Externe Unternehmensübergabe

Warum Unternehmensinhaber die Weichen frühzeitig stellen sollten

Autor Deka Private Banking
zuletzt aktualisiert am 17. Mai 2021
Lesezeit 6 Minuten

Ob Pensionszusagen, vorzeitige Ablösungen von Darlehen oder familiäre Finanzplanung: Im Zuge der Übergabe eines Unternehmens an einen externen Nachfolger kann es einige Fallstricke geben, die Unternehmensinhaber mithilfe ihrer Sparkasse rechtzeitig aus dem Weg räumen können.

Interessant für Sie, wenn...

  • Sie die Unternehmensnachfolge extern regeln wollen oder müssen
  • Sie Ihr Unternehmen erfolgreich und möglich reibungslos übertragen wollen
  • Sie erfahren mehr über kritische Punkte bei der Unternehmensübergabe erfahren möchten

Kein Prozess von heute auf morgen

Jedes Jahr stehen in Deutschland 30.000 Unternehmensnachfolgen an. Die Planung und Umsetzung der Übergabe des eigens aufgebauten Betriebs an einen Nachfolger gehört zu den größten Herausforderungen im Leben eines Unternehmers. Gut die Hälfte der deutschen Familienunternehmen löst sie im eigenen Kreis. Eine andere Möglichkeit ist der Verkauf an Dritte oder an Mitarbeiter. In der Regel ist die Firmenübergabe eine enorme Stresssituation mit zahlreichen Unbekannten. Die kann umso größer sein, wenn sich auf einmal herausstellt, dass manche Probleme gar nicht zu solchen hätten werden müssen. Vor allem dann, wenn die Unternehmergeneration das Thema Übergabe zeitiger angegangen wäre und es früh absehbar ist, dass die Kinder andere berufliche Wege einschlagen möchten oder überhaupt kein Nachkomme vorhanden ist. Ganz natürlich ist im Grunde auch die Ansicht, dass man sich darum als Senior-Unternehmensinhaber immer noch kümmern könne, schließlich sei man ja noch gar nicht so alt.

Doch wird gerne vergessen, dass die externe wie auch die interne Unternehmensnachfolge ein Prozess ist, dessen erfolgreicher Abschluss fünf bis zehn Jahre in Anspruch nehmen kann. Nicht nur aus steuerlicher Sicht, denn ein wesentlicher Zeitfaktor sind steuerliche Fristen im Rahmen von vorweggenommenen Erbfolgen. Hierzu zählen „einfache“ Freibeträge bei Schenkungen, die alle zehn Jahre in Anspruch genommen werden können, in Verbindung mit einem Verschonungsabschlag. Dieser beträgt 85 Prozent, wenn die übertragenen Geschäftsanteile fünf Jahre gehalten werden sowie optional 100 Prozent bei einer Haltedauer von sieben Jahren. 

Ein weiterer sensibler Aspekt in Bezug auf das Thema Zeit sind im Rahmen von Firmenübergaben die Finanzierungen. Auch wenn eine Unternehmerfamilie sehr vermögend ist, bestehen häufig erhebliche Fremdfinanzierungen. Oft macht es auch gar keinen Sinn, alles mit Eigenkapital zu finanzieren.

Unnötige Kosten lassen sich vermeiden

Hier gilt es, die finanzierende Sparkasse so früh wie möglich ins Boot zu holen. Schon bei der Darlehensaufnahme kann genau austariert werden, dass z.B. im Alter von 65 Jahren das Unternehmen tendenziell verkauft werden soll. Die Bank kann beratend zur Seite stehen bei Überlegungen, ob das gesamte Vermögen im Unternehmen belassen wird oder z.B. nur das Privatvermögen übertragen wird – alles eine Frage der familiären Finanzplanung. Über den persönlichen Ansprechpartner in der Sparkasse lassen sich auch Brücken bauen zu möglichen Folgefinanzierungen. Denn der neue Unternehmenseigentümer muss im Zweifel den Erwerb auch mit Fremdkapital finanzieren, nur in seltenen Fällen wird ein Unternehmenskauf komplett aus Eigenkapital gestemmt. Hier gilt nach gesetzlicher Grundlage die Daumenregel, dass als Kaufpreis in der Regel das Jahresergebnis im 3-jährigen Mittel mit dem Multiplikator von 13,75 angesetzt wird. So lässt sich am besten überschlagen, wieviel ein Käufer für das Unternehmen aufwenden muss. Wenn also eine Firma im Jahr z.B. 20 Mio. Euro verdient, liegt der Kaufpreis – vereinfacht betrachtet – bei rund 280 Mio. Euro. Häufig wird im Besitz die private Seite zum Beispiel durch eine vorangegangene Finanzierung von Gesellschaftsanteilen tangiert. Spricht der Noch-Unternehmensinhaber rechtzeitig mit seiner Sparkasse, kann dieser Hand in Hand mit seinem Firmenkundenberater die Finanzierungsseite schon ein Stück weit mit vorbereiten. Denn vielleicht muss die bestehende Finanzierung gar nicht vorzeitig abgelöst werden, indem der neue Firmeninhaber in diese einfach einsteigt.

