Creditreform befürchtet Insolvenzwelle in Deutschland

Im ersten Halbjahr aber überraschender Rückgang der Firmenpleiten

Die Nachricht verblüfft: Trotz des massiven Konjunktureinbruchs im Zuge der Corona-Pandemie ist die Zahl der Insolvenzen bislang nicht gestiegen. Die Unternehmensinsolvenzen in Deutschland seien rückläufig, meldet jetzt die Wirtschaftsauskunftdatei Creditreform. Demnach verringerte sich die Zahl der Firmenpleiten hierzulande im ersten Halbjahr um 8,2 Prozent auf 8900 Fälle. Das Insolvenzgeschehen hat sich damit von der tatsächlichen wirtschaftlichen Situation der Unternehmen abgekoppelt. Die Prognosen für die weitere Entwicklung sind dafür umso dramatischer: Deutschland drohe eine Insolvenzwelle von bisher nicht gekanntem Ausmaß, falls sich die Wirtschaft nicht rasch von dem durch die Corona-Pandemie ausgelösten Konjunktureinbruch erholt.
  • Die Insolvenzwelle sei nur vertagt worden, heißt in der Creditreform-Analyse. Ursächlich dafür dürften vor allem die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen in der aktuellen Krise sein. Die von der KfW bereitgestellten Kreditmittel sowie die Zuschüsse für Selbstständige und kleine Gewerbetreibende sollten einen akuten Anstieg der Pleiten, insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen, verhindern und die Insolvenzzahlen stabil halten.
  • Ein weiterer wichtiger Grund sei die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis Ende September gewesen. Die Maßnahmen seien offenbar in ihrer Wirkung über das Ziel hinausgeschossen und hätten auch einigen Unternehmen den Gang zum Insolvenzgericht erspart, die schon vor der Krise pleitegefährdet gewesen seien, kritisiert Creditreform.
  • Die Schäden durch die knapp 9000 Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr bezifferte Creditreform auf rund 12 Milliarden Euro. Bei den betroffenen Unternehmen und deren Umfeld seien rund 125.000 Arbeitsplätze bedroht oder bereits weggefallen. Bestätigt hat sich der Trend der vergangenen Jahre, wonach viele Insolvenzkandidaten ältere, schon etablierte Unternehmen sind. Immerhin knapp die Hälfte der Insolvenzen im ersten Halbjahr entfiel auf Firmen, die älter als zehn Jahre waren.
  • Mit dem Auslaufen der bis September 2020 befristeten Aussetzung der Insolvenzantragspflicht dürfte sich die Zahl der Verfahren erheblich erhöhen. Nach Meinung vieler Fachleute könne es einen Anstieg der Firmenpleiten um bis zu 20 Prozent geben. Eine solche Insolvenzwelle wäre nur dann abzuwenden, wenn es den betroffenen Unternehmen gelänge, bis zu diesem Zeitpunkt die Krisenfolgen zu überwinden und sich wieder zu stabilisieren.

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