Geschäftsmann vor rustikaler Backsteinwand mit Smartphone sitzend

Unternehmen im Alter gründen

Nach dem Unternehmensverkauf neue Projekte anpacken

Autor Deka Private Banking
zuletzt aktualisiert am 31. August 2021
Lesezeit 5 Minuten

Motiviert, finanziell unabhängig und vor allem sehr erfahren: Immer mehr Unternehmen hierzulande werden von Frauen und Männern gegründet, die jenseits der 50 sind. Dazu gehören zusehends auch gestandene Manager und Führungskräfte.

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  • Sie den Unternehmensverkauf als Gelegenheit für einen Neustart nutzen wollen
  • Eine lange gehegte Geschäftsidee umsetzen möchten
  • Als Manager den Sprung in die Selbstständigkeit wagen möchten

Gründen im Alter liegt im Trend

Von wegen „altes Eisen“. Dem KfW-Gründungsmonitor zufolge sind deutsche Gründer schon heute im Durchschnitt älter als 40 Jahre. Künftig dürften die 45- bis 55-Jährigen laut KfW sogar die gründungsaktivste Gruppe der Bevölkerung stellen. Dass die Zahl der älteren Gründer steigt, belegt auch eine Statistik des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn. Und auch noch die Generation darüber ist aufgeschlossen für Neues. Immerhin jede zwölfte Firma geht aktuell mit einem Chef an den Start, der älter als 55 ist.

Die Motive sind vielfältig. Einer Studie des RKW Kompetenzzentrums aus dem Jahre 2018 zufolge gründen gerade die „Spätstarter“ seltener aus der Not heraus, sondern vielmehr, um unternehmerische Chancen zu nutzen. Finanzielle Aspekte spielen, anders als bei anderen Gründern der Fall, keine Rolle. Vielmehr verfügen sie in der Regel über ausreichendes Eigenkapital. Unabhängigkeit, Freiheit und Flexibilität sind stattdessen die vorherrschenden Gründungsmotive.

So nutzen etwa Unternehmer den Verkauf ihrer Firma auch als Chance zum beruflichen Neustart. Kein Wunder: Die RKW-Studie kommt zu dem Schluss, dass die heute 50-, 60- oder 70-Jährigen um ein Vielfaches gesünder und leistungsfähiger als ihre Altersgenossen noch vor wenigen Dekaden sind.

Ökologisches oder gesellschaftliches Ziel

Der Untersuchung zufolge wollen viele ältere Gründer darüber hinaus auch ihre Expertise, ihre Erfahrungen und ihr berufliches Wissen nicht plötzlich brachliegen lassen, sondern es an andere (Jüngere) weitergeben. So gab immerhin mehr als die Hälfte der Befragten für die RKW-Studie an, mit der Gründung in erster Linie ein ökologisches beziehungsweise gesellschaftliches Ziel zu verfolgen.

Eine Unternehmensgründung wird somit als eine herausfordernde „Zugabe“ im Leben verstanden. Kein Zufall, dass genau unter diesem Motto die Körber-Stiftung vor wenigen Jahren den „Zugabe-Preis“ ins Leben gerufen hat, der jährlich Gründerinnen und Gründer 60plus auszeichnet. Mit dem Preis, der mit jeweils 60.000 Euro dotiert ist, werden drei Persönlichkeiten gewürdigt, die „mit unternehmerischen Mitteln Lösungen für die gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit gefunden und dafür ein Unternehmen oder ein Sozialunternehmen aufgebaut haben“, heißt es in einer Mitteilung. Im Fokus stehen Menschen, die laut Körber-Stiftung „mit ihren Initiativen zeigen, dass Erfahrung und Innovation, Ruhestand und Aufbruch, Alter und Social Impact sich produktiv ergänzen – und die damit alle Generationen bestärken, die Phase nach der Lebensmitte neu zu nutzen: für eine Zugabe“.

Selbstverwirklichung im Fokus

Selbstbestimmung, unternehmerische Freiheit und der Wunsch nach Selbstverwirklichung sind somit wichtige Aspekte, die einen gestandenen Manager beziehungsweise Unternehmer antreiben können, neu zu gründen. Darüber hinaus bedeutet eine Gründung für ältere Gründer oftmals aber auch die Chance, nach dem Rückzug aus dem bisherigen Unternehmen eine seit Langem erdachte Geschäftsidee in die Tat umzusetzen.

