Oldtimer in einem Showroom

Oldtimer als Vermögensanlage

Im Niedrigzinsumfeld sind historische Fahrzeuge vor allem für Liebhaber als Wertanlage interessant

Autor Deka Private Banking
zuletzt aktualisiert am 12. Juli 2021
Lesezeit 5 Minuten

Mit der Anschaffung eines Oldtimers lassen sich emotionale mit wertsteigernden Aspekten verbinden. Letztere sollten jedoch nicht zwingend im Vordergrund stehen.

Interessant für Sie, wenn...

  • Sie sich über alternative Anlagen informieren möchten
  • Sie eine Vorliebe für historische Automobile haben
  • Sie sich für reale Anlageformen interessieren

Wie passen Oldtimer und Vermögensstrategie zusammen?

Ledrig riechende Sitze und im Stakkato klackernde Blinker verbreiten einen nostalgischen Charme und beim Gas geben ertönt ein röhrender Sound. Oldtimer und Youngtimer erfreuen sich hoher Beliebtheit. Gerade wegen ihrer zeitlosen Sinneseindrücke, des altehrwürdigen Flairs und des authentischen Fahrgefühls. Oder natürlich auch wegen ihrer einzigartigen Historie. All das macht den Besitz eines historischen Fahrzeugs vor allem zu einer emotionalen, von Leidenschaft geprägten Angelegenheit. Gerade aber auch in Zeiten von Niedrigzinsen, die für die Vermögensanlage eine große Herausforderung darstellen und das Know-how und die Möglichkeiten von erfahrenen Anlageexperten erfordern, können historische Fahrzeuge durchaus ihren Reiz entwickeln - und zwar als diversifizierende Ergänzung zu einer individuellen Anlagestrategie aus kapitalmarktnahen Anlageklassen, die in der Regel den Löwenanteil des Vermögens ausmachen. Im deutschen Sprachraum werden Fahrzeuge als Oldtimer bezeichnet, die mindestens 30 Jahre alt sind. Als Youngtimer gilt ein Fahrzeug in Deutschland, wenn es zwischen 20 und 30 Jahren alt ist. Doch diese Grenze lässt sich nicht starr aufrechterhalten. Denn zu einem Youngtimer wird ein Fahrzeug immer dann, wenn es den Sprung auf den Liebhabermarkt bereits geschafft hat, aber noch nicht alt genug für einen Oldtimer ist.

Um eine Trendaussage über die Wertentwicklung von historischen Autos in Deutschland geben zu können, gibt der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) jährlich den Deutschen Oldtimer Index heraus. Dieses Preisbarometer ist seit seiner Einführung im Jahr 1999 bis ins Jahr 2016 stark angestiegen, und zwar um insgesamt 150 Prozent. Ab diesem Zeitpunkt befindet sich der breite Oldtimermarkt mit einer deutlich verlangsamten Preisdynamik in einer Konsolidierungsphase. Der Index setzt damit ein deutliches Signal, dass sich der starke Preisanstieg der vorangegangenen Jahre für automobile Klassiker beruhigt hat. Trotz der verlangsamten Preisentwicklung auf dem Gesamtmarkt legten einzelne Modelle in den vergangenen Jahren sogar deutlich zu. Bei genauerer Betrachtung fällt seit 2016 eine gegenläufige Entwicklung bei einzelnen Fahrzeugen auf. Während nach VDA-Angaben der Mercedes-Benz Roadster R 107 mit 19 Prozent Zuwachs glänzt, fällt der Preis der Mercedes-Benz Pagode um 10 Prozent. Der Ferrari 328 verliert um 26 Prozent, liegt damit jedoch immer noch über dem Neupreis seiner Zeit. Zwischen 1999 und 2019 hat der VW Bus (Bulli) mit 600 Prozent die höchste Wertsteigerung erzielt. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Citroen 2 CV (Ente) und der BMW Dreier. Der VDA zieht insgesamt den Schluss, dass für eine differenzierte Betrachtung und Bewertung des Zustandes eines historischen Fahrzeuges die Hinzunahme eines Experten entscheidend ist.

