Vermögen vermehren

Der individuelle und gesellschaftliche Sinn des Sparens

Autor DekaBank
zuletzt aktualisiert am 19. September 2019
Lesezeit 3 Minuten

Für Anleger stellt die Niedrigzinspolitik der Notenbanken eine große Herausforderung dar. Denn bei risikolos angelegtem Geld (wie z. B. Tagesgeld) wird das Ziel eines jeden Anlegers – der Vermögenszuwachs – verfehlt. Diese extreme Situation dürfte in Europa durchaus noch einige Jahre andauern.

Interessant für Sie, wenn ...

  • Sie mehr über die Gründe der Niedrigzinsphase wissen möchten
  • Sie sich über Möglichkeiten zur Renditeerzielung trotz niedriger Zinsen
    informieren möchten
  • Sie wissen möchten, warum Sparen trotzdem nach wie vor sinnvoll ist

Vermögen vermehren

Verschärfend zu den Nullzinsen kommt hinzu, dass die Inflation dazu führt, dass risikolos angelegtes Geld nach Abzug der Inflation – also real – sogar an Kaufkraft verliert. Und das gilt, obwohl die Inflationsrate in Europa niedrig ist und noch längere Zeit unterhalb des Notenbankziels von knapp 2 % verharren wird.

Als es noch Zinsen gab

„Früher war alles besser!“ Da gab es noch satte Zinserträge auf die Ersparnisse. Wehmütig werden sich einige Sparer an Tagesgeldzinsen von 5% und mehr erinnern. Aber Vorsicht: Dass in der Erinnerung manches rosiger erscheint, als es tatsächlich war, gilt auch in diesem Fall. Denn früher waren die Inflationsraten entsprechend höher als heute. Die Inflation fraß also einen Großteil des Zinsertrages schnell wieder weg. Nicht zu vergessen, dass die Schuldzinsen sich gerne in zweistellige Höhen aufschwangen, was belastend bei der Immobilienfinanzierung oder bei Unternehmensinvestitionen wirkte. Und dennoch scheint es befremdlich, dass die Zinsen schon seit Jahrzehnten im Trend fallen. Wie konnte es dazu kommen?

Langer Weg in die Zinstiefphase

Dass hohe Zinsen Geschichte sind, ist nicht zuletzt einem grundlegenden geldpolitischen Schwenk Anfang der Achtzigerjahre geschuldet. In den Siebzigerjahren führten die Ölpreiskrisen und starke Lohnsteigerungen zu hohen und stark schwankenden Inflationsraten sowie zu schwachem Wirtschaftswachstum. Daraus zogen die Deutsche Bundesbank und andere Notenbanken der Industrieländer eine entscheidende Schlussfolgerung: Niedrige und stabile Preissteigerungen sind das Beste, was die Geldpolitik zu gedeihlichem Wirtschaftswachstum beitragen kann. Entsprechend sind seit gut drei Jahrzehnten die Inflationsraten und das Zinsniveau auf dem Rückzug.

Zinsen sind quasi nicht mehr existent. Dass wir uns nunmehr in einem ausgeprägten Zinstief befinden, ist auf die Finanzkrise und die Euro- Staatsschuldenkrise zurückzuführen. Zu deren Überwindung haben die Notenbanken weltweit die Geldschleusen geöffnet. Die Leitzinsen wurden dadurch auf historische Tiefstände gedrückt. Insofern sind die deutschen Sparer damit konfrontiert, dass es für Anlagen in sichere, fest verzinsliche Produkte wie Termingelder, Spareinlagen oder auch Bundesanleihen nur noch Magerzinsen gibt. Die Verzinsung liquider und sicherer Anlagen bleibt in weiten Teilen sogar unterhalb der ohnehin niedrigen Inflationsrate. Das Ziel eines jeden Sparers – der reale Vermögenszuwachs – wird verfehlt. Diese extreme Situation dürfte durchaus noch ein paar Jahre andauern.

Ist Sparen dann sinnlos? – Nein!

Das Zinstief ist zweifellos eine Herausforderung für Anleger. Denn von den Niedrigzinsen sind die Bankeinlagen, Schuldverschreibungen und indirekt auch die Ansprüche gegenüber Versicherungen betroffen: Das sind gut zwei Drittel des privaten Geldvermögens der deutschen Sparer. Indes ist es eine sehr voreilige Schlussfolgerung, den Sinn des Sparens damit zu verwerfen. Im Gegenteil: Sowohl gesamtwirtschaftliche als auch individuelle Argumente für das Sparen gelten grundsätzlich immer, und damit natürlich auch im Zinstief. Folgende Funktionsweise der Geldwirtschaft und des Sparens ist wichtig: Einige Wirtschaftsteilnehmer haben für den Moment „zu viel“ Geld und andere „zu wenig“. „Zu viel“ haben diejenigen, die etwa ihr Einkommen für spätere Zeiten aufheben möchten, die also sparen wollen. Das sind meistens die privaten Haushalte.