Gleiches gilt, wenn die Immobilien nicht in der Bilanz des Unternehmens aktiviert sind, sondern sich im Privatbesitz des Verkäufers befinden. Werden private Finanzierungen von zur Nutzung an den Betrieb überlassenen Immobilien vom Unternehmenskäufer übernommen, können finanzielle Belastungen durch Vorfälligkeitsentschädigungen vermieden werden. Sind die Immobilien und die entsprechenden Darlehen hingegen in der Bilanz des Unternehmens gebucht, werden bei einem „Share Deal“, also dem Verkauf der Gesellschaftsanteile, die Immobilien automatisch mitübertragen.

Zeit ist Geld, auch bei Pensionszusagen

Spätestens wenn absehbar ist, dass ein Unternehmen veräußert oder in die nächste Generation übertragen werden soll, empfiehlt es sich, das Thema der Ausfinanzierung von betrieblichen Versorgungszusagen anzugehen und je nach Situation korrigierende Entscheidungen zu treffen. Das betrifft zum einen die Versorgungszusage des Gesellschaftergeschäftsführers, vielleicht aber auch so genannte Betriebsrenten für Mitarbeiter. Im demographischen Verlauf entstehen hohe Zahlungsverpflichtungen für ein Unternehmen, die durch Ausfinanzierungskonzepte hinsichtlich ihrer Wirkung gemildert werden können. Ein Beispiel: Um eine Betriebsrente in Höhe von 1.000 Euro monatlich zahlen zu können und man laut Sterbetafel eine Rentenbezugszeit von ca. 18 Jahren unterstellt, werden im Zeitverlauf rund 200.000 bis 220.000 Euro benötigt, um die hieraus entstehenden Zahlungsverpflichtungen erfüllen zu können.

Zwar hat sich in Teilen die Liquiditätslage durch die Corona-Pandemie und der damit verbundene negative Einfluss auf die Geschäftsentwicklung je nach Branche unterschiedlich verändert. Dennoch verfügen die Unternehmen überwiegend über hohe Liquiditätspolster. Sofern es hinsichtlich der Unternehmensfinanzplanung darstellbar ist, sollten Teile der liquiden Mittel, die nicht betriebsbedingt notwendig sind, in Ausfinanzierungskonzepte für offene, also nicht ausfinanzierte Versorgungszusagen investiert werden. Bei einer Verkaufsabsicht stärkt dies die Verhandlungsposition für das Unternehmen. Durch ein schlüssiges Ausfinanzierungskonzept für die Versorgungszusagen kann ein Verkauf überhaupt erst möglich werden.

Schwierigkeiten können sich auch dann ergeben, wenn der beabsichtigte Verkaufszeitpunkt in näherer Reichweite liegt, das Unternehmen aber gerade keine nennenswerten Gewinne erwirtschaftet. Wenn dann gleichzeitig hohe Lasten in den Firmenbüchern stehen, z.B. in Form nicht-ausfinanzierter Pensionszusagen, bräuchte der Altinhaber zur Schließung dieser ‚Vorsorgelücke‘ mitunter neues Fremdkapital, das sich aber möglicherweise nicht auf die Schnelle bereitstellen lässt. Dies zeigt, dass das Ziel eines attraktiven Verkaufserlöses rasch in weite Ferne rücken kann, wenn in ‚satten‘ Jahren wertvolle Zeit verstreicht, in der keine oder nur wenige entsprechende Rücklagen gebildet werden. Gegebenenfalls kann dies am Ende eine Firma sogar in die Insolvenz führen.

Für die meisten Unternehmer steht die Klärung, Planung und Organisation der eigenen Nachfolge nur einmal im Leben an. Ohne Zweifel gehört die rechtzeitige und erfolgreiche Planung zu den größten Herausforderungen. Die demografische Entwicklung sorgt dafür, dass sich diese Situation weiter zuspitzen wird und zunehmend externe Käufer mittelständische Betriebe im Zuge von Generationswechseln übernehmen werden. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden und grobe Fehler zu vermeiden, ist es empfehlenswert, für diesen Prozess auf eine gezielte Expertise zurückzugreifen.