Begehrt - auch als Anlageobjekt

Den größten Wertzuwachs der vergangenen Jahre konnte der Mercedes 300 SL verzeichnen. Dieses Modell galt schon zu Produktionszeiten mit seinem innovativen Gitterrohrrahmen als exklusiver Spitzensportwagen, der damals preislich mit rund 3.000 D-Mark schon in das oberste Preis- beziehungsweise Marktsegment einzuordnen war. Dank seiner absoluten Fahrzeugwerte, der historischen Bedeutung in der Renngeschichte, seiner technischen Raffinesse sowie der limitierten Stückzahl von 1.400 Exemplaren konnte der Mercedes 300 SL im Laufe der Jahre seinen Wert immer weiter steigern. Selbst ein ungepflegter und von kleineren Macken und Schrammen geprägter Mercedes 300 SL Flügeltürer, der von 1954 bis 1957 gebaut wurde, kommt so heute auf einen Wert von etwa 500.000 US-Dollar.

Die Anzahl historischer Fahrzeuge in Deutschland wuchs seit 2008 stetig an und liegt aktuell bei knapp 700.000 registrierten Autos. Diese Fortbewegungsmittel zählen zu den beliebtesten Luxusartikeln bei Investoren weltweit. Angeführt wurde die Rangliste im Jahr 2020 nach Angaben von Kight Frank von Kunstgegenständen. Bereits auf dem zweiten Platz folgen Oldtimer sowie auf den weiteren Plätzen Uhren, Weine, Schmuck und Whisky.

Es liegt auf der Hand, dass auch automobile historische Werte vor allem in Zeiten unklarer Finanzmärkte wieder stärker in den Mittelpunkt der Anleger treten. Vor allem bei solchen, die den nostalgischen Anblick oder ein bestimmtes Modell aus vergangenen Tagen besonders wertschätzen. In den meisten Fällen steckt in einem solchen Auto und in der Beschäftigung damit jede Menge Leidenschaft - egal ob es um einen Young- oder Oldtimer geht. Denn es handelt sich dabei um weit mehr, als nur eine Ansammlung technischer Bauteile. Ein Auto längst vergangener Tage trägt immer auch das Lebensgefühl dieser Zeit in sich. Mit Blick auf die Anschaffung als Vermögensanlage sollten Interessenten stets berücksichtigen, dass es sich bei den Daten zur Wertentwicklung, die im Markt verfügbar sind, immer um Durchschnittswerte handelt und im Einzelfall immer der Zustand und die Besonderheiten sowie das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage über den Preis jedes einzelnen Fahrzeugs entscheidet.

In der Regel keine laufenden Erträge

Gerade für Käufer mit Renditeüberlegungen spielen die laufenden Kosten eine höhere Rolle als bei Oldtimer-Liebhabern. Bei vollständiger Berücksichtigung der Kosten wie Wertgutachten, Steuer und Versicherung, Miete zur Unterbringung sowie Reparaturen und Ersatzteile können einem FAZ-Bericht zufolge jährliche Kosten von bis zu vier Prozent des damaligen Fahrzeugwertes zusammenkommen. Diese Kosten sind um ein Vielfaches höher als bei herkömmlichen Anlagen, wie Aktien oder Anleihen. Grundsätzlich gilt: Je höherwertiger und teurer ein Oldtimer ist, desto weniger Fixkosten fallen proportional an. Dies macht sich dann im Hinblick auf die Wertzuwächse letztendlich auch in den absoluten Zahlen positiv bemerkbar. Weiter ist zu beachten, dass bei Oldtimern - ähnlich wie bei anderen alternativen Investments wie Gold, Wein oder Kunst - in der Regel keine laufenden Erträge erwirtschaftet werden.

Parkende Oldtimer in einem Hof
Parkende Oldtimer in einem Hof
Die neuere Marktentwicklung zeigt, dass ein historisches Fahrzeug vor allem Exklusivität bieten sollte. Dabei ist insbesondere darauf zu achten, dass ein aktuelles Wertgutachten vorliegt. Dieses ist nicht nur für eine Beurteilung des Kaufpreises sowie einer angemessenen Versicherungsprämie des Fahrzeugs notwendig, sondern soll den Käufer auch vor etwaigen Fälschungen schützen. Ohne fundierte Kenntnisse zu einer bestimmten Marke oder einem speziellen Fahrzeug ist vom Kauf eines klassischen Gefährts eher abzuraten. Hier sollten Käufer sich auf die Unterstützung von Oldtimerexperten oder Sachverständigen einlassen.

