Unternehmensgründung

Das sollten Sie wissen, bevor Sie ein Unternehmen gründen

Autor Deka Private Banking
zuletzt aktualisiert am 8. November 2019
Lesezeit 4 Minuten

Unternehmer werden, sein eigener Herr oder ihre eigene Chefin sein. Das klingt verlockend. Gerade, wenn der eigene Wert vom Arbeitgeber nicht ausreichend gewürdigt wird oder die eigene Idee danach ruft, realisiert zu werden. Das eigene Unternehmen verspricht ein hohes Maß an Selbstbestimmung sowie ein Einkommen, das sich als Angestellter nur schwer realisieren lässt. Doch auch die Risiken sind nicht zu unterschätzen. Das schreckt viele Angestellte ab. Dabei kann das Gründer-Dasein ausgesprochen attraktiv sein – wenn Gründungswillige realistisch auf die Gründung schauen. Wir haben fünf Orientierungshilfen zusammengestellt, die Ihnen die Entscheidung erleichtern, ob Sie ein Unternehmen gründen möchten.

Interessant für Sie, wenn...

  • Sie ein Unternehmen gründen möchten
  • Sie wissen möchten, worauf Sie über die gesetzlichen Anforderungen hinaus achten sollten
  • Sie erfahren möchten, wie Sie die Erfolgschancen Ihres Unternehmens besser einschätzen können

Unternehmen gründen: Am Anfang steht die Idee

Inspiration für Geschäftsmodelle gibt es überall – und Neugründer brennen meist für ihre Geschäftsidee. Doch nicht alles, was Ihnen und Ihrem Bekanntenkreis plausibel erscheint und verspricht “The next big Thing” zu werden, hält der Realitätsprüfung statt. Untersuchungen zeigen, dass junge Leute anders gründen als ältere, berufserfahrene. Während jüngere Gründer zu neueren Geschäftsideen neigen, entwickeln viele ältere Produkte und Leistungen ihrer bisherigen Arbeit weiter. Beide Ansätze sprechen für sich, haben aber vollkommen unterschiedliche Risikoprofile. Die vermeintlich „revolutionäre“ Geschäftsidee kann schnell floppen. Für einen jungen Gründer, der sein Berufsleben noch vor sich und wenige finanzielle Verpflichtungen hat, wäre das selten ein Untergang. Bei einem älteren Gründer ist eine Firmenpleite deutlich riskanter, darum setzt er häufiger auf Geschäftsmodelle mit engem Bezug zu den bisherigen Tätigkeiten. Der „revolutionäre“ Ansatz verspricht ganz neue Möglichkeiten – bei höherem Risiko; der evolutionäre ist weniger innovativ, aber dafür meist sicherer. 

Alleinstellungsmerkmale prüfen, bevor Sie ein Unternehmen gründen

Wenn Sie Sie Ihre Geschäftsidee gefunden haben, sollten Sie systematisch Ihre Alleinstellungsmerkmale herausarbeiten. Dazu ist entscheidend, dass Sie den Blick der Kunden einnehmen. Aber wer sind eigentlich Ihre potenziellen Kunden? „Mittelständler“ oder „Laufkundschaft“ reichen dabei als Eingrenzung nicht aus – versuchen Sie, konkrete Eigenschaften, Jobpositionen oder Verantwortlichkeiten zu definieren, so genannte “Personas”. Und führen Sie Gespräche mit möglichen Kunden, was diese benötigen, wie sie entscheiden, wonach sie eine Kaufentscheidung treffen. Prüfen Sie dann auch nüchtern die Wettbewerbssituation. Die Frage, warum bestehende Wettbewerber Ihre Geschäftsidee noch nicht umgesetzt haben, ist dabei nicht zu vernachlässigen: Vielleicht haben sie das bereits versucht – aber ohne Erfolg? Notieren Sie dann, welche Alleinstellungsmerkmale Sie gegenüber dem Wettbewerb haben und welchen Nutzen Ihre Kunden dadurch haben. Ist der Nutzen so groß, dafür einen Aufpreis zu zahlen oder eine bestehende Lieferantenbeziehung aufzugeben? Und: Wie leicht könnten Andere ein Unternehmen wie Ihres gründen? Darum sollten Sie nüchtern Ihre Alleinstellungsmerkmale überprüfen. Auch wenn ein ganz fremder Blick – beispielsweise ein Bankberater – erst einmal irritieren könnte, sollten Sie diesen Perspektivwechsel auf Ihr geplantes Unternehmen als Chance sehen.

