Verkauf einer Zahnarztpraxis

Als Zahnarzt gleitend in den Ruhestand

Autor Deka Private Banking
zuletzt aktualisiert am 30. Dezember 2020
Lesezeit 4 Minuten

Wenn für Zahnärzte der Ruhestand näher rückt, liegt eine attraktive Lösung für ihre Praxisnachfolge im Verkauf an Investoren, die zahnmedizinische Versorgungszentren (Z-MVZ) betreiben. Denn zum einen wird es schwieriger, junge Zahnärzte zu finden die eine Praxis übernehmen wollen. Zum anderen zahlen inzwischen auch institutionelle Investoren gutes Geld. Doch das hierfür vorhandene Zeitfenster könnte sich bald schließen, weil das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) die Möglichkeiten von Investoren, die zuvor ein Krankenhaus erworben hatten, einschränkt, Z-MVZ zu erwerben.

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  • Sie als Zahnarzt vor dem Ruhestand eine Nachfolgelösung suchen
  • Den Praxiswert für die Ruhestandsplanung erhöhen wollen
  • Sie als junger Zahnarzt Ihre Optionen des Berufseinstiegs ausloten
  • Als Zahnarzt geschäftliches Wachstum wollen
  • Sie sich als Investor nach alternativen Renditequellen umsehen

Trend zum angestellt arbeitenden Zahnarzt

Berufseinsteiger – und hier insbesondere der wachsende Anteil Zahnärztinnen – ziehen immer häufiger die Anstellung einer freiberuflichen Selbständigkeit vor. Das spiegelt sich zum einen im Anteil angestellt arbeitender Zahnärzte wider: Lag er 2010 noch bei gut neun Prozent, ist er bis Mitte 2019 auf fast ein Viertel angewachsen. Zum anderen zeigt sich diese Entwicklung in der jüngsten Erfolgsgeschichte der Zahnarzt-MVZ. Ende 2015 gab es nach Zählung der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) in Deutschland gerade einmal 46 dieser Institutionen mit zusammen 221 angestellten Zahnärzten, bis Ende Juni 2019 ist ihre Zahl auf 831 Z-MVZ mit 2.587 angestellten Zahnärzten geradezu explodiert. Dem gegenüber steht die steigende Zahl von niedergelassenen Ärzten, die kurz vor oder mitten in ihrer Nachfolgeplanung stehen.

Finanzinvestoren bauen Dentalketten auf

Das Wachstum der Z-MVZ geht zu einem erheblichen Teil auf Finanzinvestoren zurück, die vorzugsweise ein kleines, profitables Krankenhaus kaufen, um im zweiten Schritt über den Kauf von Z-MVZ überregional aktive Dentalketten aufzubauen. Der Umweg über den Kauf eines Krankenhauses ist aus Sicht der Investoren nötig, weil es nach dem Gesetz zur Stärkung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-VSG) von 2015 nur Zahnärzten, Ärzten, Kommunen und eben auch Krankenhäusern erlaubt ist, Medinische Versorgungszentren zu gründen oder sich an ihnen zu beteiligen. Das ist für Investoren und damit Kettenbetreiber besonders interessant, weil Z-MVZ beliebig viele angestellte Zahnärzte beschäftigen dürfen. Niedergelassenen Zahnärzten ist es hingegen lediglich erlaubt, statt zuvor nur zwei seit 2019 bis zu vier angestellte Zahnärzte in ihren Praxen aufnehmen.

Jedoch: Gründungsbefugnis gesetzlich beschränkt

Die Zahl der von Investoren betriebenen Z-MVZ ist auch deshalb so schnell gewachsen, weil sie Zahnärzten die Möglichkeit geben, sich mit ihrem Patientenstamm dort einzubringen, um dann selbst noch ein paar Jahre dort angestellt zu arbeiten, bevor es in den Ruhestand geht. „Investoren zahlen heute noch manchmal das Doppelte bis zum Dreifachen dessen, was Zahnärzte vor der Gesetzesänderung von 2015 erwarten konnten“, sagt Gunter Freiherr von Leoprechting, Inhaber des Beratungshauses LEO-IMPACT Consulting mit Sitz in Berlin, der schon viele Ärzte bei ihrer Nachfolgeplanung begleitet hat. Allerdings könnte das zahlenmäßige Wachstum der Z-MVZ perspektivisch auch zum Erliegen kommen. Denn mit dem 2019 vom Bundestag beschlossenen Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) wurde die Gründungsbefugnis von Krankenhäusern für Zahnarzt-MVZ beschränkt. Niedergelassene Zahnärzte hingegen dürfen auch weiterhin ohne besondere Einschränkungen ihre Praxis in ein Medizinisches Versorgungszentrum umfirmieren.