Attraktive „Nachrücker“

Seit dem Jahr 2020 können auch Modelle aus den frühen 1990er Jahren das sogenannte Historienkennzeichen erhalten, wie zum Beispiel der Audi 100 C4, der Mercedes-Benz 500 E oder der BMW 3er E36. Ohnehin gibt es derzeit unter Liebhabern einen Trend zu Youngtimern, also Fahrzeugen, die noch kein H-Kennzeichen erhalten können. Ganz wichtig beim Kauf eines historischen Fahrzeugs, bei dem auf Wertzuwachs spekuliert wird, ist eine lückenlose Historie, Nachweise zu durchgeführten Restaurationen und der regelmäßig gepflegte Zustand – wichtige Faktoren nicht nur für Wertzuwachs, sondern vor allem auch Wertbeständigkeit.

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Experten-Interview

„Das schlimmste ist, einen Oldtimer nicht zu fahren“

Deka Private Banking im Gespräch mit Titus Schneider, Geschäftsführer Klassikstadt Frankfurt am Main, sowie Fabian Ebrecht, Geschäftsführer IfaF privates Institut für automotive Forensik GmbH.

Deka Private Banking: Lässt sich mit Oldtimern als Anlageobjekten wirklich Geld verdienen oder quasi nur eine „emotionale Rendite“ mit Fahrzeugen, die aus Leidenschaft gekauft wurden?

Geschäftsführer der Klassikstadt Titus Schneider
Geschäftsführer der Klassikstadt Titus Schneider
Titus Schneider: Sicherlich muss man unterscheiden zwischen dem Hochpreissegment und Oldtimern, die aus emotionalen Gründen gekauft wurden und für die von vornherein gar kein großer Wertzuwachs beabsichtigt war. Hier handelt es sich oft um den Fall, dass sich eine Generation das Auto ihrer Jugend kauft. Diese Käufer haben gelernt, dass sie auf acht beziehungsweise neun Jahre keinen Fehler gemacht haben. Demgegenüber stehen Anleger, die sich mit dem Kalkül ein historisches Fahrzeug gekauft haben, Wertsteigerungen zu erzielen. Auch diese Rechnung ist auf Sicht von ca. acht Jahren durchaus aufgegangen. Während der letzten drei Jahre hat sich der Markt jedoch konsolidiert beziehungsweise nach unten entwickelt. Nur ganz wenige, sehr seltene und begehrte Fahrzeuge, die auch wirklich vergleichbar sind mit Gemälden oder eine nachgewiesene Geschichte haben, konnten sich preislich nach oben entwickeln. So mancher, der sich in den vergangenen Jahren einen teuren historischen Sportwagen zugelegt hat, womöglich kreditfinanziert, hat mitunter jetzt ein Problem.

Deka Private Banking: Was sind die Hauptfaktoren für die Preisbildung am Oldtimermarkt?

Forensiker Fabian Ebrecht
Forensiker Fabian Ebrecht
Fabian Ebrecht: Das hängt einerseits natürlich von der Marke oder dem Modell ab und zum anderen von der Originalität des jeweiligen Fahrzeugs. Selbst von seltenen Autos gibt es einmal dasjenige, welches komplett restauriert wurde und andererseits jenes, welches sich zwar schon in zweiter Hand befindet, aber noch den Erstlack aufweist. Letzteres hat in puncto Wertentwicklung durchaus seine Vorteile. Heute wird viel Geschichte und Authentizität gekauft, weniger leuchtendes und makelloses Blech.

Deka Private Banking: Was waren die wesentlichen Gründe für den Preisrückgang am Markt für historische Fahrzeuge?