Ohne Kapital lässt sich kein Unternehmen gründen

Die Statistiken sind eindeutig. Die meisten Neugründungen überleben das erste Jahr nicht. Egal wie überzeugend Ihre Geschäftsidee zu sein scheint, egal wie oft Ihnen bestehende Kontakte versichern, Sie auch in Ihrer neuen Firma zu beauftragen, seien Sie konservativ und machen sich einen realistischen Plan. Dazu gehört auch ein Worst-Case-Szenario, das etwa 30 Prozent nach unten vom realistischen Plan abweicht. Denn nie wird ein Plan genauso in Erfüllung gehen wie gedacht. Auf Nummer Sicher gehen Sie, wenn Sie ausreichend Kapital für das eigene Unternehmen mitbringen, um das erste Jahr ohne Einnahmen zu überstehen. Wenn das Geld nur für wenige Wochen reicht, kann eine Verzögerung beispielsweise eines Zulieferers die beste Geschäftsidee schon am Anfang vernichten.

Vielleicht haben Sie finanziellen Rückhalt durch das Elternhaus oder vermögende Bekannte. Diese könnten im Notfall einspringen – doch können die Folgen über das rein Finanzielle hinausgehen. Darum sollten Sie Finanzfragen auch immer mit Profis absprechen: Lassen Sie sich bei Geschäftsplan, inklusive möglicher Gewinn-und-Verlust-Rechnung, professionell unterstützen. Gründerzentren bieten Coachings, Websites Mustertabellen und Ihr Berater bei der nächsten Sparkasse kann Ihnen auch sicher weiterhelfen, wenn es um die notwendigen Finanzierungsquellen geht. Davon gibt es auch abseits persönlicher Beziehungen reichlich – von Fördergeldern bis Eigenkapitalgebern. Lassen Sie sich beraten, wie eine solide Finanzierung gefunden werden kann.

Ohne Humankapital lässt sich kein Unternehmen gründen

Selbstständig arbeiten? Das heißt: Selbst und ständig, so lautet jedenfalls der alte Spruch. Stellen Sie sich darauf ein, dass Feierabende, Wochenenden und Ferien insbesondere in der Anfangsphase deutlich zu kurz kommen können. Das ist nicht nur eine Belastung für Sie, sondern eventuell auch für Familie und Freunde. Was häufig unterschätzt wird: Bei einer Neugründung stehen Gründer fast immer vor der Aufgabe, fast alles selbst machen zu müssen – das bedeutet, dass Sie sich auch um „lästigen Kram“ wie Reisekostenabrechnungen, Terminvereinbarungen oder Rechnungsstellung selbst kümmern müssen. Das ist für viele Fach- oder Führungskraft erst einmal sehr ungewohnt. Auch haben Sie selten eine Vertretung für Urlaubs- und Krankheitstage.

