Schwellenländer beachten

Emerging Markets gewinnen an Bedeutung

Autor DekaBank
zuletzt aktualisiert am 19. September 2019
Lesezeit 3 Minuten

Die Welt verändert sich in rasender Geschwindigkeit. Die Finanzkrise und ihre Folgen haben dazu geführt, dass die noch vor wenigen Jahren unangefochtene Supermacht USA an Einfluss verloren hat. Europas Selbstbewusstsein hat fast gleichzeitig unter der Staatsschuldenkrise gelitten.

Interessant für Sie, wenn …

  • Sie sich über die wachsende Bedeutung der Emerging Markets informieren möchten
  • Sie sich mit der Globalisierung beschäftigen
  • Sie überlegen, Aktien oder Anleihen von Emerging Markets zu kaufen

Schwellenländer beachten

Viele Emerging Markets fühlen sich stärker denn je. Und das hängt nicht nur mit der Schwäche der Industriestaaten zusammen, sondern vor allem mit den Fortschritten, die viele Länder insbesondere seit der Jahrtausendwende gemacht haben.

Emerging Markets waren in den letzten zehn Jahren für 76 % des globalen Wirtschaftswachstums verantwortlich und sind damit zum Wachstumsmotor der Welt aufgestiegen. Hier leben 85 % der Weltbevölkerung, und hier werden 53 % des Weltsozialprodukts geschaffen China ist mittlerweile nicht nur der größte Exporteur der Welt, sondern auch der wichtigste Automarkt. Und trotzdem fristen Finanzanlagen aus Emerging Markets bei vielen Anlegern immer noch ein Schattendasein. Woran liegt das?

Zum einen haben Emerging Markets noch immer ein Image-Problem. In den Achtzigerjahren kam es vornehmlich in Südamerika zu einer tiefgreifenden Staatsschuldenkrise. 1994 stürzte Mexiko erneut in Turbulenzen, bevor es 1997 zur Asienkrise, 1998 zur Russlandkrise und 2001 zum Staatsbankrott in Argentinien kam. Und so verbinden viele Anleger mit dem Begriff Emerging Markets noch heute in erster Linie „Risiko“.

Zum anderen ist der Privatinvestor oft emotional in seinem Heimatland verfangen. In der Wissenschaft wird das Home-Bias genannt. Dieser führt zu einer suboptimalen Allokation des Vermögens und damit zu Renditeeinbußen. Abhilfe davon schafft eine breite, weltweite Streuung.

Gesunkene Risiken

Das „Risiko-Argument“ gegen Emerging Markets hat mittlerweile allerdings an Bedeutung verloren. Die Finanzkrise und in der Folge die Staatsschuldenkrise in der Eurozone haben zum einen gezeigt, dass die Risiken in der unmittelbaren Nachbarschaft nicht unbedingt niedriger sind als am anderen Ende der Welt. Zum anderen sind die Stabilitätsgefahren in den Emerging Markets heute geringer als noch vor zehn Jahren. Dies gilt in den meisten Fällen für die politischen Risiken, auch wenn die Umwälzungen in der arabischen Welt zeigen, dass die Welt noch immer kein friedlicher Ort ist. Noch offensichtlicher sind jedoch die wirtschaftlichen Fortschritte. So wird der Kampf gegen die Inflation in den meisten Staaten erfolgreich geführt. Die Wettbewerbsfähigkeit der Exportindustrien schlägt sich in hohen Handelsbilanzüberschüssen nieder. Gleichzeitig wurden die öffentlichen Haushalte über Jahre konsolidiert. Ihre Schulden zu bedienen, fällt vielen Emerging Markets auch deshalb leichter, weil das hohe Wirtschaftswachstum für kräftige Einnahmesteigerungen sorgt. Und die Wachstumsaussichten sind weiterhin gut

