Ehepaar lachend vor dem heimischen Sofa sitzend

Unbewußte Steuerhinterziehung

Hier lauern Fallstricke

Autor Deka Private Banking
zuletzt aktualisiert am 27. Juli 2021
Lesezeit 4 Minuten

Ein Gemeinschaftskonto, ein Alleinverdiener in der Ehe oder ein Ehepartner, der für größere Zuflüsse auf das Konto sorgt – all das kann das Finanzamt speziell bei vermögenden Ehepaaren auf den Plan rufen. Die Experten sprechen hier von unbewusster oder versteckter Schenkung.

Interessant für Sie, wenn...

  • Sie eine außergewöhnliche Zahlung, z.B. aus einem Unternehmensverkauf erwarten
  • Sie dieses Geld in z.B. eine Anlagestrategie oder Immobilien investieren möchten
  • Eine mögliche unbewusste Schenkung vermeiden wollen

Gleich nach der Heirat ist es bisweilen mit der Romantik vorbei. Zumindest, wenn es um die Finanzen geht. Zugewinngemeinschaft ist der nüchterne Begriff, der laut BGB den gesetzlichen Güterstand beschreibt, in dem ein verheiratetes Paar lebt – es sei denn, ein Ehevertrag bestimmt etwas Anderes. Doch gerade mit so einer festen Regelung lassen sich unbewusste Schenkungen unter Eheleuten und somit eine unterschätzte Steuerfalle vermeiden.

In der beschriebenen Zugewinngemeinschaft entsteht kein gemeinsames Vermögen. Das Selbstverständnis „was mein ist, ist auch dein”, ist falsch. Es ist ein Irrglauben, dass Vermögen, das während der Ehe erworben wird, beiden Partnern gleichermaßen gehört. Stattdessen bleiben beide Eheleute nicht nur weiterhin Alleineigentümer der Vermögenswerte, die sie oder er mit in die Ehe gebracht hat. Sondern diese Vermögenstrennung greift auch für das Vermögen beziehungsweise die Einkünfte, die die Ehegatten nach der Eheschließung erwerben.

Vorsicht vor „freigiebiger Zuwendung“

Speziell Gemeinschaftskonten können deshalb zum unerwarteten Risiko werden. Kritisch wird es, wenn darauf größere Zuflüsse eingehen, beispielsweise eine Abfindung, eine Bonus-Zahlung, eine Erbschaft oder Veräußerungserlöse von Immobilien oder durch den Verkauf des eigenen Unternehmens.

Entscheidend ist dann die konkrete Verwendung des Geldes. Hierbei besteht die Gefahr, unbewusst Steuern zu hinterziehen. Zum Beispiel dann, wenn der außergewöhnliche Zufluss von einem Ehepartner stammt, die Summe aber beispielsweise für eine individuell strukturierte Anlagestrategie beider Eheleute oder sogar nur des anderen Ehepartners verwendet wird. Dies könnte die Finanzbehörde als versteckte Schenkung gemäß § 7 Abs. 1 Nr. 1 des Erbschaftsteuer- und Schenkungssteuergesetzes erkennen.

Hoher persönlicher Freibetrag

Das bedeutet: Ob fürs Depot oder für den Kauf einer Immobilie: Eine unerkannte oder versteckte Schenkung entsteht, wenn das Geld auch oder sogar ausschließlich dem anderen Ehepartner zugutekommt und er dadurch im Sinne einer Schenkung profitiert. Dann nämlich kann die Schenkungsteuer fällig werden. Erfolgen innerhalb von 10 Jahren unentgeltliche Zuwendungen eines Ehegatten im Wert von insgesamt mehr als 500.000 Euro, ist nach dem deutschen Steuerrecht der persönliche Freibetrag des anderen Ehegatten überschritten. Dann müssen solche „einseitigen Zuwendungen“ auch unter Eheleuten als steuerpflichtige Schenkung dem Finanzamt angezeigt werden. Die Anzeigepflicht für eine solche Schenkung muss innerhalb von drei Monaten erfolgen.

Alpenpanorama mit Bergdorf
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Aber auch der häufig anzutreffende Fall, dass es einen Alleinverdiener in der Ehe gibt, kann steuerliche Konsequenzen nach sich ziehen. Und zwar dann, wenn der nicht verdienende Partner gleichermaßen über das Vermögen verfügt, welches aus den Einkünften des Verdienenden stammt.