Anteil von Dentalketten in Deutschland im europäischen Vergleich gering

Ganz offensichtlich verfolgt diese Regelung das Ziel, die in anderen Ländern zu beobachtende Entwicklung von Zahnarzt-Kettenbildungen in Deutschland zu bremsen, wenn auch nicht zu verhindern: Laut der Zahnärztevereinigung „Council of European Dentists, CED“ sind Dentalketten am weitesten in Finnland verbreitet, wo ihr Marktanteil bezogen auf die Zahl der ihnen angeschlossenen Zahnärzte 35 Prozent beträgt. Weitere Länder mit einem hohen Anteil an Zahnarztketten sind Großbritannien und Spanien mit jeweils rund einem Viertel. Die Zahl für Deutschland: Trotz des Wachstums der vergangenen Jahre Stand Juni 2019 gerade einmal vier Prozent.
 

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Experten-Interview

Gunter Freiherr von Leoprechting, Inhaber des Beratungshauses LEO-IMPACT Consulting, Berlin, www.leo-impact.de

Deka Private Banking: Herr von Leoprechting, hat sich das Zeitfenster für einen Verkauf einer Zahnarztpraxis an ein von Investoren betriebenes Z-MVZ mit den faktisch für Investoren geltenden Beschränkungen bereits geschlossen?

Gunter Freiherr von Leoprechting: Keineswegs. Nach heutigem Stand könnten bundesweit aufgrund der neueren Einschränkungen durch das Terminservice- und Versorgungsgesetz von 2019 bis zu 4.282 Zahnärzte in von Investoren betriebenen Z-MVZ tätig sein – mit zuletzt 2.587 ist dieses Kontingent gerade einmal zu 60 Prozent ausgefüllt. Natürlich kommt es auf den Versorgungsgrad in der jeweiligen Region ab, aber auch diesen Faktor einbezogen sieht es noch sehr gut aus, zumal in einer Region mehrere Investoren parallel bis zur vorgegebenen Grenze aktiv sein können. Natürlich bleibt darüber hinaus die Möglichkeit bestehen, an von Ärzten oder – sehr selten - Kommunen betriebene Z-MVZ zu verkaufen. Dabei gelten die von Investoren gezahlten Preise noch immer als sehr gut.

Deka Private Banking: Worin liegen die weiteren Vorteile eines Verkaufs an ein von Investoren betriebenes Z-MVZ?

Gunter Freiherr von Leoprechting: Ich sehe hier neben der Zahlungsbereitschaft eines kapitalstarken Investors vor allem zwei Vorteile: Zum einen wird in der Regel der Kaufpreis zügig in einem Schritt gezahlt. Stimmen die Eckdaten, kann so ein Verkauf innerhalb weniger Wochen komplett vollzogen werden. Praxisgründer als Käufer hingegen müssen erst einmal eine Bankfinanzierung darstellen und tun sich ohnehin mit der Aufnahme eines Darlehens schwer. Zu anderen wünschen sich viele Zahnärzte anstelle eines abrupten Wechsels in den Ruhestand eine Übergangslösung mit reduziertem Arbeitszeitpensum. Hier zeigen sich die Käufer häufig sehr flexibel und kreativ bei der Entwicklung sehr individueller Modelle.

Deka Private Banking: Wie gestaltet sich die Zeit für den abgebenden Zahnarzt, solange er noch praktiziert?