Aber auch Unternehmen wollen manchmal sparen. Meist haben Unternehmen allerdings „zu wenig“ Geld. Jeder Unternehmer kann noch so gute Geschäftsideen mit noch so wichtigen Lösungen für die Bedürfnisse vieler Menschen haben. Solange er nicht die notwendigen Mittel (sprich: Geld) in die Hand bekommt, um Fabriken und Lagerhallen zu bauen und Leute anzustellen, die das Gedachte in die Tat umsetzen, passiert … gar nichts. Zu wenig Geld haben aber auch private Haushalte. Beispielsweise, wenn sie sich Konsumwünsche oder den Traum vom eigenen Haus verwirklichen möchten, obwohl sie noch nicht genügend Vermögen dafür aufgebaut haben. Zu wenig Geld hat zudem meist der Staat, wenn die Steuereinnahmen nicht für die vielfältigen Ausgaben reichen. Der eine hat „zu viel“ Geld, der andere „zu wenig“. Kommen die beiden zusammen, passiert Folgendes: Einer stellt dem anderen für eine gewisse Zeit sein Geld zur Verfügung. Für diesen Verzicht und für das Risiko, das damit verbunden ist, erhält er eine Prämie: den Zins. Das Ganze heißt Gewährung von Kredit und muss organisiert werden. In der Praxis geschieht das i. d. R. über Banken und Sparkassen oder direkt über den Finanzmarkt in Form von Wertpapieren. Wertpapiere werden an Kapitalmärkten gehandelt.

Sparen = Investieren in die Zukunft

Sparen ist gesamtwirtschaftlich – also makroökonomisch – von enormer Bedeutung. Nur wenn gespart wird, kann in großem Umfang investiert werden. Und nur wenn investiert wird, kann eine Volkswirtschaft gedeihen. Es gibt grundsätzlich zwei Arten, wie aus Sparen Investitionen werden: Bei der einen Art sammeln Kreditinstitute „überschüssiges“ Geld beim Sparer ein, bündeln es und verleihen es an Investoren. Der Sparer erhält einen Sparzins, der Kreditnehmer muss einen (höheren) Kreditzins bezahlen. Bei der anderen Art suchen sich Unternehmen direkt ihre Geldgeber, indem sie Aktien oder Schuldverschreibungen (Anleihen) emittieren. Diese Wertpapiere können die Sparer erwerben, die Dividende bzw. den Zins erhalten sie direkt vom Unternehmen. Der Vorteil: Indem sich der Sparer direkt an Investitionsprojekten der Wirtschaft beteiligt, ist sein Zins höher als bei einer Vermittlung über das Bankensystem. Allerdings ist der Sparer auch stärker mit dem Wohl und Wehe der Wirtschaft verbunden. Wertpapierkurse schwanken nun einmal, und zwar in der Regel die von Aktienanlagen (Eigenkapital) stärker als die von Unternehmensanleihen (Fremdkapital).

Auch aus individuellen Gründen ist es weiterhin sinnvoll zu sparen: Erstens gibt es größere Anschaffungen, die man tätigen möchte. Das kann vielleicht ein Möbelstück, ein Auto oder eine Reise sein, die man nicht direkt aus dem laufenden Einkommen finanzieren kann. Dann muss erstmal gespart werden. Zweitens gibt es Zeiten, in denen man nicht arbeiten kann oder will – die längste und bedeutendste ist für die meisten Menschen wohl der Ruhestand. Für diese Zeit muss man vorsorgen, also sparen. Im Endeffekt ist Sparen nichts anderes, als gegenwärtigen Konsum gegen zukünftigen Konsum einzutauschen!

Wieviel Geld in ganz Deutschland aktuell auf der Hohen Kante liegt, erfährt man quartalsweise von der Deutschen Bundesbank. Rund 5 ½ Billionen Euro umfasst mittlerweile das Finanzvermögen der privaten Haushalte, in etwa das Dreifache der jährlichen verfügbaren Einkommen der Deutschen. Der Zuwachs des Geldvermögens speist sich grundsätzlich aus zwei Quellen: (1) der laufenden Ersparnis und (2) den laufenden Erträgen sowie Wertsteigerungen der Anlagen. Bei der zweiten Quelle kommt der Wahl der Geldanlagen eine herausragende Bedeutung zu. Diese Quelle sollte spürbar sprudeln, damit das Geldvermögen wie in den vergangenen gut 20 Jahren weiter steigt. Fazit: Trotz des extremen Niedrigzinsumfelds – oder gerade deswegen – ist konsequentes und „richtiges“ Sparen enorm wichtig. Für die Volkswirtschaft insgesamt, aber auch für einen selber. Dabei muss abgewogen werden zwischen Verfügbarkeit bzw. Sicherheit einerseits und Rendite andererseits: Will ich kurzfristige Verfügbarkeit und Sicherheit, muss ich auf Rendite verzichten. Dann kann der Sparbrief oder der Sparstrumpf die richtige Geldanlage sein. Will ich Vermögensaufbau betreiben und eine nennenswerte Rendite erwirtschaften, bedarf es in der Regel eines längeren Atems und mehr Toleranz für schwankende Kurse. In diesem Fall kommt man an den Wertpapieranlagen nicht vorbei. Damit ist es wie fast überall im Leben. Es ist weder nur das eine noch nur das andere richtig. Die individuelle Mischung macht’s!

Auch die Sparkasse unterstützt Sie bei Ihrer individuellen Vermögensanlage. Vereinbaren Sie einfach einen Termin mit Ihrem Private Banking-Berater.

Zitat

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Reich wird einer nicht durch das, was er verdient, sondern durch das, was er nicht ausgibt.

Henry Ford (1863 - 1947)

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