Der Gründungscoach Sabine Votteler aus München (siehe unser Expertengespräch) hat beobachtet, dass ganz oft ein Ereignis von außen dazu führt, dass sich gestandene Manager und Führungskräfte plötzlich reflektieren und gegebenenfalls neu sortieren. Zumeist sei dies ein negatives Ereignis im privaten Bereich, etwa eine Krankheit, eine Scheidung oder eine Kündigung, so Votteler. Ein weiterer wichtiger Grund – gerade in Führungspositionen, aber auch bei Unternehmern – seien mangelnde Wertschätzung, sei es vom Vorgesetzten, von Kundenseite, den Mitarbeitern oder auch aus der eigenen Familie. „Zum anderen ist der Punkt Selbstbestimmung ein ganz wichtiges Motiv für einen beruflichen Neustart und eine Existenzgründung. Die Menschen erkennen: Die Zeit verrinnt mir zwischen den Fingern. Deshalb befreie ich mich von Zwängen und will raus aus dem Trott“, erläutert Votteler.

Anders als hierzulande (noch) der Fall, ist es in anderen Ländern nicht ungewöhnlich, dass ein Unternehmer seinen Betrieb verkauft, auch ohne an eine konkrete Altersnachfolge zu denken. Und auch hierzulande beginnt langsam ein Umdenken. Immer mehr Unternehmer fühlen sich nach der erfolgreichen Unternehmensübergabe zu jung für den Ruhestand. Das erstaunt angesichts der gestiegenen Lebenserwartung wenig: Hierzulande liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei Männern schon bei knapp 79 Jahren und bei Frauen sogar bei 83,5 Jahren.

Mit Lebenserfahrung und großem Netzwerk

Seniorchef zu Hause Akten abarbeitend
Seniorchef zu Hause Akten abarbeitend
Hinzu kommt: Die Gründer der älteren Generation verfügen über mehrere Vorteile. Zum einen können sie mit einer guten Portion Lebenserfahrung punkten. Sie bringt in der Regel nichts so schnell aus dem Gleichgewicht. Ob bürokratische Hürden, unerwartete Hindernisse oder erste wirtschaftliche Misserfolge – Gründer im etwas höheren Alter gehen deutlich gelassener und zielgerichteter an Probleme und Projekte heran. Zum anderen verfügen sie über spezielle Kompetenzen sowie häufig gute Markt- und Branchenkenntnisse, die junge Gründer allein durch ihr Alter nicht aufweisen können. Und zu guter Letzt besitzen sie ein riesiges Netzwerk, aus dem sie sich bei ihrer Gründung bedienen können. Diese im Laufe der Jahre aufgebauten berufsbezogenen Kontakte sind ohne Frage eine wichtige und wertvolle Ressource, die ihnen beim beruflichen Neustart zugute kommen kann.

Die Aspekte zeigen, dass nur wenig dagegen spricht, den Schritt in die Selbstständigkeit auch im höheren Alter noch bzw. noch einmal zu wagen – eine entsprechende gute Planung vorausgesetzt. Belohnt wird der Gründer dann in der Regel mit mehr als nur dem finanziellen Ertrag.

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Expertengespräch

Auf einmal fallen die Scheuklappen ab

Der Gründungscoach Sabine Votteler aus München hat schon viele Führungskräfte und Manager erfolgreich in die Selbstständigkeit geführt. Im Interview berichtet sie über den Drang zur Veränderung, mögliche Hürden bei der Gründung und die notwendigen Voraussetzungen, einen beruflichen Neustart zu wagen.

Deka Private Banking: Was sind in Ihrer Zielgruppe die wichtigsten Motive, um ein Unternehmen zu gründen?

