Praxis: Gründung und Abgabe

Tipps für den Aufbau der eigenen Praxis und den Ausstieg

Autor Deka Private Banking
zuletzt aktualisiert am 9. Januar 2020
Lesezeit 3 Minuten

Ärzte stehen am Anfang und am Ende ihrer Karriere vor großen Herausforderungen. 5 Dinge, auf die Sie bei der Existenzgründung und später bei der Praxisabgabe achten sollten.

Interessant für Sie, wenn ...

  • Sie in naher Zukunft den Schritt in die Selbstständigkeit planen
  • Sie eine bestehende Praxis übernehmen wollen
  • Sie Ihre gut gehende Praxis an eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger übergeben möchten

Transaktionen managen

Wer in Deutschland Arzt werden möchte, braucht einen langen Atem:  Auf das zwölfsemestrige Studium folgt in der Regel die Promotion, anschließend dann die vier- bis sechsjährige Spezialisierung als Assistenzarzt auf ein Fachgebiet, die mit der Facharztprüfung endet. Erst wenn diese Prüfung bestanden ist, erhält der Arzt die Berechtigung, in einem Heilberuf zu arbeiten – zum Beispiel als niedergelassener Vertragsarzt oder als Mediziner in einem Krankenhaus.

Trotz aller Anstrengungen: Der Aufwand lohnt sich. Die Karriereaussichten sind blendend, in vielen Bereichen herrscht Fachärztemangel, auf dem Land fehlen immer mehr niedergelassene Ärzte. Und auch das Gehalt kann sich sehen lassen: Ein Facharzt verdient durchschnittlich 91.000 Euro brutto pro Jahr – je nach Fachrichtung und Position auch deutlich mehr.

Auf diese 5 Dinge sollten Sie achten:

1. Existenzgründung: Mit der eigenen Arztpraxis durchstarten

Nach ein paar Jahren Berufserfahrung stellt sich für viele Mediziner mit Anfang 40 dann die Frage: Praxisgründung ja oder nein? Der Schritt in die Selbstständigkeit ist kein einfacher und sollte genauso wie der bisherige Karriereweg gut geplant werden.

Zunächst sollten Sie sich entscheiden, ob Sie eine laufende Arztpraxis von einem Kollegen, der sich zurückziehen möchte, übernehmen wollen. Oder ob Sie sich bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) auf den nächsten freien Arztsitz bewerben. Davon abhängig ist zu überlegen, ob Sie die Räumlichkeiten, Geräte und Mitarbeiter des Vorgängers übernehmen können und welche Investitionen zur Modernisierung nötig sind. Oder ob Sie alles neu suchen beziehungsweise anschaffen müssen.

Das wiederum führt zur Frage nach der Praxisfinanzierung: Wie hoch ist Ihr individueller Bedarf und wie stemmen Sie den Kredit?

2. Antrag auf Zulassung stellen

Um sich als Arzt neu niederlassen zu dürfen, müssen Sie zuerst bei der KV einen Antrag auf Zulassung in das Arztregister stellen. Die Voraussetzungen dafür sind Ihre Approbation im Bereich Heilberufe und die bestandene Facharztprüfung.

Als zweiter Schritt empfiehlt sich ein Eintrag auf die Warteliste für eine Zulassung. Falls Sie bereit sind, sich in einer unterversorgten Region niederzulassen, entfällt dieser Schritt in der Regel. Anschließend stellen Sie einen Antrag auf Zulassung als Vertragsarzt.

Gibt der Zulassungsausschuss grünes Licht, können Sie sich im letzten Schritt auf einen ausgeschriebenen Praxissitz bewerben. Hilfe bei diesem Prozedere bietet Ihnen die KV in Ihrem Bundesland.

3. Praxisfinanzierung klären

Der Finanzierungsbedarf für eine neue Arztpraxis kann sehr unterschiedlich ausfallen. Einige Hunderttausend Euro kommen jedoch schnell zusammen, wenn Sie zum Beispiel moderne 3D-Röntgengeräte anschaffen oder auf andere innovative Technologien setzen. Viele Mediziner sind sich der finanziellen Belastung, die auf sie zukommt, bereits im Vorfeld eines Beratungsgespräches in ihrer Bank oder Sparkasse sehr genau bewusst.

Die Fragen, die Ihr Berater mithilfe spezieller Investitionskostenanalyseprogramme (INKO) für Sie klären kann, gehen deshalb einen Schritt weiter: Mit welchen Praxiseinnahmen können Sie tatsächlich rechnen? Und wie sieht auf dieser Grundlage die konkrete Finanzierung aus?

Ihr Berater hilft Ihnen, den Finanzierungsplan mit steuerlichen Aspekten, die sich im Praxisbetrieb ergeben, zu kombinieren. Dazu zählen zum Beispiel die sogenannten Vorteile steuerlicher Verluste bei Fonds, Steuervorteile durch Abschreibungen oder die steuerliche Absetzbarkeit von Leasingraten. In all diesen Fällen ist es ratsam, neben Ihrem Bank- oder Sparkassenberater auch noch Ihren Steuerberater hinzuziehen.

Generell ist die Finanzierung einer Arztpraxis kein Problem: Das Insolvenzrisiko ist gering, der Bedarf an Fachärzten hoch. Und da die Bereitschaft, sich niederzulassen, tendenziell abnimmt, steigt der Bedarf auch in diesem Bereich. Mit einem überzeugenden Businessplan sollte es also kein Problem sein, einen Kredit für Ihr Vorhaben zu bekommen.

