Verwahrentgelt: Vermögende

Lösungen für Vermögende zum Thema Verwahrentgelt

Autor Thomas Grimm, Deka Private Banking
zuletzt aktualisiert am 30. April 2021
Lesezeit 4 Minuten

Eine zunehmende Anzahl von Banken und Sparkassen berechnen für die von Privatpersonen gehaltene Kontenliquidität ab einer bestimmten Höhe ein Verwahrentgelt. Für Vermögende, die diese Kosten vermeiden möchten, gibt es jedoch attraktive Alternativen.

Interessant für Sie, wenn...

  • Sie als Vermögender Verwahrentgelt auf Ihr Tagesgeld, Girokonten etc. zahlen müssen
  • Sie für Ihre Kontenliquidität Verwahrentgelt vermeiden wollen und vielleicht sogar eine Rendite erzielen möchten
  • Sie nach Anregungen suchen, welche Strategien zur Vermeidung von Verwahrentgelt sinnvoll sind

Verwahrentgelt – die Gründe

Während wirtschaftlicher Unsicherheiten nach der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 begannen private Haushalte und Unternehmen frei verfügbare Liquidität anstatt für Konsum, Investitionen oder Geldanlage zum Auf- und Ausbau jederzeit verfügbarer Guthaben auf Konten zu nutzen.

Banken und Sparkassen können zwar einen Teil dieser Guthaben zum Beispiel für die Vergabe von Krediten nutzen. Durch Grenzen für Bonitäts-, Liquiditäts- und Zinsänderungsrisiken sind die Möglichkeiten einer solchen „Fristentransformation“ allerdings begrenzt. Daher wird ein Großteil der Kundenguthaben bei Banken und Sparkassen auf Konten bei der Europäischen Zentralbank (EZB) geparkt. Darauf reagierte die EZB, um ihrem Auftrag zur Wahrung von Preisniveaustabilität und einer ausgeglichenen konjunkturellen Entwicklung gerecht zu werden, schon früh mit der Senkung der Leitzinsen.

Bereits 2014 senkte sie den Einlagenzins erstmals soweit, dass Negativzinsen anfielen. Im September 2019 wurde der Einlagenzins schließlich von -0,4% auf -0,5% gesenkt. Damit entstanden Banken und Sparkassen Mehrkosten für das kurzfristige Parken von Guthaben. Allein in den Jahren 2018 und 2019 mussten sie jeweils rund 2,4 Milliarden Euro Negativzinsen an die EZB.

Das sind Mehrkosten für Banken und Sparkassen, auf die sie keinen unmittelbaren Einfluss ausüben können. Eine Verhandlung mit der EZB über die Höhe des Einlagenzinses ist nicht möglich. Und die Produkte, z.B. Giro- und Geschäftskonten, aus dem Angebot zu nehmen, würde die Funktionsfähigkeit des Zahlungsverkehrs gefährden. Daher stellen viele Kreditinstitute Ihren Kunden ein Verwahrentgelt in Rechnung.

In Zukunft dürften diese Mehrkosten, und damit auch das Verwahrentgelt, zwar wieder schrumpfen. Wie der Blick nach Japan zeigt, kann sich diese Entwicklung allerdings über viele Jahre ziehen. Für laufende Überschüsse und kurzfristig verfügbare Guthaben sollte daher eine Strategie ins Auge gefasst werden, die Verwahrentgelt zu vermeiden und zu kompensieren hilft. Vielleicht lassen sich damit sogar darüber hinaus individuelle Ertragsziele erreichen.

Verwahrentgelt - Vermeidungsstrategien

Es liegt für Vermögende mit höheren Liquiditätspolstern nahe, einfach auf ein anderes Finanzinstitut auszuweichen, indem Kontoguthaben auf mehrere Banken oder Sparkassen verteilen werden. So könnten die Beträge unter den jeweils eingeräumten Freibeträgen bleiben.

Doch was einfach klingt, ist in der Praxis meist unpraktisch: Ein Bank-Wechsel ist aufwendig und erzeugt Extrakosten – und führt schnell zu unübersichtlichen Verhältnissen. Außerdem sollten weitere Aspekte berücksichtigt werden. Zum Beispiel:

  • In einer langjährig gewachsenen Geschäftsbeziehung ist oft Vertrauen gewachsen, das sich bei einer neuen Bankverbindung erst entwickeln muss.
  • Freibeträge und Verzinsungsregeln können sich im Zeitablauf jederzeit ändern. Dann wäre ein neuerlicher Wechsel notwendig.
  • Zum Teil gibt es Unterschiede bei der Einlagensicherung. Einige Privatbanken haben beispielsweise ihre Einlagensicherung für einige Anlegergruppen zurückgefahren.

