Der politische Handlungsbedarf bleibt groß, aber auch kontrovers: Für viele KMU ermöglichen die großen Digitalplattformen wie Amazon, Google und Co. einen effizienten Marktzugang. Maßnahmen zum Schutz kleinerer Unternehmen könnten allerdings dazu führen, dass deren Marktzugang unnötig erschwert wird.

Aktuell werden auf EU-Ebene sogenannte Digitalgesetze diskutiert, die die Macht der großen Tech-Konzerne in Europa eindämmen sollen. Insbesondere geht es um die US-Konzerne Amazon, Google, Apple und Facebook sowie die chinesische Plattform Alibaba. Je nach Digitalisierungsgrad können diese Gesetze für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) ganz unterschiedliche Konsequenzen haben. Während KMUs mit gut entwickelten eigenen digitalen Tools ihre Abhängigkeit von den Tech-Riesen verringern konnten, bleiben digital ‚unterentwickelte‘ KMUs anfälliger und abhängiger.
  • Wie der Wirtschaftsinformationsdienst springerprofessional.de berichtet, will die EU mit dem Digital Services Act (DSA)und dem Digital Markets Act (DMA) Europa besser für das Digitalzeitalter und den digitalen Wettbewerb aufstellen. Dabei geht es zum einen darum, die Rechte der Verbraucher im Netz zu schützen, für bessere Online-Angebote zu sorgen und die großen Digitalkonzerne zu mehr Transparenz und Rechenschaft zu verpflichten. Zum anderen sollen Innovation, Wachstum und Wettbewerb im EU-Binnenmarkt gefördert werden – gerade auch im Sinne kleinerer Plattformen, KMUs und Start-ups. Außerdem sollen faire und offene digitale Märke sichergestellt und insbesondere die Rechte von kleinen Händlern gegenüber den großen Internetplattformen, den sogenannten Gatekeepern, gestärkt werden.
  • Dem Bericht zufolge nutzen weltweit Millionen kleiner und mittlerer Unternehmen die vorhandenen Angebote der großen Tech-Konzerne. Häufig fehlt es den KMU jedoch an Know-how, Personal und/oder Geld, um eigene Lösungen zu entwickeln. Hinzu kommt, dass größere Systemhäuser, die Unternehmen bei der Digitalisierung unterstützen, aus Rentabilitätsgründen mitunter ein nur geringes Interesse zeigen, sich auf die Besonderheiten von einzelnen KMUs einzulassen.
  • Politisch betrachtet ist mit dem Thema eine Gratwanderung verbunden. Für viele KMU bieten die großen Digitalplattformen einen effizienten Marktzugang als Dienstleistung an. Eine Beschränkung der Plattformunternehmen zum Schutz kleinerer Unternehmen könnte indes dazu führen, dass deren Marktzugang unnötig erschwert wird.
  • Der Bericht verweist auf eine Befragung unter mehr als 5.000 Führungskräften europäischer KMU (650 in Deutschland) im Winter 2020. Diese habe einen klaren Zusammenhang gezeigt zwischen der frühen und engagierten Einführung digitaler Tools und mehr Kunden, besseren Umsätzen und mehr Neueinstellungen in der Pandemie. Laut der Analyse zählen in Deutschland 43 Prozent der Befragten zu den digital fortgeschrittenen KMU (Europa: 42 Prozent), und 20 Prozent zu den digital unsicheren KMU (Europa: 18 Prozent). Politische Entscheidungsträger müssten sich dementsprechend für Zuschüsse, Darlehen, öffentlich-private Partnerschaften oder andere Programme zur Unterstützung gerade der digital weniger versierten KMU einsetzen. Darüber hinaus gelte es, einen umfassenden Zugang zu kostenlosen und plattformunabhängigen Schulungen für Führungskräfte und Mitarbeitende von KMU zu fördern, um ihre digitale Fitness voranzutreiben.

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