Übrigens: Wenn Sie sich niederlassen möchten, sollten Sie den zeitlichen Vorlauf nicht unterschätzen. Von der Idee bis zur Praxiseröffnung können durchaus zwei Jahre vergehen: ein Jahr für die Suche nach einer geeigneten Praxis, Kauf oder Übernahme. Und ein weiteres für den Antrag auf Zulassung.

4. Praxisabgabe: rechtzeitig den Ruhestand planen

Genauso systematisch, wie Sie den Schritt in die Selbstständigkeit planen, sollten Sie später auch die Abgabe Ihrer Arztpraxis angehen. Das Problem: Viele Mediziner verdrängen dieses Thema, solange es geht – mit der Folge, dass die Abgabe beziehungsweise Übernahme durch einen Nachfolger unnötig schwer wird. Dazu kommt, dass sich viele Ärzte nicht ausreichend darum kümmern, wie der Verkaufserlös ihrer Praxis für die Altersvorsorge eingesetzt werden soll.

Eine weitere aktuelle Herausforderung: Anfang der 90er Jahre haben sich sehr viele Ärzte niedergelassen, deren Praxen nun für eine Übernahme bereitstehen – bis zum Jahr 2020 etwa 52.000. Einen Nachfolger zu finden, ist derzeit allerdings deutlich schwieriger als noch vor zehn Jahren, da weniger junge Mediziner nachrücken und viele von ihnen gar keine eigene Praxis haben möchten: Nur noch jeder vierte Arzt lässt sich nieder. Zudem setzen die KV bei den zu vergebenen Arztsitzen einen Fokus auf die hausärztliche Versorgung vor allem auf dem Land, sodass Praxisabgaben in Großstädten prinzipiell schwieriger werden dürften.

Vor diesem Hintergrund ist eine sorgfältige Planung unumgänglich. Fünf Jahre sollten Sie dafür auf jeden Fall einplanen. In dieser Zeit gilt es, einen Nachfolger zu suchen und zu überlegen, ob es mit ihm zusammen eine Übergangskooperation geben soll.

Sie sollten alle rechtlichen und steuerlichen Aspekte klären und sich mit der zuständigen KV in Verbindung setzen, um sich über deren Bedarfsplanung zu informieren und sich von einem ihrer Niederlassungsberater unterstützen zu lassen. Außerdem sollten Sie Ihre Arztpraxis von objektiver Seite schätzen lassen, um einen realistischen Verkaufspreis zu erhalten. Sprechen Sie dazu einfach Ihren Private-Banking-Berater in Ihrer Sparkasse an, er hilft Ihnen gerne weiter.

5. Investitionen zahlen sich aus

Um die Chancen für einen Verkauf zu erhöhen, sollten Sie Ihre Arztpraxis so attraktiv wie möglich halten. Das bedeutet:  Schieben Sie notwendige Investitionen auf keinen Fall auf oder wälzen diese auf Ihren Nachfolger ab. Die anhaltend niedrigen Zinsen zusammen mit Förderangeboten der KfW speziell für Ärzte helfen Ihnen, die Investitionskosten niedrig zu halten.

Das Ganze zahlt sich für Sie aus: Wenn Ihre Praxis über moderne Apparate- und Medizintechnik verfügt, rentabel ist und einen ausreichend großen Patientenstamm hat, wird es für Sie deutlich leichter, einen potentiellen Nachfolger zu finden.

Wenn Sie Hilfe bei der Nachfolgersuche benötigen, wenden Sie sich am besten an Ihre KV. Dort erhalten Sie auch Informationen, welche formalen Anforderungen und Fristen Sie beachten müssen und nach welchen Kriterien der Zulassungsausschuss über einen ausgeschriebenen Praxissitz entscheidet. Einige KV bieten auch Börsen an, bei denen sich Ärzte, die eine Praxis abgeben wollen, und solche, die eine suchen, kennenlernen können.

Zu allen finanziellen Fragen rund um Praxisgründung, -übernahme und -übergabe wenden Sie sich gerne an den Private Banking-Berater Ihrer Sparkasse. Er hilft Ihnen bei den Themen Finanzierung und Darlehen genauso weiter wie bei einer individuell abgestimmten Altersvorsorge.

Artikel-Funktionen

Ihr nächster Schritt

Wir sind für Sie erreichbar

Sollten Sie Ihren persönlichen Sparkassenberater zum Private Banking noch nicht kennen, hilft Ihnen unser Service-Center gerne weiter.
Erreichbar Mo - Fr von 9 - 18 Uhr 069 7147-1177
Sie möchten zurückgerufen werden?
DEKA-PB EXKLUSIV

Die Gründung eines Z-MVZ ist eine attraktive Exit-Option

Wenn für Zahnärzte der Ruhestand näher rückt, liegt eine attraktive Lösung für ihre Praxisnachfolge im Verkauf an Investoren, die zahnmedizinische Versorgungszentren (Z-MVZ) betreiben. Denn zum einen wird es schwieriger, junge Zahnärzte zu finden die eine Praxis übernehmen wollen. Zum anderen zahlen inzwischen auch institutionelle Investoren gutes Geld.
Verkauf einer Zahnarztpraxis