Darüber hinaus sind Senior-Unternehmensinhaber gut beraten, Informationen über die geplante Firmenübergabe auch vertrauensvoll an ihre Firmenkundenberater in den Sparkassen weiterzugeben. Und zwar schon im Rahmen der Grundüberlegungen und nicht erst, wenn die Übergabe ‚spruchreif‘ ist. So können offene betriebliche Finanzierungen möglichst schadensfrei geregelt werden und/oder die Anlage des Verkaufserlöses rechtzeitig angegangen werden. Denn die Sparkassen können in ihrer Rolle aktiv darauf hinarbeiten, Unternehmen für einen Verkauf ‚attraktiv‘ zu machen bzw. ‚attraktiv‘ zu halten.

Die Firmenkundenberater der Sparkassen können bei Bedarf das Finanzmanagement von Deka Private Banking zur Unterstützung hinzuziehen. Gemeinsam wird die Situation des Kunden analysiert und sich ein Bild von seinen Zielen verschafft. Durch die Experten des Finanzmanagements und je nach Bedarf durch die Einbeziehung weiterer Netzwerkpartner von Deka Private Banking (M&A-Spezialisten, Steuerberater, Juristen) erhalten Unternehmensinhaber eine vollumfängliche und professionelle Unterstützung bei der Übergabe ihres Lebenswerks. Vor Ort in ihrer Sparkasse.

Die Sparkasse unterstützt Sie bei allen Fragen rund ums Thema externe Unternehmensnachfolge. Vereinbaren Sie einfach einen Termin mit Ihrer Private Banking-Beraterin oder Ihrem Private Banking-Berater.

Round Table

"So früh wie möglich"

Die Übergabe des eigenen Unternehmens an einen externen Nachfolger bzw. eine externe Nachfolgerin ist mit verschiedensten unternehmerischen und privaten Themen bzw. Fragestellungen verbunden. Einblicke und Lösungsansätze liefert ein Experten-Round-Table, moderiert von Torsten Leidig, M.A., Leiter PB/FK Finanzmanagement bei Deka Private Banking.

Teilnehmer:

  • Michel Kosman, Leiter Wertpapierexperten im Private Banking der Berliner Sparkasse
  • Matthias Kramm, Leiter Firmenkunden Regional bei der Berliner Sparkasse
  • Martina Müller, Finanzierungsexpertin bei der Berliner Sparkasse
  • Sven Petersen, Relationshipmanager Private Banking bei der Berliner Sparkasse
  • Gunter Freiherr von Leoprechting, Inhaber LEO-IMPACT CONSULTING GmbH
Torsten Leidig: Wie früh sollte man am besten den Kontakt zu den Ansprechpartnern in der Sparkasse und ihren Netzwerkpartnern suchen, wenn man als Unternehmer seinen Betrieb im Rahmen der Nachfolgeplanung übergeben bzw. veräußern möchte?
Matthias Kramm: Die Devise sollte lauten: So früh wie möglich. Grundsätzlich heißt dies bei einer normal geplanten Unternehmensübergabe, bei der der Inhaber seinen wohlverdienten Ruhestand anvisiert, dass er seinen Sparkassenbetreuer in etwa ab dem 55. Lebensjahr in die strategische Planung einbezieht. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen sich jüngere Unternehmer mit einem Verkauf beschäftigen. Das ist insbesondere in der Startup-Szene ein relevantes Thema. Und es gibt die Notfallübergabe, also den Fall, dass der Unternehmensinhaber frühzeitig verstirbt oder aus gesundheitlichen beziehungsweise anderen privaten Gründen gezwungen ist, seinen Betrieb kurzfristig zu verkaufen.
Sven Petersen: Aus unserer Erfahrung sollten mindestens fünf Jahre vor dem geplanten Exit zur Verfügung stehen, um unternehmerische Entscheidungen mit der notwendigen Sorgfalt herbeizuführen. Für Notfallnachfolgen sind zusätzlich spezielle Vorkehrungen zur Schadensbegrenzung und Vermögenssicherung nötig. Nicht alles läuft geplant im Leben.

Torsten Leidig: In diesem Zusammenhang kommt manchmal ein anderer Aspekt zum Tragen, und zwar minderjährige Kinder, die zum Beispiel aus einem Todesfall heraus eine Firma erben. Wie verhält es sich damit?