Titus Schneider: Der Index für historische Fahrzeuge erreichte Anfang 2016 seinen Höchststand. Das heißt aber nicht, dass sich danach einzelne Autos, vor allem aus dem Youngtimer-Segment, nicht weiterhin nach oben entwickelt haben. Viele Anleger sind spekulativ in den Markt eingestiegen, denen es nicht um die Autos an sich ging. Große Volumenklassiker wie Porsche und Mercedes haben seitdem bis zu 30% an Wert verloren. Natürlich gibt es vereinzelt auch in diesem Segment Wertzuwächse. Aber nur im Bereich der speziellen, ausgefallenen Fahrzeuge, die vielleicht eine besondere Renngeschichte haben, die es nur zwei- oder dreimal gibt oder bei denen die Herkunft und Identität gut dokumentiert ist, gibt es weiterhin Erfolgsgeschichten. Insgesamt ist der Markt dahin zurückgekommen, dass die emotionale Komponente überwiegt. Die preisliche Entwicklung zeigt, dass man Experten benötigt, um bei der Anlage in Oldtimern erfolgreich zu sein.

Fabian Ebrecht: Je mehr Interessenten auf der Käuferseite in den Markt eintraten, desto stärker stieg auch das Angebot von Ramsch. Fahrzeuge wechselten zu horrenden Preisen den Besitzer ohne Unterstützung von spezifischen Experten. Niemand würde eine millionenschwere Immobilie ohne ein Gutachten eines Bausachverständigen kaufen oder einen Edelstein ohne Zertifikat. Ähnlich wie am Kunstmarkt wurde der Oldtimermarkt mit einer hohen Zahl gefälschter Fahrzeuge konfrontiert – gefälscht im Sinne von manipuliert oder auch vollumfänglich gefälscht. Auch dieser Faktor hat sich nach 2016 quasi zu einem Bummerang bei den Oldtimerpreisen entwickelt.

Titus Schneider: Bei Fahrzeugen unter 100.000 Euro sind Fälschungen eher die Ausnahme. Aber bei Werten darüber wurden in der Vergangenheit häufig mangelnde Gutachten ausgestellt, Fahrgestellnummern nicht überprüft, Echtheitspapiere nachgemacht. Diese negativen Entwicklungen haben dazu geführt, dass der Markt seine Lehren daraus gezogen hat und jetzt wieder erfahrenere Akteure auf der Käuferseite zu finden sind.

Fabian Ebrecht: „Professionalisiert“ hat sich auch der Kreis derer, die historische Fahrzeuge manipulieren. Schnell machen Fälscher einen VW Käfer mit veränderter Motor- bzw. Getriebenummer zur „Magic Number“, und damit ist er gleich nochmal 10.000 Euro mehr wert. Oder einen Golf I zum GTI…

Deka Private Banking: Hier kommt dann ein spezialisierter Forensiker ins Spiel, der mit seinem Fachwissen und seiner Erfahrung ein genaues Gutachten für ein historisches Fahrzeug erstellen und dann auch zu einer validen Einschätzung bezüglich des eigentlichen Wertes kommen kann…

Fabian Ebrecht: Absolut. Oftmals ist es nach klassischer Sichtprüfung nicht mehr möglich, die Authentizität eines Autos einwandfrei darzulegen. Selbst für Sachverständige kann es in Einzelfällen schwierig werden zu beurteilen, ob ein Fahrzeug tatsächlich authentisch ist beziehungsweise so alt, wie sein Besitzer behauptet. Bei Kunstwerken werden nicht selten Spektralanalysen zur Ermittlung der Zusammensetzung von Farbpigmenten durchgeführt. Oldtimer sind nicht weit entfernt vom Kunstbereich. Schließlich gibt es Fahrzeuge bis zum Wert von 150 Millionen Euro. Heute sind wir so weit, dass wir mit mobilen Röntgengeräten Fahrgestellnummern auf Manipulationen hin untersuchen oder versteckte Hinweise ermitteln können, die direkte Rückschlüsse auf das tatsächliche Alter eines Fahrzeugs zulassen. Wir können also feststellen, ob ein Stahl tatsächlich zum Beispiel aus den 1950er Jahren stammt oder möglicherweise in den 1990er Jahren vergossen worden ist. Nehmen wir ein Serienfahrzeug eines Porsche 2,7 von 1973 im Wert von z.B. 60.000 Euro: Dieses lässt sich relativ einfach für 80.000 Euro auf RS-Spezifikationen umbauen. Porsche 2,7 RS dieses Baujahrs werden aktuell zu Preisen zwischen 500.000 und 700.000 Euro gehandelt.