Schwierig wird es auch, wenn sich der Erfolg schneller einstellt als erwartet: Dann fehlen Ihnen unter Umständen die Kapazitäten, die Aufträge zu bearbeiten. Wer nicht die finanziellen Möglichkeiten hat, „auf Vorrat“ eigene (personelle) Kapazitäten vorzuhalten, hat schnell ein Lieferproblem. Dennoch gibt es einen Weg aus dem „selbst und ständig“: Schon während Sie Ihr Unternehmen gründen, sollten Sie versuchen, ein Netzwerk möglicher Unterstützer zu knüpfen. Das kann der flexibel buchbare Sekretariatsservice sein, aber auch der Anbieter von weniger relevanten Wertschöpfungselementen bis hin zum Konkurrenten, der vergleichbare Produkte und Dienstleistungen liefern kann. Dies ist heute über digitale Plattformen und soziale Netzwerke einfacher denn je. So vermeiden Sie, aus dem eigenen Engpass heraus einem Kunden abzusagen – denn der wird so schnell nicht wiederkommen.

Und noch einen Aspekt des „selbst und ständig“ sollten Sie beachten: Mancher Gründer ist vorher sehr erfolgreicher Spezialisten gewesen. Er wundert sich dann, wie wenig Zeit ihm für seine Spezialisierung noch bleibt. Denn der Gründer ist ein Generalist: Personalaufgaben, Kundenpflege, Finanzierungsthemen kommen für viele Fachleute ganz neu hinzu und sind oft eine Überforderung. Das sollten Sie vorher wissen und entweder bereit für diese neuen Aufgaben sein, oder von Anfang an in Ihrem Geschäftsmodell einkalkulieren, dass Sie für diese Arbeiten Unterstützung benötigen.

Nach dem Unternehmen gründen – Zeit für nüchterne Bestandsaufnahme

In Ihrem Geschäftsplan sollten Sie sich realistische Zwischenziele gesetzt haben. Dabei geht es um mehr als nur die Überprüfung einer Messgröße. Denn einen „Gewinn“ kann man sich als Unternehmer auch schönrechnen, beispielsweise durch ein sehr niedriges Unternehmergehalt. Denn während der Gesetzgeber beim Gehalt, das sich ein Unternehmer auszahlt, nach oben Grenzen zieht (um verdeckte Gewinnausschüttungen zu verhindern), gibt es keine Untergrenze (außer Mindestlohn…). Das hilft dem Gründer, wenn es eine Durststrecke zu überwinden gilt. Doch ein Niedriggehalt (oder dauerhafte Subventionierung aus dem Elternhaus) birgt auch die Gefahr, unangenehmen Realitäten auszuweichen. Beispielsweise der, dass der Kunde nicht bereit ist, einen auskömmlichen Preis für Ihre Leistung zu zahlen. Setzen Sie sich darum klare Ziele, wie viel Sie selbst als Unternehmer verdienen wollen – zum Beispiel nicht viel weniger als zuvor als Angestellter. Umgekehrt sollten Sie aber auch konservativ haushalten, wenn es um Ihre Ausgaben als Unternehmer geht. Der Fiskus bietet da manche Verlockung wie einen eigenen Geschäftswagen. Meiden Sie gerade in den Anfangsjahren „unnötige“ feste regelmäßige Verpflichtungen. Eine Auftragsflaute, zum Beispiel eine saisonale Schwankung, kann Sie sonst schnell überfordern. Sprechen Sie darüber am besten mit Finanzexperten, die sowohl Einblick in die Geschäftszahlen Ihres neu gegründeten Unternehmens haben als auch Themen wie Altersvorsorge etc. berücksichtigen können.

Sie möchten mehr darüber erfahren, was es zu beachten gilt, wenn Sie ein Unternehmen gründen möchten? Ihre Sparkasse unterstützt Sie insbesondere in den finanziellen Fragen – von der Finanzplanung bis zu Ihren privaten Finanzen als Unternehmer. Sprechen Sie einfach Ihren Private Banking-Berater der Sparkasse an. Auch wenn Sie als Neugründer häufig wenig Zeit und viel unterwegs sind, sollten Sie das Gespräch nicht versäumen. Dank digitaler Möglichkeiten muss es ja nicht mehr persönlich vor Ort sein.
 

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