Gunter von Leoprechting: Da eine Nachfolge in der Familie dann eher nicht in Frage kommt, läuft alles auf einen externen Unternehmensverkauf hinaus. Wenn wir die eben genannten Notfallnachfolgen mit manchmal nur vier Wochen für einen Verkauf außen vor lassen, dann liegt die Vorbereitungszeit in der Praxis meist in einer Bandbreite zwischen vier Monaten und drei Jahren ab Mandatierung, bis die Transaktion abgeschlossen ist. Idealerweise steht aber mehr Zeit zur Verfügung, um die notwendigen Schritte zu planen und vorzubereiten. Oftmals ist es auch nötig und sinnvoll, frühzeitig mit strategischen und operativen Maßnahmen gegenzusteuern, um zum Beispiel das Betriebsergebnis mit Blick auf den Verkauf noch zu steigern, Stichwort Optimierung der Verkaufsbedingungen. Schließlich soll die eigene Firma attraktiv und spannend sein, übernommen zu werden. Wir hatten mal einen Fall: Tolle Technologie, rund zehn Millionen Euro Umsatz; wir konnten helfen, das EBITDA von vier Prozent auf knapp zehn Prozent zu steigern – 18 Monate später konnte das Unternehmen für mehr als zehn Millionen Euro statt nur für vier oder maximal fünf Millionen Euro verkauft werden.

Torsten Leidig: Warum sollte auch unter Anlagegesichtspunkten möglichst frühzeitig mit den Planungen begonnen werden?

Matthias Kramm: Hier muss zwischen der betrieblichen und privaten Seite unterschieden werden. Aus Unternehmenssicht gilt es die Rentabilität zu maximieren, um für den Verkauf möglichst attraktiv dazustehen. Gleichzeitig muss der Verkäufer schauen, wie seine private Altersvorsorge zukünftig geregelt sein wird. Auch hier gilt: So früh wie möglich anfangen zu planen zahlt sich aus. Auch von unserer Seite können wir aus der Sparkasse heraus hier frühe Impulse setzen, da wir regelmäßig Jahresabschlüsse einsehen und somit Erfahrung vorweisen können. Erheblichen Einfluss auf den Unternehmenskaufpreis kann das Thema Pensionsrückstellungen nehmen. Sie sind ein zentraler Punkt, nicht nur mit Blick auf betriebliche Rentenansprüche des ausscheidenden Firmenchefs, sondern auch der Mitarbeiter.

Torsten Leidig: Wenn man als Unternehmer mit einer vernünftigen Anlagestruktur ein stabiles Finanzbild seiner Firma geschaffen hat und von der Passivseite der Bilanz kommend auf die Aktiva schaut, kann sich in der Tat eine Rückstellungsproblematik aufzeigen. Falls für eingegangene Pensionsverpflichtungen noch kein entsprechendes Vermögen gebildet wurde und ein Verkaufsprozess bevorsteht: Sollte die Sparkasse dem Kunden dazu raten, diese Problemstellung – falls es das Unternehmen zulässt – zu glätten?

Michel Kosman: Absolut. Dabei gilt es zwischen zwei Fällen zu unterscheiden. Zum einen gibt es Unternehmer, die sich noch überhaupt keine Gedanken zum Thema Pensionsrückstellungen und deren Ausfinanzierung gemacht haben. Zum anderen gibt es Firmenchefs, die sich zwar damit beschäftigt haben, aber zu Zeiten anderer Rahmenbedingungen. Denn im Laufe der Zeit ändern sich die Grundlagen für die Verpflichtungen in Bezug auf lebenslange Betriebsrenten, wie zum Beispiel die Sterbetafeln. Zuerst muss also analysiert werden, ob sich überhaupt mit dem Thema auseinandergesetzt wurde, und wenn ja, gilt es zu überprüfen, ob man sich als Unternehmer diesbezüglich richtig aufgestellt hat und eventuell an die Langlebethematik anpassen muss. Für den Unternehmer heißt dies, für sich frühzeitig ausreichend vorzusorgen in einem Umfeld fehlender bzw. sogar negativer Zinsen – Stichwort ‚Sicherung des Lebensstandards in der Nachunternehmerphase‘.  

Torsten Leidig: Können nicht ausfinanzierte Pensionsverpflichtungen unter Umständen zum ‚Showstopper‘ werden? Wie oft scheitert in der Praxis ein Unternehmensverkauf an Baustellen auf der Passivseite der Bilanz?