Deka Private Banking: Kann man sagen, dass der Markt zunehmend erwachsener geworden ist - vom einstigen „Wild-West“-Charakter zum jetzt seriösen Oldtimermarkt, der nicht zuletzt durch die Unterstützung der Forensik an Struktur und Glaubwürdigkeit gewonnen hat?

Fabian Ebrecht: Wir erleben eine Professionalisierung im positiven Sinne, nicht zuletzt auch durch den medialen Einfluss der Klassikstadt wird auf solche Aspekte hingewiesen. So hat sich in der Öffentlichkeit überhaupt erst das Gefühl dafür aufgebaut, dass es diese Problematik gibt. Nicht nur alteingesessenen Kunstsammlern ist das Risiko bekannt, dass Gemälde nachgeahmt werden. Aber so etwas Komplexes wie ein Automobil mit Motor, Getriebe, Achsen usw. „So etwas wird doch nicht nachgebaut“ war die verbreitete Meinung noch vor einigen Jahren.

Titus Schneider: Auf dieser Ebene gibt es erstaunliche Parallelen zum Kunstmarkt, nur mit dem Unterschied, dass dieser im Bereich Forensik 20 Jahre Vorsprung hat. Heute ist man bei Oldtimern so weit, dass man sagt: „Es ist nicht alles Gold was glänzt, sondern schaut mal genauer hin“.

Fabian Ebrecht: Bei Fälschungen gibt es immer zwei Wege, die man einschlagen kann: Das eine ist die Duplizierung eines Werkes beziehungsweise eines Oldtimers. Das andere ist das Schaffen einer eigenen Werkidentität, das heißt ich male ein Bild und schreibe es einem bestimmten Künstler zu oder bei Fahrzeugen, dass ein Auto nachgebaut wird mit einer Fahrgestellnummer, die ein Hersteller tatsächlich nie vergeben hat.

Deka Private Banking: Einen wertvollen Oldtimer zu besitzen ist das Eine, ihn auch zu fahren das Andere. Sollte man ihn denn tatsächlich den „Gefahren der Straße“ aussetzen? Und wie sieht es mit den Nebenkosten aus?

Titus Schneider: Das schlimmste ist, einen Oldtimer nicht zu fahren. Es handelt sich um historische Fahrzeuge und nicht „Stehzeuge“. Wird ein Auto zu lange nicht bewegt, werden Dichtungen porös. Wir müssen nicht von 10.000 Kilometern im Jahr sprechen. Das Fahrzeug alle vier bis sechs Wochen etwas zu fahren, ist aber sicherlich kein Fehler. Die Versicherungskosten für einen Oldtimer halten sich in Grenzen. Mit einem H-Kennzeichen und über 40 Jahre alt beläuft sich die Haftpflicht auf 185 Euro im Jahr. Hinzu kommt die fahrzeugabhängige Kaskoversicherung. Auch die Werkstattkosten fallen relativ gering aus. Wenn das Fahrzeug einmal in Ordnung gebracht wurde und regelmäßig etwas läuft, haben wir es mit keinem hohen Unterhalt zu tun.

Deka Private Banking: Kann der Marktwert eines Oldtimers gesteigert werden, wenn er gezielt in der Öffentlichkeit präsentiert wird?

Titus Schneider: Natürlich gibt es Veranstaltungen, die entsprechende renommierte Fahrzeuge gerne sehen, wie die Mille Miglia in Italien, bei der nur Autos teilnehmen, die z.B. 1956 als Fahrzeugtyp dort an den Start gegangen sind. Wenn Sie einen Mille Miglia-tauglichen Oldtimer besitzen, sollte dies unbedingt im Exposé erwähnt werden. Die Preise von prämierten Ausstellungsfahrzeugen beim Pebble Beach Concours d’Elégance in Kalifornien, ein weltberühmter Schönheitswettbewerb für hochwertige klassische Automobile, können sich in den sechsstelligen Bereich entwickeln. Das Ganze lässt sich durchaus vergleichen mit der Anlage in Zuchtpferden, die an Veranstaltungen und Pferderennen teilnehmen.