Gunter Freiherr von Leoprechting: Er wird sehr schnell merken, dass der Verkauf schon während seiner noch aktiven Zeit eine große Entlastung darstellt – etwa in den Bereichen Betriebsführung, Einkauf oder Marketing. Fortbildungen können besser genutzt und organisiert, medizinische Apparate, Labor usw. gemeinsam genutzt werden. Man tauscht Erfahrungen aus und berät sich gegenseitig fachlich. Der Weg zum Spezialisten-Kollegen ist meist nicht weit. In den meisten Fällen behält der angestellte Arzt auch ein Praxisschild und damit seine professionelle Identität.

Deka Private Banking: Worauf muss der verkaufswillige Zahnarzt achten?

Gunter Freiherr von Leoprechting: Natürlich muss sich der abgebende Zahnarzt seinen Käufer sehr genau ansehen, vor allem dann, wenn er selbst noch praktizieren und vielleicht auch weiter GmbH-Anteile halten will: Handelt es sich um einen finanzkräftigen und seriösen Anbieter; was genau umfasst das Fortführungskonzept; wie sieht das Qualitätsmanagement am vorgesehenen Standort aus, usw. Auch steuerliche Fragen sind im Übergang vom Freiberufler zum Gesellschafter einer GmbH sehr wichtig, sowie vieles andere.
 

Deka Private Banking: Wie bewerten Sie die Gründung eines eigenen Z-MVZ?

Gunter Freiherr von Leoprechting: Das ist auf jeden Fall ein empfehlenswerter Weg für die Ruhestandsplanung. So könnte sich ein junger Zahnarzt, der es vorzieht, sich zu Beginn seines Berufslebens zunächst als Angestellter einzuarbeiten, zum potenziellen Nachfolger entwickeln. Aber auch den Verkaufsprozess an einen Investor würde sich mit einem schon bestehenden Z-MVZ als einfacher und für den Käufer nach gewissem Wachstum als noch attraktiver erweisen.

Deka Private Banking: Was spricht noch für die Gründung eines eigenen Z-MVZ?

Gunter Freiherr von Leoprechting: Die Gründung ist auch für Zahnärzte interessant, die geschäftliches Wachstum wollen. Denn es gibt keinerlei Beschränkungen bei der Zahl der im Z-MVZ angestellten Zahnärzte; die Konstruktion ist rechtssicher – anders als bei komplizierten Modellen für Großpraxen –; die Rechtsform der GmbH bringt eine Haftungsbeschränkung; außerdem sind Kapitalgesellschaften gegenüber anderen Rechtsformen steuerlich privilegiert; man teilt sich Investitionen und das unternehmerische Risiko; und natürlich gibt es viele Synergien, etwa bei der gemeinsamen Nutzung von Personal und Geräten. Wichtig dabei ist: Für die Gründung sind mindestens zwei Ärzte notwendig, die sich zusammentun. Zudem muss das Z-MVZ durch den Zulassungsausschuss. Insgesamt kann die Gründung drei bis zwölf Monate dauern, danach folgen mehrere Jahre der Aufbauphase. Also auch, wer seinen Praxiswert für die Ruhestandsplanung erhöhen will, sollte frühzeitig mit dem Aufbau seines Z-MVZ beginnen.

Zahnärztliche Medizinische Versorgungszentren: Gründung durch Krankenhäuser seit 2019

Die Vorgaben des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) von 2019 beziehen den Versorgungsgrad einer bestimmten Region mit ein. Von einem Krankenhaus gegründete Z-MVZ dürfen nur einen vorher definierten Anteil an der regionalen Versorgung mit Zahnärzten haben. Diese Anteile richten sich nach dem vorliegenden Versorgungsgrad einer Region und sind entsprechend prozentual gestaffelt:

Die Vorgaben des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) von 2019 beziehen den Versorgungsgrad einer bestimmten Region mit ein. Von einem Krankenhaus gegründete Z-MVZ dürfen nur einen vorher definierten Anteil an der regionalen Versorgung mit Zahnärzten haben. Diese Anteile richten sich nach dem vorliegenden Versorgungsgrad einer Region und sind entsprechend prozentual gestaffelt:

Zitat

Die Gründung eines eigenen Z-MVZ ist auf jeden Fall ein empfehlenswerter Weg für die Ruhestandsplanung.

Gunter Freiherr von Leoprechting

LEO-IMPACT Consulting, Berlin, www.leo-impact.de

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