Matthias Kramm: Wenn in der Bilanz keine Vermögenswerte für entsprechende Pensionsverpflichtungen vorhanden sind, und diese können sich auch für die Mitarbeiter erheblich aufsummieren, kann der Verkaufsprozess tatsächlich zum Problem werden.

Gunter von Leoprechting: Tückisch kann es vor allem dann werden, wenn nicht gedeckte Pensionsrückstellungen auf eine relativ geringe Ertragskraft des Unternehmens treffen. Das kann als Showstopper die Unternehmensübergabe komplett blockieren und sogar am Ende zur Insolvenz führen – daher prüfen wir stets gemeinsam mit den Sparkassen, ob und wie wir die Pensionslasten geeignet herauslösen können und die Risikosphären trennen können, dazu gibt es eine ganze Reihe von Instrumenten. Darüber hinaus sehen wir oft weitere passivseitige – eher operative – Bilanzthemen, die Einfluss haben auf die Unternehmensbewertung. Gemeinsam mit den Möglichkeiten der Sparkassen können wir dann Finanzierungsstrukturen vor einer Transaktion optimieren.

Martina Müller: Mit Blick auf die Finanzierungsseite ist vielen Unternehmenskäufern häufig tatsächlich nicht bewusst, wie viel Risiko auch für sie in nicht ausfinanzierten Pensionsrückstellungen des Übergabeunternehmens liegen kann. Nicht selten mündet dies in einer Finanzierungsablehnung. Oft wird dieses sensible Thema überhaupt erst durch die finanzierende Bank des Käufers angesprochen. Wenn der Käufer schon auf der Türschwelle steht, ist der Zeitpunkt für den Verkäufer, sich damit zu beschäftigen, aber häufig schon zu spät.

Torsten Leidig: Welche weiteren beratungssensiblen Themen im Rahmen einer externen Unternehmensübergabe lassen sich in Ihrem laufenden Kontakt mit Ihren Kunden feststellen?

Michel Kosman: Ganz klar liegt der Ball auch auf unserer Seite. Wir sehen regelmäßig die Bilanzen unserer Kunden und können diesbezüglich gezielt ‚wunde‘ Punkte ansprechen. ‚Aktiv auf den Kunden zugehen‘ lautet die Devise. Der Firmenkundenbetreuer kann Anlagethemen des Kunden gezielt an das Anlagemanagement im Haus weitergeben. Bei komplexen Themenstellungen, die nicht in der in den Sparkassen vor Ort nicht gelöst werden können, kommt die Deka Spiel. Hier werden gemeinsam Kundenlösungen, wie zum Beispiel die Auflegung von individuellen Spezialfonds, erarbeitet und beraten. Das Netzwerk der Sparkassenorganisation ist für den Kunden der Schlüssel für schnell verfügbare und und passgenaue Anlagekonzepte.

Sven Petersen: In den Gesprächen mit unseren Kunden stellen wir häufig einen eingeschränkten Blick auf das Thema Unternehmensverkauf fest. Oft geht es in erster Linie um die Frage: „Welchen Kaufpreis erziele ich damit? Ist mein Betrieb attraktiv genug, um möglichst viel zu erlösen?“ Ein weiterer Fokus liegt auf der Frage „Was kostet mich der Verkauf oder die Übergabe?“ mit Blick auf die Bereiche Schenkungs- beziehungsweise Einkommenssteuer. Unsere Aufgabe als Berater sollte es sein, solche verengten Blickwinkel beim Kunden zu erweitern. Sicherlich ist es wichtig, für das erreichte Lebenswerk einen angemessenen Preis zu erzielen. Vielfach sind aber weitergehende Aspekte ebenso relevant, wie die Zukunft der Mitarbeiter oder die Fortführung der bisherigen Unternehmenskultur. Zudem gilt es, die Kunden auf bestimmte Bilanzpositionen hinzuweisen. Dazu zählen beispielsweise Grundstücke und Gebäude, die eventuell die Kaufpreise aufblähen und damit einen Unternehmensverkauf erschweren können. Hier gilt es, den Kunden an die Hand zu nehmen und ihn frühzeitig beratend zu begleiten bei Fragestellungen wie zum Beispiel „Was muss ich vorbereiten – gegebenenfalls zur Verkürzung der Bilanz? Was will ich alles verkaufen und was nicht? Sollte ich unter Umständen Unternehmensteile vorher auslagern?“

Torsten Leidig: Oftmals gibt es den Fall, dass verkauft werden soll, sich aber die Grundstücke und Immobilien des Betriebs im Privatbesitz des Verkäufers befinden. Wie kommt hier zum Beispiel das Thema Unternehmensaufspaltung ins Spiel? Worauf gilt es zu achten?