Die Beispiele zeigen, dass es eine ganze Reihe von eher alltäglichen Vorgängen gibt, die grundsätzlich schenkungsteuerpflichtig sind und dann durch Addition der zahlreichen kleinen Vermögensumschichtungen innerhalb von zehn Jahren Steuerzahlungen auslösen.

Um mögliche Fallstricke bei Ihrer Vermögensplanung zu umgehen, ziehen Sie bei Ihrem Vorhaben einen Experten zu Rate; Ihr Private Banking-Berater steht Ihnen dabei gerne koordinierend zur Seite und bezieht Ihrem Wunsch entsprechend Ihren Steuer- und Rechtsberater mit ein.

Checkliste: Diese Verhaltensweisen sind ratsam

  • Vermögenswerte auflisten und zuordnen
    Empfehlenswert ist, zu Beginn der Ehe ein Verzeichnis aller Vermögenswerte, wie. bspw. Unternehmensbeteiligungen, Immobilien oder Wertpapierdepots zu erstellen. Darin sollte nicht nur der Wert der einzelnen Vermögensgegenstände sondern auch die Eigentumsverhältnisse dokumentiert werden. Um die jederzeitige Handlungsfähigkeit im Gesamtvermögen sicherstellen zu können, sollten zusätzlich entsprechende Vollmachten erteilt und vertragliche Regelungen getroffen werden.
  • Schriftliche Vereinbarung
    Veräußert dann ein Ehepartner z.B. eine unternehmerische Beteiligung oder eine Immobilien aus seinem Vermögen, der Erlös soll aber zunächst auf einem bestehenden Gemeinschaftskonto verbucht werden, kann über eine schriftliche Vereinbarung zwischen den Eheleute vorab dokumentiert werden, wer der wirtschaftliche Eigentümer des gutgeschriebenen Betrags ist. 
  • Aus eins mach zwei
    Damit Eigentumsverhältnisse transparent nachvollzogen werden können, und es zu keiner Vermischung von Vermögen zwischen den Eheleuten kommt, könnten insb. für die Verbuchung hoher einmaliger Geldeingänge auch bewusst Einzelkonten genutzt werden. Die Möglichkeit von Vollmachten sollte auch hierbei bedacht werden.
  • Güterstandsschaukel
    Soll der Ehepartner hingegen gleichberechtigt am Geldeingang partizipieren, ohne dass dies als Schenkung anzusehen ist, könnte zur Gestaltung mit etwas zeitlichem Vorlauf und Unterstützung durch einen Notar eine sog. Güterstandsschaukel geprüft werden. Diese bietet die Möglichkeit, durch einen Zugewinnausgleich steuerfrei Vermögen auf den anderen Ehegatten zu übertragen. Der Eigentumsübergang auf den anderen Ehegatten muss hierbei faktisch vollzogen werden. Nach erfolgtem Zugewinnausgleich könnte ein Wechsel zurück in den Güterstand der Zugewinngemeinschaft geprüft werden. Eine Gestaltung mit Hilfe der Güterstandsschaukel könnte auch geprüft werden, wenn zwar der Geldeingang z.B. ohne schriftliche Vereinbarung auf einem Gemeinschaftskonto erfolgt ist, aber die 3-monatige Anzeigepflicht für Schenkungen noch nicht verstrichen ist.

Die Hinweise haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und können eine Steuer- oder Rechtsberatung nicht ersetzen.

Bei den Inhalten handelt es sich um marketingrechtliche Informationen und nicht um eine Anlageberatung.

Zu den Fragen der steuerlichen Situation in dem konkreten Fall sollte ein Steuerberater oder eine steuerfachkundige Person hinzugezogen werden.

Rechtliche Hinweise
Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Deka Investmentfonds sind die jeweiligen Wesentlichen Anlegerinformationen, die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jeweiligen Berichte, die Sie in deutscher Sprache bei Ihrer Sparkasse oder der DekaBank Deutsche Girozentrale, 60625 Frankfurt und unter www.deka.de erhalten. Diese Information kann ein Beratungsgespräch nicht ersetzen.
Aussagen gemäß aktueller Rechtslage, Stand: Juli 2021. 
Die steuerliche Behandlung der Erträge hängt von den persönlichen Verhältnissen des jeweiligen Kunden ab und kann künftig auch rückwirkenden Änderungen (z.B. durch Gesetzesänderung oder geänderte Auslegung durch die Finanzverwaltung) unterworfen sein.

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