am 11. Februar 2020
Lesezeit 4 Minuten

Auch ein gutes Jahrzehnt nach der Schuldenkrise in Europa ist die Sorge vor einem Zusammenbruch des Euros bei manchem deutschen Anleger weiter groß. Doch hilft eine Anlage außerhalb der Eurozone wirklich – oder entstehen nicht ganz neue Risiken? Ein Überblick über die Optionen und ihre Vor- und Nachteile.

Interessant für Sie, wenn...

  • Sie sich vor einem Euro-Zusammenbruch sorgen
  • Sie über Vermögensanlagen außerhalb der Eurozone nachdenken
  • Sie prüfen, Ihre Vermögensanlage „Offshore“ in ein Land außerhalb der Eurozone zu verlegen

Offshore-Investments als Absicherung gegen Euro-Risiken?

Bald zehn Jahre sind vergangen, seit insbesondere die griechische Schuldenkrise massive Zweifel an der Zukunft des Euro aufkommen ließ. Welche Verwerfungen würde ein Ende der Gemeinschaftswährung zur Folge haben, wie würde sich der Zerfall auf die eigene Vermögenssituation auswirken? Viele Anleger haben auf diese Sorge mit einer Flucht in Sachwerte, allem voran Immobilien, reagiert. Andere haben nach Anlagemöglichkeiten außerhalb der Eurozone, in Fremdwährungen gesucht – einige auch gefunden. Auch wenn sich die Situation in Griechenland und anderen damals von der Schuldenkrise betroffenen Ländern wie Irland, Spanien oder Portugal inzwischen beruhigt hat, geben die hohe Staatsverschuldung, der anstehende Brexit sowie die unsichere Lage in Italien weiterhin Anlass zur Sorge um die Zukunft des Euro. Offshore-Investments in Fremdwährungen scheinen eine attraktive Alternative zu sein. 

Offshore nur noch selten aus steuerlichen Gründen

Dabei sind diese Offshore-Gedankenspiele – anders als in der Vergangenheit – nur noch selten steuerlich getrieben. Der Druck insbesondere der USA zum internationalen Datenaustausch, dem sich auch klassische Steueroasen wie die Schweiz fügen, sorgt für eine Transparenz, die Steuerflucht wenig attraktiv macht. Hinzu kommt, dass „Panama Leaks“ und andere Indiskretionen deutschen Anlegern die Lust an Geldanlagen in exotischen Steueroasen verdorben haben. Offshore-Investments versprechen heute vielmehr, die Folgen eines Euro-Einbruchs abzumindern – beispielsweise durch Anlagen in Fremdwährungen. Dabei werden vor allem Investitionen in US-Dollar oder das britische Pfund erwogen. Doch auch kleinere Währungen, beispielsweise die norwegische Krone oder der Singapur-Dollar, versprechen Unabhängigkeit vom Euro. 

Fremdwährungen als Risikodiversifizierung?

Aus der Perspektive einer reinen Risikodiversifizierung erscheinen Anlagen in Fremdwährungen interessant. Doch gibt es dabei zwei gewichtige Probleme:

  1. Volatilität
    Die Fremdwährungen unterliegen im Verhältnis zum Euro teils erheblichen Schwankungen – und zwar selten eindeutig in eine Richtung. Selbst stabile Währungen wie der Schweizer Franken, der US-Dollar oder der japanische Yen zeigen gegenüber dem Euro keine eindeutige Wertentwicklung. Im mittelfristigen Vergleich zeigt auch der vermeintlich starke US-Dollar im Verhältnis zum vermeintlich schwachen Euro Ausschläge in beide Richtungen: Mal sinkt, mal steigt der Wert des US-Dollars zum Euro. Andere Währungen wie das britische Pfund hingegen schneiden sogar gegenüber dem Euro seit Jahren überwiegend schlechter ab. Auch ein starkes Wirtschaftswachstum, wie es die Türkei beispielsweise einige Jahre zeigte, sind kein Garant für eine starke Währung. Die Türkische Lira kämpft seit Jahren gegen ihren Wertverfall an. So unterschiedlich die Beispiele und ihre Hintergründe auch sind, eines haben sie gemein: Die Mechanismen und Auslöser für Währungsschwankungen sind gerade für Privatanleger nur schwer vorherzusehen und bringen dadurch eine weitere Risikokomponente hinein. 
  2. Eigene Unsicherheit
    So fragil aus deutscher Sicht der Euro auch erscheinen mag, andere Währungen sind nicht unbedingt stabiler. Es gibt auch in Ländern wie den USA, Großbritannien oder Japan Anlass, sich über die hohe Staatsverschuldung zu sorgen. Der demographische Wandel, der die europäische Wirtschaftsentwicklung dauerhaft bremsen wird, wirkt außerhalb der Euro-Zone in Industriestaaten wie der Schweiz oder Norwegen nicht weniger. Wachstumsdynamische Staaten wiederum, das zeigt der Blick auf Asienkrise und andere Disruptionen, sind offenbar noch weniger vor Währungsabstürzen gefeit. Anders als bei der Gemeinschaftswährung Euro ist zwar das Risiko eines „Auseinanderbrechens“ der Währung gering, doch Währungsreformen und dramatische Wertverluste würden den Anleger vor ähnliche Herausforderungen stellen wie ein Ende des Euro. 

