Rohstoffe verstehen

Die Anlage in Rohstoffe als "Alternative Anlageklasse"

Autor Dr. Dora Borbely, DekaBank
zuletzt aktualisiert am 19. September 2019
Lesezeit 3 Minuten

Insbesondere in turbulenten Zeiten an den Kapitalmärkten, wenn die Erzielung Renditen mit anderen Geldanlagen nur schwer möglich ist, wenden sich Anleger vermehrt Rohstoffen zu und investieren dort.

Interessant für Sie, wenn ...

  • Sie die Besonderheiten von Rohstoffanlagen kennen lernen möchten
  • Sie sich über die Investitionsmöglichkeiten in Rohstoffe informieren möchten
  • Sie mehr über die Risikowirkung von Rohstoffanlagen auf Ihr Portfolio erfahren möchten

Rohstoffe verstehen

Wir beleuchten die Besonderheiten dieser alternativen Anlageklasse und den daraus resultierenden möglichen Mehrwert für Investoren.  Mit welchen Produkten Sie bei Rohstoffen einsteigen können und was es dabei zu beachten gilt.

Alternative Anlageklasse

Neben den klassischen Anlageklassen wie z.B. Aktien, Anleihen oder Immobilien sind Rohstoffe eine Anlageklasse, die ganz unabhängig von der aktuellen Rohstoffpreisentwicklung vor allem als strategische Beimischung für Anleger interessant sein kann. Es ist hinlänglich bekannt, dass eine breite Streuung der Geldanlagen als ein Schlüsselfaktor für den Erfolg mit Blick auf die erzielte Gesamtrendite gilt. So genannte alternative Anlageklassen haben sich inzwischen – neben den oben genannten traditionellen Assetklassen – in breit diversifizierten Anlageportfolien gut etabliert. Zu den alternativen Anlageklassen zählen auch Rohstoffe.

Gewinner in Krisenzeiten

Rohstoffe eignen sich deshalb so gut als Beimischung, weil sie typischerweise nicht, oder nur sehr gering, mit den Entwicklungen anderer Anlageklassen wie z.B. Aktien oder Renten korrelieren, d.h. ihre Preisentwicklung hat einen anderen zeitlichen Verlauf. Diese Eigenschaft ist nützlich, um neben möglichen Ertragssteigerungen das Gesamtrisiko, also die Schwankungsbreite, des Portfolios zu senken. Rohstoffe sind klassische „Krisengewinner“, was heißt, dass Rohstoffe in Phasen, in denen sich andere Anlageklassen besonders negativ entwickeln, häufig eine positive Entwicklung aufweisen. Naturkatastrophen oder politische Krisen beispielsweise sorgen häufig für Unsicherheit, die sich negativ z.B. auf die Aktienmärkte auswirkt. Rohstoffe hingegen können aufgrund des aus Krisen resultierenden knapperen Angebots häufig von diesen Ereignissen profitieren. Denn während die Kurse von Aktien und Renten von der Höhe der zukünftig erwarteten Zahlungsströme bestimmt werden, ergeben sich Rohstoffpreise aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage.
 
Die Ertragsentwicklung von Aktien und Renten ist sehr stark erwartungsgetrieben, während Rohstoffpreise viel stärker auf aktuelle Überschüsse oder Knappheiten reagieren. Sinkt das Angebot bzw. steigt die Nachfrage, verteuern sich Rohstoffe. Für die Ertragsentwicklung im Konjunkturverlauf ergibt sich damit das folgende Bild. Die Nachfrage nach Rohstoffen ist meist dann am größten, wenn sich der Konjunkturzyklus auf seinem Höhepunkt befindet, also im Boom. In dieser Phase bewegt sich die Wirtschaft an der Kapazitätsgrenze, die Nachfrage übersteigt häufig das Angebot, und die Lagerbestände sinken deutlich, was tendenziell für steigende Rohstoffpreise sorgt. Dementsprechend ist die Ertragsentwicklung von Rohstoffinvestments im Durchschnitt in der späten Phase des konjunkturellen Aufschwungs und in der frühen Abschwungsphase am besten. Im Gegensatz dazu nimmt der Aktienmarkt in dieser Phase bereits den erwarteten Abschwung und den damit einhergehenden Nachfragerückgang vorweg.

Rohstoffe und Inflation

Zusätzlich weisen Rohstoffe im Gegensatz zu anderen Anlageklassen eine positive Korrelation mit der Inflation auf. Während ein unerwarteter, spürbarer Inflationsanstieg sich tendenziell eher negativ auf Aktien und Renten auswirkt, da die Inflation den Barwert von zukünftigen Zahlungsströmen verringert, steigen Rohstoffpreise typischerweise mit der Inflation, ja, sie sind sogar unter anderem eine Ursache der Inflation. Mit dieser Eigenschaft tragen Rohstoffinvestitionen auch zum realen Werterhalt der Geldanlage bei.

Physische Existenz

Eine besondere Eigenschaft von Rohstoffen ist ihre physische Existenz, die bei den Wertpapieren wie Aktien oder Renten nicht gegeben ist. Doch die Investition in physische Rohstoffe ist in der Regel nicht sinnvoll, da dies mit Transport und Lagerung verbunden ist. Besonders bei landwirtschaftlichen Rohstoffen, die verderblich sind, wird die Problematik des physischen Investments deutlich. Eine Ausnahme bilden Edelmetalle wie Gold und Silber, die einfach zu lagern und nicht „verderblich“ sind und eine hohe Wertbeständigkeit aufweisen. Ein großer Nachteil hingegen besteht darin, dass solche physischen Rohstoffinvestitionen keine laufenden Erträge (wie Zinsen oder Dividenden) abwerfen.

