EU und Indien wollen riesige Freihandelszone schaffen

Deutsche Wirtschaft wäre größter Nutznießer

Es könnte eine der größten Freihandelszonen der Welt werden: Die Europäische Union (EU) und Indien haben jetzt die Verhandlungen über ein Handelsabkommen wieder aufgenommen. Einer gemeinsamen Erklärung zufolge sollen verbesserte Handels- und Investitionsbeziehungen auch zur Erholung von den Folgen der Corona-Pandemie beitragen. In absoluten Zahlen ist Indien hinter den USA am stärksten von der Pandemie betroffen.
  • Indien ist mit mehr als 1,3 Milliarden Einwohnern nach China das zweitbevölkerungsreichste Land der Welt. Für die EU war Indien jedoch zuletzt nur der zehntgrößte Handelspartner. Bereits 2007 hatten beide Seiten über ein breit angelegtes Handels- und Investitionsabkommen mit weniger Zöllen und mehr Marktzugang verhandelt. Die Gespräche wurden jedoch 2013 wegen diverser Unstimmigkeiten abgebrochen.
  • Als größter Freihandelspakt der Welt gilt derzeit die 2020 geschlossene Vereinbarung zwischen China und 14 anderen asiatisch-pazifischen Staaten namens RCEP. Der Pakt umfasst 2,2 Milliarden Menschen und rund ein Drittel der weltweiten Wirtschaftsleistung. Indien und die EU würden zusammen auf immerhin etwa 1,8 Milliarden Menschen und mehr als ein Fünftel der weltweiten Wirtschaftsleistung kommen.
  • Studien zufolge würde insbesondere die deutsche Wirtschaft von einem Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien profitieren. Große Gewinner dürften Hersteller von Kraftfahrzeugen sowie von Maschinen und Ausrüstung sein, die ihre Wertschöpfung um je mehr als 1,5 Milliarden US-Dollar im Jahr steigern könnten. Als Verlierer werden hingegen Dienstleister sowie die Textil- und Bekleidungsindustrie mit einem erwarteten Minus von jeweils mehreren Hundert Millionen Dollar im Jahr gesehen.
  • Die größten Unstimmigkeiten könnte es um die Automobil- und die Pharmabranche geben. Für die Einfuhr von fertig montierten Pkw nach Indien müssen Hersteller bislang je nach Größe des Fahrzeugs einen Aufschlag von 60 bis 100 Prozent des Neupreises zahlen. Die EU möchte diese Hürden auf lange Sicht gern abschaffen. Und weil die Pharmaindustrie eine der exportstärksten Branchen Indiens ist, könnte es zudem Streit um die Lizenzen für Generika geben.

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