Gewinner der Globalisierung

Denn die Emerging Markets profitieren in besonderem Maße von der Globalisierung, die sich seit dem Ende des „Kalten Krieges“ enorm beschleunigt hat. Gewaltige Lohnkostenunterschiede haben dazu geführt, dass Unternehmen ihre Produktion in Emerging Markets verlagert haben. Die deutlichen Lohnanstiege in vielen Teilen der Emerging-Markets-Welt haben hieran nichts Grundlegendes geändert. Sie führen auch dazu, dass hier zunehmend große Binnenmärkte mit hoher Nachfrage entstehen. Das Internet sorgt zudem für eine bessere Markttransparenz, was es erleichtert, internationale Geschäftsbeziehungen aufzubauen. Und der Ausbau der Infrastruktur hat die Transportkosten sinken lassen. Die Gründung von Auslandsstandorten durch Unternehmen aus den hochentwickelten Staaten hat ebenso zu einem Wissenstransfer geführt wie der Sturm von Studenten aus aller Welt auf die besten Universitäten. Die Globalisierung der Finanzmärkte erleichtert den Kapitaltransfer in Staaten mit hohem Investitionsbedarf. Die Bevölkerung wächst in den Emerging Markets zudem schneller als in den Industriestaaten. All dies sorgt dafür, dass viele gering entwickelte Volkswirtschaften heute wesentlich schneller einen Rückstand aufholen können als noch vor 30 Jahren. Und wo in den Industriestaaten immer wieder von „Sättigung“ einzelner Marktsegmente gesprochen wird, ist in den Emerging Markets davon nichts zu spüren. Im Gegenteil: Die euphorischen Berichte über die Fortschritte in den Emerging Markets stehen in vielen Staaten in starkem Kontrast zu den oftmals noch sehr schlechten materiellen Lebensbedingungen in großen Teilen der Bevölkerung.

Moderate Schuldenstände und gute Wachstumsperspektiven sorgen dafür, dass die makroökonomischen Risiken heute in den Emerging Markets oftmals sogar als geringer einzuschätzen sind als in einigen Industriestaaten. Während sich diese Annäherung in den Noten der Ratingagenturen jedoch nur sehr schleichend niederschlägt, sind die Kapitalmärkte deutlich schneller und konsequenter. Gemessen an den am Markt gehandelten Preisen für Kreditausfallversicherungen, sind die Unterschiede in der Risikoeinschätzung spätestens seit 2011 nicht mehr entlang der Wohlstandsgrenzen zu ziehen.

Marktexpertise ist unverzichtbar

Doch muss bei allem Erstaunen über die Fortschritte auch auf weiterhin bestehende Schwächen der Emerging Markets hingewiesen werden. Diese zeigen sich insbesondere im sogenannten institutionellen Rahmen. Korruption, fehlende Rechtssicherheit und abrupte Änderungen des politischen Kurses machen vor allem Direktinvestoren (etwa den Aufbau einer Fabrik) in vielen Emerging Markets das Leben schwer. Vor solchen Überraschungen sind allerdings auch Kapitalmarktinvestoren nicht gefeit. Risiken lassen sich nur durch eine fundierte Marktkenntnis und eine breite Streuung der Anlagen reduzieren. Einige Märkte sind für Privatanleger zudem schwer zugänglich, weil beispielsweise Konten vor Ort eröffnet werden müssen.

Was sind Emerging Markets?

Obwohl die hohe Wachstumsdynamik ein Merkmal ist, das die meisten Emerging Markets verbindet, muss doch klar, sein, dass es sich hier um eine höchst heterogene Gruppe von Ländern handelt, weshalb es nicht verwunderlich ist, dass die Abgrenzung häufig Probleme bereitet. Im Kapitalmarktgeschäft hat sich aber mittlerweile die sehr breit gefasste Definition durchgesetzt, dass als Emerging Markets alle Staaten der Welt gezählt werden, die nicht zur Gruppe der wirtschaftlich und politisch hochentwickelten Industriestaaten gehören. Zu diesen Industriestaaten zählen Nordamerika (USA und Kanada), Japan, Australien, Neuseeland sowie der Teil Europas, der in der Zeit des Kalten Krieges dem Westen zugerechnet werden konnte. Dass damit Länder wie Singapur, Hongkong, Südkorea, Taiwan oder Slowenien noch zu den Emerging Markets gezählt werden, während beispielsweise Griechenland in die Kategorie der hochentwickelten Staaten fällt, zeigt, dass die Begriffe zu einem gewissen Grad überholt sind und wohl mit der Zeit auch immer weniger gebraucht werden.

Fasst man eine Anlage in Emerging Markets (EM) ins Auge, bleibt nun noch die wichtige Frage, ob man in Aktien oder Anleihen investieren möchte.

Auch die Sparkasse unterstützt Sie in dieser Hinsicht. Vereinbaren Sie einfach einen Termin mit Ihrem Private Banking-Berater.

Quelle:
DekaBank, Volkswirtschaft Perspektiven. Emerging Markets. (Emerging Markets-Broschüre)
 

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