Eine andere Idee könnte sein, kurzfristig verfügbares Guthaben in Richtung mittel- oder langfristige Kapitalanlage umzuschichten. Dieser Ansatz ist nicht falsch – und wo dies möglich ist, sollte tatsächlich entsprechend vorgegangen werden. Dabei sollten Vermögende aber ausreichend Liquiditätsreserven vorhalten, um durch ungeplante Ausgaben oder anderen Liquiditätsbedarf keine Schwierigkeiten zu bekommen.

Ohne eine bestimmte Höhe an Kontoguthaben geht es daher selten. In der Praxis zeigt sich aber, dass Vermögende vielfach mehr Kontoguthaben vorhalten als sie tatsächlich benötigen. Das geschieht meist aus Gewohnheit oder weil vermeintlich Alternativen fehlen.

Und genau hier sollte angesetzt werden. Denn das Ausweichen auf andere Banken und Sparkassen kann zwar kurzfristig oder teilweise helfen, dauerhaft lässt sich ein Verwahrentgelt aber nur durch eine individuelle Strategie vermeiden oder kompensieren. Kurzum: Es geht nicht um ein „entweder Kontoguthaben oder Kapitalanlage“, sondern um: „Kontoguthaben und Kapitalanlage“.

Verwahrentgelt - Kompensationsmöglichkeiten

Ansatzpunkte, Verwahrentgelt zu vermeiden oder zu kompensieren, liegen also nicht im vollständigen Verzicht, sondern einem ausbalancierten Verhältnis von Kontoguthaben inklusive (!) Verwahrentgelt und Erträgen sowie einer Wertentwicklung aus Kapitalanlagen.

Vermögende sollten sich also zuerst fragen: In welchem Umfang sollten Kontoguthaben im privaten Bereich kurzfristig verfügbar sein?

Eine pauschale Antwort auf diese Frage ist nicht möglich. Einerseits ist klar, dass eine individuelle Notfallliquidität und für geplante Anschaffungen oder Investitionen die entsprechende Zielliquidität vorgehalten werden sollte.

Andererseits sollten Kontoguthaben für geplante Ausgaben auf Sicht von mehr als drei Jahren, vor allem aber nicht verplante Guthaben für Anlagezwecke zur Verfügung stehen. Je konkreter Zeitpunkte geplanter Verfügungen bestimmt werden können, desto leichter ist es, über die Fristigkeit eine individuelle Staffelung von Fälligkeiten aufzubauen.

Neben der Fristigkeit, also dem Anlagehorizont, ist aber auch die Frage der individuellen Risikoeinstellung und des persönlichen Risikobudgets z.B. in Form akzeptierter Schwankungen oder Zwischenverlusten wichtig. Nur beides zusammen ermöglicht es in der Beratung, angemessene und geeignete Kapitalanlagen wie bspw. Anleihen, Anleihen mit Teilschutz oder Rentenfonds mit Fokus auf kurze Laufzeiten auszuwählen.

Über eine entsprechende ausbalancierte Kombination aus Kontoguthaben und Kapitalanlage gleichen sich im Idealfall das Verwahrentgelt und der Ertrag aus einer Kapitalanlage bzw. deren Wertentwicklung aus. Je höher das verfügbare Risikobudget, und damit das Ertrags- und Wertentwicklungspotential, desto höher kann der Anteil weiterhin kurzfristig verfügbarer Kontoguthaben sein.

Rechenbeispiel 1: Kompensation

Ermöglicht der persönliche Anlagehorizont und das individuelle Risikobudget z.B. eine Kapitalanlage mit einem Ertrags-/Wertentwicklungspotential von 1% p.a., könnten rund 2/3 der bestehenden Kontoguthaben beibehalten werden. Verwahrentgelt auf das Kontoguthaben und das Anlageergebnis würden sich vollständig kompensieren (Schaubild 1).

Individuelle Ertragsziele erreichen

Damit das liquide Vermögen nominell wächst, könnte ein individuelles Ertragsziel darin bestehen, über den Ausgleich von Verwahrentgelt hinaus ein Anlageergebnis von bspw. 0,50% p.a. anzustreben. Dieses Ziel kann mit Hilfe einer passgenauen Anlagestrategie erreicht werden.

Rechenbeispiel 2: Ertragsziel

Ermöglicht der persönliche Anlagehorizont und das individuelle Risikobudget z.B. eine strukturierte Kapitalanlage mit einem Ertrags-/Wertentwicklungspotential von 1,5% p.a., könnten rund 1/2 der bestehenden Kontoguthaben beibehalten werden. Über das Anlageergebnis könnte trotz Verwahrentgelt auf die Kontoguthaben das individuelle Ertragsziel erreicht werden (Schaubild 2).