Sven Petersen: Es ist der klassische Fall, dass in der Vergangenheit zum Zwecke der Ausgliederung der Immobilien eine Betriebsaufspaltung vorgenommen wurde, die allerdings auseinanderbricht, sobald das Betriebsunternehmen verkauft wird und die ausgelagerten Betriebsgrundstücke im privaten Besitz der Verkäufer verbleiben. Steuerlich führt dies zu einem fiktiven Verkauf des Grundstückes; für die bestehenden stillen Reserven im Grundstück wäre damit ebenfalls unmittelbar Einkommensteuer fällig. Alles inklusive der Betriebsimmobilien zu verkaufen ist nicht immer sinnvoll, vor allem, wenn der Käufer lediglich am Betriebsunternehmen interessiert ist.

Gunter von Leoprechting: Die Diskussion, ob Immobilien bei Firmenverkäufen gewünscht sind oder nicht, wird zunehmend intensiver. Auch vor dem Hintergrund, dass die Bewertungen von Gewerbeimmobilien stark angestiegen sind. Heute werden nicht selten bspw. bis zum 15-fachen der Nettokaltmiete als Kaufpreis für Gewerbeimmobilien veranschlagt, ein Unternehmen wird beispielsweise für fünf mal EBITDA bei Annahme „ohne Nettofinanzverbindlichkeiten“ bezahlt. Die Spreizung zwischen Unternehmensmultiplikator und Immobilienmultiplikator ist viel größer geworden als noch vor einigen Jahren. Somit ist es nicht mehr selbstverständlich, dass Betriebsgrundstücke bzw. -immobilien miterworben werden. Dann müssen je nach Rechtsform die steuerlichen Fragen, wie von Herrn Petersen benannt, bedacht werden. Wir hatten es auch schon einmal, dass wir extra den Betrieb aufgespalten hatten, um den Betrieb verkaufen zu können – also umgekehrt. Jeder Fall ist besonders und einzeln zu prüfen.

Martina Müller: Auch Käufer sollten sorgfältig abwägen, ob sie Immobilien miterwerben sollen oder nicht, da mit ihnen finanzierungsseitig ein hoher Kapitaldienst verbunden sein kann. Es gibt aber auch Fälle, in denen es durchaus Sinn macht, die Immobilien mitzukaufen. Oft ist damit aber eine zusätzliche Belastung verbunden, so dass sich mancher Käufer lieber auf das operative Geschäft konzentrieren und auf Ballast verzichten sollte, der nicht unbedingt betriebsnotwendig ist.

Torsten Leidig: Wenn ich die Aussagen der Teilnehmer unseres Round Tables abschließend zusammenfassen darf, ist erkennbar, dass der mittelständische Unternehmensverkäufer wie auch -käufer je nach individueller Ausgangslage und finanzierungsseitigem Transaktionsvolumen bei der Sparkasse seiner Wahl gut aufgehoben ist. Dabei wird nicht nur die Firmenseite beleuchtet, sondern auch Privatthemen, wenn es zum Beispiel um das zukünftige Privatvermögen des Veräußerers geht oder um emotionale, familieninterne Themen im Zuge der Firmenübergabe. So schließt sich der Kreis für den Kunden, indem unternehmerische wie auch private Themen im Verbund geordnet werden können. Gleichzeitig kann über externe Netzwerkpartner in einzelne operative und strategische Themen des Unternehmens noch tiefer eingestiegen werden.

Aussagen gemäß aktueller Rechtslage, Stand: 05/2021. Die steuerliche Behandlung hängt von den persönlichen Verhältnissen des jeweiligen Kunden ab und kann künftig auch rückwirkenden Änderungen (z.B. durch Gesetzesänderung oder geänderte Auslegung der Finanzverwaltung) unterworfen sein. Zu den Fragen der steuerlichen Situation in dem konkreten Fall sollte ein Steuerberater oder eine steuerfachkundige Person hinzugezogen werden.

Zitat

Mit der Expertise und den Möglichkeiten der Sparkassen-Organisation und ihren Netzwerkpartnern gelingt die externe Unternehmensübergabe für Verkäufer und Käufer gleichermaßen.

Martina Müller

Finanzierungsexpertin bei der Berliner Sparkasse

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