Investitionsmöglichkeiten

Anstatt physische Rohstoffinvestments zu tätigen, ist es eher üblich, in rohstoffbezogene Finanzprodukte zu investieren. Eine Möglichkeit bieten Rohstoffaktien. Mit ihnen wird nicht direkt in den Rohstoff, sondern in ein rohstoffverarbeitendes oder mit Rohstoffen handelndes Unternehmen investiert. Allerdings birgt diese Investmentmethode Risiken, die Aktieninvestments grundsätzlich mit sich bringen. Die Entwicklung des Unternehmenswerts hängt zwar von der Marktpreisentwicklung des Rohstoffs ab, allerdings auch sehr stark von unternehmensspezifischen Faktoren wie z.B. Qualität des Managements und nicht zuletzt von den allgemeinen Tendenzen an den Aktienmärkten.

Weitere Alternativen sind Direktinvestitionen in Form von Terminkontrakten auf Rohstoffe bzw. Produkte, deren Basiswert Terminkontrakte auf Rohstoffe sind. Da Terminmarktinvestitionen in der Regel in Terminkontrakte mit kurzer Laufzeit erfolgen, die sich bei Fälligkeit meist vollständig dem aktuellen Marktpreis annähern, hängt die Terminmarktinvestition in vollem Umfang von der Marktpreisentwicklung des Rohstoffs ab. Möchte man allerdings auf längere Sicht im Rohstoffbereich investiert sein, ist man gezwungen, regelmäßig fällig werdende Terminkontrakte in Kontrakte mit längerer Laufzeit zu rollen. Aus diesem Roll-Mechanismus ergibt sich ein Roll-Ertrag der Anlageklasse Rohstoffe. Dies ist dann eine potenzielle Ertragsquelle, wenn der Terminkontrakt mit längerer Laufzeit unter dem aktuellen Marktpreis notiert (Roll-Gewinne). Liegt der Terminkontrakt mit längerer Laufzeit oberhalb des aktuellen Marktpreises, ergibt sich hingegen ein Roll-Verlust, der den Gesamtertrag der Anlage spürbar belasten kann. Die dritte Ertragsmöglichkeit der direkten Rohstoffinvestments ist der Collateral Yield (Pfandertrag). Mit Blick auf die Tatsache, dass bei Termingeschäften nur ein Bruchteil des Kapitals als Sicherheit (Margin) hinterlegt werden muss, steht das verbleibende Kapital zur Investition in festverzinsliche Wertpapiere zur Verfügung. Da Rohstoffinvestments Erträge aus den genannten drei Quellen generieren können, sollte als Investor darauf geachtet werden, woraus ein Produkt die Erträge erzielt. Die Wertentwicklung kann einzig aus dem Rohstoffertrag erfolgen, also aus der Marktpreisentwicklung und den Rollerträgen, auch bekannt als Excess Return. Darüber hinaus kann aber auch der Zinsertrag zur Wertentwicklung des Investments beitragen (Total Return).

Risikoreduzierung durch Diversifikation

Wie bei allen Geldanlagen ist es auch im Rohstoffbereich sinnvoll, zur Risikominderung die Anlagen breiter zu streuen. Einerseits besteht für Anleger natürlich die Möglichkeit in verschiedene Einzelpositionen zu investieren. Möchte man sich selbst jedoch weniger mit dem Management verschiedener Rohstoffpositionen beschäftigen, bieten Rohstoffindizes eine interessante Alternative. Ähnlich wie Aktienfonds setzt sich ein Rohstoffindex aus mehreren Rohstoffen zusammen. Es ist zwar nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren, doch auf diese Indizes gibt es eine Reihe von Anlageprodukten wie beispielsweise Zertifikate oder Exchange Traded Funds (ETF). Was die Gewichtung der einzelnen Rohstoffe betrifft, gibt es große Unterschiede zwischen den zahlreichen Rohstoffindizes. Doch nahezu allen Indizes ist die Tatsache gemeinsam, dass es sich um eine im Zeitablauf starre Gewichtung handelt. Daneben besteht auch die Möglichkeit, über klassische, aktiv gemanagte Investmentfonds an den Entwicklungen der internationalen Rohstoffmärkte zu partizipieren. Im Vergleich zu starren, so genannten passiven Indexinvestments reagieren aktiv gemanagte Investmentfonds auf Markttrends und haben das Ziel, damit den Portfolioertrag zu optimieren. Diese Form der Rohstoffanlage eignet sich daher besonders gut als Basisinvestment in der Anlageklasse Rohstoffe.

Auch die Sparkasse unterstützt Sie bei allen Fragen zu Investitionen in Rohstoffe. Vereinbaren Sie einfach einen Termin mit Ihrem Private Banking-Berater.

Rechtliche Hinweise
Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Deka Investmentfonds sind die jeweiligen Wesentlichen Anlegerinformationen, die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jeweiligen Berichte, die Sie in deutscher Sprache bei Ihrer Sparkasse oder der DekaBank Deutsche Girozentrale, 60625 Frankfurt und unter www.deka.de erhalten. Diese Information kann ein Beratungsgespräch nicht ersetzen.
Aussagen gemäß aktueller Rechtslage, Stand: Juni 2020. 
Die steuerliche Behandlung der Erträge hängt von den persönlichen Verhältnissen des jeweiligen Kunden ab und kann künftig auch rückwirkenden Änderungen (z.B. durch Gesetzesänderung oder geänderte Auslegung durch die Finanzverwaltung) unterworfen sein.

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