Anstelle eines nominellen Wachstums wird im privaten Bereich häufig der Erhalt des Vermögens als Ziel formuliert. Damit gemeint ist i.d.R. realer Erhalt, also der Ausgleich von langfristigem Kaufkraftverlust durch Inflation.

Nimmt man als Maßstab hierfür z.B. das 2%ige Stabilitätsziel der EZB, müsste vor Steuern (Abgeltungsteuer sowie Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer) eine Wertentwicklung von annähernd 3% p.a. erreicht werden.

Trotz Niedrigzinsumfeld sind auch solche Anlageergebnisse mit Hilfe einer individuellen Strategie langfristig erreichbar. Wesentlich für deren Erfolg sind ein mittel- bis langfristiger Anlagehorizont und das individuelle Risikobudget z.B. in Form akzeptierter Schwankungen oder Zwischenverlusten in diesem zeitlichen Kontext.

Hierüber kann es gelingen, unterschiedliche Ertragsquellen wie z.B. Anlagen in Renten, Immobilien sowie Aktien zu kombinieren und am Potential unterschiedlicher Rentensegmente sowie der Aktienmärkte weltweit zu partizipieren. Letzteres ist vor allem deswegen von Bedeutung, da individuelle Ertragsziele ohne Anlagen in Aktien im aktuellen Kapitalmarktumfeld nicht erreichbar sein dürften.

Für eine erste Orientierung zur Aktienquote könnte die Faustformel „100 minus Lebensalter“ genutzt werden. Sie berücksichtigt zwar keine Faktoren wie Erfahrung, Risikotoleranz und Verlusttragfähigkeit oder individuelle Restriktionen, liefert aber einen ersten Risikoindikator als Startpunkt für eine persönliche Beratung.

Noch mehr als bei Strategien zur Kompensation von Verwahrentgelt, kommt es für die Erzielung individueller Ertragsziele auf ein abgestimmtes Zusammenspiel aus Fristigkeit, also dem Anlagehorizont, und der individuellen Risikoeinstellung bzw. dem persönlichen Risikobudget z.B. in Form akzeptierter Schwankungen oder Zwischenverlusten, an. Beides zusammen ermöglicht individuelle Strukturierungsansätze, die dann im Rahmen einer Anlagestrategie z.B. mit Hilfe von Multi-Asset-Fondskonzepten, Immobilien-, Renten- und Aktienfonds, Zertifikaten mit und ohne Kapitalschutz und individuellen Kombinationen daraus oder einer individuellen Vermögensverwaltung auf Basis von Einzeltiteln umgesetzt werden kann.

Fazit: Damit Vermögenden Verwahrentgelt kompensieren oder individuelle Ertragsziele erreichen können, sollten sie ihren realistischen Ist-Bedarf an kurzfristig verfügbaren Kontoguthaben ermitteln. Außerdem sollten sie Transparenz über die möglichen Anlagehorizonte herstellen und Risikobudgets analysieren. Hierbei unterstützen gern die Private Banking-Beraterinnen und Berater der Sparkasse vor Ort.

Die Sparkasse unterstützt Sie bei Ihren Fragen rund um die Vermeidung von Verwahrentgelt sowie der Anlage und Strukturierung von Vermögen. Wir beraten Sie, wie Sie für Ihre Zielsetzung die optimale Lösung finden, die zu Ihren individuellen Vorstellungen und Wünschen passen. Wir finden die passenden Anlagemöglichkeiten für Ihr Vermögen – ob für einen kurz-, mittel- oder langfristigen Anlagehorizont. Vereinbaren Sie einfach einen Termin mit Ihrem Private Banking-Berater.

Bei den Inhalten handelt es sich um marketingrechtliche Informationen und nicht um eine Anlageberatung.

Rechtliche Hinweise
Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Deka Investmentfonds sind die jeweiligen Wesentlichen Anlegerinformationen, die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jeweiligen Berichte, die Sie in deutscher Sprache bei Ihrer Sparkasse oder der DekaBank Deutsche Girozentrale, 60625 Frankfurt und unter www.deka.de erhalten. Diese Information kann ein Beratungsgespräch nicht ersetzen.
Aussagen gemäß aktueller Rechtslage, Stand: April 2021.
Die steuerliche Behandlung der Erträge hängt von den persönlichen Verhältnissen des jeweiligen Kunden ab und kann künftig auch rückwirkenden Änderungen (z.B. durch Gesetzesänderung oder geänderte Auslegung durch die Finanzverwaltung) unterworfen sein.

Zitat

Kontenguthaben, die nicht benötigt werden, können sinnvoll angelegt werden. Damit kann mögliches Verwahrentgelt ausgeglichen, vielleicht sogar vermieden oder sogar noch eine positive Rendite erzielt werden.

Thomas Grimm

Leiter Anlagestrategien und Analysen bei Deka Private Banking

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