Gründungscoach Sabine Votteler (Copyright: Manuela Edelking)
Gründungscoach Sabine Votteler (Copyright: Manuela Edelking)
Sabine Votteler: Es geht tatsächlich in den meisten Fällen um die berühmt berüchtigte Sinnsuche. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ab einem gewissen Alter viele Menschen darüber nachdenken, ob sie weiterhin so ein Leben wie bisher führen wollen. Das hängt zum einen damit zusammen, dass sich die Prioritäten mit zunehmendem Alter verändern. Das „höher, weiter, schneller“, das oft im Unternehmertum und auch in Führungspositionen zu beobachten ist, führt dazu, ständig zu zeigen, was man kann. Diese Kompetenz drückt sich aus in Titeln, Gehalt, Status, Autos und ähnlichem. Doch irgendwann ändert sich diese Einstellung, weil man alles erreicht hat, was man sich vorgestellt hat. Dann stellt sich die Frage: Mache ich das Gleiche weiter oder mehr vom Gleichen oder das Gleiche in einem anderen Umfeld oder macht das alles überhaupt noch Sinn? Vorher lag der Sinn darin, ein gewisses Level zu erreichen. Aber wenn dieses Level erreicht ist, kommt häufig die Frage nach dem Sinn des Lebens. Denn die Lebenszeit wird langsam knapper.

Deka Private Banking: Haben die meisten schon konkrete Geschäftsideen?

Sabine Votteler: Viele aus dieser Zielgruppe wollen in den Bereich Beratung gehen, und zwar genau in dem Geschäftsfeld oder der Branche, in der sie vorher gearbeitet haben, nach dem Motto, da kenne ich mich aus. Das ist ein möglicher Ansatz, doch von einer Freelancer- oder Interimstätigkeit rate ich eher ab, denn dieser Weg führt nicht zum Glück, weil es oft nur das nächste Hamsterrad bedeutet.

Deka Private Banking: Welche Probleme können bei der Gründung auftauchen?

Sabine Votteler: Die meisten der Gründer, mit denen ich arbeite, waren in den letzten Jahren nicht mehr im operativen Bereich tätig und haben Probleme mit einer klaren Positionierung und der Vermarktung. Das fängt beispielsweise mit der konkreten Definition der Zielgruppe an und hört mit einfachem Online-Marketing auf. Doch ohne Positionierung ist die Gründung zum Scheitern verurteilt. Die Fragen müssen lauten: Was genau ist meine Expertise? Was unterscheidet mich von anderen? Was biete ich konkret an und wozu sage ich auch unter Umständen „Nein“, weil es nicht meine Spezialität ist. Diese Selbstreflektion haben jedoch die allerwenigsten.

Deka Private Banking: Welche Charaktereigenschaften sind notwendig?

Sabine Votteler: Es gibt auch bei gestandenen Führungskräften und Unternehmern Ängste und Zweifel, die sie lähmen. Deshalb ist aus meiner Sicht das Wichtigste für einen Gründer, Selbstverantwortung zu übernehmen. Natürlich sollte sich die Person bei der Gründung unterstützen lassen, aber sie muss sich klar darüber sein, dass nur sie es in der Hand hat, ob die Gründung zu einem Erfolg wird. Ich kann auch nicht erwarten, dass ein Personal-Trainer für mich aufs Laufband geht, wenn ich abnehmen will. Der Gründer muss die notwendigen Schritte also selbst gehen. Das hat viel mit self leadership zu tun. Diese Eigenschaft ist jedoch überraschenderweise bei vielen Führungskräften und Unternehmern kaum vorhanden, weil sie sonst vieles delegieren können. Viele kommen zu mir und sagen, ich will nochmal etwas anderes machen. Diese Haltung ist das A&O. Der Drang, etwas Neues machen zu wollen, muss vorhanden sein. Man muss brennen. Sonst wird es nicht funktionieren mit der Gründung.

Deka Private Banking: Warum lohnt es sich denn insgesamt, den Neustart zu wagen?

Sabine Votteler: Was ich beobachte ist: Die Neu-Gründer erleben eine unheimliche Freiheit. Das ist so ein fantastisches Gefühl, gerade wann man lange mit so vielen beruflichen Zwängen gelebt hat. Auf einmal fallen die Scheuklappen ab, und man erkennt, dass es noch so viele Möglichkeiten gibt. Alles ist wieder möglich. Eine Kundin hat mir mal gesagt: Ich kann jetzt so viele verschiedene Facetten von mir nutzen. Das ist sehr erfüllend und macht Spaß. Die Gründer haben sich im Laufe ihres Lebens einen riesigen Werkzeugkoffer angeeignet, aus dem sie sich jetzt bedienen und die verschiedensten Tools nutzen können. Ich glaube, es ist vor allem dieser Facettenreichtum, den diese Gründer nicht mehr missen möchten.
 

Copyright Foto Sabine Votteler: Manuela Engelking

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