Fabian Ebrecht: Wertsteigernd in Bezug auf ein Fahrzeug wirken auch forensische Untersuchungen. Ein Gutachten über die Authentizität, welches vielleicht 5.000 bis 10.000 Euro kostet, kann sich im Verkaufspreis schnell im Bereich von zusätzlichen 100.000 bis 150.000 Euro niederschlagen. Auch so lässt sich die Wertentwicklung positiv steuern. Auf Auktionen werden Kaufwillige eher zugreifen als bei Autos, bei denen ein Restrisiko in Bezug auf Echtheit und Originalität besteht.

Deka Private Banking: Kann man sich als Interessent an bestimmten Preislisten orientieren oder bilden sich die Preise für Oldtimer immer ganz individuell?

Fabian Ebrecht: Selbst wenn es sich um ein vermeintliches Volumenmodell aus den 1970er oder 1980er Jahren handelt, stehen die individuellen Aspekte stets im Vordergrund, also Fragen wie: Wie und wohin ist das Fahrzeug ausgeliefert worden, über welche Ausstattungsmerkmale verfügt es, welche Farbe hat es, wie gut dokumentiert ist die Authentizität, wie original erhalten ist es? Diese Punkte sind so relevant geworden, dass Werttabellen mittlerweile ihre Daseinsberechtigung verloren haben.

Titus Schneider: Preislisten für Oldtimer kommen eigentlich aus einer Welt von vor 20 Jahren. Damals lautete das Credo: Je neuer desto besser. Ein frisch restauriertes Fahrzeug wurde automatisch höher bewertet als eines, das zwar fahrbereit war, aber Altersspuren aufwies. Inzwischen hat ein deutlicher Wandel stattgefunden. Heute werden ganz klar authentische Autos restaurierten Fahrzeugen vorgezogen. In der „Restaurierungsphase“ der 1980/90er Jahre ist viel Authentizität zum Opfer gefallen. Das hat dazu geführt, dass es heute nur sehr wenige nicht-restaurierte Oldtimer gibt, die unter Sammlern intellektuell höher angesiedelt und damit wertvoller sind.

Deka Private Banking: Wie kommt bei alldem die Frankfurter „Klassikstadt“ ins Spiel?

Titus Schneider: Wir sind ein Automobilzentrum, bieten aber auch den Rahmen beziehungsweise die Möglichkeiten für Veranstaltungen, die nichts mit Autos zu tun haben. Auf der anderen Seite vermieten wir unsere Flächen an Gewerke, von denen wir denken, dass sie Beneficials zum Thema Automobil und Kultur und Erleben sind. Wir sind bewusst eine Automobilstätte, die große wie kleine Sammler als Anlaufpunkt begrüßt. Für Ausstellungen nehmen wir allerdings nicht jedes Fahrzeug, darüber entscheiden wir im Einzelfall. Interessant in diesem Zusammenhang ist sicherlich, dass die ausgestellten Fahrzeuge – ähnlich wie im Kunstbereich – einen öffentlichen Status genießen und dadurch steuerrechtliche Vorteile mit sich bringen. Wir erleben es häufig, dass jemand an einem bestimmten klassischen Modell interessiert ist und uns fragt, worauf beim Kauf zu achten sei. Hier geben unsere Forensiker gerne Auskunft. Aber auch bei Anfragen zu Ersatzteilen können wir weiterhelfen.

Fabian Ebrecht: Die Klassikstadt ist gewissermaßen auch ein ‚Think Tank‘. Sie vereint unterschiedliche Strömungen, von Sammlern über Restaurierern bis hin zu Versicherern – im Prinzip alle Player, die im Oldtimermarkt aktiv sind. Die Akteure liefern Denkanreize, und die Klassikstadt fungiert dabei als Diskussionsplattform – dies macht sie vor allem zu einem innovativen Standort.

Bei den Inhalten handelt es sich um marketingrechtliche Informationen und nicht um eine Anlageberatung.

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