Offshore birgt juristische Risiken

Doch damit nicht genug. Wird das Geld nicht allein in deutschen Depots oder über deutsche Banken sondern Offshore angelegt, so kommen schnell juristische und regulatorische Unsicherheiten hinzu. Angenommen, Tagesgeld wird direkt in einer exotischen Bank außerhalb der Eurozone angelegt: Dann sollten unbedingt die Regelungen zur Einlagensicherung beachtet werden. Höhere Zinsen oder Wechselkursgewinne können schnell mit erheblichen Risiken eingekauft werden, weil die Einlagensicherung längst nicht so hoch wie hierzulande ist. Außerdem müssen gegebenenfalls fremde steuerliche Anforderungen erfüllt und andere Dokumente erstellt werden, es gelten andere Anlegerrechte. Zugleich kann es deutlich schwieriger werden, bei Schwierigkeiten verständliche Auskunft zu erhalten und auch die Rechtsberatung wird mit dem Grenzüberschritt nicht einfacher. Kurzum: All das bedeutet in der Regel einen höheren Aufwand, der am Ende nicht unbedingt mehr Sicherheit garantiert.

Und schließlich gilt: Wenn der Euro zusammenbricht, werden Anleger auch mit Offshore angelegtem Vermögen die Folgen zu spüren bekommen. Dabei ist nicht unbedingt gewährleistet, dass sie einfach Zugang zum Vermögen im Ausland erhalten können.

Offshore: Viel Aufwand – bei unbekanntem Risiko

Zusammenfassend wird deutlich, dass eine Geldanlage außerhalb des Euros mindestens aufwendig ist, wahrscheinlich andere, aber nicht unbedingt minder hohe Risiken birgt. Dabei ist vollkommen ungewiss, wie hoch das Risiko eines Euro-Zusammenbruchs wirklich ist. Alle Weissagungen der Euro-Skeptiker auf der Höhe der Schuldenkrise sind nicht eingetreten: Den Euro gibt es noch immer, er ist nicht in Nord- und Süd-Euro aufgeteilt, es ist kein Mitgliedsland aus der Eurozone ausgeschert. Das bedeutet angesichts von steigenden Schuldenständen und ungelösten Konflikten innerhalb des Euroraums keinesfalls, dass das Euro-Risiko gleich Null wäre. Bislang jedoch haben die Anleger, die Ruhe bewahrt und auf eine ausgewogene Anlagestrategie für ihr Vermögen innerhalb der Eurozone, keine signifikanten Nachteile erlitten gegenüber denen, die ihr Heil außerhalb des Euros in Offshore-Investments gesucht haben.

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Zu den Fragen der steuerlichen Situation in dem konkreten Fall sollte ein Steuerberater oder eine steuerfachkundige Person hinzugezogen werden.

Die steuerliche Behandlung der Erträge hängt von den persönlichen Verhältnissen des jeweiligen Kunden ab und kann künftig auch rückwirkenden Änderungen (z. B. durch Gesetzesänderung oder geänderte Auslegung durch die Finanzverwaltung) unterworfen sein.

Experten-Interview

Thomas Grimm, Leiter Anlagestrategien und Analysen bei der DekaBank, über Anlegersorgen vor einem Ende des Euro und die Nachteile einer Flucht in Offshore-Investments.

Deka Private Banking: Herr Grimm, wie verbreitet ist der Wunsch nach Anlagen außerhalb der Eurozone? 

Thomas Grimm: Seitdem sich die Situation in Griechenland deutlich beruhigt hat und es kaum noch mediale Berichterstattung dazu gibt, sind die Anfragen natürlich seltener geworden. Aber die Sorge vor einem Zusammenbruch des Euro, die Angst vor einer unkontrolliert wirkenden EZB-Politik ist weiter bei einigen Anlegern vorhanden.

Zitat

Der Aufwand für Offshore lohnt sich erst bei einem achtstelligen Vermögen.

Thomas Grimm

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